Die Bucht des blauen Feuers

Erschienen: Januar 2012

Bibliographische Angaben

  • Goldmann, 2012, Titel: 'Die Bucht des blauen Feuers', Originalausgabe

Couch-Wertung:

87
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Rita Dell'Agnese
Ein Stück Kolonial-Geschichte

Buch-Rezension von Rita Dell'Agnese Okt 2012

Kurzgefasst:

Berlin 1909: Als die junge Emma Thieme erfährt, dass ihre totgeglaubte Mutter in Südwestafrika lebt, macht sie sich auf die lange Reise. Begleitet wird sie von der Pianistin Dorothee von Hirschberg, die mehrere Konzerte in der Kolonie geben will. Auf dem Schiff lernen die beiden Frauen den charmanten Manfred von Paschen und den undurchschaubaren Ernst Keller kennen. Noch wissen Emma und Dorothee nicht, dass diese Männer ihr Leben verändern werden - und dass sie der Schlüssel zum Geheimnis um Emmas Mutter und einen verschwundenen Diamanten sind.

 

Bereits zum zweiten Mal entführt Micaela Jary ihre Leser auf den afrikanischen Kontinent. Dieses Mal heißt ihr Ziel Deutsch-Südwestafrika. Das 20. Jahrhundert ist erst wenige Jahre alt, als sich die junge Fotografin Emma Thieme von Berlin aus auf den Weg nach Süden macht. Sie will den Spuren ihrer verschollenen Mutter folgen. Das Schicksal hat Emma kurz zuvor mit der berühmten Pianistin Dorothee von Hirschberg zusammen geführt, die in Deutsch-Südwestafrika einige Konzerte geben wird. Auf dem Schiff lernen die beiden jungen Frauen den smarten Manfred von Paschen kennen. Beide fühlen sich auf unterschiedliche Art zu diesem wesentlich älteren, jedoch äußerst charmanten Mann hingezogen. Die noch junge Freundschaft zwischen den beiden Frauen wird so auf eine erste Probe gestellt. Als die Reisenden ihr Ziel, Lüderitzbucht, erreichen, entscheidet sich die Zukunft der beiden Frauen auf eine dramatische Art. Beide glaubten sich am Ziel ihrer Träume und müssen nun erkennen, dass nichts so ist, wie sie es erwartet hatten.

Interessante Charaktere

Mit Emma Thieme und Dorothee von Hirschberg hat die Autorin zwei an sich konträre Persönlichkeiten geschaffen. Während sich die Pianistin Dorothee als Künstlerin in einem behüteten Umfeld bewegt, muss sich Emma hingegen vollkommen neu orientieren und dabei fest auf die eigenen Beine stellen. Sie tut dies aber eindeutig als Kind ihrer Zeit - genau das macht eine der Stärken von Micaela Jary aus. Sie lässt die beiden Protagonistinnen in der Regel handeln wie junge Frauen zu Beginn des 20. Jahrhunderts wohl gehandelt hätten. Wer also die alles überragende Superheldin sucht, wird in diesem Buch nicht fündig. Wohl beginnen sowohl Emma als auch Dorothee sich sanft zu emanzipieren und bedauern auch schon mal, dass ihnen die Gesellschaft den einen oder anderen Weg wenn nicht gerade verwehrt, so doch recht schwer macht. Wunderbar sind die kleinen eingestreuten Nebensächlichkeiten, wie etwa Dorothees neuer Badeanzug, in dem sie sich alles andere als wohl fühlt. Für den modernen Leser beschreibt die Autorin, wie dieser Badeanzug beschaffen ist und lässt damit einen Hauch von Nostalgie aufkommen.

Weitgehend unbekanntes Terrain

Die Wahl von Deutsch-Südwestafrika als einer der Handlungsorte lässt die Leser auf ein weitgehend unbekanntes Terrain stoßen. Mit großer Erzählkraft lässt Micaela Jary die ehemals deutsche Kolonie im Süden von Afrika aus dem Nebel aufsteigen. Sie verpasst nicht nur der Kolonie und den sich anbahnenden politischen Veränderungen ein Gesicht, sie führt auch in den mit dem Ort stark verbundenen Diamantenhandel ein. Selbst jenen Fans von historischen Romanen, die um die Jahrhundert-Wende spielen, sind diese Themen kaum schon begegnet, oder zumindest höchst selten. Näheres ist auch zum Thema Fotografie zu erfahren. Das etwas naive Staunen, mit dem Emma an ihre Profession heran geht, lässt dem Leser genügend Raum, selber ins Staunen über die neuesten Errungenschaften zu geraten, obwohl sie in den Augen der heutigen Menschen längst schon veraltet sind und höchstens noch in Museen oder irgendwo vergessen auf einem Dachboden bestaunt werden können. Der Roman hält also durchaus Informatives und Wissenswertes bereit.

Gut umgesetzt

Alles in allem legt Micaela Jary mit Die Bucht des blauen Feuers einen stimmigen, sprachlich überzeugenden Roman vor. Fußnote und Zeittafel sind angenehme Ergänzungen, eine Landkarte wäre das Tüpfelchen auf dem i gewesen. Wer gerne in fremde Welten eintaucht, wird mit diesem Roman bestimmt etwas anzufangen wissen. Natürlich bedient Micaela Jary auch jene Leserinnen, für die eine Liebesgeschichte unabdingbar ist. Die Geschichte kann auf verschiedenen Ebenen punkten und lädt zu entspannenden wie auch spannenden Lesestunden ein.

Die Bucht des blauen Feuers

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