Im Blauturm

Erschienen: Januar 2012

Bibliographische Angaben

  • Conte, 1991, Titel: 'Brotahöfuð', Originalausgabe

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Carsten Jaehner
Ein unterhaltsames isländisches Meisterwerk

Buch-Rezension von Carsten Jaehner Okt 2012

Kurzgefasst:

Guðmundur Andresson war ein isländischer Gelehrter des 17. Jahrhunderts. Damals beherrschte Dänemark Island. Der einfachen Verhältnissen entstammende Dichter und Denker war respektlos und witzig. Er geriet mit dem bigotten Puritanismus der Besetzer in Konflikt und wurde daraufhin im Blauturm, dem gefürchteten Kopenhagener Gefängnis, als politischer Gefangener eingesperrt. Im Gefängnis sinniert Andresson über sein Leben und rechnet mit seinen Widersachern ab. Gegen alle Formen der Unterdrückung leistete er stets Widerstand. Die sexuelle Verlogenheit der Hochmoral war ihm besonders zuwider. Missliebige Schulkameraden, hochnäsige Kirchenobere und ein gewalttätiger, einäugiger Schneider wollten ihn klein halten. Auf jedem Abschnitt seines Lebens war Andresson durch Neid und Eifersucht gebremst worden und konnte so den Erfolg nie erreichen, den er verdient gehabt hätte. Doch seine Klugheit und Stärke, seine Gewitztheit und sein Geist ließen ihn die Beschwernisse bezwingen.

 

Im Jahr 1649 wird der isländische Dichter Guðmundur Andrésson in den Gefängnisturm von Kopenhagen gesteckt, den berühmten Blauturm. Mit einer Schrift "Discursus oppositivus" gegen das große Edikt von 1654, das hohe Strafen für ehe Treue und uneheliche Schwangerschaften verhängt, hat er sich diese neue Unterkunft hart erarbeitet, zudem wurden einige seiner Passagen verfälscht. Hier im Blauturm hat er nun Zeit, seine Geschichte Revue passieren zu lassen.

Guðmundur erzählt seine Geschichte. Als mittelloser, aber doch kluger Junge war ihm eigentlich eine Karriere außer seinem Stand vorenthalten, doch er schaffte es, zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort zu sein und eine geistliche Ausbildung zu erhalten. Natürlich machte er sich dort direkt Feinde, vor allem in den Söhnen der höhergestellten Persönlichkeiten des Landes, die eigentlich für eine geistliche Karriere völlig ungeeignet sind.

Immerhin schafft Guðmundur die Diakonsweihe und will vielleicht sogar noch höher hinaus und sich um einer Pastorenstelle bewerben und somit auch finanziell abgesichert in den Stand der Ehe treten. Doch seine Gegner tun ihr übriges, vor allem hat er den Bischof gegen sich, dessen Sohn mit Guðmundur recht erfolglos studiert hat, wofür er Guðmundur mit verantwortlich macht. Guðmundurs Abstieg beginnt, und als er sich schriftlich gegen die neuen Gesetz wehrt, gibt er diesen Brief einem Freund, der ihn abschreibt und zwei Originalseiten behält. Doch leider werden die anderen Seiten abgeändert, und Guðmundur wird verhaftet. Auf dem Thing soll das Urteil gegen ihn gesprochen werden, und das scheint nicht gnädig zu werden...

Ein Leben aus der Zelle erzählt

Seit geraumer Zeit schwappen gelegentlich hervorragende historische Romane aus Island über das kalte Meer, und Im Blauturm von Thórarinn Eldjárn bildet da glücklicherweise keine Ausnahme. Der Ich-Erzähler Guðmundur Andrésson, tatsächlich eine historische Figur, erzählt seine Geschichte, wie es dazu kam, dass er in den berüchtigten Kopenhagener Gefängnisturm gesperrt wurde.

Guðmundur wird 1614 in ärmlichen Verhältnissen auf Island geboren, und von Anfang versteht es der Autor, Guðmundurs Situation und Lebensverhältnisse anschaulich und lebendig zu erzählen. Das Leben auf einem Hof auf dem Land, die Fürsprache seines Mentors Arngrimur Jónsson, der ihn zur Klosterschule weiterempfiehlt, obwohl er es sich eigentlich gar nicht leisten kann. Doch Guðmundur erweist sich schnell als gelehriger und kluger Schüler, der auch bald die anderen überholt und somit eher auf die höhere Schule kommt. Doch sein Mundwerk und sein Hang zu Spottgedichten bringen ihn das eine ums andere Mal in Schwierigkeiten, und so macht er sich ausgerechnet Bischof Thorlákur Skúlason und dessen minderbemittelten Sohn zum Feind, womit klar sein dürfte, dass seine Karriere im Dienst der Kirche nicht weit gedeihen wird.

Eine vielversprechende Karriere wird zerstört

Zwar wird Guðmundur noch zum Diakon geweiht und er darf auch für den Pfarrer, der oft verreist ist, die Gottesdienste halten, doch als dieser sich zurückzieht, da auch er durch das Zeugen eines Bastards fehlgeleitet wurde, macht sich Guðmundur Hoffnung auf die Nachfolge. Er selbst bezeichnet es im Nachhinein als Fehler, selber in dieser Sache tätig geworden zu sein, da ihm dies die direkte Abfuhr des Bischofs, und schlimmer noch, direkt des Verweis aus dem Diakonamt, auch aufgrund seiner verbalen Entgleisungen, einbringt.

Thórarinn Eldjárn erzählt all dies recht schnörkellos und dennoch intensiv und unterhaltsam, so dass der Leser immer an das Geschehen gefesselt wird. Die einfache Sprache macht es dem Leser stets leicht, der Handlung und Guðmundurs Gedanken und Taten zu folgen, und so ist man auch immer auf seiner Seite. Ohne den Zeigefinger zu heben, werden nebenher die politischen und kirchlichen Verhältnisse der damaligen Zeit auf Island dargestellt, gipfelnd in dem jährlich abgehaltenen Thing, bei dem Guðmundur auf seine Verurteilung wartet. Freund und Feind treffen hier aufeinander, und wichtige Dinge werden geklärt, und im schlimmsten Fall wird Guðmundur seinen Kopf verlieren.

Hervorragende Erzählung

Dass dies nicht der Fall sein wird, erkennt man allein daran, dass er seine Geschichte selbst erzählt, wobei man sich bei isländischer Literatur allerdings nie sicher sein kann, die Handlung nicht doch von einem Toten erzählt zu bekommen. Doch ist dies nicht der Fall, und so gerät die Erzählung zu einer Erzählung über das Denken der Zeit, Aberglauben und Inquisition, altem Glauben und Christentum, heute aktueller denn je und von daher trotz seiner Länge von nur 245 Seiten ein gelungenes Sittengemälde der Mitte des 17. Jahrhunderts auf Island.

Schließlich wird Guðmundur freigelassen werden - wie einst Galilei muss er widerrufen -, und dafür wird er für immer von Island verbannt werden. Er nimmt es in Kauf und wird seine Heimat nie wiedersehen, seine Mutter, seinen unehelichen Sohn (den er nicht einmal gesehen hat), seine wenigen Freunde und Gönner. Der Nachklapp des Romans beschreibt in Kürze sein Leben nach seiner Entlassung aus dem Turm und nach der Verbannung, und erzählt auch den Weg zu seinem Ruhm als bereits verstorbener Dichter.

Absolut gelungen

Eldjárn versteht es, seine Vielzahl an Charakteren bunt zu gestalten und mit wenigen Worten zum Leben zu erwecken. Das Leben im Kloster, in der Gefängniszelle, auf dem Thing werden anschaulich beschrieben und jeder weiß, wo er standesgemäß hingehört. Doch niemand bleibt nur schwarz oder weiß, der Autor findet viele Schattierungen, selbst bei denjenigen, die ihn letztlich in den Blauturm gebracht haben. Man sollte allerdings gut aufpassen, sonst besteht zwischendurch die Gefahr, die etwas ungewohnten und teilweise ähnlichen isländischen Namen durcheinander zu werfen.

Ausser einem Lesezeichen wartet der Roman aus dem Conte Verlag mit keinerlei Extras auf, allerdings bleibt eine intensive Erzählung mit Humor und viel Detailwissen, die ein hohes geschichtliches Niveau aufweisen kann und eine Zierde für jeden Bücherschrank ist. Ein absolut gelungener Roman eines der derzeit am meisten verehrten Dichter Islands, von dem man gerne wieder einmal eine Erzählung zur Hand nimmt. Äußerst empfehlenswert.

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