Der Winterpalast

Erschienen: Januar 2012

Bibliographische Angaben

  • Insel, 2012, Titel: 'The Winter Palace', Originalausgabe

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87

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Daniela Loisl
Eine Näherin wird zur Zunge - zur Spionin der russischen Kaiserin

Buch-Rezension von Daniela Loisl Okt 2012

Kurzgefasst:

Geheime Gänge, verdeckte Türen, dunkle Nischen: Als die Waise Warwara als Dienstmädchen in den Winterpalast kommt, lernt sie schnell, sich ihre Verschwiegenheit und ihren aufmerksamen Blick zunutze zu machen. Keine Intrige, die ihr entginge, kein Getuschel, das ihren Ohren verborgen bliebe. Schnell wird sie zu einer der wichtigsten "Spioninnen" im Palast. Als die junge Sophie von Anhalt-Zerbst - die spätere Katharina die Große - an den Hof kommt und auf dem Weg zur Macht eine Verbündete braucht, wird Warwara ihre engste Vertraute. Schließlich erklimmt Katharina den Zarenthron - aus der unerfahrenen Fremden wird eine der mächtigsten Frauen ihrer Zeit.

 

Russland, Mitte des 18. Jahrhunderts. Sophie von Anhalt-Zerbst soll den Neffen der russischen Kaiserin Elisabeth I., den späteren Zaren Peter III., heiraten und reist mit ihrer Mutter nach Russland.

Die Kaiserin ist von ihrem Neffen nicht gerade angetan, letztlich auch deshalb, weil er Friedrich II., der auch die Hochzeit eingefädelt hat, uneingeschränkt bewundert, dieser aber ein Feind Elisabeths ist, gegen den sie auch Krieg führt.

Warwara, Tochter eines Buchbinders, kommt durch ein Versprechen, das die Kaiserin einst ihrem verstorbenen Vater gegeben hat, als Dienstmädchen an den Hof. Durch Zufall trifft sie auf den Kanzler Bestuschew, der ihre Aufgewecktheit und Beobachtungsgabe erkennt und sie zur Spionin, einer "Zunge", ausbildet. Im Zuge dessen freundet sie sich auch mit Sophie - später Katharina - an und die beiden entwickeln ein großes Vertrauensverhältnis. Doch was wäre das für ein Hof, wenn es nicht nur so von Intrigen, Gemeinheiten, Neid und Hinterlist wimmeln würde. Warwara muss stets auf der Hut sein und immer darauf achten, wer in ihrer Nähe ist und wem sie vertrauen kann, will sie nicht als Spionin ertappt werden...

Innovative Perspektive

Warwara ist die Erzählerin und stille Protagonistin im Hintergrund, während im eigentlichen Zentrum die spätere Zarin Katharina die Große steht. Mit Warwara als fiktive Figur hat die Autorin einen gänzlich neuen und innovativen Zugang zum Geschehen um die spätere Katharina II. geschaffen. Stachniak gewährt einen ungewöhnlichen Einblick hinter die Kulissen des mächtigen Zarenhofs.

Ist das Leben Katharinas der Großen als Zarin auch vielen Lesern bekannt, so werden hier die Jahre geschildert, in denen noch Elisabeth Petrowna regierte und ihr das Leben am Hof nicht immer einfach machte.

Aber die Autorin hat sich nicht nur bemüht, die Figuren lebendig zu gestalten, sondern veranschaulicht auch auf interessante Weise ein Bild von Russland selbst. Man streift durch St. Petersburg oder Moskau und lernt die Städte zu allen Jahreszeiten kennen. Auch der Zarenpalast mit all seinen Zimmern und Fluchten wird bildhaft gezeichnet und auf dieselbe bildhafte Art lernt man auch die Gewohnheiten der einzelnen Familienmitglieder, wie Elisabeth, Katharina oder auch Peter kennen.

Wenig fiktive Figuren

Ist die Figur von Warwara und ihrer Familie auch fiktiv, so ist sie dennoch so geschickt ins Leben gerufen, dass man ohne Weiteres sagen möchte: "So könnte es gewesen sein." Durch das Leben Warwaras wird gezeigt, mit welcher Härte und Rücksichtslosigkeit am Hof um jeden noch so kleinen Vorteil gekämpft wird und dass man niemandem vertrauen kann. Jeder ist sich selbst der Nächste und die Autorin vermittelt diese verräterische Hatz, die unter den Höflingen grassiert, auf sehr anschauliche Weise.

Die Charaktere des großen Hofes sind allesamt mit viel Liebe zum Detail gezeichnet, wenngleich aber auch mit einer gewissen Distanz, die vielleicht nicht jedermanns Sache ist. So spielt Kanzler Bestuschew, der Warwara sehr positiv geneigt scheint, neben den Figuren der Kaiserin und der Thronfolger auch noch der für die Innenpolitik zuständige Staatsmann Peter Schuwalow eine zentrale Rolle.

Hat zu Beginn der Geschichte Sophie, alias Katharina, weder Macht noch großen Einfluss, so ist es gerade das Miterleben vom Bestreben derselben genau diese Aspekte an sich zu ziehen, der eigentliche Höhepunkt des Buches. Zur der Zeit, in der die Geschichte spielt, ist noch Elisabeth die Alleinherrscherin und alle haben sich zu fügen, was sie durch ihr zeitweise tyrannisches Verhalten auch deutlich zeigt. Auf sehr empathische und schon raffinierte Weise zeigt die Autorin, wie intelligent es Sophie/Katharina versteht, die Geschicke so zu drehen, dass am Ende sie selbst die Vorteile daraus zieht. Durch Warwara, die zu ihrer engen Vertrauten wird, entwickelt sich der - vorerst noch stille - Ehrgeiz der künftigen Zarin auf sehr glaubhafte und nachvollziehbare Weise.

Fleissige Recherche

Ein historischer Roman, dem sehr viele Fakten zugrunde liegen und für den die Autorin auch fleißig Recherche betreiben musste. Obwohl jede Menge Figuren in diesem Buch einen mehr oder weniger wichtigen Part haben, ist es Stachniak hervorragend gelungen, diese so klar in die Handlung mit einzuweben, dass keine Verwirrung entsteht.
Das Buch endet damit, dass Katharina es letztendlich schafft und als Alleinregentin an die Macht kommt. Auf den zweiten Band, der dann Katharinas Leben als Zarin umfasst, darf man gespannt sein, denn durch Warwara werden auch weniger Geschichtsinteressierte voll auf ihre Kosten kommen.

Der Winterpalast

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Letzte Kommentare:
27.10.2013 15:28:41
isabelle

Unglaublich gut. Spannend, sprachlich glänzend, großartig recherchiert, glaubhafte Figuren, einfach ein perfektes Buch.

Die Autorin hat das Talent, mit wenigen Worten Stimmungen, Charaktere und Schicksale zu zeichnen. Sie ist nie kitschig und verliert sich niemals in Pathos, Klischees und Stereotypen, wie es viele AutorInnen ja leider an sich haben. Sie erzählt die Geschichte so leichtfüßig und elegant, daß der Roman gerne doppelt so dick sein dürfte.