Freiwild

Erschienen: Januar 2012

Bibliographische Angaben

  • Droemer-Knaur, 2012, Titel: 'Freiwild', Originalausgabe

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86

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Rita Dell'Agnese
Eine faszinierende Art, eine Geschichte zu erzählen

Buch-Rezension von Rita Dell'Agnese Sep 2012

Kurzgefasst:

Bayerischer Wald, Mitte des 19. Jahrhunderts: Die junge Theres kennt als Magd nichts anderes als Arbeit, Strenge und Ungerechtigkeit. Wieso müssen sie verzichten, während andere alles haben? Als sie den Gesetzlosen Heigl trifft, sieht sie die Chance, ihren Traum von Freiheit zu leben. Von klein auf fällt Theres durch ihren Wissensdrang auf. Sie setzt durch, dass sie lesen und schreiben lernt. Harte Arbeit stört sie nicht, aber gegen Ungerechtigkeit wehrt sie sich stets. Theres will die bestehende Ordnung nicht als gottgegeben hinnehmen. Als sie Michael Heigl kennenlernt, glaubt sie die ersehnte Freiheit gefunden zu haben. Gemeinsam wildern sie und bringen die Beute den Ärmsten. Bald spricht das ganze Land über das ungleiche Paar, das von den Armen verehrt wird. Der Obrigkeit dagegen ist jedes Mittel recht, die Rebellion der beiden zu brechen.

 

Sie ist bekannt für ihre Romane über starke Frauen - und sie wagt sich mit Freiwild auf ein rutschiges Terrain: Die Einleitung ist zumindest gewöhnungsbedürftig, wenn nicht gar zu stark im Mystischen angesiedelt. Besonders absolut realistische Menschen dürften sich mit der persönlich gefärbten Erzählung der Autorin schwer tun. Ob diese Einleitung dem Roman und seiner Glaubwürdigkeit gut tut, sei dahingestellt. Immerhin sind die darin geschilderten Erlebnisse bar jeder vernünftigen Erklärung und basieren auf einem Graubereich von unerklärlichen Phänomenen. Die Zweifel übrigens, die sich mindestens zu Beginn noch wie ein dunkler Schatten über das Geschehen legen, bekommen durch den Schluss neue Nahrung. So bleibt zuletzt das ungute Gefühl, von der Autorin als Leser nicht ganz ernst genommen worden zu sein. Das wird jedoch dem Roman selber nicht gerecht - denn hier legt Monika Bittl eine solide und überzeugende Arbeit vor.

Stückwerk wird zum Ganzen

Monika Bittl legt erneut einen ungewöhnlichen Roman vor. Im Zentrum steht, wie gewohnt, eine starke Frau. Aber nicht alleine. Therese Pritzl alias "die Rote Res" ist die Gefährtin des Räubers Michael Heigl. Das Paar macht Mitte des 19. Jahrhunderts den Bayerischen Wald unsicher. Doch zu Schaden kommen Reiche und mitleidslose Unterdrücker, während die arme Bevölkerung von den Taten des Heigls und seiner Gefährtin profitiert. Es ist nicht - die auf Tatsachen beruhende - Geschichte des Robin Hoods des Bayerischen Waldes, die so ungewöhnlich ist, sondern die Art, wie Monika Bittl die Geschichte erzählt. Sie basiert die ganze Geschichte auf Tagebuchaufzeichnungen von Therese Pritzl, auf Vernehmungsprotokolle, Aktennotizen und Zeitungsberichte. Vom gesichteten Material, so schreibt die Autorin im Intro, habe sie lediglich rund einen Drittel verwendet. Das hat sie so zusammengesetzt, dass sich daraus ein sinnvoller und in sich schlüssiger Ablauf ergibt - eben bis auf die allerletzte Passage, die einer bisher verbreiteten Geschichtsschreibung widerspricht.

Es ist eine faszinierende Art, eine Geschichte zu erzählen und die Leser bekommen durch die gewählten Ausschnitte aus den Prozessunterlagen einen guten Einblick in die Denkstruktur aller Beteiligten. Besonders ins Auge fällt dabei der fortschrittliche Geist der Roten Res. Ihre Reden vor dem Gericht wie auch ihre Tagebucheinträge erzählen davon, dass die junge Frau ihrer Zeit im Denken weit voraus ist. Ja, vieles, was sie sagt und denkt, würde auch heute noch für Aufruhr sorgen in den Dörfern, in denen sie sich vor über hundert Jahren bewegte.

Gelungene Umsetzung

Dass Monika Bittl bei der Sichtung des vorhandenen Quellmaterials nicht nur einen schlüssigen Ablauf zusammenstellen, sondern auch die ganzen Unterlagen in eine für heutige Leser verständliche und leicht lesbare Sprache bringen musste, war eine zusätzliche Herausforderung. Diese meistert die Autorin mit Bravour. Sie wählt eine perfekte Kombination zwischen moderner Ausdrucksweise und dem besonderen Sprachrhythmus des 19. Jahrhunderts. Entstanden ist ein gut verständliches und eingängiges Dokument, das nicht nur den damaligen Zeitgeist optimal spiegelt, sondern auch erahnen lässt, auf welche Weise das Volk auf einem relativ bescheidenen Bildungsniveau gehalten und damit die Macht von Kirche und Staat zementiert wurde. So regt Bittls Roman durchaus zum Denken und letztlich auch zu einer speziellen Form von Rebellion an: Der Rebellion gegen eine Gesellschaft, die sich bewusst oder unbewusst der Bildung verschließt und damit die Verantwortung über das eigene Leben in die Hände staatlicher Einrichtungen gibt. Dies alles ist allerdings nur zwischen den Zeilen des Romans zu finden und verlangt eine vertiefte Auseinandersetzung mit den Hintergründen der präsentierten Geschichte.

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