Die Himmelsmalerin

Erschienen: Januar 2012

Bibliographische Angaben

  • Fischer, 2012, Titel: 'Die Himmelsmalerin', Originalausgabe

Couch-Wertung:

89
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Rita Dell'Agnese
Farbenprächtiger Roman um ein altes Handwerk

Buch-Rezension von Rita Dell'Agnese Sep 2012

Kurzgefasst:

Esslingen, 1326: Ohne die Hilfe seiner Tochter kann der Glasmaler Heinrich Luginsland nicht mehr arbeiten, denn seine Augen werden immer schlechter. Bereits seit drei Jahren hilft Lena ihm heimlich dabei, die Glasfragmente zu bemalen, denn Frauen ist es in Esslingen nicht gestattet, ein Handwerk auszuüben. Daher soll Lena den ihr verhassten Tübinger Glasmaler Marx Anstetter heiraten. Doch da kommt Lionel Jourdain, ein wandernder Künstler aus Frankreich, zu Gast in Heinrich Luginslands Haus. Mit sich bringt er das Geheimnis des Silbergelbs. Lena ist fasziniert von dem schönen Fremden ...

 

Esslingen, 14. Jahrhundert: Den Frauen ist es verwehrt, ein Handwerk auszuüben. Deshalb kann Lena ihre Liebe zur Glasmalerei nicht offen ausleben. Heimlich geht sie zwar ihrem langsam erblindenden Vater zur Hand, doch sie ahnt, dass es damit vorbei sein wird, sobald sie ihren Verlobten geheiratet hat. Der Tübinger Glasmaler Marx Arnstetter, dem ihr Vater ihre Hand versprochen hat, stellt sich bald als nutzloser Geck heraus, dem zudem schnell die Hand ausrutscht. Obwohl Heinrich Luginsland bereut, den Tübinger als Ehemann seiner Tochter gewählt zu haben, sieht er keine andere Möglichkeit, um seine Werkstatt zu erhalten. Auch Lena weiß darum und bemüht sich, ihr Grausen vor der Hochzeit mit dem ungeliebten Mann nicht zu deutlich zu zeigen. Da taucht der Burgunder Glasmaler Lionel Jourdain in Esslingen auf. Er hat mit Heinrich Luginsland vereinbart, dass er dessen Werkstatt nutzen kann, um einen großen Auftrag der Franziskaner auszuführen. Ihm bleibt das Talent Lenas nicht verborgen und er ermuntert sie, ihre Kunst weiter zu verfeinern. Lena hat jedoch noch ganz andere Sorgen - ihr Freund aus Kindertagen, Valentin, wird verdächtigt, einen religiösen Eiferer ermordet zu haben. Von Valentins Unschuld überzeugt unternimmt Lena alles, um ihren Jugendfreund zu entlasten.

Mit vielen Details

Pia Rosenberger verwöhnt ihre Leser mit zahlreichen Details zum Thema "Glasmalerei". Gerade solche Detailschilderungen können eine Geschichte belasten und schwerfällig machen. Nicht so bei Rosenberger. Ihre Schilderungen gehen zwar in die Tiefe, sind aber weder erdrückend noch langatmig. Es sind vielmehr einige in den Text eingestreute Häppchen, die gut verdaut werden können und der Geschichte selber einen farbenfrohen Schimmer verleihen. Damit schafft die Autorin viel Atmosphäre, die die Handlung wie ein warmer Schimmer umgibt. Der Verlag hat ein Übriges getan und dem Roman nicht nur ein schönes Cover verpasst, sondern auch Raum für die Erklärung der Chorfenster in der Esslinger Franziskanerkirche gegeben.

Gelungener Spannungsbogen

Mit der Konstellation der Charaktere schafft die Autorin einen überzeugenden Spannungsbogen. Sie hat vielschichtige Figuren geschaffen, die in ihren Handlungen fast ausnahmslos stimmig sind und alle menschlichen Facetten aufzeigen. Einzig beim Hirtenmädchen Sanna treten einige wenige Schwächen auf, mal scheint sie für ihr Alter sehr erwachsen, später wieder extrem kindlich. Zwar passt diese Ambivalenz in den Lauf der Geschichte, doch die Figur selber wirkt dadurch etwas bemüht. Angesichts einer guten Konzeption, was die anderen Protagonisten betrifft, ist dieser Ausreißer bei der Figurenzeichnung jedoch verzeihlich. Obwohl Lena klar die tragende Rolle spielt, ist sie nicht zu dominant und Pia Rosenberger hat es verstanden, selbst den Figuren, die an sich eine klassische Nebenrolle spielen, mit viel Tiefe auszustatten.

Liebe, Handwerk und Tod

Bei Die Himmelsmalerin können gleich mehrere Ansprüche befriedigt werden: Wer eine Liebesgeschichte lesen mag, wird ebenso gut bedient, wie jemand, der in einem historischen Roman eher nach geschichtlicher Atmosphäre sucht. Auch die Freunde von Krimi-Elementen kommen nicht zu kurz, obwohl der Aufbau nicht einem klassischen Histo-Krimi entspricht. Pia Rosenberger überzeugt mit einem ausgereiften Roman, der für ein sinnliches Eintauchen in vergangene Zeiten steht. Sie erbringt den Beweis, dass eine gute Mischung von Liebe, Handwerk und Tod eine spannende Geschichte zulässt und Lust darauf macht, mehr von dieser Autorin zu lesen.

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