Verdammte Deutsche!

Erschienen: Januar 2012

Bibliographische Angaben

  • Knaus, 2012, Titel: 'Verdammte Deutsche!', Originalausgabe

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Jörg Kijanski

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Sep 2012

Kurzgefasst:

Als der deutsche Marineoffizier Adrian Seiler im Sommer 1911 nach London geschickt wird, um an der Botschaft auszuhelfen, ahnt er nicht, was ihm bevorsteht. Er weiß nicht, dass in England eine hysterische Angst vor deutschen "Schläfern" und Spionen herrscht. Dass er deshalb von einem englischen Agenten überwacht wird. Dass er sich ernsthaft verlieben wird, ausgerechnet in Vivian, die Tochter des deutschstämmigen Buchhändlers Peterman. Dass er sich zu einem der ersten professionellen Spione umfunktionieren lassen wird und somit Vivian, deren Vater und sich selbst aufs Äußerste gefährdet.

 

1911: Adrian Seiler landet als junger Oberleutnant seiner Kaiserlichen Marine in der Deutschen Botschaft in London. Dort hat er zunächst einen recht langweiligen Job und muss sogar Botengänge erledigen. Ein solcher führt ihn zu der Buchhandlung Peterman, die auf maritime Werke spezialisiert ist. Bereits bei seinem ersten Besuch trifft er dort auf Petermans Tochter Vivian, in die er sich auf der Stelle verliebt. Aber wie soll er sie wiedersehen und wie kann eine Beziehung entstehen, muss er ja bereits in wenigen Tagen zurück nach Deutschland. Doch es kommt anders, denn da die kaiserliche Marine kaum Kenntnisse über die Stärke der englischen Seemacht hat, wird Seilers Aufenthalt verlängert. Er soll sich einige Hafenstädte ansehen.

Im Herbst 1909 wurde das Secret Service Bureau (SSB) gegründet, welches mit einer Handvoll Detektive auf der Suche nach deutschen Spionen ist. Ein Werk des Schriftstellers William Le Queux sorgt für eine deutschenfeindliche Stimmung, die auch die englischen Medien immer wieder anheizen. Demnach planen die Deutschen eine Invasion und haben bereits mehrere Tausend Spione auf der Insel. Randolph Drummond, der als Detektiv für den SSB arbeitet, kann die ganze Aufregung nicht verstehen, hält Le Queux für einen gefährlichen Schwätzer. Ganz anders sieht dies sein Kollege William Melville, der einen legendären Ruf genießt. Allerdings soll Drummond herausfinden, dass Melville die Deutschen abgrundtief hasst und seine Erfolge zumeist auf äußerst unsauberen Methoden basierten. Durch die ständige Beobachtung der Deutschen Botschaft stößt das SSB auf Seiler und die Buchhandlung von Peterman. Sollte diese womöglich die Basis eines deutschen Spionageringes sein? Melville arbeitet immer verbissener, während Drummond zunehmend am Sinn seiner Arbeit zweifelt.

Derweil wird Seiler unter der Führung von Gustav Steinhauer, Leiter der britischen Abteilung der Nachrichtenabteilung N des Admiralstabes, mehr und mehr in das Spionagegeschäft einbezogen. Eigentlich wollte Seiler in einem U-Boot arbeiten, doch die Arbeit als Spion hat natürlich einen entscheidenden Vorteil. So kommt er immer mal wieder nach England und kann seine große Liebe wiedersehen. Dass er damit nicht nur nicht selbst, sondern vor allem Vivian und ihren Vater in höchste Gefahr bringt, ahnt der junge Mann lange Zeit nicht...

Vom Aufbau der Geheimdienste

Verdammte Deutsche! ist bereits der dritte Roman von Gerhard Seyfried, der im Kaiserreich spielt (nach Herero und Gelber Wind oder Der Aufstand der Boxer). Im vorliegenden Fall geht es um die Gründung und den Aufbau der Geheimdienste in Deutschland und vor allem in England, wo das SSB als Vorläufer des heutigen MI5 nur mühsam voran kommt. Man hat wenig Geld und Personal und mangels deutscher Spione auch keinen Erfolg. Immer wieder ist von einer Auflösung der Abteilung die Rede, so dass Melville zunehmend geneigt ist, mit unlauteren Methoden Erfolge zu erzwingen. Darüber hinaus verweist der Plot beklemmend eindrucksvoll auf den damals in England grassierenden Deutschenhass, basierend vor allem auf den wirren Fantasien eines unbedeutenden Schriftstellers. Die Geschichte beginnt im Jahr 1911 und endet mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges. Bis es soweit ist dürfen die englischen Spione einigen Hirngespinsten nachjagen, wobei sie paradoxerweise auf diese Art tatsächlich auf deutsche Spione (Steinhauer und Seiler) treffen. Eine spannende Spionagegeschichte; der Aufbau der Geheimdienste und die politische Großwetterlage im Vorfeld des Ersten Weltkrieges (Marokkokrise, Suffragettenbewegung, Titanicuntergang) bestimmen die Handlung, welche in einem maritimen Wettrüsten eskaliert.

 

 

Allein für die englische Presse, und damit den Großteil der Bevölkerung, bedeutet dies aber den drohenden Untergang des Empire. Hier haben diese germanophoben Romane von Le Queux den Boden bereitet. Ich glaube, Home Secretary Churchill unterstützt mit Hilfe der Presse diese Ängste aus innenpolitischen Gründen nach Kräften. Dahinter steckt, wie gesagt, die Werft- und Rüstungsindustrie. Über vierzig Millionen Pfund hat England allein im vergangenen Jahr für Marinerüstung ausgegeben. Eine schier unvorstellbare Summe! Die Hälfte davon hätte ausgereicht, die gröbste Armut im Königreich zu beseitigen.

 

Wem dies noch nicht reicht, für den hat Gerhard Seyfried gleichzeitig noch einen "Liebesroman" mit eingebaut. Darin bemühen sich nicht nur Seiler und Vivian über lange Pausen und die große räumliche Distanz die Treue zu halten, sondern auch Seilers britischer Schatten, Randolph Drummond, verliebt sich; ausgerechnet in Vivians engste Freundin.

Die Geschichte ist spannend erzählt, wobei man allerdings ein großes Faible für die Seefahrt haben sollte, denn Seyfrieds Schreibstil ist mitunter zähflüssig oder positiv formuliert: arg detailverliebt (beispielsweise bei der Beschreibung der zahlreichen Schiffstypen). Aber auch der Alltag an Bord eines U-Boots hat es in sich.

 

 

"Hinter dem Vorhang da ist das Klosett. Werfen Sie mal einen Blick rein."

Die Porzellanschüssel ist in die Ecke zum Schott gequetscht. Darüber, dahinter und sogar darunter verlaufen dicke und dünne Rohrstränge aller Art, Handräder und Absperrhähne blinken. Es ist so eng, daß es fast unmöglich scheint, das Klosett zu benutzen. Seiler verzieht das Gesicht, und Edeling grinst noch breiter.

"Empfehle Opium bei längeren Fahrten. Das stopft."

 

Ein Klosett für rund dreißig Mann Besatzung - alle Achtung! Diese verdient auch Gerhard Seyfried für seinen grandiosen Roman Verdammte Deutsche!, dem offenbar eine intensive Recherche vorausgegangen ist. Abgerundet durch ein mehrseitiges Glossar entstand ein packender Liebes- und Spionageroman und dazu - in gewisser Weise - ein beeindruckender, facettenreicher Politthriller.

 

Verdammte Deutsche!

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