Das kastilische Erbe

Erschienen: Januar 2012

Bibliographische Angaben

  • Blanvalet, 2012, Titel: 'Das kastilische Erbe', Originalausgabe

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Rita Dell'Agnese
Eine unfertige Geschichte

Buch-Rezension von Rita Dell'Agnese Sep 2012

Kurzgefasst:

In einem Antiquariat stößt die Münchner Journalistin Isaura auf ein altes Buch, dessen Autorin sich »La Caminata« nennt. Die Worte erscheinen ihr seltsam vertraut, und sie ist fasziniert von der Geschichte der jungen Hofdame Jimena, die im 15. Jahrhundert an der Seite von Isabel von Kastilien lebte. Isaura begibt sich auf Spurensuche in Spanien und kommt in dem kleinen Städtchen Tordesillas einem jahrhundertealten Geheimnis auf die Spur, das sie tief in ihre eigene Familiengeschichte führt ...

 

Zwei Zeitebenen - 21. Jahrhundert und 15. Jahrhundert - ein Geheimnis: Das kastilische Erbe verspricht all jenen, die den Mix von Gegenwart und Vergangenheit mögen, spannende Unterhaltung. Immerhin schickt Ulrike Schweikert ihre Gegenwarts-Heldin Isaura auf eine spannende Mission. Die Journalistin soll für ihr Magazin eine Reportage über das mittelalterliche Spanien schreiben. Das kommt Isaura sehr entgegen, denn sie muss ohnehin nach Spanien reisen, um sich um eine unerwartete Erbschaft zu kümmern. Eine bis dahin unbekannte Großtante hat ihr in Kastilien ein Gut vermacht. Je mehr sich Isaura mit der Geschichte beschäftigt, desto intensiver fühlt sie sich mit den Figuren von einst verbunden. Bei diesen Figuren handelt es sich um niemanden Geringeren als Königin Isabel von Kastilien und ihre Hofdame Jimena. Ulrike Schweikert erzählt die Geschichte, wie Isabel von der Schwester des Königs zur Thronerbin wurde, welch erbitterten Streitigkeiten mit der Machtübernahme verbunden waren und welch harte Prüfungen die kastilische Königin zu bewältigen hatte. Wobei weniger die Königin als die fiktive Figur Jimena im Zentrum des historischen Strangs steht.

Ohne Verlust weglassen

Die Autorin kann hervorragend erzählen. Mit der Geschichte, die im 15. Jahrhundert spielt, stellt sie dies unzweifelhaft unter Beweis. Obwohl die mystischen Fähigkeiten Jimenas dem historischen Teil einen Drall in den Fantasy-Bereich geben, bleibt die Geschichte spannend und intensiv. Anders aber der Part aus der Gegenwart. Dieser hätte ohne Verlust weggelassen werden können, um Raum für eine Weiterführung des historischen Teils zu schaffen. Isaura mag den Lesern nicht so recht ans Herz wachsen. Sie bleibt oberflächlich und wenig überzeugend. Dass sie von ihrem Ehemann Justus betrogen wird, vermag keinen Sympathie-Bonus zu schaffen. Es scheitert wohl daran, dass Isaura bei der "Entdeckung" der historischen Geschichte keine tragende Rolle spielt. Sie wird zwar immer wieder in Zusammenhang gebracht mit Bildern, Schmuckstücken und Überlieferungen - für die Geschichte wirklich nötig ist sie jedoch nicht. Einige Szenen mit Isaura wirken eher unbeholfen denn geheimnisvoll.

Plötzlicher Schluss

Während fast der ganze Roman einem übersichtlichen und nachvollziehbaren Weg folgt, verfällt die Autorin zum Ende in ein rasendes Tempo und serviert die Auflösung in einer überstürzten Hast. Der Leser fragt sich nach den letzten Kapiteln: "Wie bitte? Wie war das jetzt?" und wird das Buch entweder achselzuckend weglegen oder die letzten rund 50 Seiten nochmals lesen, um hinter das Geheimnis zu kommen, weshalb plötzlich Figuren zu tragenden Elementen werden, die bis dahin keine Rolle spielten. Eine Chance, die Auflösung zu verstehen, hat nur, wer die Geschichte von Königin Isabel und ihren Nachkommen bereits kennt. Alle anderen werden nicht umhin kommen, mindestens diesen Teil der spanischen Geschichte nachzuschlagen. Es ist aber nicht nur der historische Erzählstrang, der in der Luft hängen bleibt. Auch die Auflösung des Gegenwart-Parts lässt viele Fragen offen. Ob diese Fragen sich in einer möglichen Fortsetzung auflösen würden, sei dahin gestellt.

Spannend, aber...

Ulrike Schweikert hat mit Das kastilische Erbe ein spannendes Kapitel der europäischen Geschichte aufgeschlagen. Sie bietet den Lesern fesselnde Unterhaltung - hauptsächlich mit dem historischen Erzählstrang - und einen vertieften Blick auf die Geschichte der kastilischen Königin Isabel. Allerdings bleibt sie den Lesern zum Schluss leider sehr viel schuldig.

Pluspunkte gibt es hingegen für die schöne Aufmachung des Buches. Hier hat der Verlag auf ein Cover gesetzt, das sich wohltuend von den gängigen Darstellungen auf historischen Romanen abhebt. Ein umfangreiches Personenregister hilft den Lesern zusätzlich, die handelnden Figuren richtig einzuordnen.

Das kastilische Erbe

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Letzte Kommentare:
05.01.2013 17:33:33
€nigma

Die Münchner Redakteurin Isaura wird immer wieder von merkwürdigen Träumen heimgesucht, in denen sie eine dunkle Frau in altertümlichen Gewändern sieht, die sehr traurig zu sein scheint. Als sie erfährt, dass sie von einer ihr persönlich nicht bekannten Großtante ein altes Anwesen in Spanien geerbt hat, beschließt sie, die erforderliche Reise nach Spanien mit einem "Arbeitsurlaub" zu verbinden, der es ihr ermöglicht, eine großangelegte Reportage über Spanien zu schreiben. So kann sie außerdem der unerfreulichen Situation in München entfliehen, die darauf gründet, dass ihre Ehe sich in einer schweren Krise befindet, nachdem ihr Mann sich eine Geliebte zugelegt hat.
Auf der Suche nach Literatur über Spanien stößt sie in einem Antiquariat auf ein uraltes Buch einer unbekannten Autorin namens "La Caminata".
Die Geschichte über Jimena, eine Hofdame und enge Vertraute der Königin Isabella von Kastilien, fesselt sie sehr, es kommt ihr sogar so vor, als sei diese Geschichte mit eigenen "Erinnerungen" verwoben und decke sich mit ihren Träumen und "Visionen".
Die Kapitel über Isauras Reise nach Spanien und ihren Aufenthalt im Haus der verstorbenen Großtante wechseln mit Kapiteln über die Geschichte der Hofdame Jimena ab, die von ihrer Kindheit an eine enge Freundin von Isabel, der späteren kastilischen Königin ist. Isabels Halbbruder Enrique IV sitzt auf dem Thron und ändert unter dem Einfluss machtgieriger Berater immer wieder die Thronfolgeregelung. Er hat eine Tochter namens Juana, diese stammt jedoch mit großer Wahrscheinlichkeit aus der allen Höflingen bekannten Affäre ihrer Mutter mit deren langjährigem Liebhaber. Deshalb ist Juana als Thronfolgerin nicht unumstritten und einiges spricht für Isabel als Thronerbin, nachdem ihr jüngerer Bruder früh verstorben ist. Die Erzählung über das Schicksal Isabels und ihrer Hofdamen erstreckt sich über viele Jahre (1458 bis 1476) und schildert eindrucksvoll die gefährliche Lage, in der sich Isabel als geplanter Spielball der Mächtigen befindet. Nachdem sie sich den für sie geplanten ehelichen Verbindungen entzogen und nach ihrem eigenen Wunsch Fernando von Aragon geheiratet hat, versuchen mächtige Gegner, ihren Thronanspruch zu untergraben, indem sie den portugiesischen König mit Juana, der (möglicherweise illegitimen) Tochter des verstorbenen Königs Enrique verheiraten und auf den Thron setzen wollen. Isabel und ihr Mann müssen immer wieder vor ihren Gegnern fliehen und unter härtesten Bedingungen durch das Land reisen, um Geld und Gefolgsleute für den bevorstehenden Kampf um den Erhalt der kastilischen Krone zu beschaffen...

Eigene Beurteilung

Die Hofdamen Jimena, ihre Kollegin und Cousine Teresa und auch die Protagonistin der Gegenwart, Isaura, haben besondere Fähigkeiten: sie können Dinge voraussehen und außerdem durch "spirituelle" Kräfte den Verlauf bestimmter Ereignisse beeinflussen. Diese mystischen Elemente sind normalerweise ein Grund für mich, entsprechenden Büchern mit großer Skepsis zu begegnen. Auch hier sind mir die besonderen Fähigkeiten manchmal zu dick aufgetragen. Dessen ungeachtet hat mir "Das kastilische Erbe" dennoch sehr gute Unterhaltung beschert. Dies liegt einerseits am fesselnden Erzählstil der Autorin, die das Leben und die Zeit der Isabella von Kastilien so anschaulich beschreibt, dass man das Gefühl bekommt, Zeuge der geschilderten Ereignisse zu werden. Auch die unglaublichen Strapazen der Reisen zu Pferde durch das winterliche Spanien bringt die Autorin dem Leser so nahe, dass man die halberfrorenen Füße am eigenen Leib spürt. Andererseits besticht dieser Roman durch die sorgfältige Recherche, die ganz offensichtlich der gelungenen Darstellung der historischen Persönlichkeiten vorausging.
So gesehen, ist "Das kastilische Erbe" nicht nur unterhaltsam, sondern auch sehr informativ im Hinblick auf die spanische Geschichte des 15.Jahrhunderts. Die Handlung in der Gegenwart hätte ich persönlich nicht gebraucht. Zum Ende hin bleiben für mich noch einige Fragen offen, allerdings handelt es sich bei diesem Roman um den ersten Teil einer Trilogie, deshalb ist der etwas unvollständige Schluss nachvollziehbar.

Fazit

Ein sehr unterhaltsamer Roman, der nicht nur Interessenten an spanischer Geschichte spannende und entspannende Lesestunden bescheren kann!