Das Pestzeichen

Erschienen: Januar 2012

Bibliographische Angaben

  • Goldmann, 2012, Titel: 'Das Pestzeichen', Originalausgabe

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Alexandra Hopf
Vielversprechender Auftakt der Pesttrilogie

Buch-Rezension von Alexandra Hopf Sep 2012

1652 im Saarland, der dreißigjährige Krieg ist gerade zu Ende. Als die siebzehnjährige Susanna nach einem Besuch bei ihrer Tante zum elterlichen Gehöft im Köllertal zurückkehrt, findet sie all ihre Lieben grausam niedergemetzelt vor.

Der Vater liegt im Sterben und vertraut seiner Tochter ein Geheimnis an. Die Täter waren auf der Suche nach bestimmten Papieren, welche zu einem Schatz führen sollen. Er verrät ihr das Versteck von den magischen Schriften und bittet sie, die Papiere an sich zu nehmen. Damit soll sie sich auf die Suche nach einem Mann namens Jeremias machen. Doch Susanna traut diesem nicht über den Weg und flieht vor ihm mit den geheimnisvollen Unterlagen, die einer Schatzkarte ähneln.

Auf ihrer Flucht begegnet sie dem jungen Schweizer Urs Blatter. Dieser ist gerade mit seiner Familie auf dem Weg vom heimatlichen Kanton Uri ins deutsche Reich zu ziehen um dort mit seiner Familie ein neues Leben zu beginnen. Sein Vater möchte das Bauerndasein dort aufgeben und Soldat werden. Die gleiche Zukunft hat er für seinen Sohn vorgesehen. Dieser würde allerdings lieber in die Fußstapfen des Onkels treten und Arzt werden. Die beiden versuchen nun gemeinsam, das Geheimnis der Schatzkarte zu lösen und begeben sich damit in große Gefahr, denn Jeremias und seine Gefährten sind nach wie vor hinter der Schatzkarte her und damit auf Susannas Spur.

Krieg, Armut und Pest gewürzt mit einer Prise Magie

Deana Zinßmeister gelingt es in leicht zu verstehender Sprache, dem Leser ein Bild der damaligen Zeit zu vermitteln. Sie versteht es, eindrucksvoll zu vermitteln, wie schlecht es damals um die Menschen stand. Der lange Krieg hat den Menschen alles genommen. Die vielen Toten, alles wurde zerstört, und dann werden die Menschen auch noch von der Pest heimgesucht. Es kommt einem alles sehr düster und unheilvoll vor, dies wird aber aufgehellt durch die jungen Protagonisten Susanna und Urs, deren Abenteuer um die geheimnisvollen Schriften die nötige Spannung ins Buch bringen.

Der Klassiker: Gut gegen Böse

Die Charaktere der beiden jungen Menschen werden dem Leser sehr sympathisch dargestellt. Susanna ist ein junges einfaches Bauernmädchen, das aber über eine gehörige Portion Klugheit verfügt. Nur ihr Scharfsinn verhindert, dass sie blindlings in die Fänge des Bösewichts Jeremias tappt. Sie ist sogar teilweise ein bißchen durchtrieben, beispielsweise als sie schlimmere Schmerzen bei einer Schussverletzung, die sie sich auf der Flucht zugezogen hat, vortäuscht, nur um so die weitere Begleitung durch den heilkundigen Urs zu erwirken. Der Eindruck des kleinen hilflosen Mädchens, das auf grausame Weise seine ganze Familie verliert, wandelt sich im Laufe des Buches. Man bewundert die junge Frau, die so mutig ihre Ziele verfolgt. Die Spannung baut sich in gleicher Weise für den Leser auf, ob es ihr tatsächlich gelingt, Jeremias auf Dauer zu entkommen und selbst das Rätsel der Papiere zu lösen.

Urs ist ein grundehrlicher zuvorkommender Bursche. Mit viel Herzblut widmet er sich seinem Traum. Er möchte unbedingt Arzt werden. Sein ganzes Denken dreht sich um die Heilkunst. Darin begründet sich auch sein gutes Verhältnis zu seinem Onkel Bendicht, der Wundarzt in der Schweiz ist. Sein Wunsch, Arzt zu werden lässt ihn sogar gegen den Vater aufbegehren, der erwartet, dass sein Sohn in der Stadt Trier ebenfalls als Soldat anheuert. Der Vater erkennt erstaunt Urs Fähigkeiten, als er ihn bei der Behandlung von Susannas Wunde beobachtet. Schließlich willigt der Vater ein, dass sein Sohn sich kurzzeitig von den Eltern trennt um dem verletzten Mädchen noch eine Weile beizustehen. Er zeigt sich Susanna gegenüber stets hilfsbereit und steht ihr uneingeschränkt zu Seite. Er ist dem Mädchen gegenüber absolut loyal und egal welche Gefahr droht, er denkt nicht im Mindesten daran Susanna zu verlassen.

Im Gegensatz dazu steht die Bösartigkeit der beiden Missetäter, Jeremias und seinem Kompagnon Marcus. Sie sind durch und durch böse. Sie begehen eiskalt Morde und verfolgen nur ihre Ziele, nämlich in den Besitz der Schatzkarte zu kommen, egal welche Opfer es kostet. Nur einen kurzen Moment bekommt der Leser etwas Mitleid mit Jeremias. Die Autorin erklärt eindrucksvoll wie der junge Jeremias auf schreckliche Weise seine gesamte Familie an die Pest verloren hat. Sie beschreibt sehr lebhaft und gut vorstellbar wie die schreckliche Geisel damals über die Menschen herfiel und welche Ängste sie verbreitet hat.

Erster Teil macht Lust auf die Fortsetzungen

Die Geschichte informiert den Leser über mehrere Themen der damaligen Zeit: das traurige Dasein der armen Bevölkerung nach dem Krieg, die unbändige Angst, die die Pest mit sich bringt, den Aberglauben der Menschen bezüglich magischer Dinge und Schätze. Aber auch ein anderes sehr interessantes Thema wird angeschnitten, nämlich die Salzgewinnung in der Saline zu Sulzbach. Obwohl dieser Strang der Geschichte eher nebensächlich ist, ist er sehr spannend und informativ. Durch diese Vielfältigkeit der Themen möchte man ständig weiterlesen um zu erfahren, wie es mit den verschiedenen Problemen weitergeht. Die Problematik der Menschen jener Zeit durch Armut und Pest ist dem Leser historischer Romane relativ vertraut. Das Einbinden bestimmter mystischer Elemente durch die Schatzpapiere und dem damalig weit verbreiteten Aberglauben ist dagegen für den Leser ein ungewohnter, aber doch reizvoller Zusatz.

Das Buch erscheint zu keinem Zeitpunkt langatmig, im Gegenteil: es wird alles sehr lebendig beschrieben. Vor allem die Schilderung der Vorgänge rund um die Pest hinterlässt beim Leser ein bedrückendes Gefühl.

Zu Beginn des Buches findet der Leser eine Karte, wie das Saarland 1652 aufgeteilt war und zum besseren Verständnis ein Personenregister. Am Ende gibt es noch ein informatives Nachwort und die Danksagung der Autorin, um dem Leser die Beweggründe zur Entstehung des Romans zu verdeutlichen, inklusive einer Bibliographie.

Für den Leser ist Das Pestzeichen ein etwas anderer historischer Roman, der durchaus Lust auf die Fortsetzung des Abenteuers macht.

Das Pestzeichen

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Letzte Kommentare:
01.03.2014 14:49:17
Klaus Roth

Leider sind Stil und Sprache von Frau Zinßmeister oft ziemlich unbeholfen und an vielen Stellen beschreibt sie vollkommen unbedeutende Nebenaspekte. Vielfach verwendet sie Begriffe und Redewendungen aus unserer Gegenwartssprache, die in der frühen Neuzeit weder üblich noch bekannt waren. Das ist schade, denn die Geschichte ist spannend!

16.11.2012 20:55:26
mabuerele

Der dreißigjährige Krieg ist erst seit wenigen Jahren vorbei. Die 17jährige Susanna hat auf Bitten der Tante eine Ziege zu ihr gebracht. Es fehlt die Milch für das jüngste Kind. Als sie nach Hause zurückkehrt, findet sie einen brennenden Hof vor. Mutter und Geschwister sind tot, der Vater wurde gefoltert. Obwohl sie zusammen mit dem Schäfer Thomas den Vater versorgt, stirbt er nach wenigen Tagen an seinen Verletzungen. Er hinterlässt Susanna die Botschaft, dass hinter einem losen Stein im Brunnen ein Geheimnis verborgen ist. Sie soll es Jeremias bringen. Doch Susanna misstraut Jeremias. Sie ahnt, dass er am Tode ihrer Familie Schuld ist.
Im Kanton Uri in der Schweiz träumt Urs davon, bei seinem Onkel das Heilen lernen zu dürfen. In alten Schriften versucht der Onkel hinter die Ursachen der Pest zu kommen. Doch der Vater hat sich als Soldat in Trier verdingt und Urs muss die Schweiz verlassen.
Die Autorin hat einen spannenden historischen Roman geschrieben. Beide Handlungstränge sind sehr gut ausgearbeitet und werden an passender Stelle zusammengeführt. Besonders hervorzuheben sind die exakten Recherchen. Dadurch wird nicht nur eine Geschichte erzählt, sondern Geschichte erlebbar. Sei es das Wissen über Krankheiten, über die Salzgewinnung oder das Leben der Soldaten, immer habe ich als Leser ausführliche Darstellungen gefunden, die geschickt in den Text eingefügt waren und der Spannung keinen Abbruch taten.
Die Protagonisten sind ausreichend charakterisiert. Die Autorin vermeidet Klischees. Die meisten Personen sind Menschen ihrer Zeit mit Stärken und Schwächen. Susanna und Urs waren mir sympathisch. Susanna ist eine starke junge Frau, die trotz allen Leides ihren Weg geht. Es war interessant zu verfolgen, wie sie Hilfe und Unterstützung fand, aber auch in entsprechender Situation schnell einen Ausweg fand. Ich konnte mit ihr bangen und musste allerdings auch ab und an den Kopf schütteln.
Mit Erzbischof und Kurfürst Karl Kaspar von der Leyen spielt im Roman ein sehr fortschrittlicher Herrscher eine Rolle. Er setzt sich für die Verbesserung der Lebensverhältnisse ein und verbietet Hexenprozesse. Ihm verdankt es Urs, dass sich sein Lebenstraum erfüllen könnte.
Die Angst vor der Pest und die Suche nach versteckten Schätzen sind zwei wesentliche Themen des Romans. Dabei werden zu beiden Erzählsträngen Vorurteile und Aberglaube mit einbezogen.
Der Roman ließ sich zügig lesen und nur schwer aus der Hand legen.
Eine eingefügte Karte, ein historisches Gedicht zu Beginn, ein Personenregister, Ausführungen der Autorin zu historischen und fiktiven Gegebenheiten und eine Bibliographie sind weiterre positive Aspekte des Buches.
Der Roman hat mir ausgezeichnet gefallen. Ich werde ihn gern weiterempfehlen und freue mich auf weitere Bücher der Autorin.

16.11.2012 07:32:55
Zabou1964

Als Fan der Autorin ist jedes ihrer Werke für mich ein Muss. Nach Ausflügen ins Thüringische spielt ihr neuestes Werk nun wieder in ihrer Heimat, dem Saarland. Außergewöhnlich gut gefällt mir hier das Cover, das mal kein liebliches Frauengesicht zeigt, wie sonst bei historischen Romanen üblich. Zu sehen ist lediglich eine Frauenhand vor einem Stück Holz, auf das das Pestzeichen aufgemalt ist.

Die Geschichte spielt in der Zeit nach dem Dreißigjährigen Krieg, also Mitte des 17. Jahrhunderts. Deutschland ist geprägt von Armut und nahezu ausgestorbenen Landstrichen. Hunger und Pest sind die Plagen, mit denen die Menschen zu kämpfen haben. Entsprechend viel Neid und Aberglaube herrscht in der Bevölkerung. In diesem düsteren Szenario durchlebt die Heldin Susanna ein Wechselbad der Gefühle. Zurückgekehrt von ihrer Tante, der sie eine Ziege brachte, findet sie den elterlichen Hof verwüstet und ihre Familie ermordet vor. Lediglich der Vater hat schwer verletzt überlebt und vertraut ihr in seinen letzten Minuten ein Geheimnis an. Es gibt ein Heft mit magischen Formeln, das zu einem Schatz führt. Doch dieses Büchlein ist der Grund für den Überfall auf das Bauernhaus. Und die Schurken, die es in ihren Besitz bringen wollten, geben noch lange nicht auf. Susanna bleibt nur die Flucht, auf der sie dem jungen Schweizer Urs begegnet. Gemeinsam begeben sie sich auf die gefährliche Suche.

Der Autorin ist es wieder einmal hervorragend gelungen, die düstere Stimmung der damaligen Zeit zu schildern. Insbesondere der Aberglaube der Menschen und die panische Angst vor der Pest prägen diese Geschichte. Susanna ist ein selbstbewusstes Mädchen, das trotz zahlreicher Rückschläge ihr Ziel im Auge behält. In einigen Szenen erschien sie mir dagegen etwas naiv, was für eine junge Frau ihres Alters jedoch völlig natürlich ist. Ihr Weggefährte Urs möchte eigentlich Heiler werden, wird aber vom Vater genötigt, sich als Soldat einzuschreiben. Er fügt sich zunächst in sein Schicksal, entwickelt sich im Laufe der Geschichte aber weiter und wird mutiger. Auch die Beweggründe für Jeremias’ Handeln schildert die Autorin nachvollziehbar.

Am Anfang des Buches bietet ein ausführliches Personenregister dem Leser die Gelegenheit, sich zu orientieren. In einem Nachwort berichtet die Autorin über ihre Recherchearbeit und erklärt ihren Lesern, welche Figuren und Orte real sind und was ihrer Fantasie entsprungen ist.

Fazit:
Der Autorin ist es gelungen, eine spannende und mitreißende Geschichte über ein Mädchen in einer dunklen Zeit, die von Aberglaube und Neid geprägt war, zu schreiben.
© Simone Kühlewind

14.10.2012 16:40:34
lesemoni

ich fand das Buch superspannend aber auch beängstigend realistisch wie gut die Autorin die Pest beschrieben hat.Ich mußte beim lesen immer wieder nachschauen ob ich nicht irgendwo Beulen an mir entdecke :-)

Ich hatte das Buch nun innerhalb von 2 Tagen verschlungen und es auch schon verschenkt,denn Fans der Autorin wissen genau, wo Zinßmeister draufsteht ist auch Zinßmeister drin. Nun heißt es leider wieder geduldig sein und warten bis im nächsten Jahr hoffentlich wieder ein Roman der Autorin erscheinen wird.

Dieses Buch ist wieder fantastisch geschrieben und für Deana Zinßmeister Fans ein unbedingtes MUSS :-)und für Neulinge die noch kein Buch der Autorin gelesen haben sehr empfehlenswert !!!!