Der ungeladene Gast

Erschienen: Januar 2012

Bibliographische Angaben

  • DVA, 2012, Titel: 'The Uninvited Guest', Originalausgabe

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Almut Oetjen

Buch-Rezension von Almut Oetjen Sep 2012

Kurzgefasst:

Ein schöner Frühlingsabend im Jahr 1912: Es ist Emerald Torringtons zwanzigster Geburtstag. Das schon etwas heruntergekommene Sterne-Anwesen blitzt und glänzt, ein großes Dinner mit Freunden der Familie ist geplant. Doch ein Zugunglück, nur einige Meilen entfernt, sorgt dafür, dass eine Schar derangiert aussehender Passagiere vor der Tür steht und Einlass begehrt. Von nun an läuft nichts mehr nach Plan - und dann taucht auch noch ein Nachzügler auf, der ein dunkles Geheimnis mit der Hausherrin teilt. Während draußen ein nächtlicher Sturm heraufzieht, beginnen drinnen Anstand und Dekorum davonzuwehen und dem Chaos den Weg zu bereiten ...

 

Die Erzählung beginnt und endet im Landsitz Sterne in Nordwestengland am letzen Apriltag des Jahres 1912. An diesem Tag wird Emerald Torrington 20 Jahre alt. Morgens treffen Emerald und Haushälterin Florence Trieves Vorbereitungen für die Geburtstagsfeier, während Mutter Charlotte und der zwanzigjährige Bruder Clovis den Tag mit sich selbst verbringen. Witwe Charlotte ist in zweiter Ehe verheiratet mit Edward Swift. Imogen, genannt Smudge, das jüngste Familienmitglied, trifft eigene Vorbereitungen für, wie sie es nennt: das Große Unterfangen. Edward nimmt an der Feier nicht teil, er hält sich in Manchester auf, um Mr. Jarvis um ein Darlehen für den Erhalt und die Rettung des heruntergekommenen Anwesens zu bitten.

Da der Landsitz dem Ort eines schweren Zugunglücks bei Tibbets Cross am nächsten gelegen ist, werden die Torringtons gebeten, eine Notunterkunft für die Überlebenden bereitzustellen. Dies sind, abgesehen von Charlie Traversham-Beechers, einem alten Bekannten Charlottes, ausnahmslos Reisende der Dritten Klasse. Sie werden im Frühstückszimmer untergebracht. Die Familie verhält sich so, als wären diese Gäste nicht anwesend und setzt die Geburtstagsfeier fort. Charlie schleimt sich bei Clovis ein und wird zum Essen eingeladen. Er tritt mit einer für die Anwesenden irritierenden Unverfrorenheit auf und schlägt ein Gesellschaftsspiel vor, in dem Menschen bloßgestellt werden: Treibjagd.

Stolz und Vorurteil

Die Torringtons drohen das Anwesen an Gläubiger zu verlieren. Sie haben nur noch wenig Personal, ein Teil des Hauses ist nicht bewohnbar. Die Zukunft liegt in den Händen von Edgar Swift, den Emerald und Clovis nicht mögen. Die Familie ist nicht von Adel, es handelt sich um Aufsteiger. Die Unfallopfer aus der Dritten Klasse erinnern Charlotte an ihre Vergangenheit, weshalb sie die Menschen auch nicht sehen will. Charlotte ist keine sympathische Figur. Ihre Weltsicht ist bestimmt durch Klassendenken und Stolz auf den von ihr angenommenen Platz in der Gesellschaft. Jones verwendet viel Raum auf die Beschreibung äußerer Merkmale, auf Juwelen, Frisuren und Kleidung. Mit den Unfallopfern hält die Unterschicht Einzug in das Leben der Torringtons - Schmutz, schlechte Bekleidung und Manieren.

Die Unfallopfer lassen sich trotz "Auslagerung in den Randbereich" nicht ausblenden. Sie werden laut, haben Hunger, fühlen sich vernachlässigt. Ihnen wird Tee gebracht und ein wärmendes Feuer entfacht. Daraus ergibt sich ein Kontakt, aus dem heraus Ansprüche artikuliert werden. "Die Reisenden, satt, aber immer noch unzufrieden, hatten angefangen, ihre Stimmen aufs Neue zu erheben."

Frau und Bild

Charlotte pflegt ihre Idealvorstellung von einer Frau oder der Sphäre des Weiblichen. Sie verabscheut Emeralds Freundin Patience, weil diese intelligent ist, die Universität besucht, einen Ort, den sie der männlichen Sphäre zuordnet. Es missfällt ihr, dass Emerald sich für Wissenschaften interessiert. Zum Thema der Klassenzugehörigkeit kommt das der Geschlechterbeziehung hinzu. Dies nicht nur im Umfeld der um den Geburtstag angelegten Erzählung, sondern auch in der Gestaltung von Abgründen, in denen sich Charlotte und Florence Jahre zuvor bewegt haben, wie einer der Gäste gelegentlich zum Leidwesen der beiden Frauen vor den anderen ausbreitet.

 

 

Charlotte "hatte ihr Leben so eingerichtet, dass sie nie wieder dritter Klasse reisen musste. Sie würde auf keinen Fall mitleidig die Hände ringen wegen Leuten, die sie immer noch benutzten."

 

Momente der Auflösung in Charlottes Welt werden offensichtlich mit dem Eintreffen der Unfallopfer. Von da an treibt Jones ihre Figuren an den Rand und darüber hinaus in einen möglichen Lernprozess für alle Beteiligten. Das Buch schließt mit dem Hinweis auf angeblich engstirnige Hühner. Zudem gibt es einen kurzen Sprung der Erzählung in das Sujet der Ghost Story.

Kreise und Grenzziehungen

Einen Kreis erzeugt die Autorin über den Einstieg in den Roman und den "Vorhang" am Ende, einen weiteren über die Begriffe "Hühner - die dümmste Gans - engstirnige Hühner" (zu Beginn haben die Torringtons keine Hühner, am Ende überlegen sie welche zu halten, aber da Hühner engstirnig sind, passen sie wohl nicht mehr zu ihnen). Ein anderer Kreis ergibt sich durch die Überschriften für das erste(Edward Swift reist ab) und letzte (Edward Swift kehrt zurück) Kapitel.

Im Roman begegnen dem Leser immer wieder Abgrenzungen von Gegensätzen ("Ein Stück vom Haus entfernt bildete ein Graben am Rand des Gartens die Grenze zwischen Ordnung und freier Natur."). Sterne besteht aus zwei Häusern, dem Herrenhaus aus rotem Backstein und einem scheunenähnlichen Gebäude aus Naturstein. Das Beet ist mit Unkraut durchsetzt, Kummer und sexuelle Anziehung bilden ein seltsames Paar.

Weiter gibt es Hinweise auf Entfernungen, wie auf die Distanz zwischen Haus und Baum, die mit Spucke überwunden wird. All dies korrespondiert mit dem Klassenthema, den gesellschaftlichen Unterschieden, der ersten und dritten Klasse, die wir aus der Titanic kennen, die zwei Wochen vor den Geschehnissen auf Sterne untergegangen ist. Die Nähe beider Ereignisse führt mit Nachdruck zur Betonung der Frage, ob Sterne und seinen Bewohnern ein ähnliches Schicksal bevorsteht.

Fazit

Die Geschichte spielt vor hundert Jahren und liest sich auch so, wenngleich sie, wie man heute sagen würde, behutsam modernisiert anmutet. Zweifellos wird der Umgang mit Sprache einigen Leserinnen Vergnügen bereiten, manche gar in Wallungen versetzen. Für diese Zielgruppe ist Jones' Buch ein solider Frauenroman.

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