Das Haus in der Löwengasse

Erschienen: Januar 2012

Bibliographische Angaben

  • Rowohlt, 2012, Titel: 'Das Haus in der Löwengasse', Originalausgabe

Couch-Wertung:

65
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Daniela Loisl
Unterhaltsame Liebesgeschichte in historischer Gewandung

Rezension von Daniela Loisl Sep 2012

Kurzgefasst:

Ende des 19. Jahrhunderts: Pauline Schmitz ist Waise. Nach dem Tod ihres Onkels auf sich gestellt, findet die junge Frau eine Anstellung als Gouvernante in Bonn. Der Hausherr hat Hintergedanken: Als sich Pauline gegen seine Nachstellungen zur Wehr setzt, steht sie plötzlich auf der Straße - mit nicht mehr, als in einen Koffer passt. Mittellos und ohne Beziehungen droht Pauline das Schlimmste. Dann kommt ihr das Glück zu Hilfe: Der Kölner Textilfabrikant Reuther nimmt sie in seine Dienste. Und er verliebt sich in sie. Doch Julius Reuther braucht eine Frau mit Geld, will er sein Unternehmen retten. Und Pauline muss sich entscheiden: Folgt sie ihrem Herzen und lebt ein Leben als Mätresse im Verborgenen? Oder geht sie ihren eigenen Weg?

 

Anfang des 19. Jahrhunderts in Bonn. Paulines Onkel, der sie nach dem Tode ihrer Eltern aufgenommen hat und ihr ein angenehmes Leben und eine umfangreiche Bildung geboten hat, ist gestorben. Nun steht die junge Frau alleine da und verdingt sich als Gouvernante im Haushalt der Buschners in Bonn. Doch Herr Buschner stellt Pauline nach und seine Frau ertappt sie in eindeutiger Situation und wirft sie aus dem Haus. Durch Zufall findet sie eine Anstellung als Magd in Köln und trifft so auf den verhärmten Unternehmer Julius Reuther...

Dass die Geschichte im Jahr 1823 spielt, erfährt man erst, als man mitten im Buch über Paulines Geburtsjahr stolpert, denn erwähnt wird im Buch in der Kurzbeschreibung nur das 19. Jahrhundert

Ziemlich vorhersehbar

Die Geschichte beginnt flott und mitreißend, wenngleich man auch schnell erkennt, dass an Klischees nicht gespart wurde. Ein durch den Tod der Eltern arm gewordenes Mädchen wird vom liebenden Onkel aufgenommen, der ihr ein angenehmes Leben bietet und eine gute Bildung zuteilwerden lässt. Als dieser stirbt, steht es vor dem nichts. Sie verdingt sich zuerst als Gouvernante, dann als arme Magd ihren Lebensunterhalt und trifft durch Zufall auf den reichen Fabrikanten Reuther, der sich sofort auf den ersten Blick in sie verliebt und als Gouvernante für seine Kinder einstellt... Mehr bräuchte man eigentlich nicht zu erzählen, um den ganzen Verlauf der Geschichte nicht ganz genau zu kennen.

Petra Schier hat das Talent, den Leser schnell in ihre Erzählung zu ziehen, skizziert im Eiltempo die Figuren - Protagonistin Pauline ist gut, hübsch, klug und fleißig, natürlich ebenso gut ansehend, mürrisch (aber natürlich mit gutem Kern) und grundehrlich ebenso wie auch Julius Reuther. Nur die "Bösen" sind nicht alle ganz so schwarz/weiß gezeichnet, sondern der eine oder andere zeigt doch ein paar Schattierungen.

Darsteller gibt es viele und alle gehören entweder zu den Guten oder eben zu den nicht so Guten. Um nicht nur zu erzählen, wie die beiden Protagonisten sich finden, hat Schier Julius Reuther einen Unbekannten zur Seite gestellt, der es nicht so gut mit ihm meint und ihm einige Probleme bereitet. Wenngleich man relativ bald eine sehr starke Vermutung hat, wer denn dies sein könne, so bringt dieser Part doch auch so etwas wie Spannung in die Erzählung.

Sprachlich einfach, aber mitreißend

Wer Petra Schiers Bücher kennt, weiß, dass man keinen literarischen Höhenflug erwarten kann, sondern einfach kurzweilige Unterhaltung und darauf versteht sich die Autorin auch sehr gut. Die Liebesgeschichte ist zweifelsfrei sehr leicht und einfach, und auch wenn man im Grunde von Beginn an weiß, wie die Geschichte enden wird, so bereitet einem der Roman doch angenehme Stunden, die schnell vergehen. Längen kommen nie auf, da Schier es äußerst gut versteht, das Tempo in der Erzählung stets flott zu halten.

Fehlen jeglichen historischen Hintergrunds

Ein Manko hat die leichte und unterhaltsame Geschichte aber dennoch: Das Buch könnte im Grunde genommen genauso in der Renaissance wie im Barock oder auch in der Zeit des Jugendstils spielen, denn irgendwelche historisch politische Hintergründe oder andere Geschehnisse, woran sich die Zeit, in der die Geschichte spielt, festmachen lässt, gibt es nicht. Es ist einfach ein Roman mit historisch gekleideten Figuren, in einer Zeit, in der die Frauen noch nichts zu sagen hatten.

Wer also in irgendeiner Weise auch auf geschichtlich zeitgenössische Information hofft, jemand der Wert auf Authentizität legt und mehr aus der Zeit selbst erfahren möchte, sollte lieber die Finger davon lassen. Der Roman ist unterhaltsam, kurzweilig und leicht zu lesen und wer einfach Ablenkung sucht, um dem grauen Alltag zu entfliehen, wird mit diesem Buch von Petra Schier auch das Richtige bekommen.

Das Haus in der Löwengasse

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