Pola

Erschienen: Januar 2012

Bibliographische Angaben

  • Berlin, 2012, Titel: 'Pola', Originalausgabe

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45
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Daniela Loisl
Zu viel gewollt, aber nicht erreicht

Rezension von Daniela Loisl Sep 2012

Das nationalsozialistische Deutschland Mitte der Dreißiger Jahre. Pola Negri, großer Star der Stummfilmzeit, kommt zurück aus den USA nach Deutschland. Hitler ist von ihr begeistert und die Diva setzt alles daran, hier wieder Fuß zu fassen und dort anzuschließen, wo sie in Hollywood einst aufhörte. Doch ihre Hochzeit ist lange vorbei und so versucht sie krampfhaft und mit allen Mitteln, wieder zu dem Ruhm zu gelangen, den sie einst genossen hat.

Eine ungewöhnliche Romanbiografie einer noch ungewöhnlicheren Frau

Daniela Dröscher wurde für ihr Erstlingswerk Die Lichter des George Psalmanazar mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Koblenzer Literaturpreis 2012. So sind die Erwartungen in die junge Autorin natürlich hoch und mit Freude darf man feststellen, dass sie mit diesem Buch wieder ins historische Genre zurückgekehrt ist. Doch mit Pola kann sie an ihren Debutroman nicht anschließen, weder sprachlich noch erzählerisch.

Pola Negri, geboren 1897 im russischen Lipno als Apolonia Chalupiec, wird als Tänzerin ausgebildet und 1917 von Ernst Lubitsch, ein deutsch-amerikanischer Filmregisseur, in Berlin entdeckt. Als erster deutscher Star erhält sie einen Vertrag in Hollywood und avanciert zum Star der Stummfilmzeit. Pola Negris Leben ist bunt, schrill und voller Facetten. Bei dem ereignisreichen Leben Polas würde man annehmen, dies sei Stoff genug für einen Roman, doch nicht für Daniela Dröscher.

"Es war der Tag, an dem Pola Negris Karriere zu Ende ging." Mit diesem Satz beginnt die fiktionale Biografie einer exzentrischen Frau. War Dröschers Sprache in ihrem Debutroman ein Genuss, so wirkt sie hier nicht nur zu modern und somit zeitlich deplatziert, sondern zeitweilig sogar befremdlich. Zusammengesetzt, ohne einen durchgehenden stilistischen roten Faden zu finden, wirken viele Passagen einfach aufgesetzt. Sehr gewollt wirkt so manches Stilmittel, zu dem die Autor greift. Können Sätze, die lediglich aus Subjekt und Verb bestehen, eine nüchterne und gefühllose Szene für den Leser noch greifbarer machen, so hat Dröscher diesen sprachlichen Duktus jedoch überstrapaziert, sodass die Erzählung dadurch oft flach und unbeholfen wirkt. Überhaupt vermittelt Dröschers Sprache eher das Bild einer unerfahrenen Autorin, die noch auf der Suche nach dem richtigen Stil ist, als der einer bereits ausgezeichneten Schriftstellerin.

Jede Menge Persönlichkeiten

Pola selbst ist alles andere als eine sympathische Figur, was sicher nicht der Autorin anzulasten ist. Exzentrisch, von sich selbst eingenommen und den Sinn für die Realität verloren, tritt Pola dennoch als große Diva mit Starallüren auf. Um so etwas wie Verständnis für Pola aufkommen zu lassen oder zumindest den Versuch, ihr Verhalten erklärbar zu machen, hätte es einen intensiven Blick in ihre Vergangenheit bedurft, dem Dröscher aber leider nicht - bzw. nur sehr spärlich und oberflächlich -  nachkommt. Da ist die Begegnung mit den vielen Stars, Literaten oder politischer Persönlichkeiten der Zeit eine wahre Wohltat, wenngleich auch hier so manche "Begegnung" wie hingeworfen wirkt. Rudolph Valentino, Charlie Chaplin, Rainer Maria Rilke, Nancy Reagan, Willi Forst und noch viele andere Berühmtheiten finden Erwähnung oder haben einen Auftritt in der Roman-Biografie.

Die Erzählung wirkt wie das Fragment einzelner Teile, die wild zusammen gefügt wurden, ohne darauf zu achten, ob die einzelnen Teile auch wirklich zueinander passen. Dazu kommt noch, dass der Autorin das ereignisreiche Leben ihrer Protagonistin nicht gereicht hat, fügte sie doch noch mehr Kopfschütteln auslösende Eskapaden hinzu, als die Diva sich ohnehin geleistet hat. Vereinzelt finden sich auch noch geschmacklose Beischlafszenen und andere unschöne Ereignisse, die die ab und zu humorvoll anmutenden Szenerien, die zweifelsfrei zwischendurch aufblitzen, auch noch ihrer Wirkung entheben.

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