Die Leidenschaft des Cervantes

Erschienen: Januar 2012

Bibliographische Angaben

  • DuMont, 2012, Titel: 'Cervantes Street', Originalausgabe

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Rita Dell'Agnese
Ein großes Stück Erzählkunst

Buch-Rezension von Rita Dell'Agnese Sep 2012

Kurzgefasst:

Spanien im 16. Jahrhundert: Miguel de Cervantes, ein armer, aber talentierter junger Mann mit einer großen Leidenschaft für die Dichtkunst, führt ein Leben, das abenteuerlicher kaum sein könnte. Als er einen Mann bei einer Schlägerei tötet, muss er aus Sevilla fliehen, und sein adliger Freund Luis Lara hilft ihm dabei. Zurück lässt Cervantes seine heimliche Liebe. Mercedes die Frau, die seit jeher Lara versprochen ist. Doch dieser findet heraus, dass Cervantes ihn hintergangen hat, und die Freundschaft der beiden Männer zerbricht.

Nach einer Odysee durch die halbe Welt schafft es Cervantes Jahre später wieder zurück nach Spanien. Er lässt sich in dem abgelegenen Dorf La Mancha nieder, um sein Meisterwerk niederzuschreiben: Don Quijote. Sehr zum Ärger Luis Laras, der Cervantes auf Schritt und Tritt überwachen lässt und schließlich mit seinem eigenen Werk einer falschen Fortsetzung von Don Quijote versucht, Cervantes den Ruhm abzutrotzen...

 

Wer kennt ihn nicht, den Klassiker Don Quijote? Bedeutend weniger dürften aber mehr über den Verfasser von Don Quijote wissen: Miguel de Cervantes. Ihn stellt der kolumbianische Autor Jaime Manrique in den Mittelpunkt seines Romans Die Leidenschaft des Cervantes. Und damit öffnet er den Lesern eine farbenprächtige, wenn auch grausame Welt. Denn Miguel de Cervantes hat keineswegs ein geruhsames Leben als Schriftsteller verbracht, nach heutigen Maßstäben könnte er wohl als Abenteurer, mindestens aber als Glücksritter bezeichnet werden. Genau dies arbeitet Jaime Manrique ausgezeichnet heraus. Er präsentiert seinen Lesern ein großes Stück Erzählkunst und wird damit dem spanischen Schriftsteller Cervantes absolut gerecht.

Um die Zerrissenheit Miguel de Cervantes sichtbar zu machen, bedient sich der Autor Jaime Manrique eines einfachen, aber wirkungsvollen Stilmittels. Er setzt mehrere voneinander unabhängige Erzähler ein. Zum einen ist es Miguel de Cervantes selber, der in Ich-Form von seinen Erlebnissen erzählt. Zum anderen ist es der einstige Freund Miguels, Luis Lara, der Cervantes beschreibt. Und schließlich gesteht Manrique einem dritten Erzähler einen Part zu, in dem er dem verbitterten Luis Lara die späten Ereignisse in Cervantes Leben schildert. Dieser Wechsel der Erzählperspektive fordert den Leser, gibt ihm aber gleichzeitig das Gefühl, einer Verhandlung zu folgen, die zum Zwecke geführt wird, geheimste Gedankengänge sichtbar zu machen.

Schlachtengetümmel und Sklaverei

Manrique beginnt sein eindruckendes Portrait Cervantes mit dem Ereignis, das den jungen Studenten unvermittelt zwingt, Madrid zu verlassen: In einem Streit nach einer durchzechten Nacht am Spieltisch verwundet Cervantes seinen Widersacher und flieht. Zunächst findet er Unterschlupf ihm Heim seins Freundes Luis Lara. Als klar wird, dass Cervantes für seine Bluttat die rechte Hand verlieren soll, flüchtet er nach Italien, wo er kurzzeitig in die Dienste eines belesenen Kardinals tritt. Im Wunsch, als Held in sein Vaterland zurückkehren zu können, tritt Cervantes in eine Einheit der spanischen Marine ein. Nur durch viel Glück überlebt er die Schlacht von Lepanto, büßt dabei aber seine linke Hand ein. Auf dem Weg zurück in seine Heimat fällt der schwer angeschlagene Cervantes algerischen Korsaren in die Hände und landet in einem Gefangenenlager in Algier. Dort trifft er auf den findigen Sancho Panza, der ihm beibringt, mit den Schrecken der Sklaverei zu leben. Sehr geschickt webt Jaime Manrique etliche der tragenden Figuren aus Don Quijote in seinen Roman ein. Ohne ausdrücklich darauf einzugehen, macht er klar, dass Cervantes seinen Roman an die Begegnungen mit diesen Personen anknüpft.

Faszinierender Perspektivenwechsel

Es ist nicht nur das abenteuerliche Leben des Miguel de Cervantes, das diesen Roman auszeichnet. Abgesehen von der gewählten Sprache ist es vor allem der Perspektivenwechsel, der dem Roman Würze verleiht. So schält sich mit der Zeit heraus, woran die Freundschaft zwischen Miguel und Luis zerbrochen ist und weshalb Luis Lara Zeit seines Lebens von Rachegedanken durchdrungen ist. Oft scheint es, als würde Jaime Manrique nach und nach ein Tuch von einem Gemälde ziehen, das die ganze Wahrheit über den spanischen Dichter offenbart. Bis zum Schluss wird der Leser dabei einem Wechselbad der Gefühle unterworfen: War Miguel de Cervantes ein Held oder war er ein Gauner, dem das Glück immer wieder hold war? Jaime Manrique überlässt es seinem Publikum, sich eine Meinung darüber zu bilden.

So fulminant Manrique in den Roman startet, so überzeugend der Mittelteil ausfällt, so muss man dennoch Abstriche machen. Besonders der letzte Teil des Romans schwächelt und bremst das forsche Tempo, das bis dahin angeschlagen wurde, merklich ab. Doch dies ist lediglich eine kleine Eintrübung in einem an sich makellosen Bild. Wer immer eine Mischung aus Abenteuerroman, Biographie und Anlehnung an große Literatur mag, wird hier voll und ganz auf seine Kosten kommen. Jaime Manrique legt einen bemerkenswert lebendigen und überzeugenden historischen Roman vor, der nicht nur Don Quijote-Fans begeistern dürfte.

Sehr schön ist auch, dass der Verlag dem Werk sowohl ein höchst ansprechendes Cover verpasst hat und mit einem übersichtlichen Glossar aufwartet - dadurch wird das Buch zu einer hochwertigen Ausgabe, die anzuschaffen sich auf jeden Fall lohnt.

 

Die Leidenschaft des Cervantes

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Letzte Kommentare:
11.10.2014 13:27:53
yvonne hoyer

Man braucht ziemlich viel Mut, um durchzuhalten und dieses Buch bis zum Ende zu lesen. Aber der spannende Stil hilft einem über die furchbare Grausamkeit des Lebens, die Manrique sehr detailreich beschreibt, hinweg. Man leidet - am ständigen Unglück des Helden, an der Niedertracht und gleichzeitigen Pein, des ehemaligen Freundes und an der Trivialität der dritten erzählenden Person, die allerdings erzähltechnisch nötig ist, um ein klares Bild vom Charakter und der weit überlegenen, genialen Erzählkunst Cervantes zu schaffen. Ich muß gestehen, es hat mich deprimiert und doch konnte ich nicht lassen. Das macht - denke ich gute Literatur aus. Man ist gebannt. Und: Die Leidenschaft des Cervantes ist in gewissem Sinne auch ein philosophisches Werk, das zum Nachdenken anregt und erkennen läßt, dass sich eigentlich gar nichts ändert in dieser Welt.