Die dunkle Muse

Erschienen: Januar 2012

Bibliographische Angaben

  • Gmeiner, 2012, Titel: 'Die dunkle Muse', Originalausgabe

Couch-Wertung:

88

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Daniela Loisl
Psychologisch ausgefuchstes Katz- und Mausspiel

Buch-Rezension von Daniela Loisl Aug 2012

Kurzgefasst:

Berlin 1865. Julius Bentheim, junger Student der Rechte, verdient sich ein Zubrot als Tatortzeichner. Als eine Prostituierte bestialisch ermordet wird, begleitet er die Ermittlungen. Da alle Beweise gegen den Philosophieprofessor Botho Goltz sprechen, wird dieser vor Gericht gestellt. Julius verfolgt die Verhandlung gegen den vermeintlichen Mörder. Schon bald erkennt er die undurchsichtige Strategie des Professors, an deren Ende die Kapitulation des preußischen Rechtsapparats stehen könnte.

 

Berlin 1865. Ein Mord geschieht und der Täter ist gefasst, er hat sogar selbst dafür gesorgt, dass die Polizei gerufen wird. Um dennoch alles penibel festzuhalten, wird der junge Student Julius Bentheim, der sich ein Zubrot mit Tatortskizzen verdient, in die Wohnung des Mordopfers gerufen, um Zeichnungen des Schauplatzes anzufertigen.

Alles scheint einfach und klar - bis es zum Prozess kommt und der vermeintliche Mörder sein Geständnis widerruft.

Innovative Herangehensweise

Den Kriminalfall selbst erzählt Armin Öhri eigentlich von hinten nach vorne. Man kennt den Täter von Anfang an - glaubt man zumindest. Oder ist doch nicht alles so eindeutig wie es den Anschein hat?

Öhri scheint den Leser an der Nase herumzuführen. Gleich zu Beginn erlebt man sehr intensiv mit, wie die junge und naive Lene, die sich als Prostituierte verdingt, in eine grausame und wohldurchdachte Falle tappt, aus der es kein Entrinnen gibt. Der Tathergang scheint klar und der Täter ist geständig. Bentheim wird nur von der Polizei dazu gerufen, um alles genau zu dokumentieren. So enden in der Regel Kriminalromane - aber Öhri wäre nicht Öhri, würde er alles so machen wie die Mehrheit erwartet. Scheint alles noch so klar zu sein, ahnt der Leser natürlich, dass dies nicht alles gewesen sein kann.

Eine der Hauptszenen spielt im Gericht, und dass diese dem Autor ein regelrechtes Vergnügen bereitet hat, liest man aus jedem Satz heraus. Leise schweben dem Leser Szenen aus Billy Wilders "Zeugin der Anklage" durch den Kopf; die Anklage ist sich ihrer Sache sicher, der Beklagte wirkt souverän und man erlebt einen hervorragenden Schlagabtausch zwischen Anklage und Verteidigung mit temporeichen Wendungen.

Authentische Schauplätze

Öhri beleuchtet seine Szenen grandios. Ohne langwierige Beschreibungen und ohne unzählige Adjektive, gelingt es ihm auf sehr geschickte Weise, ein komplexes Bild des Schauplatzes und des Berlins von 1865 zu schaffen. Die Szenenwechsel vom beklemmend düster wirkenden Mietshaus, in dem der Mord geschieht, in die Wohnung Bentheims und seines Freundes Krosick, dem soliden und eleganten Heim Fanny Lewalds, dem verrucht wirkendem Haus eines Unbekannten in dem eine Orgie stattfindet oder ein einfaches Lokal, in dem sich die Freunde treffen und unterhalten, zeichnet Öhri auf cineastisch plastische Weise. Die sehr unterschiedlichen Schauplätze wähnen den Leser in einem 3D-Film; nicht nur Ort und Licht, sondern auch die Atmosphäre, die Gerüche und die Wirkung auf das eigene Gemüt werden intensiv spürbar. Der Autor schafft eine gänzlich neue Welt, in der seine Darsteller nicht als Darsteller, sondern als Beheimatete agieren. Ohne bewusst wahrzunehmen wie, kennt der Leser auch sämtliche Details und die Beschaffenheit der jeweiligen Räume und Orte, in denen er sich unsichtbar zwischen den Protagonisten bewegt, um alles mitzuhören, zu spüren, zu erleben.

Öhri ist in den unterschiedlichsten Welten zu Hause. Vom einfachen und beklemmend wirkenden Heim eines Predigers, in die strengen und nüchternen Räume des Gerichts wechselt er ebenso professionell und glaubwürdig, wie dort auch seine Figuren agieren.

Unvergleichbare Charaktere

Ein weiteres Highlight sind Öhris Charaktere. Vielschichtig und tiefgründig, verschlagen und mit allen Wassern gewaschen, mitfühlend und humorvoll, aber auch kompetent und sicher, trifft man auf jede Menge unterschiedlicher Gestalten und Persönlichkeiten. Kein Charakterzug, der einem nicht bekannt ist, keine Figur, der man nicht schon einmal begegnet ist oder von Bekannten erzählt bekommen hat.

Als kleines "Zuckerl" verschafft der Autor dem Leser noch das Vergnügen, berühmten Persönlichkeiten wie Theodor Fontane, Hermann Goedsche alias Sir John Retcliffe oder auch Ludwig Feuerbach oder Max Stirner zu begegnen oder sie zumindest in einem Gespräch erwähnt zu wissen. Diese kleinen, aber gekonnt gesetzten Akzente bereichern die sehr flott und ereignisreiche Geschichte noch zusehends.

Dieser ungewöhnliche Krimi ist ein fulminanter Auftakt zu einer Reihe, und da der Autor den Focus nicht nur auf die Ermittlungen des Falls gelegt hat, sondern seinem Protagonisten Bentheim auch noch ein ereignisreiches und nicht gerade einfaches Privatleben zugestanden hat, darf man gespannt sein, was der sympathische Tatortzeichner und seine Freunde künftig noch alles erleben werden.

Die dunkle Muse

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Letzte Kommentare:
08.02.2013 17:57:39
tassieteufel

Im Berlin des Jahres 1865 verdient sich der Student der Rechte Julius Bentheim ein Zubrot als Tatorzeichner. Als eine junge Prostituierte regelrecht abgeschlachtet wird, wird auch er zum Tatort gerufen um dort seine detaillierten Zeichnungen zu machen. Alles deutet auf Philosophieprofessor Botho Goltz hin, der die Tat auch einer Nachbarin der Toten gestanden hat, doch als man den Professor vor Gericht stellt, sieht plötzlich alles ganz anders aus. Goltz ist ein gewiefter Manipulator, der offensichtliche Beweise ins Gegenteil verkehrt und der zunächst so eindeutige Fall scheint plötzlich einen völlig anderen Ausgang zu nehmen.

Gibt es den perfekten Mord? Dieser Frage sind ja schon einige Autoren nachgegangen, Armin Öhri geht in seinem historischen Krimi sogar noch einen Schritt weiter, in dem er seinen Mörder die These aufstellen lässt, dass der Mord erst dann perfekt ist, wenn der Mörder gefaßt, aber freigesprochen wird. Ob das möglich ist, wird der geneigte Leser erfahren, wenn er „die dunkle Muse“ liest. Daher beginnt dieser Krimi auch mit der Schilderung der recht brutalen Mordtat, als Leser kennt man so von Anfang an die Identität des Opfers und weiß, wer der Mörder ist. Professor Goltz wird verhaftet und vor Gericht gestellt, alles recht eindeutig! Wenn man sich nun fragt, wie aus all diesen offensichtlichen Fakten nun ein spannender Krimi werden könne, der wird sich schon bald wundern, denn der Professor ist nicht nur sehr intelligent, sondern auch manipulativ, intrigant und mit allen Wassern gewaschen. Staunend verfolgt man hier als Leser, wie der Professor mit allen möglichen Tricks arbeitet und Schritt für Schritt sämtliche Beweise widerlegt, Zweifel an der Identität des Opfers sät und die Vertreter der Anklage ganz schön alt aussehen lässt. Während der Szenen vor Gericht fliegen die Seiten nur so dahin beim Lesen und man weiß gar nicht so genau, ob man den Professor für seine Hinterhältigkeit bewundern soll oder ihm nicht doch lieber den Hals umdrehen will, angesichts der Ungeheuerlichkeit, die da vor Gericht passiert.
Neben dem eigentlichen Krimifall wird das Geschehen noch durch verschiedene Episoden aus dem Leben von Student Julius Bentheim aufgelockert, der durch seine Tätigkeit als Tatortzeichner in den Fall involviert ist und der auch das Geschehen vor Gericht mit verfolgt. Julius Privatleben ist mehr als ereignisreich und nimmt zeitweise auch recht dramatische Züge an. Eingebettet ist das Ganze in einen sehr plastisch geschilderten historischen Hintergrund. Für mich wurde hier das Berlin Mitte des 19. Jahrhunderts lebendig, egal ob in düsteren Mietshäusern, in eleganten Salons, vor Gericht oder im Haus des frömmelnden und engherzigen Pastors Sternberg, ich konnte hier in eine vergangene Zeit eintauchen und mir die Örtlichkeiten sehr detailliert vorstellen. Diese stimmige Atmosphäre wird noch durch einige reale Persönlichkeiten wie Theodor Fontane, Fanny Lewald oder Hermann Goedsche unterstützt, die sporadisch durch die Geschichte geistern und ihr einen Hauch von Realität verleihen.
Ein weiterer Pluspunkt des Buches sind die wirklich vielschichtigen Charaktere, die mit Ecken und Kanten aufwarten und eine breite Palette menschlicher Eigenschaften aufzeigen.
Der Krimifall wird am Ende schlüssig aufgelöst, hier bleiben keine Fragen offen, lediglich im Privatleben von Julius Bentheim gibt es am Ende eine dramatische Wendung, so dass ich hier schon ganz gespannt bin, wie sich das im 2. Teil weiter entwickelt.

FaziT: genauso soll ein historischer Krimi sein: ein spannender Fall, interessante vielschichtige Figuren und ein lebendig geschilderter historischer Hintergrund, der dass Ganze perfekt untermalt!