Die Tochter des Tuchkaufmanns

Erschienen: Januar 2012

Bibliographische Angaben

  • Gmeiner, 2012, Titel: 'Die Tochter des Tuchkaufmanns', Originalausgabe

Couch-Wertung:

78
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Daniela Loisl
Unterhaltsame Geschichte, interessante Figuren

Rezension von Daniela Loisl Aug 2012

Kurzgefasst:

Ulm im Jahr 1485. Die kaufmännisch begabte Jolanthe rivalisiert mit ihrer Schwester Sieglinde um das Unternehmen ihres kranken Vaters. Als auch noch Pascal, ein undurchsichtiger französischer Kaufmann, sich auffallend um die beiden Schwestern bemüht, eskaliert die Situation. Was führt der Fremde im Schilde? Warum hilft er Jolanthe bei ihren heimlichen Geschäften? Sie muss bis in die blühende Handelsstadt Venedig reisen, um die Fäden zu entwirren.

 

Ulm in der Renaissance im Jahr 1485. Seit dem Tod der Mutter sind die beiden Schwestern Sieglinde und Jolanthe mit ihrem Vater allein. Sieglinde, fünf Jahre älter als ihre Schwester, hat das Ruder im Haushalt übernommen und meistert diese Aufgabe perfekt. Jolanthe jedoch verbringt ihre Zeit lieber im Kontor ihres Vaters und führt ihm die Bücher. Stets kommt es zwischen den Schwestern zum Streit, da Jolanthe sich jeder Arbeit im Haushalt entzieht, denn sie träumt davon, selbst Tuchhändlerin zu sein, was aber ihr Vater entschieden ablehnt. Als ihr Vater einen folgenschweren Unfall hat, nutzt Jolanthe die Chance und will ihrem Vater beweisen, was sie zu leisten vermag. Unerwartete Hilfe bekommt sie durch den plötzlich in Ulm erscheinenden Pariser Pascal Pallet, dem ihr Vater aber mit großer Abneigung entgegentritt.

Pascal unterstützt Jolanthe, sie jedoch weiß nicht, weshalb er sich diese Mühe macht und steht dem Ganzen zwar misstrauisch gegenüber, kann sich seinem Charme aber dennoch nicht entziehen...

Schwungvoller Beginn

Gleich mit den ersten Seiten weiß der Leser, wie er sich zu den Figuren positionieren soll, denn Rosemann legt dafür auf einfache, aber sehr eindrucksvolle Weise die richtige Schiene. Nach den ersten Kapiteln ist man vielleicht noch versucht zu sagen, dass dieses Buch eben vom Konflikt zweier Schwestern handelt; die eine gut, die andere böse und letztendlich wird sich natürlich die gute Schwester gegen die böse durchsetzen. Ganz falsch liegt man mit dieser Annahme zwar nicht, aber man wird auch schnell merken, dass dieser schwesterliche Konflikt alles andere als reine Schwarz-Weiß-Malerei ist.

Die Thematik selbst ist nicht sonderlich innovativ, denn historische Romane, die von starken Frauen im Mittelalter, der Renaissance oder auch der Neuzeit handeln, gibt es wie Sand am Meer. Und so stellt auch Jolanthe, die so gerne in den Tuchhandel ihres Vaters einsteigen möchte, keine große Ausnahme dar. Dass dazu noch ein junger und ansehnlicher männlicher Gegenpart die Szenerie betritt, unterstreicht das wenig Innovative dieses Themas auch noch.

Gelungene Figuren

Die Stärke des Buches liegt zweifelsfrei in der Figurenzeichnung. Sind sich die beiden Schwestern auch nicht unbedingt gut gewogen, so spürt man auf Seiten Sieglindes weniger Hass als Neid und Eifersucht. Jolanthe, die um fünf Jahre jünger ist als ihre Schwester, gewährt der Vater ihre "Flausen" und die Arbeit im Kontor. Sieglinde musste sofort nach dem Tod der Mutter die Haushaltsführung übernehmen und wenngleich sie ihre Aufgabe liebt, so wünscht sie sich seitens des Vaters auch mehr Anerkennung dafür. Da dies nicht geschieht, projiziert sie ihre große Enttäuschung und die daraus resultierende Gehässigkeit auf Jolanthe und legt ihr Steine in den Weg, wo sie nur kann. Diesen geschwisterlichen Machtkampf hat die Autorin auf äußerst sensible und empathische Weise dargestellt und letztendlich trägt genau diese Rivalität auch die Geschichte selbst.

Auch der gutaussehende Pascal hat seinen Part, der vom gängigen Klischee erfreulicherweise abweicht. Lange bleibt der Leser im unklaren, ob diese Figur nun doch eher zu den "Guten" oder den "Bösen" gehört. Undurchsichtig bleiben Charakter und Vorhaben Pascals und in dieser Unsicherheit lässt Rosemann den Leser lange und hält so die Spannung stets straff.

Überraschender Schluss

Flüssig und leicht erzählt Susann Rosemann ihre Geschichte und man reist mit den Protagonisten von Ulm nach Venedig und bekommt auch kleine Einblicke in das Gewerbe der Tuchhändler und Weber. Ahnt man zwar, wie sich das Ende des Buches gestalten wird, so erlebt man aber auch eine kleine Überraschung, für die die Autorin Anerkennung verdient, denn die meisten anderen Autoren - und auch Leser - hätten die Beziehung der beiden Schwestern zum Schluss wohl anders gelöst.

Die Tochter des Tuchkaufmanns

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