Minne in Tremonia

Erschienen: Januar 2012

Bibliographische Angaben

  • , 2012, Titel: 'Minne in Tremonia', Originalausgabe

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Carsten Jaehner
Dortmund im Mittelalter

Buch-Rezension von Carsten Jaehner Aug 2012

1224. Die Stadt Tremonia (heute: Dortmund) ist in Aufregung, denn anlässlich des Besuches von König Heinrich VII. und Erzbischofs Engelbert von Köln in Dortmund soll eine Hochzeit stattfinden, die den feierlichen Charakter des Treffens zusätzlich aufwerten soll. Doch der Bräutigam erscheint nicht, sein Troß wurde überfallen und er selbst ist spurlos verschwunden. Gefunden wird er von einem Müller - tot, und da der Müller Angst vor eventuellen Konsequenzen hat, vergräbt er den Toten und verschweigt das Geschehen.

Ritter Ludolf findet den Toten schließlich, doch eine Verbindung zum Müller gibt es nicht. Ludolf jedoch lässt sich von des Müllers Frau in die Künste der Liebe einweisen und schenkt ihr dafür ein Tuch, das er von einem Händler erworben hat. Dieser Händler, bislang unbescholten, wird gerade verdächtigt, minderwertige Ware nach Dortmund einführen zu wollen, obwohl er gerade in Franken war und dort beste Ware eingekauft hat. Jemand muss die Waren vertauscht haben, und das Tuch Ludolfs war noch aus der guten Ware.

Zwischen dem Händler und seinem Konkurrenten entbrennt ein Kleinkrieg, besonders pikant, da des Händlers Sohn Heinrich in die Tochter des anderen, Reinhildis, verliebt ist, und sie in ihn. Ludolf hingegen ist in Rosamunde verliebt, die die Braut des getöteten Bräutigams war. Doch eine Verbindung wäre nicht standesgemäß. Heinrich und Ludolf ziehen aus Dortmund fort, um als Händler erste Erfahrungen zu machen und sich die Liebe ihrer Angebeteten zu verdienen. Wird es ein glückliches Ende geben, und werden der Mord am Bräutigam und der Tausch der Tuchwaren aufgelöst werden?

Vielfältige Handlung, bunte Charaktere

Wilhelm Schöttler zeigt in seinem ehrgeizigen Debütroman auf immerhin 600 Seiten, dass die Stadt Dortmund mehr zu bieten hat als Bier und einen erfolgreichen Fussballverein. Als Handlungsort eher ungewöhnlich, präsentiert er die Stadt in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts als Handelszentrum, berühmt für seine Tuchware und durch seine Anbindung an den Hellweg Umschlagsplatz verschiedener Waren aus fernen und nahen Ländern. Schöttler versteht es, dem Leser die Stadt mit seinen Zünften nahe zu bringen und dies in eine bunte und vielfältige Handlung einzuweben.

Die Hauptcharaktere sind mit dem geschickten Kaufmann Heinrich und dessen Bruder Roland, dem Ritter Ludolf und dem Geistlichen Adelbert drei Männer aus verschiedenen Schichten, von denen Heinrich Ludolf tatsächlich um ihre angebeteten Damen werben, was den Buchtitel "Minne in Tremonia” rechtfertigt. Zwar finden gerade im Mittelteil viele Erzählstränge nicht in Dortmund, sondern auf verschiedenen Handlungsreisen statt, doch zeigt sich hier eine bunte Vielfalt an Möglichkeiten, wie Heinrich und Ludolf zu Ruhm und Ehren kommen.

Die Damenwelt in Form von Reinhildis und vor allem Rosamunde, die Ludolf schließlich nach seiner Rückkehr aus dem Orient im Kloster wiederfindet, ist ebenso vielfältig aufgestellt wie die Herren, und somit ist eigentlich der Boden für einen guten und spannenden Roman bereitet.

Schwache Umsetzung

Aber leider nur eigentlich. Denn obwohl sich der Autor selbst eine spannende und stimmige, dabei in Teilen tatsächlich reale Handlung konstruiert, bleibt er doch in seinen Erzählmöglichkeiten weit hinter dem sichtbaren Ziel. Zwar sind seine Beschreibungen von Ort und Zeit im Großen und Ganzen angemessen, aber seine Dialoge sind hingegen steif, trocken und in dieser Form unrealistisch. Niemand würde solche Sätze tatsächlich aussprechen, gerade wenn ein Gespräch am Ende noch einmal zusammengefasst wird. Fehler werden immer sofort eingesehen, nach dem Motto: "Ich habe eingesehen, dass ich etwas falsch gemacht habe und danke dir dafür, dass du mir das vor Augen geführt hast. Ich will in Zukunft mehr nachdenken, bevor ich vielleicht etwas unüberlegtes und unangebrachtes tun will.” Dieser Satz kommt im Buch zwar nicht vor, doch zeigt er die Sprache auf, in der die Dialoge geführt werden. Das macht es dem Leser schon schwer, am Ball zu bleiben.

Hinzu kommen Fehler im Satzbau und vor allem in der Interpunktion. Sätze wie "Dabei würde er sich in mein Burgleben in größerem Maße als bisher einmischt.” oder "An dem Tag war Viehmarkt, und die Schlachter hatten sich bereits versammelt, um die besten, von den Bauern bereitgestellten, Tiere auszuwählen.” Tauchen gerade auf den ersten 150 Seiten und wieder im letzten Drittel derart gehäuft auf, dass sie den Lesefluss hemmen und man fast aus Verzweiflung über das mangelhafte und erbärmliche Lektorat das Buch unfertig gelesen aus der Hand legen möchte. Leider kommen diese Fehler so geballt vor, dass dies keine Tippfehler sein können, und daher muss dies negativ erwähnt werden. Die Verwendung von Kommas scheint wirklich derart willkürlich, dass man als Leser verzweifeln und den Roman mit roten Anmerkungen an den Verlag zurückschicken möchte.

Steif und trocken

Dadurch gelingt es dem Autor auch nicht, dem gesamten Geschehen packendes Leben einzuhauchen. Da werden Feierlichkeiten wie Hochzeiten, die eigentlich dazu einladen, ein paar fröhliche Sätze darüber zu verlieren, in einem Nebensatz angehandelt und der Leser wird eines freudigen Ereignisses beraubt. Auf der anderen Seite werden unwichtigere Szenen unnötig ausgewalzt. Dabei sind auch die Formulierungen neutral und egal gehalten, so dass beim Leser keine Stimmung aufkommen mag. Hier wurden reihenweise Chancen vertan, den Leser an die Handlung zu ketten.

Insgesamt ist der Spagat zwischen Handlung und Ausformulierung leider gründlich misslungen, was einem ordentlichen Lektorat hätte auffallen müssen. Eine Karte des mittelalterlichen Dortmund wäre hilfreich gewesen, wird jedoch leider vermisst. Gelegentlich sind den Kapiteln Fotos vorangestellt, deren Qualität ziemlich schlecht ist, sodass man das abgebildete Motiv gar nicht richtig erkennen kann. Leider fehlen auch Beschreibungen dessen, was da abgebildet sein sollte, eine Quellenangabe ist nicht vorhanden. Zwar gibt es ein zweiseitiges Nachwort mit Anmerkungen zu Realität und Fiktion, doch ist es gut möglich, das der geneigte Leser es gar nicht bis zu diesen letzten beiden Seiten in diesem Buch aus dem Vindobona-Verlag schafft. Zu viele Unzulänglichkeiten lassen den Leser arg verzweifeln, dazu gehören neben den sprachlichen Schwächen auch inhaltliche. Denn ob es in der Mitte des 13. Jahrhunderts in Dortmund (warum verwendet der Autor immer den Namen Tremonia, wenn er sonst immer die heutigen Namen verwendet? Er schreibt, dass er es tut, aber nicht, warum...) Hühnersuppe mit Nudeln gab, darf doch arg bezweifelt werden. Gute Handlung, schwache Umsetzung. Ärgerlich.

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