Pestsiegel

Erschienen: Januar 2012

Bibliographische Angaben

  • Fischer, 2011, Titel: 'Plague Child', Originalausgabe

Couch-Wertung:

59

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Carsten Jaehner
Enttäuschender Beginn einer neuen Trilogie

Buch-Rezension von Carsten Jaehner Jul 2012

Kurzgefasst:

Als Matthew Neave an einem Septemberabend 1625 den Auftrag erhält, den Leichnam eines "Pestkindes" auf seinem Karren zur Pestgrube zu bringen, ist er wenig erfreut, willigt aber aufgrund der guten Bezahlung ein. Auf dem Weg zur Grube stellt Matthew jedoch fest, dass das Neugeborene lebt. Er nimmt den Jungen bei sich auf und zieht ihn zusammen mit seiner Frau Susannah wie sein eigenes Kind groß.
Als Tom ein junger Mann ist, tritt plötzlich ein unbekannter Wohltäter auf den Plan und verschafft dem Jungen eine Lehrstelle bei einem angesehenen Drucker in London. Tom findet sich in die neue Umgebung nur mit Widerwillen ein, und merkt bald, dass er nicht der Sohn eines Werftarbeiters aus Poplar ist, wie er bisher glaubte. Ein dunkles Geheimnis umgibt seine wahre Herkunft. Tom muss erkennen, dass ihn jemand lieber tot als lebendig sehen würde und seine Suche nach der Wahrheit alles andere als ungefährlich ist.

 

England, 1625. Matthew Neave erhält den Auftrag, ein totes Neugeborenes "Pestkind" zu entsorgen. Wegen der guten Bezahlung willigt er ein, stellt jedoch fest, dass der Säugling noch lebt. Er nimmt ihn auf, gibt ihm den Namen Tom und zieht ihn mit seiner Frau Susannah groß.

Als er acht Jahre alt ist, wird er bei dem Drucker Black in die Lehre gegeben, scheinbar durch einen unbekannten Gönner finanziert. Doch er ist nur mäßig talentiert und wird auch regelmäßig geschlagen. Einzig die Druckerstochter Anne vermag sein Leben erträglich zu machen, und die beiden verlieben sich im Laufe der Jahre ineinander.

Tom stellt schnell fest, dass er nicht der Sohn seines Vaters Matthew ist, und so begibt er sich auf die Suche nach seiner wahren Herkunft. Und er scheint der Wahrheit immer näher zu kommen, denn es werden Anschläge auf ihn verübt, und es scheint, als wäre er einigen Leuten tot nützlicher als lebendig. Die Suche nach der eigenen Identität wird immer gefährlicher, zumal es scheint, als fliesse blaues Blut durch seine Adern...

Wenig neues

Peter Ransley hat mit Pestsiegel seinen ersten historischen Roman vorgelegt, der zur Zeit König Charles I. in England spielt und der gleichsam der Beginn einer Trilogie um den Jungen Tom Neave ist, der als Säugling gefunden und von fremden Eltern aufgezogen wird. Dieses biblische Anfangsmotiv ist bekannt und lässt bereits befürchten, dass auch der weitere Verlauf des Romans nicht viel neues zu bieten hat. Leider zu recht.

"Historischer Kriminalfall" steht auf dem Buchcover, und auf dem Buchrücken verspricht ein Zitat des Spectator: "Ransley spielt in der gleichen Liga wie C. J. Sansom". Um es vorweg zu nehmen: Beides ist leider nicht der Fall. Mit einem Kriminalfall verbindet der Leser gemeinhin einen Mord mit Aufklärung, aber beides ist bei Ransleys Roman nicht der Fall. Leider schafft er es auch nicht, den Leser mit einer spannenden Handlung an sein Buch zu fesseln. Dabei hätte der Auftakt durchaus viel versprochen.

Wenig Entwicklung - egale Charaktere

Doch schon der Titelheld Tom Neave macht es dem Leser schwer, mit ihm zu sympathisieren. Seine Charaktereigenschaften sind nicht immer positiv und seine Reaktionen nicht immer nachvollziehbar. Zwar verfolgt man seine Geschichte interessiert, aber es gelingt Ransley nicht, dass der Leser mit Tom mitfühlt. So wird der Leser zum neutralen Beobachter, und das birgt schnell die Gefahr, dass man sich langweilt und das Interesse verliert.

Auch die weiteren Charaktere wurden vom Autor leider nicht so angelegt, als dass man von ihnen in den Bann gezogen wird. Einzig Lord Stonehouse hat in sich das Kapital, ein veritabler Bösewicht zu werden, doch ob das über eine Trilogie trägt, ist mehr als fraglich. Er wie viele andere auch zeigen zu viel schwarz-weiß und zu wenig bunte Charaktereigenschaften. Neben dem Lord blitzt bei der Countess of Carlisle durch, dass Ransley doch zu mehr fähig ist, allerdings wird ihm dies auch dadurch erleichtert, dass es sie im Gegensatz zu Tom und den Stonehouses wirklich gegeben hat und er dadurch einen feststehenden Charakter hat und ihn nicht erst vorstellen und entwickeln muss. In puncto Entwicklung hat der Roman eindeutig Schwächen.

Beschreibt Ransley die politischen Verhältnisse, ist er in seinem Element, geht es darum, Fiktion zwischen die Fakten zu füllen, gerät die Erzählung beinahe egal und wenig mit Stimmung befrachtet. Hier muss der Autor noch nachbessern, wenn er seine Leser über die ganze Trilogie bei Laune halten will.

Wenig Spannung

Eine Karte Londons um 1640 und ein paar historische Notizen als Anhang ergänzen den Roman, wobei man sich gewünscht hätte, dass eben jene historischen Notizen bereits in den Roman eingeflossen wären, denn damit wäre er bestimmt spannender und zugleich griffiger geworden. Das durchaus stimmige und passende Buchcover mit dem Kreuz, das Türen gekennzeichnet hat, in dessen Haus Pestkranke leben, verspricht auch leider mehr, als es hält.

Alles in allem ist Pestsiegel der doch enttäuschende Beginn einer Trilogie, bei der der Autor noch um einiges zulegen muss, um seine Leser tatsächlich bin zum Ende zu locken. Der Roman hat einige Längen und unwichtige Teile, die auch hätten gekürzt werden können, er nimmt sich selbst zwischendurch die Spannung und versteht es nicht, seinem Helden eine schlüssige Entwicklung angedeihen zu lassen. Schade, denn gerade die Zeit um Charles I. wird nicht häufig als Hintergrund für Romane hervorgeholt. Hier besteht insgesamt noch viel (zu viel) Luft nach oben.

Warum der Fischer Verlag dem Roman den deutschen Titel "Pestsiegel" gegeben, wird wohl auf immer schleierhaft bleiben. Einfacher wäre es gewesen, den englischen Titel "Plague Child", "Pestkind", zu übernehmen, zumal dieser Begriff im Buch sehr häufig verwandt wird. Das Wort "Pestsiegel" erscheint nicht einmal und macht auch mit dem Inhalt des Romans keinen Sinn. Aber das passt letztlich zum Gesamteindruck des Romans. Schade.

Pestsiegel

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Letzte Kommentare:
26.08.2012 09:35:58
Dagmar Lahn

Ich habe mir dieses Buch gekauft, da das Inhaltsverzeichnis einen historischen Kriminalroman versprach. Es fing auch recht vielversprechend an, bekam aber ziemlich bald sehr viel verwirrende Längen, so dass ich immer wieder zurückblättern musste, um überhaupt noch durchzublicken, wer wer war und wer gegen wen kämpfte. Mit einem Kriminalroman hat das meines Erachtens wenig zu tun.