Wie der Tod das Lieben lernte

Erschienen: Januar 2012

Bibliographische Angaben

  • Emons, 2012, Titel: 'Wie der Tod das Lieben lernte', Originalausgabe

Couch-Wertung:

70

Leser-Wertung

-
Zum Bewerten, einfach Säule klicken.
1 50 100

Zum Bewerten, einfach Säule klicken.

Bitte bestätige - als Deine Wertung.

Gebe bitte nur eine Bewertung pro Buch ab, um die Ergebnisse nicht zu verfälschen. Danke!

1 x 91-100
1 x 81-90
0 x 71-80
0 x 61-70
0 x 51-60
0 x 41-50
0 x 31-40
0 x 21-30
0 x 11-20
0 x 1-10
B:92
V:1
W:{"1":0,"2":0,"3":0,"4":0,"5":0,"6":0,"7":0,"8":0,"9":0,"10":0,"11":0,"12":0,"13":0,"14":0,"15":0,"16":0,"17":0,"18":0,"19":0,"20":0,"21":0,"22":0,"23":0,"24":0,"25":0,"26":0,"27":0,"28":0,"29":0,"30":0,"31":0,"32":0,"33":0,"34":0,"35":0,"36":0,"37":0,"38":0,"39":0,"40":0,"41":0,"42":0,"43":0,"44":0,"45":0,"46":0,"47":0,"48":0,"49":0,"50":0,"51":0,"52":0,"53":0,"54":0,"55":0,"56":0,"57":0,"58":0,"59":0,"60":0,"61":0,"62":0,"63":0,"64":0,"65":0,"66":0,"67":0,"68":0,"69":0,"70":0,"71":0,"72":0,"73":0,"74":0,"75":0,"76":0,"77":0,"78":0,"79":0,"80":0,"81":0,"82":0,"83":0,"84":1,"85":0,"86":0,"87":0,"88":0,"89":0,"90":0,"91":0,"92":0,"93":0,"94":0,"95":0,"96":0,"97":0,"98":0,"99":0,"100":1}
Jörg Kijanski
Eine lesenswerte Mogelpackung

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Jul 2012

Kurzgefasst:

Tirol im Jahr 1690: Auf dem Innsbrucker Köpfplatzl richtet der Henker von Hall den betrügerischen Münzwardein mit dem Schwert hin. Der Statthalter von Tirol genehmigt die Sektion der Leiche durch den fortschrittlichen Stadtphysikus Bacchettoni. Das Volk, die Medici und vor allem der Bischof sind entsetzt die gesellschaftliche Ordnung droht aus den Fugen zu geraten. Als der Henker dem Stadtphysikus für eine weitere Sektion die Leiche eines jungen Mädchens bringt, an dessen Tod der Bischof erhebliche Schuld trägt, überschlagen sich die Ereignisse. Muss der Doctor wegen dieses Frevels nun auch sein Leben lassen? Wird der Bischof zur Rechenschaft gezogen? Und kann der Henker von Hall seinen eigenen Kopf aus der Schlinge ziehen?

 

Innsbruck 1690: Der Münzwardein hat reichlich Geld unterschlagen und kurz bevor man ihm auf die Schliche zu kommen drohte auch noch eben schnell den Münzturm in Brand gesteckt. Das Urteil ist schnell gesprochen und so darf der Henker sein blutiges Tagewerk verrichten. Zur Überraschung der Bevölkerung und zum Entsetzen des Bischofs entscheidet der Statthalter, Herzog Karl von Lothringen, dass der Leichnam dem Stadtphysikus Bacchettoni zur Sektion freigegeben wird. Das gab es in Innsbruck noch nie und so ist die Unruhe in der Bevölkerung verständlich, doch diese droht endgültig zu kippen als sich wenig später ein Mädchen das Leben nimmt. Der Henker bringt die Leiche zu Bacchettoni, der sogleich mit der Sektion beginnt. Doch bei der jungen Frau handelt es sich um eine Adelige, so dass nun dem Doktor selbst die Todesstrafe droht ...

Ein historischer Kriminalroman?

Dieser vorliegende Debütroman hat es wahrlich in sich. Im Wesentlichen entspricht die vorstehende Inhaltsangabe den Angaben des Buchrückens und so könnte man dem Rezensenten eine gewisse Bequemlichkeit unterstellen. Dem ist aber keineswegs so, denn diese wenigen Sätzen erschließen die gesamte Handlung. Wer sich jetzt fragt, was dies mit einem "Kriminalroman" zu tun, der versteht auch die gewählte Überschrift der Rezension. Da sich offenbar "Historische Kriminalromane" besser verkaufen als "Historische Romane" kann man den kleinen Zusatz ja mal eben auf das Buchcover bringen. Aber wo soll hier die "kriminelle Handlung" liegen? Einzig spannend ist die Frage, warum sich das Mädchen selber richtet, aber selbst dies wird indirekt auf dem Buchrücken bereits angedeutet. Von krimineller oder sonstiger Spannung kann hier keine Rede sein und gleichwohl ist der Roman von Bettina Gartner durchaus lesenswert, führt er doch glänzend in die damalige Zeit ein. Eindringlich wird das Leben und vor allem das Denken der Menschen im ausgehenden 17. Jahrhundert vorgestellt.

 

 

Ein weitgereister Herr, der einmal bei ihr gelegen hatte, hatte ihr erklärt, das Wasser würde die Poren der Haut erweitern und Krankheiten in den Körper lassen. Es würde den Augen schaden, Zahnschmerzen verursachen, Katarrh auslösen und dem Gesicht eine bleiche Farbe geben. Der König von Frankreich würde sich überhaupt nie waschen, sondern seine Poren mit Puder und verkrustete Ausdünstungen mit Parfüm bedecken. Seit Chiara wusste, was das Wasser anrichten konnte, fuhr sie sich höchst selten und höchstens mit einem feuchten Lappen über die Haut.

 

Im Mittelpunkt des Romans stehen der Henker und der Doktor sowie ihre jeweilige Arbeit. Beide stehen ein wenig außerhalb der Gesellschaft, denn ihre Arbeitsmethoden sind heftig umstritten. Während in vielen Städten bereits Sektionen durchgeführt werden, gab es diese bis dato in Innsbruck noch nie. In der Medizin beherrschen immer noch die alten Theorien eines Galen die Praxis. So kommt es bevorzugt zum Aderlass und vergleichbaren Eingriffen. Die neuen Erkenntnisse eines William Harvey (einst Leibarzt der englischen Königin) oder eines Andreas Vesal (Leibarzt Kaiser Karls V.) sind verpönt und sorgen für ungläubiges Gelächter. So kämpft der Doktor, der vor allem die Medizin seiner Zeit voranbringen möchte, einen einsamen Kampf. Einsamkeit beherrscht auch das Leben des Henkers, der eine Gaststätte nur mit Erlaubnis aller Gäste betreten darf. Ein Tisch steht nur für ihn bereit, sein Bierkrug ist angekettet, damit ihn nicht versehentlich ein anderer Gast in die Hände bekommt.

 

 

Während er richtete, entschädigte ihn die Angst der Menschen. Danach spürte er nur noch ihren Hass. Die Gesellschaft brauchte ihn, aber sie wollte ihn nicht. Sie war gefangen in der Gier nach Furcht und nach Läuterung, die die Hinrichtung versprach. Danach wollte ihn niemand mehr sehen. Er sollte verschwinden, wie das Leben, das er genommen hatte. Dafür töteten auch sie, die Menschen, die um ihn waren: Sie töteten seine Hoffnung, jemals einer von ihnen zu sein. Er musste sich selbst genügen. Und hatte gelernt, dass er sich am ehesten als Mensch fühlen konnte, wenn er nicht unter Menschen war.

 

Wer in die Gedankenwelt des 17. Jahrhunderts eintauchen möchte, wer detailverliebt das Leben der damaligen Zeit erleben möchte, kann hier gerne zugreifen. Besuche im Huren- oder im Badehaus, aber auch die Sektion des Münzwardeins werden intensiv beschrieben, ebenso die Gespräche zwischen den sich streitenden Medizinern und Honoratioren der Stadt. Dies ist bisweilen ebenso unterhaltsam wie gewöhnungsbedürftig, beispielsweise wenn der ausgeschiedene Urin des Statthalters eingehend untersucht wird.

 

 

Reihum nippten sie am Urin, schlürften ihn lautstark ein und leckten sich mit der Zunge über die Lippen, ohne ein klares Urteil zu fällen.

 

 

 

 

Wie der Tod das Lieben lernte

Wie der Tod das Lieben lernte

Deine Meinung zu »Wie der Tod das Lieben lernte«

Hier kannst Du einen Kommentar zu diesem Buch schreiben. Wir freuen uns auf Deine Meinungen. Ein fairer, respektvoller Umgang sollte selbstverständlich sein. Danke!

Letzte Kommentare:
Schreibe den ersten Kommentar zu diesem Buch.

Zeitpunkt.
Menschen, Schicksale und Ereignisse.

Wir schauen auf einen Zeitpunkte unserer Weltgeschichte und nennen Euch passende historische Romane.

mehr erfahren