Ein ungezähmtes Mädchen

Erschienen: Januar 2012

Bibliographische Angaben

  • Wunderlich, 2010, Titel: 'Överenskommelser', Originalausgabe

Couch-Wertung:

67

Leser-Wertung

-
Zum Bewerten, einfach Säule klicken.
1 50 100

Zum Bewerten, einfach Säule klicken.

Bitte bestätige - als Deine Wertung.

Gebe bitte nur eine Bewertung pro Buch ab, um die Ergebnisse nicht zu verfälschen. Danke!

0 x 91-100
1 x 81-90
0 x 71-80
0 x 61-70
0 x 51-60
0 x 41-50
0 x 31-40
0 x 21-30
0 x 11-20
0 x 1-10
B:88
V:0
W:{"1":0,"2":0,"3":0,"4":0,"5":0,"6":0,"7":0,"8":0,"9":0,"10":0,"11":0,"12":0,"13":0,"14":0,"15":0,"16":0,"17":0,"18":0,"19":0,"20":0,"21":0,"22":0,"23":0,"24":0,"25":0,"26":0,"27":0,"28":0,"29":0,"30":0,"31":0,"32":0,"33":0,"34":0,"35":0,"36":0,"37":0,"38":0,"39":0,"40":0,"41":0,"42":0,"43":0,"44":0,"45":0,"46":0,"47":0,"48":0,"49":0,"50":0,"51":0,"52":0,"53":0,"54":0,"55":0,"56":0,"57":0,"58":0,"59":0,"60":0,"61":0,"62":0,"63":0,"64":0,"65":0,"66":0,"67":0,"68":0,"69":0,"70":0,"71":0,"72":0,"73":0,"74":0,"75":0,"76":0,"77":0,"78":0,"79":0,"80":0,"81":0,"82":0,"83":0,"84":0,"85":0,"86":0,"87":0,"88":1,"89":0,"90":0,"91":0,"92":0,"93":0,"94":0,"95":0,"96":0,"97":0,"98":0,"99":0,"100":0}
Rita Dell'Agnese
Liebesgeschichte mit viel Tempo

Buch-Rezension von Rita Dell'Agnese Jul 2012

Kurzgefasst:

Im Dezember 1880 begegnen sie sich zum ersten Mal: Beatrice Löwenström, die nach dem Tod ihrer Eltern das biedere Heim des Onkels kaum verlassen hat, und der so wohlhabende wie charismatische Seth Hammerstaal werden einander in der Stockholmer Oper vorgestellt - zwischen ihnen knistert es auf Anhieb. Danach kreuzen sich ihre Wege immer wieder: auf Bällen, Jagdausflügen und Landpartien. Bald erkennt Beatrice, dass sie und Seth mehr verbindet als bloße Leidenschaft. Dabei ahnt sie nicht, dass ihr Onkel sie längst dem hartherzigen Grafen Rosenschöld versprochen hat und dass dem jedes Mittel recht ist, seine Ansprüche an sie geltend zu machen und den rothaarigen Wirbelwind zu zähmen ...

 

Seit dem frühen Tod ihres Vaters lebt Beatrice Löwenström im Hause ihres Onkels Wilhelm in Stockholm. Der kann mit seiner gebildeten Nichte wenig anfangen. Ganz anders seine Tochter Sofia, die der Cousine herzlich zugetan ist. Bei einem Opernbesuch lernt Beatrice den undurchsichtigen Geschäftsmann Seth Hammerstaal kennen. Die beiden sind sofort fasziniert voneinander. Doch Wilhelm hat mit seiner Nichte anderes vor: Gegen ihren Willen verheiratet er sie mit dem grobschlächtigen und sadistischen Grafen Rosenschöld. Beatrice, die sich von Seth verraten glaubt, geht durch die Hölle. Auch Seth - überzeugt davon, Beatrice habe mit ihm nur gespielt - ist an der Seite seiner Verlobten nicht glücklich. Auf einer Feier in der Normandie begegnen sich die beiden wieder.

Es geht ausschließlich um die Liebe

Wer hier einen historischen Roman erwartet, der etwas über die Zeit, in der er spielt - hier sind es die Jahre um 1880 - erzählt, wird schnell eines Besseren belehrt. Der historische Hintergrund bietet zwar eine nette Kulisse, spielt aber für den Roman kaum eine Rolle. Einzig das Gesellschaftsbild und die den Frauen zugebilligte oder verwehrte Stellung in der Gesellschaft sind Elemente, die sich auf den Verlauf der Geschichte auswirken. Ist die klare Ausrichtung des Romans auf das Thema Liebe aber erkannt, vermag man sich auf eine temporeiche Geschichte nicht ohne witzige und einige wenige berührende Momente einzulassen. Immerhin verhindern immer wieder gut konstruierte Situationen, dass sich die Liebe der beiden Protagonisten erfüllen kann.

Aschenputtel-Effekt

Der Plot erinnert stark an das bekannte Grimm-Märchen vom Aschenputtel. Beatrice ist ein herzensgutes und gebildetes Mädchen, selbstlos und doch von innerem Feuer. Seth - zwar kein Prinz im eigentlichen Sinne - verkörpert alles, was ein Mann haben muss: Er ist attraktiv, undurchsichtig und dennoch hochanständig, erfolgreich und dadurch reich. Die besten Voraussetzungen also, um alle Klischees zu bedienen. Simona Ahrnstedt schafft aber die Kurve und löst sich teilweise aus der vorgezeichneten Spur. Sie serviert Protagonisten, die nicht ganz so oberflächlich bleiben, wie es zunächst den Anschein macht. Richtig in die Tiefe geht die Autorin allerdings nicht. Man wünschte sich für die handelnden Personen denn doch noch etwas mehr Ecken und Kanten.

Übersetzung harzt

Die Originalversion von Simona Ahrnstedts Roman erschien in Schwedisch. Es mag deshalb der Übersetzung geschuldet sein, dass sich einige sprachliche Stolpersteine eingeschlichen haben. Die Wortwahl wirkt teilweise prätentiös und erinnert fatal an die eher schwülstige Sprache der Liebesromane aus der ersten Hälfe des 20. Jahrhunderts. Es wird nicht ersichtlich, ob diese Anlehnung an die Romane von Hedwig Courts-Mahler gewollt oder einem reinen Zufall geschuldet ist. Damit rückt der Roman Ein ungezähmtes Mädchenzu stark in die Ecke der Trivial-Literatur. Denn trotz Begrenzung des Themas auf die Liebe liest sich der Roman flüssig. Dies wohl vor allem deshalb, weil es der Autorin gelingt, recht viel Tempo in die Geschichte hinein zu bringen und Neugier zu wecken, obwohl das Ende von Anfang an auf der Hand liegt.

Grundsätzlich handelt es sich bei Ein ungezähmtes Mädchen also um leichte Ferienlektüre, die sich aber auch bestens für einen verregneten Herbstabend am Kaminfeuer eignet. Tiefgang oder historischen Gehalt wird man allerdings vergebens suchen. Wer sich dessen bewusst ist, wird gut unterhalten sein.

Ein ungezähmtes Mädchen

Ein ungezähmtes Mädchen

Deine Meinung zu »Ein ungezähmtes Mädchen«

Hier kannst Du einen Kommentar zu diesem Buch schreiben. Wir freuen uns auf Deine Meinungen. Ein fairer, respektvoller Umgang sollte selbstverständlich sein. Danke!

Letzte Kommentare:
07.11.2014 18:11:12
captain cow

Meistens mache ich um historische Romane ja eher einen Bogen, zumindest wenn der Handlungszeitpunkt weit in der Vergangenheit liegt. Warum? Weil mich so weit Zurückliegendes nur selten faszinieren kann und ich das Gefühl habe, oft über gleiche Handlungsabläufe und Figurenkonstellationen zu stolpern, was das Lesevergnügen ganz eindeutig einschränkt. Dass "Ein ungezähmtes Mädchen" seinen Weg trotz seines Genres zu mir gefunden hat, liegt eindeutig daran, dass das Buch von einer schwedischen Autorin geschrieben worden ist und auch in diesem Land spielt. Solche Bücher sind mir nämlich bisher noch kaum untergekommen und meine Sehnsucht nach Schweden hoffte ich mit diesem Buch etwas stillen zu können.

Anfangs machte sich zunächst Ernüchterung breit. Erneut bietet sich die altbekannte Situation - unerfahrenes, intellektuelles Mädchen trifft auf den weltgewandten Mann, der schon so viel erlebt hat und nun fasziniert von dieser Mischung aus Klugheit und Unschuld ist. Natürlich finden die beiden etwas aneinander. Und natürlich wehren sie sich irgendwie gegen ihre Gefühle. Und natürlich kommt auch immer sehr viel dazwischen, sodass sich langsam eine hochdramatische Geschichte voller Missverständnisse entspinnt. Wie man sieht, ist das keine besonders neuartige Grundlage für solch eine Geschichte.

Ebenfalls gestört haben mich zunächst die verwirrenden Perspektivwechsel. Glaubt man anfangs noch, der Roman sei im personalen Erzähler aus Beas Sicht geschrieben, irrt man sich gewaltig. Schnell wird klar, dass die Autorin hier den auktorialen Erzähler verwendet hat, der aufgrund fehlender Absätze zwischen den Abschnitten wahrlich für Verwirrung sorgen kann. Doch gewöhnt man sich erst einmal daran, macht diese Erzählweise den Roman erst richtig interessant, weil man viele verschiedene Perspektiven auf das Geschehen kommt und so die zahlreichen Missverständnisse noch ärgerlicher aber auch verständlicher werden. Simona Ahrnstedts Stil kann man dabei nicht kritisieren - bildhaft und mit zumeist wirklich schönen Formulierungen beschreibt sie das winterliche Stockholm, die prunkvollen Bälle, aber auch die Gefühle der Figuren. Insofern fiel es mir alles andere als schwer, in der Geschichte zu versinken, auch wenn ich mit einigen Komponenten meine Schwierigkeiten hatte.

An die eher typische Konstellation der Hauptfiguren kann man sich schnell gewöhnen, weil ihre Emotionen glaubwürdig beschrieben sind und sie überzeugende Beweggründe für ihr Handeln haben. Ihre Zuneigung ist nachvollziehbar und, ohne dass man es bemerkt, fängt man an für die beiden zu hoffen und vor allem mit ihnen zu leiden. Denn die Autorin macht es ihren Figuren wahrlich nicht leicht - schreckliche Situationen müssen sie durchstehen, schmerzliche Enthüllungen erleiden und so kann man nicht anders, als mit ihnen zu fiebern. Zumal beide Figuren ihre Fehlerchen haben und dadurch menschlich wirken. Allerdings sind die Nebencharaktere meiner Meinung nach nicht so gut gestaltet. Bei manchen von ihnen fiel es mir tatsächlich schwer, sie mir vorzustellen, weil die Autorin unglaubliche schwarz-weiß-Malerei betreibt. Manche der Figuren sind abgrundtief böse, während andere ausschließlich gute Absichten haben. An dieser Stelle hätte ich es weitaus interessanter gefunden, wenn sich die Autorin um mehr Vielschichtigkeit bemüht hätte, um in ihren Figuren und Lesern einen Konflikt wachzurufen. So einfach lassen sich Menschen nicht kategorisieren.

Der Stil, die Hauptfiguren, die überzeugenden Emotionen und das viele Drama sind die Ursachen für mein Verschlingen dieses Buchs. Trotz anfänglicher Schwierigkeiten und einiger Makel ist "Ein ungezähmtes Mädchen" wirklich mitreißend und entführt den Leser auf gelungene Art und Weise ins Stockholm des 19. Jahrhunderts. Fans von historischen Romanen und allen, die eine dramatische und herzzerreißende Geschichte lesen wollen, kann ich das Buch durchaus empfehlen. Man sollte allerdings wissen, worauf man sich einlässt: Eine mitreißende Geschichte mit ungewöhnlichen Schauorten, dafür aber keiner besonders herausragenden Grundidee.

20.07.2012 12:36:21
Klusi

Seth Hammerstaal erkennt sich selbst kaum wieder. Seit er Beatrice in der Oper zum ersten Mal begegnet ist, geht ihm die rothaarige, quirlige junge Frau nicht mehr aus dem Sinn. Er, der Frauenheld, dem es nicht an Verehrerinnen mangelt, ist ganz hingerissen von dem natürlichen Charme des intelligenten Mädchens.
Beatrice ergeht es ähnlich. Sie kann kaum glauben, dass sich der attraktive und weltgewandte Seth für sie interessiert. Im Gegensatz zu vielen Männern seiner Zeit ist er ihr gegenüber ein aufmerksamer Zuhörer und schätzt ihre Intelligenz.
Beatrice und Seth wirken von Anfang an sehr sympathisch, und die Entwicklung ihrer Bekanntschaft ist einfühlsam beschrieben.
Sie sind beide sensibel für die Gefühle des anderen und weit davon entfernt, sich den Konventionen und Vorgaben der gehobenen Gesellschaft Stockholms anzupassen.

Doch es gibt einige schwerwiegende Missverständnisse und Intrigen, die ein gemeinsames Glück verhindern. Manchmal hätte ich die Protagonisten am liebsten geschüttelt, weil sie so völlig aneinander vorbei gedacht und geplant haben und so wenig Vertrauen zueinander hatten.
Es ist ein wenig wie bei den Königskindern, die nicht zusammen kommen können.

Beatrice Löwenströms Zukunft ist schon genau vorgeplant. Ihr Onkel hat ein Arrangement mit dem Grafen Rosenschöld getroffen und Beatrice diesem gefühllosen Mann zur Frau versprochen. Wie sich herausstellt, ist dies alles nur zu seinem eigenen Nutzen. Als er Beatrice erpresst, sieht sie jedoch keine andere Möglichkeit, als in die Heirat einzuwilligen. Für die junge Frau beginnt ein harter Leidensweg. Seth badet inzwischen in Selbstmitleid, nichts ahnend, in welch auswegsloser Situation sich Beatrice befindet.

Simona Ahrnstedts Debüt ist eine atemberaubende Liebesgeschichte, mit all ihren Höhen und Tiefen, umrahmt vom Flair üppiger Feste und prachtvoller Bälle im damaligen Stockholm, zugleich aber überschattet und gefährdet durch eine arrangierte, zweckdienliche Ehe für die „mittellose Nichte“. Es ist der Autorin nicht nur gelungen, das Schicksal einer jungen Frau im 19. Jahrhundert sehr realitätsnah und fesselnd zu zeichnen, sondern dem Leser darüber hinaus auch etwas von der Schönheit Schwedens zu vermitteln. „Ein ungezähmtes Mädchen“ ist ein romantischer, historischer Schmöker mit Sogwirkung, den man gar nicht mehr weglegen möchte, hat man sich erst einmal in die Handlung vertieft.

Die hochwertige Ausstattung des Buches, mit Lesebändchen und sehr schöner Covergestaltung, sind die perfekte optische Ergänzung.