Frevel

Erschienen: Januar 2012

Bibliographische Angaben

  • Limes, 2011, Titel: 'Prophecy', Originalausgabe

Couch-Wertung:

80

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Daniela Loisl
Nicht unbedingt originell, aber solide umgesetzt

Buch-Rezension von Daniela Loisl Jul 2012

Kurzgefasst:

England, 1583. Königin Elisabeths Herrschaft ist bedroht. Gerüchte gehen um, dass die katholische Maria Stuart, Elisabeths Cousine, auf den Thron gesetzt werden soll. Der Freigeist Giordano Bruno wird nach London geschickt, um Beweise für das Komplott zu finden. Doch dann wird eine der Ehrenjungfrauen der Königin ermordet aufgefunden. In den Händen hält sie einen Rosenkranz, ihr toter Körper ist mit okkulten Symbolen übersät. Ist schwarze Magie im Spiel? Oder hat der Mord etwas mit Elisabeth zu tun? Bruno ermittelt und verstrickt sich immer tiefer in höfische Intrigen und religiöse Verschwörungen ...

 

London 1583. Nach Ketzer lässt Stephanie Parris ihren ehemaligen Mönch Giordano Bruno nun ein zweites Mal für den Ersten Staatssekretär Königin Elizabeths, Sir Francis Walsingham, aktiv werden.

Die Hofdame Cecily Ashe wird ermordet aufgefunden. Es scheint aber mehr dahinterzustecken als ein einfacher Mord, denn alles deutet darauf hin, dass es sich um einen Ritualmord handelt. Neben der Leiche wird nicht nur ein Rosenkranz, sondern auch eine der Königin ähnelnde Wachspuppe gefunden, der an mehreren Stellen Nadeln eingesteckt wurden. Bruno muss wieder ermitteln und es dauert nicht lange bis er bemerken muss, dass man auch hinter ihm her ist und man nach seinem Leben trachtet...

Durchwegs historisch belegte Figuren

Stephanie Parris erzählt nicht einfach eine Kriminalgeschichte im späten 16. Jahrhundert, sondern hat sich immens bemüht, alles möglichst authentisch zu gestalten, sodass man ohne weiteres annehmen könnte, dass alles so hätte verlaufen können.

Schon ihr Protagonist Giordano Bruno, ein Reformer der Gedanken rund um das Weltall und deren Entstehung, ist eine vielschichtige und äußerst interessante Figur. Ob Robert Dudley, Walsingham, John Dee oder Philip Howard den Earl von Arundel, jeder Menge bekannter Persönlichkeiten des damaligen Englands begegnet man und jeder hat seinen ausgeprägten Charakter.

Generell zeigt die Autorin viel Liebe zum Detail und schildert die Begegnungen mit den unzähligen Figuren sehr cineastisch, sodass ohne große und ausschweifende Beschreibungen die jeweilige Person vor dem geistigen Auge des Lesers erscheint.

Giordano Bruno ist eine sehr sympathische Hauptfigur. Er ist kein "Überheld" und kein Adonis, aber durch die sehr menschliche Darstellung würde man ihm dennoch gerne wirklich begegnen, wenngleich er einem mitunter etwas zu gutgläubig scheint, was zu seiner Tätigkeit nicht so recht passen mag.

Flott erzählt, aber keine nervenaufreibende Spannung

Parris erzählt zweifelsfrei kurzweilig und durch häufigen Szenenwechsel gibt es auch keine wirklichen Längen. Die Spannung ist zwar gegeben, aber durch die Figuren, die zu Tode kommen, wird nicht unbedingt eine an den Nerven zerrende Neugierde geweckt, denn dafür sind diese zu uninteressant, stehen nicht im Zentrum des Geschehens und berühren so auch nicht die Gefühle des Lesers, um die Lösung um jeden Preis erfahren zu wollen. Dies ist ein Wermutstropfen in diesen an und für sich gelungenen historischen Krimi. Die, wenn auch gemäßigte, Spannung strebt zielsicher dem Ende zu und geschickt gesetzte Cliffhanger treiben am Schluss den Leser doch noch an, den Ausgang der Geschichte erfahren zu wollen. Setzte hier die Autorin wesentlich früher an, wäre es dem Leser auch möglich, so richtig mitzufiebern, was so leider verschenkt wurde. Ein etwas mehr eingreifendes Lektorat wäre hier wünschenswert gewesen.

Leichte, aber bildhafte Sprache

Sprachlich einfach und leicht zu lesen, bietet dieser historische Krimi letztendlich einen interessanten Einblick in die gesellschaftliche Hierarchie der damaligen Zeit und auch abwechslungsreiche und interessante Unterhaltung. Wie schon im ersten Band Ketzer erzählt auch diese Geschichte wieder Bruno selbst und so kommt es, dass der Leser nie mehr weiß als der Protagonist.

Allerdings stolpert man so manches Mal über Begebenheiten, bei denen man das Handeln Brunos nicht ganz nachvollziehen kann. Wittert der Leser in der einen oder anderen Szene schon Gefahr oder zeigt sich an, dass Bruno in eine Falle tappen könnte, so geht der doch gutgläubige Giordano Bruno dennoch stoisch seines Weges und schlittert wiederum in eine scheinbar ausweglose Situation. An solchen Stellen wünschte man der Autorin etwas mehr Kreativität für ihre Hauptfigur, ohne sie gleich allwissend dastehen zu lassen. Als Ermittler einer so hochgestellten Persönlichkeit wie Walsingham es ist, würde man sich dies doch erwarten.

Ob Stephanie Parris ihre Figur an der Spionagetätigkeit wachsen lassen wird, wird man, wenn der Verlag auch weitere Bücher der Autorin übersetzt, im dritten Fall erfahren können.

Frevel

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Letzte Kommentare:
24.03.2016 03:23:21
Frau_Goethe

Giordano Bruno befindet sich im Englischen Exil seit er vor sieben Jahren seine Heimat Neapel verlassen musste. Der wegen Ketzerei angeklagte Gelehrte sucht noch immer im Auftrag von Francis Walsingham nach dem Buch des Hermes, das das Geheimnis der Unsterblichkeit enthalten soll. Aber auch in der Bibliothek von Doktor Dee, dem Alchemisten Königin Elizabeth I. wird er nicht fündig. Das Buch wurde offenbar gestohlen. Während einer Hochzeitsfeier wird aber eine der Hofdamen der Königin tot aufgefunden. Bruno ist wieder einmal ermittelnd tätig.

Stephanie Parris setzt mit diesem Roman die Reihe um den Italienischen Freigeist Giordano Bruno fort. Einige der in „Ketzer“ vorgestellten Charaktere haben erneut einen Auftritt, so wie der Freund und Neffe Dudleys Sidney, der eine Tochter Walsinghams heiratet. Die durchweg historisch belegten Personen werden erneut zu einer spannenden, wenn auch fiktiven Handlung herangezogen. Die Autorin platziert ihren Protagonisten in eine turbulente Zeit. England war nach mehreren Wechseln der Religion in Aufruhr und nicht alle hatten sich bis 1583 dem Protestantismus angeschlossen. Katholiken wurden geduldet und durften sogar Messen lesen. Für Bruno bietet das den idealen Unterschlupf. Für Walsingham mit seinem ausgefeilten Spionagenetz bietet er zudem die Möglichkeit, den Französischen Botschafter auszuspionieren. Das Oberhaupt des Geheimdienstes hätte es sicher nicht anders gemacht als es Parris nun beschreibt. Der historische Krimi verfolgt also nicht nur den Mörder der Hofdamen, sondern beinhaltet eine große Portion Historie, wie sie hätte stattfinden können. Die Handlung wirkt dadurch authentisch, wenn es um die mögliche Erbfolge Englands und der ständigen Bedrohung durch die Schottische Cousine geht.

Der im Original unter dem Titel „Prophecy“ erschienene Roman besticht durch seine dem Jahrhundert angepassten Sprache und temporeichen Erzählstil. Die Kulisse des 16. Jahrhunderts wird farbenprächtig und bildhaft aus der Perspektive Brunos geschildert. Politische Entscheidungen, Intrigen und ein Porträt der gehobenen Gesellschaft fließen mit ein und runden den Einblick in das beginnende Goldene Zeitalter ab. Da der Kriminalfall fiktiv ist, haben auch Kenner der Historie ihren Spaß. Die Spannung hält sich hier bis kurz vor der letzten Seite. Wer den ersten Band nicht gelesen hat, wird dennoch keine Mühe haben, diesen zweiten zu verstehen. Lediglich die Chronologie spielt hier eine Rolle, da beide Handlungen knapp sechs Monate auseinander liegen. Notwendige Informationen sind stets in Dialogen oder Erinnerungen untergebracht. Der Deutschen Ausgabe folgt nun „Das letzte Sakrileg“, das mit dem Mord an William von Oranien und dem Einfluss auf seine protestantischen Nachbarn wieder eine Menge Spannung verspricht. Da die Serie bisher fünf Titel umfasst, hoffe ich auf weitere Übersetzungen, zumal das besagte Buch ja weiterhin verschwunden ist.

02.07.2014 22:26:44
Jana68

Ich habe das Buch gelesen und fand die Geschichte vor dem Hintergrund der Auseinandersetzung von Königin Elisabeth und Maria Stuart samt der jeweiligen Anhängerschaft durchaus interessant und lesenswert. Die Handlung spielt im Kreise wichtiger politischer Persönlichkeiten und so bedient sich die Autorin auch einer recht Intellektuellen Sprache. Das führt Passagenweise zu einer gewissen Langatmigkeit. Alles in allem ist es aber eine spannende Geschichte.
Im Roman wird Giordano Bruno die Rolle des Ermittlers zuteil, der 2 Morde an jungen Hofdamen aufklären soll, die mit hoher Wahrscheinlichkeit politisch motiviert waren. Dabei treten Intriegen und Verschwörungen zu Tage und je näher Bruno der Lösung kommt, um so mehr gerät er in Gefahr, zumal er selber für den englischen Geheimdienst die Französischen Widersacher des Protestantismus bespitzelt, obwohl die Franzosen seine Gönner sind und ihm den Lebensunterhalt im Exil gewähren.
Im Roman gilt Bruno in Italien als geflohener Ketzer, der exkommuniziert wurde und ist eigentlich Atheist, aber er spielt keineswegs die Rolle eines neutralen Aufklärers.
Im Vergleich zum Vorgänger-Roman "Ketzer" ist "Frevel" nicht ganz so fesselnd, vermittelt jedoch meines Erachtens einen guten Eindruck von den Verstrickungen und Verschwörungen der politischen Elite in jener Zeit und über England hinaus.

23.08.2013 12:49:41
Pangloss

Schade, dass in diesem Kommentar nur die Rezension kritisiert wurde, obwohl der Roman von the_printed_word überhaupt nicht gelesen wurde. So bleibt ein unverständlicher Kommentar eines offensichtlichen Giordano Bruno-Fans, der ohne Lektüre des Romans aus dem Zusammenhang gerissen wurde. Das hätte man sich auch sparen können.

09.07.2013 20:55:46
the_printed_word

Ich habe den Roman nicht gelesen und werde es nach dieser Rezension auch nicht tun. Es stellt sich schon ein bisschen die Frage, ob die Rezensentin sich eigentlich bewußt war, über welche historische Person sie da schreibt. Gut, einem Autor mag die Freiheit gestattet sein, eine hist. Person in einen Romankontext zu stellen. Der Rezensent sollte sich aber zumindest ein wenig informieren, und wenns nur die Wikipedia ist, von der GBStiftung ganz zu schweigen. Dann wären Sätze wie:"Schon ihr Protagonist Giordano Bruno, ein Reformer der Gedanken rund um das Weltall und deren Entstehung, ist eine vielschichtige und äußerst interessante Figur." dem Leser wahrscheinlich erspart geblieben. Nicht nur ihm, sondern auch Giordano Bruno! Ohne GB und sein Denken über die Unendlichkeit des Weltalls wäre die heutige Welt ein andere, also bitte nicht derartige Sätze über ihn. Wenn es die Rezensentin interessiert, hier ein Literaturtipp:
Eugen Drewermann, Giordano Bruno oder der Spiegel des Unendlichen, Kösel. Gelungene Einführung in die nicht ganz einfache Gedankenwelt Brunos. Nebenbei noch in einer wundervollen Sprache geschrieben!