Kindermund

Erschienen: Januar 2010

Bibliographische Angaben

  • , 2010, Titel: 'Kindermund', Originalausgabe

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Jörg Kijanski
Turbulenter Abschluss der Leipzig-Trilogie

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Jul 2012

Kurzgefasst:

Als ein kleines Kind aus dem obersten Fenster des Waisenhauses St. Georgen in Leipzig stürzt, deutet zunächst alles auf einen tragischen Unfall hin. Doch bald kommt es zu Ungereimtheiten. Kommissar Martin Held ermittelt.

 

Leipzig, Mai 1845. Dem Nachtwächter Johann Möbius steht das Grauen ins Gesicht geschrieben, als er Wachtmeister Gottlieb Kroll zum wiederholten Male die Ereignisse seines nächtlichen Rundganges schildert. Alles verlief ruhig und normal, bis er an Sankt Georgen, dem städtischen Zucht- und Waisenhaus, vorbeikam und er fast von einem Kind erschlagen worden wäre. Der siebenjährige Konrad fiel aus einem Fenster des dritten Stocks direkt vor die Füße des Nachtwächters. Zunächst gehen alle von einem verhängnisvollen Unfall aus, doch nachdem Polizeichef Martin Held sich das Zimmer, aus dem Konrad gesprungen sein soll, persönlich ansieht, kommen ihm erhebliche Zweifel. Bestätigt wird er von den Anmerkungen der jungen Amalia, die sich sonntags um die Kinder des Waisenhauses kümmert. Konrad sei viel zu ängstlich gewesen, um sich dem Fenster auch nur zu nähern. Schnell kommen Held weitere Zweifel an der Unfalltheorie und bald steht fest, dass hier ein Mordfall vorliegt. Doch nicht nur das, überhaupt scheint in der berüchtigten Anstalt vieles nicht mit rechten Dingen zuzugehen. Nach und nach stellt sich heraus, dass bereits in den vergangenen Jahren mehrere Kinder auf seltsame Weise plötzlich verstorben sind.

Währenddessen hat Held immer häufiger Zweifel an dem Sinn seines Berufes. Eigentlich soll er als Polizeichef für Sicherheit und Ordnung sorgen, stattdessen verwaltet er zunehmend die gesellschaftlichen Mängel. Daher schreibt er intensiv über gesellschaftliche Missstände, insbesondere über die hoffnungslose Lage der Waisenkinder. Bislang schreibt er für sich im Geheimen, denn eine Veröffentlichung in einer Zeitung würde ihn nahezu zwangsläufig den Beruf kosten. Doch je länger die Ermittlungen sich hinziehen, desto mehr meldet sich sein Gewissen ...

Sozial- und gesellschaftskritisches Werk

Mit Kindermund beendet Stefan Haffner nach Lerchen und Löwen und Die Rückkehr der Wölfin seine Leipzig-Trilogie mit einem fulminanten Finale, bei der es ein letztes Mal um die "Kinder der Völkerschlacht" geht. Der Protagonist, selbst ein Waisenkind, da seine Eltern bei der Völkerschlacht im Oktober 1813 zu Tode kamen, entdeckt zunehmend sein soziales Gewissen und schreibt sich die Seele aus dem Leib. Ein mutiges Unterfangen, denn mit der Pressefreiheit ist es nicht weit her. So brodelt es an vielen Ecken in der Bevölkerung, erste Arbeiterbildungsvereine entstehen und die Bürgerschaft will mehr Mitspracherecht durch freie Medien. Mittendrin ein tief in sich zerrissener Protagonist.

 

 

Dabei hatte er vor wenigen Jahren noch einen ganz klaren Standpunkt zur Pressefreiheit gehabt. Die Veröffentlichung belegter Fakten durch die städtische und die Polizeibehörde würde zur Information der Bürger ausreichen und ihrem Anspruch auf Teilhabe an den öffentlichen Dingen vollkommen entsprechen.

 

Aber ob es um Pressefreiheit oder das Wahlrecht geht, noch gibt es genügend reaktionäre Stimmen, die dies generell ablehnen.

 

 

"Du redest von dieser verrückten Idee, die Regenten zu wählen und solche Dinge, oder? Bist du auf deine alten Tage noch zum Demokraten geworden? Dann müssten wir uns auch noch mit den Eitelkeiten und Affären unserer Bürgersleut' abgeben. Das wäre allerdings ein gefundenes Fressen für deine freie Presse! Hat dieses Land denn sonst keine Probleme?"

Die vorliegende Trilogie ist sowohl als Kriminal- wie auch als historischer Roman äußerst lesenswert. Lag der Schwerpunkt im ersten Band noch auf der Geschichte der prosperierenden Stadt Leipzig, so entpuppte sich der zweite Band in erster Linie als Kriminalroman. Der hier vorliegende letzte Band startet direkt mit dem mysteriösen "Fenstersturz", entpuppt sich aber zunehmend als gesellschafts- und sozialkritisches Werk, welches einen exzellenten Einblick in die Zustände der damaligen Zeit vermittelt.

 

 

 

In Oberschlesien hatten die Preußen einen Weberaufstand einfach zusammengeschossen. "Polizeiarbeit", dachte Martin bitter und schnaubte wütend. So ging das natürlich auch.

 

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