Die Ketzerin von Carcassonne

  • Goldmann
  • Erschienen: Januar 2012
  • Goldmann, 2012, Titel: 'Die Ketzerin von Carcassonne', Originalausgabe
Die Ketzerin von Carcassonne
Die Ketzerin von Carcassonne
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Birgit Stöckel
89

Histo-Couch Rezension vonJul 2012

Zwei Schwestern zwischen zwei Glaubensfronten

Kurzgefasst:

Köln 1205. Die Schwestern Adelind und Hildegard müssen Hals über Kopf aus dem Kloster fliehen, in das sie als Kinder gegeben wurden, als Hildegard ungewollt schwanger wird. Bei einer Gauklertruppe finden die Frauen Zuflucht - und Adelind die Liebe. Ihr Schicksal führt sie bis nach Südfrankreich. Als die Mädchen dort in die Obhut von Esclarmonde de Foix kommen, einer Gräfin, die den Lehren der Katharer folgt, finden auch sie neue Kraft im Glauben. Doch der Konflikt mit dem Papst spitzt sich dramatisch zu. Und er gipfelt schließlich in dessen Aufruf zum Kreuzzug, der in einem blutigen Inferno endet ...

 

Köln im Jahr 1205: Die Schwestern Adelind und Hildegard leben seit ihrer frühesten Kindheit in einem Kloster, in dem sie es nicht immer leicht haben. Obwohl Hildegard von tiefer Frömmigkeit erfüllt ist, eckt sie immer wieder an, da ihr Fleisch zuwider ist, was von der Mutter Oberin nicht toleriert wird. Adelind zieht deren Unmut hingegen immer wieder auf sich, weil sie versucht, ihre Schwester zu schützen.

Als Hildegard schwanger wird, wird sie aus dem Kloster verstoßen und Adelind folgt ihr. Das Leben außerhalb der Klostermauern trifft sie mit ungewohnter Härte und so haben sie Glück, sich einer Gauklertruppe anschließen zu können, bei der Adelind die Liebe findet, von der sie aber bitter enttäuscht wird. In Südfrankreich lernen sie die Gräfin Esclarmonde de Foix kennen und mit ihr den katharischen Glauben und schließen sich schließlich dieser Gemeinschaft an. Doch die katholische Kirche setzt immer drastischere Mittel ein, um die von ihnen als Häretiker bezeichneten Katharer zu vernichten. Die beiden Schwestern geraten immer tiefer in den Strudel dieser Ereignisse.

Katharer gegen Katholiken

Es ist ein großer Sprung von Tereza Vaneks letztem Roman Das Geheimnis der Jaderinge, das in China des 19. Jahrhunderts spielt, hin nach Carcassonne im Mittelalter, der der Autorin hervorragend gelingt. Wie in bereits ihren anderen Romanen zeichnet Tereza Vanek ein detailgetreues, tiefgehendes, informatives und unterhaltendes Bild der Gesellschaft und der damaligen Zeit.

Naturgemäß nehmen die Glaubenslehre der Katharer und der Konflikt zwischen ihnen und der katholischen Kirche einen großen Raum ein. Dabei gelingt es der Autorin, nicht in Schwarz-Weiß-Malerei zu verfallen, sondern beide Seiten mit möglichst großer Objektivität zu schildern. Auch wenn insgesamt die Katharer positiver erscheinen, so gibt es auch unter ihnen einige nicht sonderlich sympathische Zeitgenossen. Die Perfacha Rosa zum Beispiel steht in ihrer fanatischen Glaubenstreue, ihrer Intoleranz Andersdenkender gegenüber und ihrem Ehrgeiz, innerhalt ihrer Kirche aufzusteigen, in nichts katholischen Fanatikern nach. Doch ist sie letztlich auch bereit, die Folgen ihrer Unbeugsamkeit zu tragen. Dominique de Guzmán hingegen ist ein positives Beispiel auf katholischer Seite, denn er ist zwar ebenfalls bestrebt, so viele Ketzer und Ketzerinnen zu bekehren, doch setzt er dabei mehr auf Überzeugung denn auf gewaltsame Bekehrung, auch wenn er damit auf verlorenem Posten steht.

Zwei sehr verschiedene Schwestern

Die Figurenzeichung ist überhaupt sehr gelungen. Fast alle Charaktere sind vielschichtig und alles andere als eindimensional. Die Zwillingsschwestern Adelind und Hildegard sind sehr unterschiedlich. Hildegard ist die sanfte, die, im Gegensatz zu ihrer Schwester, der katharischen Lehre wirklich aus Überzeugung folgt, dabei aber des öfteren weltfremd und lebensuntüchtig wirkt, während Adelind ein praktisch veranlagter und denkender Mensch ist, der Notwendigkeiten erkennt und dementsprechend handelt. Hundertprozentig überzeugt ist sie von der Glaubenslehre, egal welcher, nicht, immer wieder schleichen sich Zweifel ein und ihr gesunder Menschenverstand lässt sich auch nicht so einfach abschalten. Doch sie genießt ihre Arbeit im Domus der Katharer sehr, die ihr nützlich und wertvoll erscheint. Somit ist Adelheid eindeutig die Sympathieträgerin für die Leser, Hildegard weckt mehr als einmal den Wunsch, sie zu schütteln und anzuschreien - beim Leser und ebenso bei ihrer Schwester! Doch auch Hildegard hat ihre guten Seiten und bekommt die Gelegenheit, zu zeigen, dass mehr in ihr steckt, als man ihr zutraut.

Die einzige Person, die etwas zu gut rüberkommt, ist Esclarmonde de Foix. Würdevoll, verständnisvoll, intelligent und tolerant... hier wäre die eine oder andere negativere Eigenschaft wünschenswert gewesen.

Die Ketzerin von Carcassone ist ein spannendes und farbenprächtiges Werk, das dem Leser sehr interessant und informativ ein Bild von Südfrankreich im 13. Jahrhundert vermittelt, die Lebensumstände der einfachen Leute ebenso darstellt wie die der höhergestellten, das Leben im Kloster genauso beschreibt wie die Lebensweise der Katharer und mit faszinierenden und kurzweiligen Charakteren aufwartet. Kurz gesagt: Lesenswert.

Die Ketzerin von Carcassonne

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