Im Land der Orangenblüten

Erschienen: Januar 2012

Bibliographische Angaben

  • Weltbild, 2012, Titel: 'Im Land der Orangenblüten', Originalausgabe

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Eva Schuster
Farbenprächtige Familiensaga aus Südamerika

Buch-Rezension von Eva Schuster Jul 2012

Kurzgefasst:

Surinam, 1859: Julie will aus dem Hause ihres Onkels entfliehen. Sie heiratet den Plantagenbesitzer Karl Leevken - mehr aus Kalkül als aus Liebe. Doch auf dessen Zuckerplantage kann sie sich nur schwer einleben. Und Karl entpuppt sich als Tyrann und Sadist. So beginnt Julie, sich eine Aufgabe zu suchen, in der sie aufgehen kann. Sie engagiert sich für die dort lebenden Sklaven und setzt sich für ihre Rechte ein. Und dann verliebt sie sich in Jean, Karls Buchhalter. Es ist eine hoffnungslose Liebe. Doch dann erfährt Julie, dass sie von Jean ein Kind erwartet.

 

Rotterdam, 1850: Das glückliche, unbeschwerte Leben von Juliette Vandenberg endet jäh, als sie mit neun Jahren ihre geliebten Eltern durch einen Unfall verliert. Ihr Vormund wird ihr bislang unbekannter Onkel, der allerdings in erster Linie an ihrem reichen Erbe interessiert ist. Julie wächst zunächst in einem Internat auf.

Mit achtzehn Jahren begegnet sie Karl Leevken, einem Geschäftspartner ihres Onkels aus der niederländischen Kolonie Surinam in Südamerika. Sie ist fasziniert von dem weltgewandten, charmanten Mann, auch wenn er altersgemäß ihr Vater sein könnte. Als sie vor der Wahl steht, Karl zu heiraten oder in ein Kloster zu gehen, ist sie sofort zur Heirat bereit und geht mit Karl nach Surinam auf seine große Zuckerrohrplantage.

Doch schon vor der Ankunft in dem fremden Land ahnt Julie, dass Karl Leevken sie nicht aus Liebe, sondern aus Kalkül geheiratet hat. Der Witwer sucht eine hübsche junge Frau zum Repräsentieren und schätzt obendrein ihre Mitgift. Trotzdem schaut Julie zunächst hoffnungsvoll in die Zukunft. Doch in Surinam holt sie die bittere Realität ein: Nicht nur, dass Karl eine Tochter ihres Alters hat, die ihre junge Stiefmutter rundheraus ablehnt, Julie kann auch nicht die grausame Sklaverei des Landes akzeptieren. Entsetzt registriert sie, wie hart ihr Mann und die meisten anderen Weißen mit den schwarzen Sklaven umspringen. In ihr regt sich der brennende Wunsch, den Sklaven zu helfen ...

Ein neues Leben in Surinam

Linda Belago bewegt sich mit dem ersten Teil ihrer Familiensaga auf bewährten Pfaden - eine junge Frau kommt ahnungslos in ein fremdes Land und wird mit dem harten Leben in der Kolonie konfrontiert, erlebt die Schattenseiten der Ehe und findet in all den Wirren eine neue Liebe - Geschichten dieser Art sind alles andere als neu, doch gelingt es der Autorin durchaus, das bekannte Thema mehr als solide umzusetzen und für gute Unterhaltung zu sorgen.

Die Hauptfigur Julie Vandenberg nimmt den Leser früh für sich ein: Der Leser erlebt kurz in der Vorgeschichte den Unfall der Eltern und fühlt gleich mit dem verwaisten Mädchen. Die Jugendjahre werden nur kurz angerissen, die Haupthandlung setzt mit der achtzehnjährigen Julie ein, der wieder einmal drei leidvolle Wochen im Haus ihres Onkels und ihrer Tante bevorstehen, wo sie außer ihrem jüngeren Cousin mit niemandem je warm geworden ist. Die junge, hübsche und durchaus kluge, aber auch recht naive und etwas schüchterne Frau ist verständlicherweise fasziniert vom weltmännischen Charme Karl Leevkens. Gegenüber der Möglichkeit, ins Kloster geschickt zu werden, erscheint ihr die Heirat mit ihm wie ein Segen, doch das böse Erwachsen kommt rasch. Das wahre Gesicht ihres Mannes, das ungewohnte Klima in Surinam, der Umgang mit den Sklaven, die Ablehnung durch Karls Tochter Martina und die Einsamkeit auf der abgelegenen Plantage machen Julie erheblich zu schaffen. Die vertrauten Bande, die sie wiederum mit den Sklaven knüpft, sind ihrem Mann ein Dorn im Augen. Dennoch wagt es Julie mehr und mehr, sich im kleinen Rahmen zu behaupten, was ihr großen Respekt bei den Sklaven einbringt.

Noch unsympathischer als Karl wird Pieter dargestellt, der Verlobte von Martina. Bislang spekulierte er darauf, dass Karl Leevken mangels einem männlichen Erben ihm eines Tages die Plantage überlassen würde - die Heirat mit Julie ändert diese Ausgangslage nun völlig und schlägt sich in Feindseligkeit nieder. Zudem kommt Julie bald hinter ein dunkles Geheimnis von Pieter, der nicht umsonst bei den Sklaven gefürchtet ist. Martina wiederum ist ein etwas differenzierter Charakter - zunächst ausschließlich ablehnend gegenüber ihrer fast gleichaltrigen Schwiegermutter, ein verwöhntes, egoistisches Mädchen. Doch im Laufe der Handlung kommt es immer wieder zu Waffenstillständen und kleinen Annäherungen zwischen ihr und Julie und es keimt durchaus die Hoffnung auf, dass Martina Julie eines Tages akzeptieren und vielleicht sogar schätzen wird. Kleine, aber nicht unbedeutende Charaktere sind das Sklavenmädchen Kiri, das Julie aus Mitleid zu sich nimmt und das sich bedingungslos für seine "Misi" einsetzt, die mütterliche Haussklavin Amru sowie Aiku, Karls Leibsklave, dem einst die Zunge herausgeschnitten wurde, was später noch besondere Bedeutung erhält.

Kurzweilige Handlung

Julies Geschichte ist zweifellos spannend in Szene gesetzt. Die Handlung spart nicht an dramatischen Ereignissen - die Auseinandersetzungen mit den Sklaven, Julies Konflikte mit Karl, Pieter und Martina und schließlich ihre Gefühle für Jean Riard, den Buchhalter ihres Mannes, sorgen für viel Abwechslung und lassen keine Längen aufkommen. Besonderen Reiz haben Julies heimliche Ausflüge ins Sklavendorf, wo sie sich um die Kinder kümmert sowie ihre beginnende Liebe zu Jean Riard, die unbedingt vor Karl verborgen bleiben muss. Der zu allem fähige Pieter sorgt für einige unheilvolle Momente, da er nicht nur zu Intrigen greift, sondern ihm auch Mord zuzutrauen ist. Weiterhin spannend sind die Andeutungen über den Tod von Felice, Karl Leevkens erster Frau. Nach und nach erfährt Julie Details, die die offizielle Geschichte in ein ganz anderes Licht rücken und für weitere bewegende Momente sorgen. Vor allem im letzten Viertel ergeben sich einige dramatische Entwicklungen, die dazu einladen, den Rest des Buches in einem Zug zu verschlingen.

Ein kleinerer, aber ebenfalls reizvoller Erzählstrang dreht sich um die junge Missionarin Erika, die gemeinsam mit ihrem Mann Reinhard aus Deutschland einwandert, um einen Missionsposten in Surinam zu übernehmen. Auch ihr Leben verläuft jedoch ganz anders als erhofft und wird überschattet durch Schicksalsschläge und der Leser hofft unwillkürlich, dass sich die beiden Frauen wiedertreffen und die auf dem Schiff begonnene Vertrautheit ausbauen können.

Keine großen Schwächen

Wer sich intensive historische Darstellungen jener Zeit erhofft, wird möglicherweise enttäuscht - das Leben in Surinam selbst wird zwar farbenfroh geschildert, doch der historische Hintergrund zu der Kolonie bleibt dagegen recht blass. Sicher gibt es auch ein paar der üblichen Klischees, die bedient werden, etwa die mütterliche Haussklavin, das treue Sklavenmädchen, die heimliche Liebe mit Jean Riard, die schon bei der ersten Begegnung absehbar ist - es gibt zweifellos tiefgründigere Romane, der Fokus liegt auf emotionaler Unterhaltung.

Ein wenig ungeschickt erscheinen zudem bisweilen die Einblicke, die der Erzähler zu den Gedanken anderer Figuren als Julie gibt - so erfährt der Leser etwa sehr früh die wahren Beweggründe von Karl Leevken, sie zu heiraten und die Spannung wird vermindert. Reizvoller wäre gewesen, nur Julies Gedanken explizit wiederzugeben und den Leser eine Weile im Unklaren zu lassen, ob Karl Leevken sie bloß aus Kalkül heiratet.

Fazit: Ein lesenswerter Roman aus der Kolonialzeit mit kurzweiliger Handlung, der Lust auf die Fortsetzung macht.

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