Das Herz der Feuerinsel

Erschienen: Januar 2012

Bibliographische Angaben

  • Goldmann, 2012, Titel: 'Der Herz der Feuerinsel', Originalausgabe

Couch-Wertung:

87

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Rita Dell'Agnese
Die Kehrseite des Paradieses

Buch-Rezension von Rita Dell'Agnese Jul 2012

Kurzgefasst:

Amsterdam 1882. Auf der Überfahrt von Amsterdam nach Batavia schließen zwei Frauen Freundschaft, die unterschiedlicher kaum sein könnten: die ernsthafte Jacobina, Tochter aus gutem Hause, und die temperamentvolle Floortje aus einfachen Verhältnissen. Beide träumen vom Glück in der Ferne, und berauscht von der exotischen Schönheit der Tropen wähnen sie sich im Paradies. Nach und nach jedoch offenbart der Garten Eden seine Abgründe, und während auf Jacobina ein böser Verdacht fällt, gleitet Floortje ab in die Prostitution. Als der bislang so friedliche Vulkan Krakatau ausbricht, beginnt für die beiden Freundinnen ein Kampf um Leben und Tod ...

 

Auf dem Schiff, das sie 1882 von Amsterdam nach Batavia bringen soll, lernen sich die beiden jungen, niederländischen Frauen Jacobina und Floortje näher kennen. Obwohl die beiden aus einer völlig unterschiedlichen Gesellschaftsschicht stammen und auch ihr Ziel in Batavia ein anderes ist, haben die beiden Frauen viel gemeinsam. Sie sind beide auf der Flucht vor ihrer Vergangenheit und letztlich auch vor sich selber. Jacobina hat sich als Gouvernante für zwei holländische Kinder verpflichtet. Ihre Ankunft im Haus ihrer Arbeitgeber katapultiert sie in eine paradiesische Welt. Nicht nur, dass die beiden Kinder entzückend sind, auch die Familie selber scheint sehr niveauvoll. Die vom Leben enttäuschte Jacobina scheint gar in einem Freund des Haues ihre große Liebe gefunden zu haben - und das, obwohl sie bereits als spätes Mädchen gilt. Doch je länger Jacobina auf Batavia weilt, desto deutlicher erkennt sie, dass sich das vermeintliche Paradies als trügerisch entpuppt. Die kühle, selbstbeherrschte Jacobina stellt sich der Herausforderung und wächst daran. Auch Floortje muss einiges einstecken. Sie sieht in Batavia die einzige Chance, sich einen wohlhabenden Ehemann zu angeln und damit ihre Vergangenheit abzustreifen. Das Mädchen war vom Schicksal nicht verwöhnt worden. Floortjes Naivität bringt sie immer wieder in schwierige Situationen. Auch sie wächst aber an den Herausforderungen, die das Leben auf der exotischen Insel für sie bereithält.

Üppige Beschreibungen

Die exotische Schönheit der Insel Java, aber auch ihre Schattenseiten kommen in Das Herz der Feuerinsel hervorragend zum Ausdruck. Autorin Nicole C. Vosseler pflegt einen üppigen Sprachstil und verwöhnt die Leserinnen und Leser mit einer Fülle von Beschreibungen, die vor dem geistigen Auge ein Bild der Pracht Javas entstehen lassen. Zwar verlangsamt die ausführliche Beschreibung das Tempo der Geschichte etwas, im Gegenzug schaffen die Bilder jedoch eine Atmosphäre, welche die Exotik der feurigen Insel hervorragend zur Geltung bringt. Es gehört zur Stärke der Autorin, die Leser in diesem Roman nicht nur an die jeweiligen Protagonisten heranzuführen, sondern auch an die Welt, in der sie sich bewegen. Zwar entzaubert Nicole C. Vosseler das Paradies, doch gerade das verleiht dem Roman Tiefe. Sie versteht es, alle möglichen Facetten greifbar zu machen und auf diese Weise dem Schauplatz einen besonderen Platz einzuräumen.

Sich selber finden

Feinfühlig geht Nicole C. Vosseler mit den beiden jungen Frauen um, die versuchen, sich in Java selber zu finden. Zum einen stellt sie die Entwicklung der beiden Frauen sehr überzeugend dar. Das Staunen der Niederländerinnen über die exotische Pracht, das Erkennen der Schattenseiten, der Umgang mit der anderen Kultur: sowohl Jacobina als auch Floortje erkennen, dass sie nicht im Paradies angekommen sind, auch wenn sich ihre Erfahrungen stark voneinander unterscheiden. Sie müssen vor allem aber auch erkennen, dass es nicht möglich ist, vor sich selber zu fliehen. Die Ereignisse zwingen die beiden Frauen, sich ihren eigenen dunklen Geheimnissen zu stellen und erst dadurch die notwendige Offenheit zu entwickeln, um die Zukunft in Angriff zu nehmen. Eine Hilfe ist die Freundschaft der beiden, die auf dem Schiff ihren Anfang nimmt, sich dann aber zunächst zu verlieren scheint.

Als würden dunkle Wolken aufziehen

Sehr schön ist der Aufbau des Plots. Er beginnt mit der Leichtigkeit Floortjes, der es mühelos gelingt, sich in die Herzen der anderen Passagiere auf dem Schiff zu spielen. Selbst die distanzierte Jacobina, die darauf bedacht ist, jede Berührung zu vermeiden, kann sich der entzückenden Unbeschwertheit Floortjes nicht entziehen. In Batavia angekommen, müssen die beiden Frauen zwar erst mal die weniger schönen Seiten der Stadt sehen, bevor sie in ihrem jeweiligen Paradies ankommen. Die üppige Pracht scheint die düsteren Bilder zu überlagern. Unmerklich aber verdüstert sich die Stimmung. Es ist, als würden langsam dunkle Wolken aufziehen und sich allmählich über die liebliche und sinnliche Atmosphäre zu legen. Es gelingt Nicole C. Vosseler hervorragend, das Erkennen der beiden Hauptfiguren ebenso wie die ausbrechende Naturgewalt in einen stimmigen Aufbau einzubetten. Wer hinter "Das Herz der Feuerinsel" einen Wohlfühlroman vermutet hatte, wird nach und nach eines Besseren belehrt. Nicole C. Vosseler lässt nichts aus und spricht ungeschminkt auch die unschönen Seiten des Lebens auf Java an.

Mit ihrer Geschichte beweist Nicole C. Vosseler, dass es möglich ist, Auswanderer-Romane zu schreiben, die wesentlich mehr zu bieten haben als nur die Schilderung, wie sich tapfere Menschen in der Fremde behaupten. Sehr schön gelungen sind der Autorin auch die Nebenfiguren, die mit teils faszinierenden Charakteren aufwarten können und dem Roman sehr viel Lebendigkeit verleihen.

Das Herz der Feuerinsel

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Letzte Kommentare:
09.09.2013 15:21:56
LettersFromJuliet

Inhalt
Amsterdam 1882, Jacobina und Floortje lernen sich auf der Überfahrt nach Batavia kennen. Die beiden jungen Frauen könnten unterschiedlicher nicht sein. Jacobina ist ziemlich ernst, kommt aus gutem Hause und möchte in der Ferne als Privatlehrerin einen Neuanfang wagen. Floortje hingegen ist überschwänglich, stets fröhlich und hofft auf eine gute Heirat.
Jacobina lebt sich langsam ein in diesem fremden Land, bei einer fremden Familie, aber vor alle die beiden Kinder nehmen sie herzlich auf. Wenige Zeit später trifft sie auf einen Freund der Familie, der in ihr mehr sieht, als sie selbst. Sie hat sich schon immer zu groß, zu kantig, zu unweiblich gefühlt.
Auch für Floortje scheint alles gut zu laufen. Sie hat direkt mehrere Verehrer und in einen verguckt sie sich. Sie wollen heiraten. Dann passieren jedoch Dinge, mit denen sowohl Floortje, als auch Jacobina nicht gerechnet hatten.

Meine Meinung
Bitte lest euch nicht den Klappentext oder die Beschreibung auf Amazon durch! Die verraten viel zu viel und dieses Buch lebt u.a. durch die vielen Überraschungsmomente.
Ich muss gestehen, dass ich nach den ersten 100 Seiten skeptisch war, denn so lange dauert die Überfahrt. Wir lernen die beiden Protagonistinnen näher kennen und die beiden freunden sich langsam an. Sehr viel passiert allerdings auch nicht. Ich hatte große Befürchtungen, dass das Buch so weiterplätschern würde, aber ich kann jeden beruhigen, dem es vielleicht genauso ging. Der Buch nimmt dann immer mehr an Fahrt auf und die letzten 200 Seiten war es wirklich schwierig aus der Hand zu legen.
Nach ca. 250 Seiten scheint das Glück für Jacobina und Floortje perfekt zu sein und ich hatte mich schon gefragt, was denn jetzt noch kommen soll, denn schließlich hatte nicht mal die Hälfte gelesen. Dann überschlagen sich jedoch teilweise die Ereignisse und Überraschungen. Ich habe selten so mitgefiebert und ich war sehr traurig als das Buch zu Ende war. Die beiden Protagonistinnen waren mir sehr ans Herz gewachsen und ich wollte sie nicht gehen lassen.
Die Autorin hat es mal wieder geschafft einen historischen Roman zu schreiben, der weder langatmig, noch langweilig ist – genau das wird diesem Genre ja immer wieder vorgeworfen. Natürlich sind Landschaftsbeschreibungen dabei, die sind allerdings so lebendig gehalten, dass ich richtiges Fernweh bekam. Ich habe dazu Musik von der Buddha Bar gehört und mich einfach in die Geschichte und in die Ferne gleiten lassen.
Nicole C. Vosseler hat einen ganz tollen Schreibstil, der gerade für historische Romane sehr lebendig ist. Man sagt ja so schön, wenn jemand toll vorliest, dass man dann einen seinen Lippen hängen würde. Ich hing definitiv an ihren Buchstaben!
Die holländischen Namen und Bezeichnungen waren am Anfang etwas gewöhnungsbedürftig, was wohl daran lag, dass ich bislang noch kein Buch mit holländischen Charakteren gelesen habe. Das gibt sich jedoch recht schnell. Natürlich werden auch landestypische Begriffe aus der Region um Batavia verwendet, die man aber größtenteils auch aus indischen Romanen kennt.
Die Charaktere haben mir größtenteils sehr gut gefallen, wobei ich die Männer erst nicht richtig einschätzen konnte. Für mich war dieses Mal kein wahrer Held dabei, da mich bei jedem etwas gestört hat. Der eine war ein Bubi, der andere lies sich beeinflussen, der nächste ist ein Scheusal. Ich möchte an dieser Stelle gar keine Namen verraten, damit ich nichts vorwegnehme.
Es tun sich einige menschliche Abgründe für den Leser auf, weshalb es dem Buch absolut nicht an Spannung fehlt.
Die Geschichte wird abwechselnd aus Jacobinas und aus Floortjes Perspektive erzählt. Auch wenn die beiden sich etwas aus den Augen verlieren, so wird die Freundschaft immer wieder in den Vordergrund gerückt, was mir sehr gut gefallen hat. Trotz Entfernung, haben die beiden immer wieder an den anderen gedacht.
Ich fand “Unter dem Safranmond” schon richtig klasse und hatte dem Buch damals die gleiche Bewertung gegeben. “Das Herz der Feuerinsel” hat mein bisheriges Lieblingsbuch der Autorin sogar nochmal getoppt und es zählt auf jeden Fall zu meinen Jahreshighlights.

Fazit
Ein sehr exotischer Roman, der einen mitreißt und nicht mehr loslässt. Trotz 600 Seiten, fliegt man durch das Buch und lässt sich in die Geschichte fallen. Tolle Charaktere vor einer imposanten Kulisse mit vielen Überraschungen und einer Freundschaft, die mich sehr beeindruckt hat. Nicole C. Vosseler hat mich mit diesem Buch mal wieder mehr als überzeugt.

26.09.2012 22:20:25
Imlammenien

Auf der Fahrt von Amsterdam nach Java lernen sich Ende des 19. Jahrhunderts die lebenslustige Floortje und die ernste Jacobina kennen. Während Erstere in Batavia einen Ehemann sucht, tritt die Zweite eine Stellung als Hauslehrerin und Gouvernante an. Doch das vermeintliche Paradies, in das die beiden Frauen vor ihrer Vergangenheit geflohen sind, entpuppt sich mehr und mehr als Abgrund und sowohl Floortje als auch Jacobina zahlen einen hohen Preis für ihre Träume.

Mit „Das Herz der Feuerinsel“ legt Nicole C. Vosseler einen wunderschönen, mitreißenden Roman vor, in dem das Thema Freundschaft eine zentrale Rolle spielt. Mit Jacobina und Floortje hat sie zwei Figuren geschaffen, mit denen der Leser mit fiebern, sich mitfreuen und mitleiden kann, und an deren Seite er das Paradies Javas, seine farbenfrohe Natur und seine vielfältigen Kulturen vor dem Hintergrund der niederländischen Kolonie entdecken kann, mit ihnen wird er mitgerissen in die Abgründe des vermeintlichen Paradieses und die brodelnden Naturgewalten.

Nicole C. Vosseler beschreibt diese Welt mit opulenter, bildhafter Sprache und füllt die 600 Seiten des Romans scheinbar mühelos mit buntem Leben, tiefen Gefühlen, herzzerreißenden Schicksalen und spannenden Geschichtsfakten, so dass man am Ende der Lektüre vor allem eines bedauert: dass das Buch sein Ende gefunden hat und man die liebgewordenen Figuren ihrer Wege ziehen lassen muss.

FAZIT: „Das Herz der Feuerinsel“ hat mich begeistert, in mir eine bunte Palette vielschichtiger Gefühle geweckt und mich einmal wieder daran erinnert, wie wertvoll und selten wirkliche Freundschaft ist. Ich empfehle diese Lektüre jedem weiter, der nicht nur historische Romane liebt, sondern auch bereits ist die Höhen und Tiefen der Geschichte mit Floortje und Jacobina zu durchleben und zu durchleiden.
Ein ganz klarer Buch-Tipp!