Ein Feld der Ehre

Erschienen: Januar 2011

Bibliographische Angaben

  • Agenda, 2011, Titel: 'Ein Feld der Ehre', Originalausgabe

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45
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Sabine Bongenberg
Schuster bleib bei deinen Leisten

Buch-Rezension von Sabine Bongenberg Jun 2012

Kurzgefasst:

März 1920. Der große Krieg ist vorbei. Arbeiter haben sich zur Roten Ruhrarmee formiert. Freikorps und Bürgerwehren stehen dagegen. Im angrenzenden Westmünsterland scheint man damit wenig zu tun zu haben - bis auch hier Rotarmisten auftauchen und ein Dorf zum Kampfgebiet und Schlachtfeld wird. Ein Feld der Ehre? Entstellte Leichen wie Jagdbeute auf den Äckern, mitleidlos Ermordete in den Chausseegräben - kein ungewohnter Anblick für die Dorfbewohner. Eine junge Frau wird tot im Wald gefunden. Der Rektor der Knabenschule geht der Sache nach, aber eigentlich will niemand so genau wissen, wer schuldig ist ...

 

So wie es seinerzeit weiße Flecken auf der Landkarte gab, so ähnlich dürfte das Wissen vieler Leser um die Zeit zwischen den beiden Weltkriegen ausgestattet sein. Wie gestaltete sich diese Zeit eigentlich? Leckte sich die Bevölkerung einer dezimierten Lektion nur ihre Wunden, versuchten alle wieder die Normalität aufzunehmen oder bereitete sich - ähnlich wie in dem Film "Das weiße Band" - bereits der Schoß vor, aus dem die Mörder des Nationalsozialismus krochen?

Diese Frage beantwortet Marlies Mattern in ihrem Debüt-Roman Das Feld der Ehre. Das eher beschauliche Raesfeld im westlichen Münsterland ist die Heimat verschiedener Personen, die nicht nur auf unterschiedliche Weise die Nachwehen des ersten großen Weltkriegs, sondern auch ihr persönliches Schicksal und ihr tägliches Leben bewältigen müssen. Werden diese Versuche nicht nur durch die Folgen des Krieges an sich, verhärtete Traditionen und Werte sondern auch durch die sozialen Hackordnungen an erschwert, spitzt sich das tägliche Leben zusätzlich durch einen Bürgerkrieg zu, der die beschauliche Gegend heimsucht und das tägliche Leben weiter auf den Kopf stellt.

Kaum fesselnd

Hätte Marlies Mattern es mit diesem Vorsatz - eine Erzählung oder einen Roman über einen mehrtägigen Bürgerkrieg in einer beschaulichen Gegend zu verfassen - bewenden lassen, so hätte sich zumindest für die an historischem Lokalkolorit interessierter Leserschaft eine interessante Lektüre geboten. Leider wurde aber - vielleicht weil der "Kriminalroman" doch immer noch lukrativer ist - auch dieses Feld eröffnet. Hier zeigt sich aber, dass eine Historikerin, die in ihrem Metier sicherlich sattelfest ist, nicht unbedingt nebenher noch einen spannenden Kriminalroman verfassen kann. Der Mord an einer jungen Frau, der laut Klappentext immerhin eine wichtige Rolle spielt, gerät zum Nebenschauplatz, der im Zuge der Schilderungen um die Scharmützel der verfeindeten Parteien regelmäßig in Vergessenheit gerät. Erst im letzten Drittel des Buches scheint sich die Autorin plötzlich daran erinnert zu haben, dass ja auch noch dieser Handlungsstrang bedient werden müsse und so wird dann auch endlich dieses Thema bis zum vorhersehbaren Ende vorangetrieben.

Dennoch erfolgt die Bewertung dieses Buches mit gemischten Gefühlen. Für diejenigen, die im Raesfeld, Dorsten oder auch Erle beheimatet sind und sich für die Geschichte dieses Raums interessieren, mag der Roman seine fesselnden Seiten haben. Das setzt allerdings voraus, dass sich auch diese Leserschaft daran gewöhnen kann, dass Frau Mattern wahrlich keine Freundin von Nebensätzen ist! Der Rest der Republik kann sich aber beruhigt anderen Themen zuwenden.

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