Feuer und Glas - Der Pakt

  • Heyne
  • Erschienen: Januar 2012
  • Heyne, 2012, Titel: 'Feuer und Glas - Der Pakt', Originalausgabe
Feuer und Glas - Der Pakt
Feuer und Glas - Der Pakt
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Eva Schuster
74

Histo-Couch Rezension vonMai 2012

Magie und Liebe im faszinierenden Venedig

Venedig, 1509: Die sechzehnjährige Milla ist die Tochter des Glasbläsers Leandro, genannt "Feuerkopf" und Anführer der Feuerleute, der nun seit fünf Jahren nicht von einer Schiffsreise zurückgekehrt ist. In der Stadt gilt er als Verräter, der sich angeblich nach Konstantinopel abgesetzt hat und zu Millas Entsetzen will ihre Mutter Savinia ihn demnächst für tot erklären lassen. Zu allem Überfluss steckt die Taverne von Millas Mutter und Leandros Schwester Ysa in Schwierigkeiten und der aufdringliche Salvatore macht Savinia den Hof.

In diesen düsteren Tagen lernt Milla den geheimnisvollen jungen Gondoliere Luca kennen, der von einem eigentümlichen blauen Licht umgeben ist. Luca gehört zu den Wasserleuten, die seit dem Bruch eines Paktes mit den Feuerleuten verfeindet sind. Milla kann sich seiner Faszination nicht entziehen und ist zugleich unsicher, ob sie ihm trauen darf.

Feuerleute und Wasserleute begehren beide eine kleine gläserne Gondel. Millas Vater hat ihr einen Brief hinterlassen, wo die von ihm erschaffene Gondel zu finden sein soll - doch die Andeutungen sind Milla ein Rätsel. Plötzlich scheinen ihr sowohl von Feuerleuten als auch Wasserleuten Gefahr zu drohen, ein Krieg zieht am Horizont herauf und nur die Gondel kann Venedig vor dem Untergang retten ...

Dramatik, Romantik und ein Hauch von Fantasy

Viel Historie und ein bisschen Fantasy vermischt Brigitte Riebe im Auftaktband der Reihe "Feuer und Glas" um Milla und den geheimnisvollen Wasserjungen Luca. Der Roman entführt seine Leser zu einem der denkbar schönsten Schauplätze überhaupt, dem Venedig des 16. Jahrhunderts. Detaillierte Beschreibungen lassen die stolze Lagunenstadt lebendig werden und schnell ist man mit Hauptfigur Milla vertraut: Das junge Mädchen mit den feuerroten Haaren ist eine sympathische Protagonistin mit Stärken und Schwächen. Es vergeht kein Tag, an dem sie nicht intensiv an ihren verschollenen Vater denkt und genau wie ihre Tante Ysa gibt sie die Hoffnung nicht auf, dass er zurückkehren wird. Ganz anders Millas Mutter, die kurz davor steht, Leandro für tot erklären zu lassen und womöglich ausgerechnet mit dem unangenehmen Salvatore ein neues Leben beginnen will. Es sind harte Zeiten in Venedig, die einst scheinbar unbesiegbare Serenissima wird innerhalb Europas zunehmend isoliert. Venedigs Vormachtstellung als Wirtschaftsmacht sinkt, die Handelspreise brechen massiv ein. Auch Milla und ihre Familie gehören zu den Leidtragenden, die Mühe haben, das Geld für die Miete zusammenzubekommen.

In doppelter Weise reizvoll ist die Gestalt des Wasserjungen Luca. Zum einen sorgt er bei Milla zum ersten Mal für romantische Gefühle, die angenehm unkitschig und nie plakativ dargestellt werden. Zum anderen ist für lange Zeit unklar, welche Rolle er einnimmt, inwieweit ihm zu trauen ist. Sein mysteriöses Wesen, sein mal sanfter und mal aufbrausender Charakter und sein deutliches Interesse an der gläsernen Gondel machen ihn zu einer unberechenbaren Figur, die viele Rätsel aufwirft. Gewisse Gefühle weckt bei Milla jedoch auch der charmante rothaarige Marco Bellino - bis er sich ebenfalls mehr für die Gondel interessiert, als dem Mädchen lieb ist. Auch seine Rolle ist zwiespältig angelegt und sorgt für Spannung - ebenso wie die Frage, was mit Millas Vater geschehen ist, ob sie eher den Feuerleuten oder den Wasserleuten trauen darf und wird und ob die Gondel gefunden wird, von der das weitere Schicksal Venedigs abzuhängen scheint. Auch die Nebenfiguren Ysa und Savinia werden als interessante Charaktere präsentiert - insbesondere Millas Tante Ysa, die den beiden nach Leandros Verschwinden ein neues Zuhause gegeben hat und die gewöhnlich mehr Verständnis für Milla hat als ihre Mutter.

Kleine Schwächen

Trotz des insgesamt überzeugenden Gesamteindrucks ist das Werk nicht frei von kleinen Schwächen. Dazu gehört, dass der historische Hintergrund zu Venedig zu kurz angerissen wird. In einem Nachwort werden die wichtigsten Punkte zwar genannt und der Leser erhält einen knappen aber präzisen Überblick zu den wichtigsten Ereignissen jener Zeit - doch besser wäre es gewesen, jene Informationen bereits in die Handlung einfließen zu lassen. So wird der uninformierte Leser gewissermaßen ins kalte Lagunenwasser geworfen und steht manches Mal ein wenig ratlos vor den Entwicklungen und kann sie nicht unbedingt immer angemessen einschätzen. Ein bisschen verwirrend mögen zu Anfang auch die Fantasyelemente sein, die so behutsam in die Handlung eingebracht werden, dass man sie zunächst beinah überliest. Nebenfiguren wie Alisar und Ganesh hätten zudem ruhig noch ein bisschen tiefgehender charakterisiert werden können.

Als Fazit bleibt ein durchaus unterhaltsamer und über weite Strecken spannender Jugendroman, der auch für erwachsene Leser seinen Reiz hat. Die Geschichte verbindet das Venedig des frühen 16. Jahrhunderts mit Fantasyeinflüssen und macht neugierig auf den zweiten Band.

Feuer und Glas - Der Pakt

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