Des Teufels Drucker

Erschienen: Januar 2012

Bibliographische Angaben

  • Emons, 2012, Titel: 'Des Teufels Drucker', Originalausgabe

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Carsten Jaehner
Über die Anfänge der Druckerkunst und des Buchhandels

Buch-Rezension von Carsten Jaehner Mai 2012

Kurzgefasst:

Als Johannes Gutenberg um das Jahr 1450 in Mainz die Druckkunst erfand, ahnte er nicht, dass man sie schon 1486 in Speyer nutzen würde, um eines der tödlichsten Bücher der Weltgeschichte zu drucken: den "Malleus Maleficarum", den "Hexenhammer", in dessen Folge viele tausend Frauen qualvoll gefoltert und ermordet werden. Der junge Mönch Ewald aus dem Kloster Eberbach im Rheingau macht sich mit dem Druck eines unheilvollen Buches zum Handlanger des Inquisitors der Heiligen Römischen Kirche. Erst als seine große Liebe Alwina selbst in Gefahr gerät, entdeckt er die teuflische Konsequenz seiner Handwerkskunst und kommt einem Mord im Namen der Kirche auf die Spur.

 

Im Jahr 1584 klettert der junge Ewald in das nahe gelegene Kloster Eberbach, um seine Freundin zu beeindrucken. Er entwendet ein frivoles Bild, das er bei einer Marienstatue gefunden hat, und bringt es ihr. Als er es zurückbringen will, wird er von seinem gehassten und brutalen Stiefvater Godewin erwischt, der das Bild einkassiert. Des Nachts holt sich Ewald das Bild zurück und will es zurück in die Kirche bringen, wird aber vom Mönch Reginald erwischt, der Ewald aber laufen lässt.

Anderen tags kommt Reginald zu Ewalds Familie und will ihn mit ins Kloster abholen, wo Ewald schnell lesen und schreiben lernt. Als er einen Drucker kennen lernt, beschließt er, eines Tages ein Bibel zu drucken. Schließlich wird das frivole Bild, das er einst gefunden hat, entdeckt, und er wird des Klosters verwiesen. Zudem wird ihm die Nachricht des Todes seiner Mutter überbracht, und so hält ihn nichts mehr und er macht sich auf nach Mainz, um dort ein Drucker zu werden.

Mit Hilfe von Mathis, den er bereits im Kloster kennen gelernt hat, beginnt er eine Druckerlehre und bekommt aufgrund seines großen Talents alsbald den Auftrag, das Buch "Malleus Maleficarum", den "Hexenhammer" des Inquisitors Henricus Institoris zu drucken, einer Brandschrift gegen die Hexen und eine Anleitung, wie in Verhören mit Hexen zu verfahren sei und wie ihre Vernichtung zu organisieren sei. Ewald verkauft auch den Druck, hat aber in Alwina ein Mädchen kennen gelernt, das der Inquisitor gerne aus Schauzwecken und zur Ankurbelung des Verkaufs des Buches verurteilen würde. Ewald erkennt, was er mit dem Druck des Buches angerichtet hat und es beginnt ein Kamp gegen die Zeit, um Alwina zu retten.

Inhaltlich überzeugend, sprachlich schwach

Rainer Maria Wacke beschreibt in seinem Debütroman, der der erste Teil einer Reihe "Die Erben Gutenbergs" sein soll, eindrucksvoll über die Anfänge der Buchdruckerkunst und tut dies, indem er den angehenden Zisterziensermönch Ewald vom Schreiber zum Drucker werden lässt. Interessant sind vor allem auch die Details zur Herstellung von Tinte, über die man sonst nicht viel liest. Dabei zeigt er, dass er sorgfältig recherchiert hat und dies auch passend in die Zeit einzubringen weiß.

Das grosse Manko an Wackes Roman ist allerdings die Sprache. Trotz aller Details und interessanter Fakten ist sein Sprachstil nüchtern und trocken, und so vermag er es nicht, dem Leser eine Stimmung der Zeit zu vermitteln. Das ist schade, denn inhaltlich und dramaturgisch weiß der Autor durchaus zu überzeugen. Aber durch seinen Stil kommt keine rechte Atmosphäre auf. Zu viel Sätze klingen gleich, manche Absätze kommen tatsächlich ohne Emotionen daher und werden wie unwichtig und lästig abgehandelt. Hier muss der Autor für weitere Bücher einer Reihe noch tüchtig nacharbeiten.

Fast nur oberflächliche und blutleere Charaktere

Dies führt letztlich auch dazu, dass zwar Ewald und der Inquisitor einige Nuancen an Charaktereigenschaften bekommen, der Rest der Figuren aber blass und egal bleiben. Grosses Mitgefühl mag man mit keiner weiteren Person aufbringen, weder mit der zur Dirne verkommenen ehemaligen Freundin von Ewald, noch mit der Mutter, Bruder Reginald oder seinem Stiefvater Godewin. Gerade letzterem hätten mehr Auftritte und mehr Intrigen gut getan, so kratzt der Autor nur an seiner Oberfläche und macht ihn zu einer blassen Randfigur. Zudem werden wie Godewin einige Personen vorgestellt, die nur sporadisch oder gar nicht mehr auftauchen oder die man schon längst vergessen hatte. Hier hätten mehr konsequentere dramaturgische Fäden im Roman gut getan, um die Figuren nicht so im Regen stehen zu lassen.

Dass der Inquisitor einige farbliche Charakterabstufungen bekommt, liegt wohl in der Natur der Sache, dass die "Bösen" oftmals mehr hergeben als die "Guten". Henricus ist überzeugt von seinem Hass gegen die Hexen, und an einer Stelle schimmert auch heraus, warum. Welche Rolle letztlich die Tuchhändlerin Elisabeth spielt, eine Witwe, die sich Ewald als Geliebten nimmt, ist auch nicht klar. Dieser Handlungsstrang wirkt von vorne bis hinten blutlos und konstruiert und passt nicht in das Gesamtgefüge des Romans. Wie dieser Teil geschehen einige Dinge aus heiterem Himmel, ohne Vorbereitung, ohne Nachwirkung und wirken so fehl am Platz und unnötig. Hier muss der Autor auch dramaturgisch nachbessern.

"Ein Krimi"? Wohl kaum.

"Ein Krimi aus dem Mittelalter" steht auf dem Cover des Romans aus dem Hause Emons. Wer hier eine Leiche erwartet, deren Mord aufgeklärt wird, wird enttäuscht werden, denn es gibt in Des Teufels Drucker keinen Mord, kein Opfer, keine Leiche, keinen Täter und somit auch letztlich keinen Krimi. Spannend ist der Roman vor allem dann, wenn der Inquisitor auftritt, ansonsten plätschert der Roman des öfteren vor sich hin. Die Fakten über die Druckereikunst und allem, was damit zu tun hat und ebenso die historischen Begebenheiten sind gut recherchiert, allerdings handwerklich nicht immer befriedigend aneinander gewebt. Auch die Anfänge des Buchhandels auf der Buchmesse in Frankfurt und die Einblicke ins Verlegerwesen sind inhaltlich ansprechend und interessant.

Der Autor wird allerdings sprachlich noch um einiges zulegen müssen, wenn "Die Erben Gutenbergs" eine packende Reihe um die Kunst des Buchdrucks werden soll. Ein kurzes Nachwort sowie ein Auflistung der historischen Orte und Personen ergänzen einen Roman, der zwar inhaltlich überzeugen kann, sonst aber blutleer und egal wirkt und daher leider nur bedingt überzeugen kann. Bleibt zu hoffen, dass die folgenden Teile einer bislang nicht weiter definierten Reihe da zulegen können.

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27.04.2015 09:02:02
Nabura

Ewald wird als Junge ins Kloster Eberbach im Rheingau aufgenommen. Dort lernt er die Kunst des Schreibens und Verzierens von Büchern. Als er jedoch eine Freundin aus Kindertagen wiedertrifft und ein Verhältnis mit ihr beginnt, wird er entdeckt und muss das Kloster verlassen. Ewald begibt sich nach Mainz. Dort lernt er die Kunst des Druckens und kann mit seinem Talent überzeugen. Eines Tages erhält die Druckerei vom Inquisitor Henricus die Aufgabe, sein Buch zur Hexenbekämpfung zu Drucken, das „Mallus Maleficarum“, den Hexenhammer. Engagiert macht sich Ewald an die Arbeit und begibt sich auf Reisen, um das Buch zu vertreiben. Doch dann muss er feststellen, dass von diesem Buch große Gefahr ausgeht…

Das Cover passt sehr gut zum Buch. Das alte Buch deutet das Thema Druckkunst im Mittelalter an, das in diesen Roman ausführlich behandelt wird. Auch der Titel passt gut, denn oft stellte sich die Frage, wer der Charaktere mit dem „Teufel im Bund“ war und wer ehrenhafte Absichten verfolgte.

Der Schreibstil des Romans ist flüssig. Schnell konnte ich mich in das Thema Schreib- und Druckkunst im Mittelalter sowie die Vorgänge der Hexenverfolgung hineindenken. Die Angst der Bevölkerung vor Hexen in Zeiten von Überfällen, Pest und Hungersnöten konnte ich gut nachvollziehen und damit auch, wie es zu der aus heutiger Sicht völlig unverständlichen Hetzjagd vor allem auf kräuterkundige Frauen kam. Durch die anschaulichen Beschreibungen konnte das Mittelalter beim Lesen lebendig werden.

Die Charaktere des Buches sind facettenreich und infolge dessen war ihre Entwicklung interessant zu verfolgen. Da die Handlung des Buches mehrere Jahre abdeckt, begleitet der Leser Ewald von Kindesbeinen an bis ins Erwachsenenalter. Sein innerer Kampf zwischen dem Wunsch nach Gottgefälligkeit und dem Ausleben seiner Wünsche begleitet ihn über die Jahre hinweg und stellt ihn immer wieder vor das Fällen von Entscheidungen, die seinen Lebensweg maßgeblich beeinflussen. Immer wieder war es spannend zu verfolgen, für welchen Weg sich Ewald entscheidet.
Auch die Geschichte des Inquisitors Henricus, der im Gegensatz zu Ewald eine historische Persönlichkeit ist, wird ausführlich beschrieben. Aufgrund seiner Unzufriedenheit über die bisherigen Verläufe der Hexenprozesse fasst er den Entschluss, ein Buch zu schreiben, dass die Verurteilung von Hexen erleichtern soll. Mit dem Auftrag, das Buch zu drucken, beeinflusst er nicht nur Ewalds Schicksal, sondern auch das zahlreicher Frauen in Deutschland.

Die Kriminalhandlung kam mir im Roman leider etwas zu kurz. Die Kindheit Ewalds und sein Weg in die Druckerei wird in der ersten Hälfte des Buches interessant und temporeich, aber auch ausführlich beschrieben, während der Druck des Hexenhammers und seine Folgen in der zweiten Hälfte etwas schneller abgehandelt werden. Aufgrund des Titels und Klappentextes hätte ich dieses Thema schon früher erwartet. Auch die Beschreibung der Liebesgeschichte hätte ich mir ausführlicher gewünscht.

„Des Teufels Drucker“ ist ein spannender, temporeicher Roman, der dem Leser neben einer interessanten Handlung auch viele Einblicke in die Kunst und Technik des Schreibens und Druckens sowie die Hexenverfolgung liefert. Lesern von historischen Romanen gebe ich daher eine klare Leseempfehlung!

05.07.2014 17:07:20
Bettina Link

Etikettenschwindel

Ich hatte mich auf einen historischen Kriminalroman gefreut, aber es handelt sich eher um eine Mischung aus Liebesroman und Druckerhandbuch. Der Autor konnte wohl der Versuchung nicht widerstehen, sein Wissen bei jeder ihm passend erscheinenden Gelegenheit auszubreiten. Der im Klappentext versprochene Mord wird in den letzten Seiten eher nebenbei und zufällig aufgeklärt.

Am Packendsten sind noch die ersten Kapitel, die die Kindheit Ewalds schildern. Danach bleibt der "Held" des Buches recht blass, genauso wie die meisten anderen Figuren. Sein immer wieder durch den Roman geisternder Stiefvater überzeugt nicht und allenfalls der Inquisitor vermag als Charakter zu fesseln. Auch die Gastauftritte prominenter Zeitgenossen von Dürer bis zu Kaiser Friedrich III tragen nicht gerade zur Glaubwürdigkeit bei.

Fazit: Der Klappentext verspricht mehr als der Text hält.