Sichelhenke

Erschienen: Januar 2012

Bibliographische Angaben

  • Silberburg, 2012, Titel: 'Sichelhenke', Originalausgabe

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Carsten Jaehner
Vergnügliche Mordermittlungen aus dem Schwabenland

Buch-Rezension von Carsten Jaehner Apr 2012

Kurzgefasst:

September 1841: Das Getreide ist eingefahren und alle Dorfbewohner feiern ausgelassen Sichelhenke. Nur einer fehlt beim Erntefest: der Läpple mit dem Käpple. Die moderne Kriminalistik steckt noch in den Kinderschuhen, und die Obrigkeit ist viel zu weit weg. Also muss wieder das dörfliche Triumvirat für Gerechtigkeit sorgen. Der Schultheiß, der Pfarrer und der Lehrer machen sich auf, um die Abgründe der menschlichen Seele auszuloten. Was weiß Anna Läpple? Was verheimlicht Frieda, ihre Magd? Und was hat der Hilfspolizist Gottlob Vorderlader auf dem Kerbholz? Mit Bauernschläue und Humor lösen die drei selbsternannten Detektive auch diesen Fall. Hinzu kommen das miserable Wetter, die schlechte Weinernte, die Tollwut, der Gestank in den Gassen und die Feiern zum 25-jährigen Thronjubiläum König Wilhelms I.

 

Enzheim an der Enz, im September 1841. Während alle Dorfbewohner das Fest der Sichelhenke nach dem eingefahrenen Getreide begehen, fehlt nur einer bei den Festivitäten. Tags darauf wird der Bauer Läpple mit einer Sichel in der Brust in den Brennnesseln auf dem Gelände seines Hofes gefunden. Da es keien Zeit gibt, einen richtigen Polizisten kommen zu lassen, übernimmt der Schultheiß Fritz Frank erneut die Ermittlungen.

Zu Seite stehen ihm dabei Pfarrer Abel und der Hilfslehrer Albert Wilhelm. Jeder hat seine Stärken und Schwächen, und so wird zunächst im Umfeld des Bauern Läpple ermittelt. Witwe und Personal werden befragt, und auch die anderen Bauern im Ort und die Wirte geben Informationen. So hat Bauer Läpple auch wohl Geld verliehen, was bedeutet, dass er genügend Geld gehabt haben muss, dass er noch welches verleihen kann. Doch wo ist das Geld?

Auch der Hilfspolizist Scharwächter Gottlieb Vorderlader scheint nicht ganz ohne zu sein, und so wird der Mann mit einem Alkoholproblem von Schultheiß und eigener Frau erst einmal trocken gesetzt, damit er sich wieder erinnern kann. Zu all dem kommt noch, dass die Ernte eingefahren muss und die Anwesenheit der Dorfoberen beim 25. Thronjubiläum König Wilhelms I. organisiert werden muss. Viel zu tun für die drei Ermittler, doch mit ihrer Schläue lösen sie bestimmt auch diesen Fall.

Mit Ruhe und Bedacht

Mit ihrem zweiten Fall Sichelhenke schickt Gerd Friederich erneut sein erfolgreiches Ermittlerteam aus dem Roman Kälberstrick ins schwäbische Feld, und dieser neue Fall ist mindestens ebenso spannend und launig wie sein Vorgänger. Ruhig und bedächtig baut Friederich einen Roman auf und bettet den Mordfall in das normale Leben der Einwohner Enzheims ein. Der Bauer Läpple wird nach Sichelhenke ausgerechnet mit einer Sichel in der Brust gefunden, und da er bereits vermisst wurde, ist die Überraschung vielleicht nicht so groß, dennoch aber für die Familie tragisch.

Der Autor lässt sich Zeit mit der Aufklärung des Falls, bisweilen gerät die Ermittlung sogar in den Hintergrund zugunsten der Tagesereignisse. Einer der drei Ermittler hat jedoch immer irgend eine Idee, und so gerät der Fall doch nie ins Stocken. Jedoch zeigt sich hier bereits, was die Stärke des Romans ist: Das Lokalkolorit. Dass der Schultheiß sich in seinem Dorf auskennt und jeder jeden kennt, macht es ihm leicht, zu ermitteln, und da lässt sich auch mal eine Magd oder ein Knecht mal eben beiseite nehmen und kurz befragen, und wenn mal keine Zeit ist, weil die Ernte eingeholt werden muss und die Weinberge bestellt werden müssen, dann ist sofort Verständnis da und es werden keine Fragen gestellt. So steht neben dem Kriminalfall auch immer gleichberechtigt das Privatleben der Menschen ob Ort.

Schwäbische Originale

Friederichs Charaktere sind alle sympathisch oder zumindest "Originale", wie man sie sich auf dem Lande vorstellt. Jeder weiß, wo er hingehrt, jeder kennt seine Möglichkeiten, und auch, wenn man sich nicht immer grün, so hält man doch zusammen, wenn es drauf ankommt. Vom Schultheiß über den Lehrer bis zur kleinen Magd werden alle Personen mit viel Liebe und manchmal wenigen Worten passend gezeichnet und bilden so neben der Ruhe ein passendes Bild der Zeit, das vom Autor gut eingefangen wurde.

Auffällig ist natürlich die Sprache, derer sich Friederich bedient. Sie ist klar und schnörkellos formuliert, doch gerade wenn der Schultheiß den Mund aufmacht, kann es für so manchen Leser etwas schwer werden. Friedrich hat ihm die Schwäbische Mundart in den Mund gelegt, und so mag manch einer Schwierigkeiten haben, die Sätze direkt beim ersten Lesen zu entziffern. Charakteristisch gerade für den Schultheiß ist auch die häufige Benutzung des Wortes "Aberjetza", wenn er zu ungeduldig wird, wie im Gespräch mit dem Scharwächter.

 

 

"Aberjetza, raus mit der Sprache."

"I verstand net."

"Du weißt genau, was ich wissen will."

"Lass mi rate: Du willsch gucke, ob i bsoffe be. Ben i aber net! Kannsch mei Fra frage."

 

Bisweilen erinnert die Sprache an die Fernsehreihe "Hannes und der Bürgermeister" aus den Dritten Programmen der ARD, nicht nur vom Dialekt her, sondern auch vom Bemühen der Protagonisten, amtshochdeutsch zu sprechen, wenn es die Ernsthaftigkeit des Gesprächs verlangt. Da dies leider nicht jeder im Ort beherrscht, kommen bisweilen köstliche Dialoge zustande, die jeden Liebhaber von Lokalkolorit und Missverständnissen erfreuen. Auch die vielen Flüche im schwäbischen Dialekt dürften für einiges Amüsement sorgen.

Über den weiteren Plot sei nicht zu viel verraten. Höhepunkt des Romans dürfte der Festumzug für Seine Majestät den König in Stuttgart sein, wo der Schultes sogar persönlich mit Hoheit sprechen kann. Insgesamt ist Sichelhenke ein gelungener Roman, der für eingefleischte Krimifreunde vielleicht etwas langsam geht, Freunden historischer Krimis aber unbedingt ans Herz gelegt werden kann. Mit viel Witz und Lokalkolorit wird der Mordfall gelöst, und auch ein paar Überraschungen bleiben nicht aus. Ergänzt wird der Roman durch eine Karte, ein Personenverzeichnis und im Anhang durch ein (für manche notwendigen) zehnseitigen Glossar. Aber keine Angst, der übergrosse Teil der Worte ist auch so verständlich. Bleibt zu hoffen, dass die Leser bald wieder zu Gast in Enzheim sein dürfen, und noch ein drittes, viertes, fünftes Mal mit dem freundlichen Ermittlertrio erfreut wird.

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Letzte Kommentare:
18.02.2015 09:49:02
Skywalker

"Sobald die letzte Garbe feierlich eingeheimst ist, die Schnitter auf dem Feld zum Gebet niedergefallen sind und ihre Sicheln und Sensen wieder in der Scheune aufgehängt haben, findet Mitte September nach altem Brauch ein Schmaus statt. Das Sprichwort sagt, vor Sichelhenke ist kein Tanz." In diesen historischen Kontext bettet Gerd Friederich seinen historischen Kriminalroman "Sichelhenke" ein. Durch die lebendige und anschauliche Erzählweise und die authentischen, kernigen und sympathischen Charaktere fühlt sich der Leser / die Leserin von Beginn an mitten ins volkstümliche Geschehen des Jahres 1841 versetzt: dem dörflichen Leben in Enzheim, der miserablen Ernte, der Bekämpfung der Tollwut, dem Jahrmarkt zu Erntedank und den Feierlichkeiten anlässlich des Geburtstags und Thronjubiläums des Württembergischen Königs Wilhelm. Die örtliche Dreifaltigkeit, bestehend aus Schultheiß, Pfarrer und Lehrer, löst nebenbei mit Bauernschläue, List und Humor auch noch den Tod von Bauer Läpple mit dem Käpple, der kurz nach Sichelhenke mit der eigenen Sichel in der Brust tot aufgefunden wird. War es ein Unfall? Oder war es gar ein hinterhältiger Mord? Und wenn ja, warum wurde er ermordet? Und wer war dann der Mörder oder die Mörderin?

Nahtlos schließt Gerd Friederich mit seinem neuen historischen Kriminalroman "Sichelhenke" an die erfolgreiche, skurrile, schwäbische Kriminalgeschichte "Kälberstrick" an. Er schenkt dem Leser / der Leserin damit einmal mehr ein paar vergnügte, unterhaltsame und vor allem auch lehrreiche Stunden. Lesegenuss pur! Höchst lesens- und empfehlenswert!

10.05.2012 11:46:10
Franz Marschall

Ein wundervolles Buch
"Ein wundervolles Buch" hat die Stuttgarter Zeitung den "kälberstrick" bewertet. "Sichelhenke", der Folgeband, übertrifft den "Kälberstrick" noch. Wieder ist die dörfliche Dreifaltigkeit am Werk: Schultheiß, Pfarrer un Lehrer. Und wieder schlagen sie sich tapfer. Die Detektivgeschichte ist eingebettet in das württ. landespolit. Szenario von 1841 und gibt viel vom Allttag er guten alten Zeit preis. Sprachlich ein Genuss mit Tiefgang und Humor.

12.04.2012 20:52:10
Paula Ulrich

Ein Paradebeispiel erzählter Geschichte

Nahtlos schließt Gerd Friederich mit seinem neuen historischen Kriminalroman „Sichelhenke“ an die erfolgreiche, skurrile,
schwäbische Kriminalgeschichte „Kälberstrick“ an. Die dörfliche Dreifaltigkeit, bestehend aus Schultheiß, Pfarrer und Lehrer, löst mit Bauernschläue, List und Humor den Tod von Bauer Läpple, der kurz nach Sichelhenke mit der eigenen Sichel in der Brust tot aufgefunden wird.

Dem Autor gelingt es wieder einmal mehr in besonderer Weise, die Kriminalgeschichte in den historischen Kontext des Jahres 1841 einzubetten. Dabei wird deutlich, wie die große, politische Geschichte in die kleine, lokale und persönliche Geschichte hineinwirkt. Zur Sprache kommt die Vielfalt all dessen, was Menschen in ihrem alltäglichen Leben erleben, erdulden, erleiden und ertragen. Zur Sprache kommt aber auch, wie Menschen durch ihr Denken und Handeln die Zeit mitbeeinflussen, mitgestalten, mitgeprägen und mitverändern.

„Sichelhenke“ besticht zudem durch die lebendige und anschauliche Erzählweise. Damit wird Geschichte wahrhaftig erfahr- und erlebbar. Sie kann vom Leser mit nahezu allen Sinnen wahr- und aufgenommen werden. Man kann sie förmlich sehen, tasten, riechen, schmecken und hören. Ein Paradebeispiel erzählter Geschichte!