Gänsekrieg

Erschienen: Januar 2012

Bibliographische Angaben

  • Silberburg, 2012, Titel: 'Gänsekrieg', Originalausgabe

Couch-Wertung:

76
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Daniela Loisl
Wenn die Gänse eine Stimme bekommen

Rezension von Daniela Loisl Apr 2012

Anfang des 17. Jahrhunderts im kleinen Backnang findet der Alltag statt wie in hunderten anderen Orten zu dieser Zeit. Margaretha, eine junge Hebamme, trifft aufgrund ihrer Tätigkeit auf so ziemlich alle Leute im Dorf und kennt den Großteil der Bevölkerung.

Wie früher üblich, huschen sowohl das Federvieh als auch andere Nutztiere durch die Gassen Backnangs und niemand findet das erwähnenswert. Eines Tages jedoch verbietet der Rat die Haltung der Gänse, da diese den Betuchten und Einflussreichen mit ihrem lauten Geschnatter gewaltig stören. Zur selben Zeit häufen sich auch noch eigenartige Todesfälle und Margaretha will nicht nur diesen näher auf den Grund gehen, sondern sich auch mit den anderen Frauen gegen die Verordnung der Ratsherren wehren.

Interessante Alltagseinblicke

Gleich zu Beginn stellt die Autorin den Leser mitten ins Geschehen und wartet auch mit Todesfällen auf, sodass der Leser sofort in Spannung versetzt wird. Man begleitet die Figuren bei ihren alltäglichen Arbeiten und die Darstellung des damaligen Tagesablaufs hat Cornelia Mörbel gekonnt, authentisch und mit viel Liebe zum Detail ausgearbeitet. Schritt für Schritt werden auch die einzelnen Figuren eingeführt und das Schaffen einer regelrecht spürbaren Atmosphäre ist sicher die Stärke des Romans.

Auch sprachlich befindet sich die Autorin auf solidem Niveau und erzählt ihre Geschichte alles andere als platt. Durch ihre sprachliche Gewandtheit werden ihre Figuren lebendig, und ohne dass Mörbel mit vielen Adjektiven das Äußere der Figuren beschreiben muss, hat man sie dennoch vor Augen. So trifft man auf eine Fülle von Figuren, die mit ebensolchen Charakterzügen versehen sind wie die Autorin die Schauplätze in bunter Vielfalt gemalt hat, was die Erzählung sehr lebendig werden lässt.

Mäßige Spannung

So gekonnt die Autorin auch erzählt und mit welcher Akribie ihre Figuren auch agieren, so kann man nicht darüber hinweg sehen, dass die Geschichte leider etwas träge in Fahrt kommt. Umfasst das Buch ohnehin nur gut 200 Seiten, so muss der Leser in etwa bis zur Hälfte des Werkes warten, bis die Gänse, die ja laut Titel das tragende Thema sind, ins Spiel kommen. Zwar konfrontiert Mörbel den Leser auch immer wieder mit den etwas dubiosen Todesfällen, aber es fällt schwer, dahinter mehr zu vermuten als schlimme Unfälle.

Für das doch eher dünne Buch hat die Autorin vielleicht etwas zu viele Themen angeschnitten, denn neben dem Gänsekrieg, dem Schlossbau des Herzogs und den Todesfällen wird auch noch das Zwischenmenschliche der Protagonisten beleuchtet, sodass man das Gefühl bekommt, noch mehr wissen zu wollen, als Platz dafür ist.

Gänsekrieg ist dennoch ein Buch das man Lesern empfehlen kann, die nicht unbedingt rasante Spannung suchen, sondern die Atmosphäre der damaligen Zeit genießen möchten, Wert auf gut ausgearbeitete Figuren legen und trotzdem gut unterhalten werden möchten.

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