Klang des Verbotenen

Erschienen: Januar 2012

Bibliographische Angaben

  • Ars Vivendi, 2012, Titel: 'Klang des Verbotenen', Originalausgabe

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Carsten Jaehner
Von Prinzessinnen und Zigeunern

Buch-Rezension von Carsten Jaehner Mär 2012

Kurzgefasst:

Der italienische Komponist Domenico Scarlatti, geboren im selben Jahr wie Bach und Händel, zählt zu den genialsten Klavierkomponisten seines Jahrhunderts. Mit 555 Sonaten, die an melodischer und rhythmischer Vielfalt ihresgleichen suchen, hat er Musikgeschichte geschrieben. Wer aber dieser rätselhafte Cembalo-Virtuose? Der Roman begibt sich auf die Spuren eines Mannes, der seine Heimat verlässt und im Jahr 1729 mit großen Erwartungen im Gepäck an den spanischen Hof in Sevilla kommt, um als Cembalo-Lehrer für Prinzessin Maria Barbara zu arbeiten. Doch die Welt, die sich ihm hier auftut, ist eine zutiefst ambivalente und entpuppt sich schon bald als goldener Käfig. König Felipe V. ist, dem Wahnsinn verfallen, unberechenbar. Und die Inquisition beäugt sein Interesse für die Musik der Gitanos, der andalusischen Zigeuner, äußerst kritisch. Domingo Escarlati, wie er in Spanien genannt wird, flüchtet sich in die Komposition. Inspiriert von den ersten Vorboten der Flamencomusik beginnt er, sein schillerndes Werk zu erschaffen.

 

Man schreibt das Jahr 1729, als der Komponist Domenico Scarlatti seine Heimat Italien verlässt, um als Geschenk des Königs von Spanien als Cembalolehrer für Prinzessin Maria Barbara an den Hof nach Sevilla kommt. Die Prinzessin hatte bereits früher bei Scarlatti Unterricht und freut sich auf das Wiedersehen, während König Felipe V. dem Wahnsinn verfallen ist und für seinen Hofstaat mehr eine unberechenbare Last als eine wirkliche herrschende Majestät ist.

Bereits am zweiten Tag in Sevilla und noch ehe er vom König empfangen wird, lernt er einen Japaner kennen, der nie in Japan gewesen ist und der sich treffend Japón nennt. Er freundet sich mit ihm an, und eines abends, als Scarlatti durch Sevilla streift, folgt er den Klängen ihm unbekannter Musik. Er gelangt zu einer Gruppe von Zigeunern, die versteckt ihre Traditionen und Musiken fortführen. Scarlatti ist fasziniert und freundet sich mit Curro Montoya an, einem der Zigeuner. Zu dritt treffen sie sich des öfteren, um Wien zu trinken und zu philosophieren und Die Dinge der Welt zu diskutieren.

Scarlatti verliebt sich in Montoyas Schwester Candela, und auch die Prinzessin, seine Cembalo-Schülerin, scheint mehr für ihn zu empfinden als standesgemäß gestattet und moralisch vertretbar. Doch unter den Zigeunern und ihrer Musik fühlt sich Scarlatti am wohlsten, wenngleich die Kirche das nicht gern sieht. Er gerät in eine Strudel der Gefühle und der Ereignisse, ehe der Hof von Sevilla nach Madrid weiterzieht.

Eine Episode aus dem Leben Domenico Scarlattis

Reinhard Febels erster historischer Roman beschreibt die Zeit Domenico Scarlattis am spanischen Hof in Sevilla, wo er der Cembalolehrer von Prinzessin Maria Barbara war. Tatsächlich ist aus Scarlattis Leben nicht sehr viel belegt, und doch weiss Febel einiges interessantes zu erzählen. Dabei schafft er auf knapp 290 Seiten eine gelungene Atmosphäre, die dem Leser das Spanien der Zeit wiederspiegelt.

Scarlatti übersetzt seinen Namen selbst ins Spanische und nennt sich fortan Domingo Escarlati, was für den musikinteressierten Leser zunächst einmal irritierend sein dürfte, aber sonst weiter keine Rolle spielt. Der Leser begleitet Scarlatti durch die Nächte Sevillas, wo er die Zigeuner kennen lernt, deren Musik er faszinierend findet und die fortan auch seine eigene Musik beeinflusst. Da er der Cembalo-Lehrer der Prinzessin ist, beschliesst er, nur noch für Cembalo zu schreiben und tatsächlich auf der Hinfahrt nach Sevilla fast alle seine bisherigen Werke im Meer versenkt. Immerhin wird das Instrument bald vom Hammerklavier verdrängt werden, das lauter und klarer klingt, und sogar die Prinzessin hat schon ein Instrument für den Hof bestellt.

Gelungene Atmosphäre und bunte Charaktere

Die gelungene Atmosphäre Spaniens wird unterstützt durch eine bunte Mischung an Personal. Felipe V. ist ein verrückter König, für den der Hof auch schon mal die Nacht zum Tag macht und umgekehrt, und sein kindlicher Sohn hat weder die Prinzessin verdient noch sonst irgend eine bemerkenswerte Fähigkeit. Er wird später ein strenger König werden, der die Zigeuner vertreiben und verfolgen wird, aber noch ist es nicht soweit. Scarlattis Freunde Japón und Montoya bilden mit ihm zusammen ein Dreigespann, dass lustig ist und auch philosophisch, und hier übertreibt der Autor auch bisweilen. Manche Gespräche bieten Hintergrund für kommende oder vergangene Ereignisse, manche hingegen haben nichts mit der Handlung zu tun und hätten daher zumindest kürzer ausfallen können.

Scarlatti und die Frauen

Candela und Prinzessin Maria Barbara sind die beiden Frauen, die sein Leben in Sevilla bestimmen, wobei Scarlatti nie vergisst, dass er in Neapel noch ein (siebzehnjähriges) Eheweib hat, das er hochschwanger verlassen hat. Noch mehr über ihm schwebt allerdings sein Vater Alessandro, der ebenfalls Komponist war und der vor allem seinerzeit durch seine Opern berühmt wurde. Doch Domenico hat ihn hinter sich gelassen und seine Sparte Musik entdeckt, was nicht bedeutet, dass er nicht gelegentlich in seinen Träumen Besuch bekommt.

Klang des Verbotenen bietet ein buntes, saftiges Bild der Zeit und ist kein Musiker-spezifisches Buch. Wer sich in den Gassen Sevillas verlieren will und ein wenig Luft des Königshof in Sevilla und im Gegensatz dazu der verächteten Zigeuner atmen will, der liegt mit diesem Roman genau richtig. Ein gelungener Roman mit wenigen Längen, der den Leser eintauchen lässt in das Leben an sich und die Musik dazu im besonderen. Empfehlenswert.

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