Das Erbe der Braumeisterin

Erschienen: Januar 2012

Bibliographische Angaben

  • Lübbe, 2012, Titel: 'Das Erbe der Braumeisterin', Originalausgabe

Couch-Wertung:

82
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Carsten Jaehner
Über Braukunst und Brauwesen im Kölner Mittelalter

Buch-Rezension von Carsten Jaehner Mär 2012

Kurzgefasst:

Köln, 1260. Die eigensinnige junge Madlen betreibt mit großer Begeisterung die vom Vater geerbte Brauerei. Seit früher Jugend hat sie alles gelernt, was es über das Bierbrauen zu wissen gibt. Nach dem unerwarteten Tod ihres Mannes steht jedoch ihre Zukunft auf dem Spiel: Als Witwe darf Madlen nach den Regeln der Zunft die Brauerei nur für ein Jahr allein weiterführen, danach droht ihr der Verlust des Braurechts und damit ihres ganzen Lebensinhalts - es sei denn, sie verheiratet sich wieder. Der ehemalige Kreuzritter Johann scheint kein allzu passender Kandidat zu sein, denn er hat eine dunkle Vergangenheit und hasst Bier. Aber Madlen kann nicht wählerisch sein ...

 

Köln im Jahr 1259. Die junge Braumeisterin Madlen führt mit ihrem Mann Konrad eine Brauerei mit angeschlossener Gastwirtschaft. Da wird Konrad heimtückisch ermordet, und laut Gesetz muss sie innerhalb von einem Jahr einen Brauer heiraten, um ihre Braulizenz behalten zu können.

Elf Monate später führt sie zusammen mit dem Brauknecht Caspar die Geschäfte, ein Heiratskandidat ist aber nicht wirklich in Sicht. Die einzigen beiden Brauer, die in Frage kommen würden, will Madlen nicht. Glücklicherweise will der eine Kandidat, Jacop, sie auch nicht, und Barthel ist ebenfalls nicht gut angesehen. Da erscheint Hoffnung in Gestalt des ehemaligen Kreuzritters Johann, den sie zufällig zwei Wochen zuvor kennen gelernt hat.

Doch Johann muss zunächst freigekauft werden, da er sonst geköpft werden soll. Kurzentschlossen kauft sie ihn frei, und in einer nächtlichen Aktion und gegen viel Geld kommt er frei, und beide werden direkt von einem Mönch getraut. Doch damit fängt das Abenteuer der Ehe der beiden erst an, denn zunächst muss sie den arg misshandelten gesund pflegen und dann kennen lernen, denn schließlich wird sie mit ihm den Rest ihres Lebens verbringen. Als ehemaliger Ritter scheint er eh nur auf Zeit in der Stadt zu sein, und sie könnte sich wieder um die Brauerei kümmern. Doch gibt es in Köln Mächte, die ihr die Brauerei nehmen wollen, und auch Johann hat einige Dinge in der Vergangenheit, die noch erledigt werden müssen...

Eine verzwickte Situation

Nach fünf Venedig-Romanen verbleibt Charlotte Thomas mit Das Erbe der Braumeisterin erstmals in deutschen Landen und hat sich das mittelalterliche Köln ausgesucht. Eine weibliche Braumeisterin war da nicht einmal ungewöhnlich, und so steht das Bierbrauen auch im Roman hoch im Kurs. Der Leser erfährt viel die Kunst des Bierbrauens, was auch für Laien gut erklärt ist. Fast möchte man direkt einmal einen Humpen probieren.

Die "Familie" der jungen Madlen besteht aus ihrem neune Ehemann Johann, ihrem alten Großvater Cuntz, dem Brauknecht Caspar, den beiden Lehrjungen Willi und Berni sowie dem blinden Veit, einem langjährigen Freund und Wegbegleiter von Johann. Nach anfänglichen Schwierigkeiten rauft sie sich zusammen und bringen die Brauerei in Schwung, wobei Madlen merkt, dass sie, als Johann sich erholt, ihn vielleicht doch mehr als sympathisch finden könnte. Auch Johann verliebt sich tatsächlich in Madlen, und so wird aus beiden ein richtiges Paar mit erneuter Trauung, ehe andere Brauer die erste Trauung in Zweifel ziehen könnten. Allerdings fragt man sich tatsächlich, warum Madlen nie den Eindruck macht, sich ernsthaft für einen Kandidaten zu interessieren, denn wenn sie nicht innerhalb von einem Jahr einen Brauer heiratet, wird ihr die Lizenz entzogen. Ihr Streben nach einem Mann hätte eigentlich gerade gegen Ende viel verzweifelter ausfallen müssen, geht es doch um ihre Existenz und um die ihrer Familie.

Ansonsten wird die gesamte Situation von Charlotte Thomas gut eingefangen und auch immer wieder bunt beleuchtet. Dazu gehört auch ein immer wiederkehrender Streit mit den Nachbarn und ihrem behinderten Sohn Ludwig, der teils sehr ernst ist, teils aber auch für einiges Amüsement sorgt. Es geht eben nichts über ein paar ordentliche und gut platzierte Beleidigungen.

Komplizierte Geheimnisse

Neben Madlen hat auch Johann seine dunklen Geheimnisse aus der Vergangenheit, wozu vor allem seine Kindheit gehört, in der er eine Schwester hatte. Dass diese ausgerechnet in Madlens bester Freundin, die mit Gedächtnisverlust in einem Kloster untergekommen ist, zu finden ist, ist beinahe der Zufälle zu viel und so schnell offensichtlich, dass hier keine Spoiler-Warnung vonnöten ist. Das ist schade, denn eine weitere Verschachtelung hätte sicherlich zu mehr Spannung geführt.

Allerdings bleibt sehr lange unklar, was Johann noch für Geheimnisse hat, und auch die konkurrierenden Bierbrauer holen zum Schlag aus. Dieser Kampf an mehreren Fronten macht den Roman interessant und bunt, und es kommt beim Leser nie Langeweile auf. Eingebettet in das historische Köln, das von der Autorin authentisch eingefangen wurde, ergibt sich ein Roman, der keine Wünsche offen lässt und der gerade am Ende sogar mit Kampf und Blut aufwarten kann.

Henker und Brauer

Neben der Brauereikunst erfährt man auch einiges über die Henker, die in der Gesellschaft nicht hoch angesehen waren und mit denen eigentlich jeglicher Kontakt gemieden wurde, hauptsächlich auch aus Gründen des Aberglaubens. Aber wenn man auf unglücklichen Wegen gezwungen ist, dem Henker immer wieder über den Weg zu laufen, lernt man ihn wohl näher kennen, als einem lieb ist. Natürlich ist er in korrupte Geschäfte verwickelt, wer aber der Drahtzieher im Hintergrund ist, das ist wieder eine andere Sache.

Insgesamt bietet Das Erbe der Braumeisterin solide Unterhaltung auf gutem, erfreulichen Niveau, bei dem man einiges über die Braukunst und über das Leben im Mittelalter lernt. Die Stadt Köln bietet dafür einen hervorragend geeigneten Hintergrund, vor dem sich die Geschichte abspielt. Lobenswert ist das ansprechende Buchcover, an dem sich viele Verlage ein Beispiel nehmen können, bietet es doch einen Ausblick auf den Roman und ist nicht beliebig austauschbar wie viele andere Cover auf dem Buchmarkt. Ein Personenverzeichnis, ein Glossar und ein paar Anmerkungen zur Kölner Brauereigeschichte ergänzen den Roman, der jedem zu empfehlen ist, der sich für verworrene Familiengeschichten mit brisantem Hintergrund interessiert.

Das Erbe der Braumeisterin

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