Seelenfeuer

Erschienen: Januar 2012

Bibliographische Angaben

  • Hoffmann & Campe, 2012, Titel: 'Seelenfeuer', Originalausgabe

Couch-Wertung:

78

Leser-Wertung

-
Zum Bewerten, einfach Säule klicken.
1 50 100

Zum Bewerten, einfach Säule klicken.

Bitte bestätige - als Deine Wertung.

Gebe bitte nur eine Bewertung pro Buch ab, um die Ergebnisse nicht zu verfälschen. Danke!

1 x 91-100
0 x 81-90
1 x 71-80
0 x 61-70
0 x 51-60
0 x 41-50
0 x 31-40
0 x 21-30
0 x 11-20
0 x 1-10
B:87.5
V:1
W:{"1":0,"2":0,"3":0,"4":0,"5":0,"6":0,"7":0,"8":0,"9":0,"10":0,"11":0,"12":0,"13":0,"14":0,"15":0,"16":0,"17":0,"18":0,"19":0,"20":0,"21":0,"22":0,"23":0,"24":0,"25":0,"26":0,"27":0,"28":0,"29":0,"30":0,"31":0,"32":0,"33":0,"34":0,"35":0,"36":0,"37":0,"38":0,"39":0,"40":0,"41":0,"42":0,"43":0,"44":0,"45":0,"46":0,"47":0,"48":0,"49":0,"50":0,"51":0,"52":0,"53":0,"54":0,"55":0,"56":0,"57":0,"58":0,"59":0,"60":0,"61":0,"62":0,"63":0,"64":0,"65":0,"66":0,"67":0,"68":0,"69":0,"70":0,"71":0,"72":0,"73":0,"74":0,"75":1,"76":0,"77":0,"78":0,"79":0,"80":0,"81":0,"82":0,"83":0,"84":0,"85":0,"86":0,"87":0,"88":0,"89":0,"90":0,"91":0,"92":0,"93":0,"94":0,"95":0,"96":0,"97":0,"98":0,"99":0,"100":1}
Rita Dell'Agnese
Hebammen, Hexen und Inquisition

Buch-Rezension von Rita Dell'Agnese Mär 2012

Kurzgefasst:

Die neunzehnjährige Luzia Gassner wird im Jahr 1483 die neue Hebamme von Ravensburg. Sie verlässt sich bei ihrer Arbeit nicht auf Gebete, sondern auf die Kräuterheilkunde und ihren medizinischen Sachverstand. Damit rettet sie vielen Frauen und Neugeborenen das Leben. Damit fordert sie aber auch den Hass des mächtigen Kaplans heraus. Als ein Hagelunwetter und die Pest die Stadt verwüsten, holt der Kaplan den päpstlichen Inquisitor nach Ravensburg. Luzia wird der Hexerei angeklagt und in den Kerker geworfen. Einzig ihr Onkel und der Medicus Johannes von Wehr glauben an ihre Unschuld. Johannes bleiben nur wenige Tage, um Luzia, die Frau, die er liebt, vor dem Tod auf dem Scheiterhaufen zu retten.

 

Hebamme in Ravensburg: Luzia Gassner überlegt es sich gut, ob sie die Nachfolge ihrer Mutter antreten soll. Seit sie bei ihrer Tante am Bodensee lebt, hat sich ihr Leben zum Besseren gewendet. Doch Luzia weiß, dass es in dem kleinen Ort kein Auskommen für zwei Hebammen gibt. So entscheidet sie sich 1483 zur Rückkehr nach Ravensburg - und damit dazu, sich den Geistern ihrer Vergangenheit zu stellen. Denn es war nicht nur ihre Mutter, die ihr einst das Leben schwer gemacht hatte. Kaplan Grumper hatte das Mädchen über Jahre hinweg systematisch gequält. Die inzwischen recht selbstbewusste Luzia, die über einige übernatürliche Fähigkeiten verfügt, lässt sich nicht mehr so leicht einschüchtern. Auch nicht von der bigotten Grete, die Gebärenden einredet, sie bräuchten keine medizinische Hilfe sondern lediglich ihre Gebete. Luzia ist Grete ein Dorn im Auge und so tut die Ravensburgerin alles, um der jungen Frau zu schaden. Als Kaplan Grumper Luzia als Hexe "enttarnt", soll Inquisitor Heinrich Kramer ihr den Prozess machen und sie auf den Scheiterhaufen bringen.

Viel Wissen über Heilpflanzen

Autorin Cornelia Haller verbindet den Roman mit ihrer zweiten Passion, dem Heilen. So hat sie an verschiedenen Stellen ihr großes Wissen über Heilpflanzen eingebaut und lässt ihre Heldin auch immer wieder über Pflanzen, ihre lateinischen Namen oder ihre Wirkung dozieren. Hier legt die Autorin die Grundlage für das, was der Protagonistin später widerfährt. Allerdings verlangsamt sich die Geschichte in diesen Passagen auch entsprechend - und es ist dem an sich starken Plot zu verdanken, dass die Handlung schnell wieder Fahrt aufnimmt und sich die zwar informativen, aber etwas ausgedehnten Szenen nicht als Bremse erweisen. Cornelia Haller geht ganz dicht ans Geschehen heran und lässt die Leser sowohl an den Gedanken als auch an den Gefühlen Luzias teilhaben.

Klischee bedient

Obwohl Luzia eine sympathische Identifikationsfigur ist, folgt sie auch etwas zu sehr einem Klischee: Ihre roten Haare, die seherischen Fähigkeiten und der schwarze Kater Nepomuk gehören da ebenso hinein wie die Arbeit als Hebamme und die Kräuterkunde. Hier begibt sich die Autorin auf ein rutschiges Parkett, ihre Protagonistin gerät dicht an die Grenze zum stark strapazierten, landläufigen Bild einer "Hexe". Es wäre aber sehr bedauerlich, wenn der Roman von Cornelia Haller aufgrund solcher Äußerlichkeiten in eine falsche Ecke geschoben würde. Die intensiven Recherchen der Autorin lohnen die Auseinandersetzung mit dem Thema allemal, und man mag es ihr nachsehen, dass sie dem traditionellen Bild gefolgt ist und somit Luzia ein Klischee bedient.

Liebe zur Region

Sehr stark zum Ausdruck kommt letztlich auch die Verbundenheit der Autorin mit der Region Bodensee. Sie zeichnet ein liebevolles Bild von Seefelden und seinen Bewohnern, auch das Kloster Reichenau findet durchaus wohlwollende Worte. Düster wird es hingegen in Ravensburg. Der grobe Torwächter und die Bevölkerung, die sich schnell zum Mob zusammenrottet, gehören genau wie die kirchlichen Vertreter zu einem ganz anderen Menschenschlag. Man mag sich allerdings aufgrund der ganzen Geschichte immer wieder die Frage stellen, weshalb es Luzia in diese Stadt zurückgezogen hat.

Gelungener Auftakt

Alles in allem ist Cornelia Hallers Debüt Seelenfeuer gelungen. Die Autorin hat den Zeitgeist des 15. Jahrhunderts gut eingefangen und umgesetzt, versteht es, Spannung aufzubauen und vermag es auch, eine gefühlvolle Geschichte zu erzählen. Ganz stark sind jedoch jene Passagen, in denen Cornelia Haller die schmerzvollen Stunden einer Geburt beschreibt, die Angst im Gefängnis oder auch die widersprüchlichen Gefühle, die Luzia hegt, als sie sich durch einen Schneesturm zu einer Gebärenden durchkämpfen muss. All diese Szenen zeichnen sich durch eine mitreißende Schilderung und starke Bilder aus.

Seelenfeuer

Seelenfeuer

Deine Meinung zu »Seelenfeuer«

Hier kannst Du einen Kommentar zu diesem Buch schreiben. Wir freuen uns auf Deine Meinungen. Ein fairer, respektvoller Umgang sollte selbstverständlich sein. Danke!

Letzte Kommentare:
16.02.2015 11:24:13
PMelittaM

1483: Luzia Gassner lebt glücklich im Bodenseestädtchen Seefelden und arbeitet dort als Hebamme. Als ihre Mutter stirbt und die Stadt Ravensburg dadurch ohne Hebamme ist, tritt sie die Nachfolge ihrer Mutter an, obwohl sie mit Ravensburg viele schlechte Erinnerungen verbindet. Kaplan Grumper, der ihr schon in ihrer Kindheit übel mitspielte, wettert auch jetzt wieder gegen sie, aber erst ein Jahrhundertsturm, der die gesamte Ernte vernichtet, führt dazu, dass Grumpers Worte auf fruchtbaren Boden fallen und Luzia bald in große Gefahr gerät.

Cornelia Haller hat einen wunderbaren Erzählstil, sehr bildhaft und mitreißend, wodurch man das Gefühl hat, tatsächlich mittendrin im Geschehen zu sein, die der Zeit angepasste Sprache trägt noch zusätzlich dazu bei. Zudem hat die Autorin sehr gut recherchiert, was dem Roman zusätzliche Qualität verleiht, denn er vermittelt auch Wissen, z. B. über (Heil)pflanzen, Aberglauben oder medizinische Verhältnisse. Leider wurde auf ein Nachwort und auf ein Glossar verzichtet, so dass man (bei Interesse) darauf angewiesen ist, selbst ein bisschen weiter zu recherchieren. Ich hatte das Glück, den Roman im Rahmen einer Leserunde mit Begleitung der Autorin zu lesen, die uns Teilnehmern einiges an Hintergrundwissen vermittelt hat, das eigentlich in das Buch gehört hätte. Da hat der Verlag leider etwas kurzsichtig gehandelt, meiner Meinung nach gehören die o. g. Dinge in einen guten historischen Roman.

Die Charaktere sind nicht ganz so gelungen wie die Erzählweise, da sie leider sehr schwarz-weiß gemalt werden. Gerade die Antagonisten sind sehr einseitig gezeichnet, eben tiefschwarz, da hätte ich mir ein paar graue Stellen gewünscht. Wirklich tiefgehend wird eigentlich nur Luzia gezeichnet, einige andere Personen sind recht klischeehaft charakterisiert. Trotzdem schlich sich nicht nur Luzia in mein Herz.

Die Geschichte ist interessant, man ahnt zwar schon ziemlich schnell, worauf es hinauslaufen wird – und auch der Klappentext verrät es ja, jedoch kommt es erst relativ spät zum Äußersten, worüber ich sehr froh bin, so vermittelt der Roman ein gutes Stück mittelalterliches Lokalkolorit. Neben dem historischen Part enthält die Geschichte auch einen Touch Mystik, der in meinen Augen gut zur Geschichte passt und mich teilweise auch emotional berührt hat. Natürlich gibt es auch eine Liebesgeschichte, wie diese erzählt wird, würde ich in einem anderen Kontext für ziemlich kitschig halten, hier wirkt es für mich passend.

Wenn man bedenkt, dass dieser Roman ihr Debüt ist, hat Cornelia Haller großartige Arbeit geleistet. Der Roman liefert eine schöne, interessante Geschichte, die, sieht man von der Schwarz-Weiß-Zeichnung der Charaktere ab, perfekt erzählt wird. Ich persönlich hätte mir noch einen Epilog gewünscht – und natürlich die schon oben erwähnten Extras. Dafür hat der Verlag, zumindest in der gebundenen Ausgabe, dem Roman ein wunderschönes, sehr passendes Cover gegönnt, das alleine schon Lust aufs Lesen macht.

Wer gut recherchierte historische Romane mag, sollte zugreifen, ich kann den Roman jedenfalls sehr empfehlen und freue mich schon auf weitere Werke aus Cornelia Hallers Feder!

08.10.2014 15:45:03
LettersFromJuliet

Meine Meinung

“Mal wieder eine Hexengeschichte aus dem Mittelalter” – könnte man vielleicht denken. Ja, mag vielleicht auch sein, aber ich fand die großartig! Spannend erzählt, mitreißend, tolle Charaktere – ein Buch mit Suchtfaktor!

Cornelia Haller hat eine gründliche Recherchearbeit geleistet. So bekommt man nicht nur Informationen über die damaligen Hexenprozesse und Foltermethoden, sondern auch einiges an Wissen über Heilpflanzen. Ich fand das alles sehr interessant und war ganz überrascht welches Kraut gegen welche Beschwerden helfen soll. Heute schluckt man ja meistens irgendeine Pille.

Der Schreibstil der Autorin hat mich direkt begeistert und mitten in die Geschichte gezogen. Man konnte richtig in dieses Buch abtauchen und hatte das Gefühl live dabei zu sein. Sowas schaffen nur sehr wenige Bücher bei mir. Natürlich ist der Schreibstil etwas anspruchsvoller, so wie es sich für einen historischen Roman gehört, aber man kann das Buch trotzdem super schnell lesen und merkt gar nicht wie Zeit verfliegt.

Man lernt die Charaktere recht schnell kennen, da sie gut beschrieben werden und vor allem Luzia muss man einfach mögen. Sie war mir auf Anhieb sympathisch, denn sie weiß was sie will, kann sich durchsetzen, ist aber gleichzeitig auch herzlich und hilfsbereit. Für mich die perfekte Hebamme, für die damalige Zeit war sie zu eigensinnig und bestimmt einigen Männern ein Dorn im Auge. Johannes ist der typische Held und auch wenn zuerst nur von ihm die Rede ist und er noch gar nicht aufgetreten ist, so habe ich direkt mitgefiebert, wann die beiden sich kennenlernen und wie es mit ihnen weitergeht.

Im krassen Gegensatz zu diesen beiden liebenswürdigen Charakteren stehen der Kaplan und der Inquisitor. Sie waren unbarmherzig, überheblich, hasserfüllt und hatten einen totalen Dachschaden. Da hat die Autorin wirklich zwei Bösewichte geschaffen, die durch und durch böse sind und die man hassen kann. Es ist richtig ekelhaft welche Meinung sie über Frauen haben, da hatte man teilweise das Gefühl, dass sie am liebsten die komplette Frauenwelt auslöschen würden.

Für mich war das ein grandioser Debütroman und ich hoffe, dass wir noch ganz viel von Cornelia Haller zu lesen bekommen.

Fazit

Liebe, Leid, Spannung, Hexenprozesse – eine tapfere Hebamme kämpft gegen ihr Schicksal. Fantastischer Debütroman von Cornelia, der einen nicht mehr loslässt.

23.01.2014 22:21:50
regenbogenlichter

Sorry, noch vergessen, auch noch zu bonomania: bei Cornelia Haller habe ich gelesen, dass im Hexenhammer den Wehmüttern ein extra Kapitel gewidmet war! Ich habe es jetzt selbst nicht nachgeschaut, aber da die Autorin alles andere sehr gut recherchiert hat, glaube ich ihr dies auch. Deswegen sind Hebammen mit Sicherheit von Verfolgung bedroht gewesen, da sie ja auch Zugang zu den ungetauften "Seelen" (Kinder) hatten. Und diese "verhexen" konnten.

23.01.2014 22:04:46
regenbogenlichter

Also mir gefällt das Buch sehr und gerade auch die lyrische, bildhafte Sprache. Dadurch kann man sich sehr gut in das Denken der Menschen, in die Gegend und die Zeit hineinversetzen.
Zudem vermittelt es nebenbei noch viel Wissen über Kräuter, Bräuche und das Leben zu der Zeit.
Ich bin sehr froh, es gelesen zu haben! Sehr spannend!
Die Beschreibung hier bei der Histo-Couch, ist sehr gut! Die trifft es für mich! :-)

Anmerkung zu bonomania... die Anmerkungen zum "Hexenhammer" und Heinrich Kramer stimmen für mich so nicht! Im Buch kommt er erst auf die Idee, so ein Buch zu verfassen und hat es noch nicht fertig geschrieben! In Kürze die historischen Umstände:
Es wurde 1487 (Wikipedia gibt 1486 in Speyer an) zum ersten Mal veröffentlicht. Aber bereits 1484 erwirkte Heinrich Kramer in Rom eine Bulle, die sein Wirken gegen die Hexen autorisieren sollte. Diese fiel aber nicht zufriedenstellend aus. Trotz alledem zettelte er im Herbst 1484 in der Reichsstadt Ravensburg eine Hexenverfolgung an. Zwei Frauen wurden verbrannt, nachdem sie gestanden hatten, sich dem Teufel hingegeben und Hagel und Unwetter erzeugt zu haben. Andere konnten freikommen. Und es gab tatsächlich ein großes Hagelunwetter, welches die gesamte Ernte zerstörte.

Der "Hexenhammer" wird auch im Zusammenhang mit einer gescheiterten großen Hexeninquisition in der Tiroler Hauptstadt Innsbruck im Herbst 1486 gebracht.
Solch ein Buch ist nicht in zwei Tagen geschrieben, dafür brauchte es auch "Erfahrungen". Die musste er sicher erst sammeln!

Informationen über Kramers Leben und unseliges Tun, sowie über die Hexenverfolgung, bekommt man hier:
http://books.google.de/books?id=psFxTxjItIwC&pg=PA102&lpg=PA102&dq=hexenprozess+1483,+ravensburg,+hagelunwetter&source=bl&ots=jc48-i9OP6&sig=N5v9wUYSczKewue9mPdWYPCEMe0&hl=de&sa=X&ei=a0ThUrXCG4-Vswb7mIHgBw&ved=0CGwQ6AEwCQ#v=onepage&q=hexenprozess%201483%2C%20ravensburg%2C%20hagelunwetter&f=false
nachlesen.
Die Autorin selbst, hat die Hintergründe auch ausführlich erläutert.
http://www.cornelia-haller.de/hintergruende/index.html

09.10.2012 18:45:00
Markus Giesinger

Ein sehr guter historischer Roman wird nicht nur gelesen, er wird gespürt. Mich hat die Autorin am Schluss bis an die Leseschmerzgrenze geführt. Am liebsten hätte ich mich in die Handlung rettend eingemischt. Zorn war mein ständiger Lektürebegleiter.
Ich erkläre diesen Roman zu einem großartigen Seelenabenteuer.
Bitte weiter schreiben, Frau Haller!

06.05.2012 08:57:00
Lindi

Sehr einfach gestrickter Stoff, mit recht kitschiger Sprache und ebenfalls sehr einfachen Charakteren, der bereits Bekanntes in immerwährendgleicher Manier abnudelt. Hebammen - wie oft denn noch?_, die natürlich weit über die Kenntnisse ihrer Zeit herausragen und natürlich (wie sollte es anders sein) auch immer stets gefährdet sind. Das dies historisch so niemals war, weil ins Leben helfen im Mittelalter als wichtige Kunst galt, stört hier wohl niemanden.
Aber wem's gefällt - bitte sehr!
Zwei Sachen haben mich richtig gestört: Der Titel ist mir zu nah am tollen Hexenroman "Die Seelen im Feuer" von Sabine Weigang (Absicht? Zufall? Beides hätte vermieden werden sollen), und die historischen Umstände um Heinrich Instititoris sond leider schlichtweg falsch (Hexenhammer hat er er erst sehr viel später verfasst, soweit ich weiß)
Also: Muss man nicht lesen

02.05.2012 20:26:48
bonomania

Eine junge Hebamme, die für ihre Heilkunst büßen muss.

Die 19-jährige Luzia Gassner hatte es nicht immer leicht im Leben.
Von der eigenen Mutter abgeschoben, wächst sie bei deren Schwester am Bodensee auf.
Sie hilft Ihrer Tante Elisabeth als Wehmutter und hat sich dadurch einen guten Ruf in Seefelden erarbeitet.
Als Ihre leibliche Mutter stirbt, hat Ravensburg keine Hebamme mehr. Deshalb soll sie nun die Stelle als Hebamme dort antreten.

Mit gemischten Gefühlen macht sie sich auf die beschwerliche Tagesreise vom Bodensee nach Ravensburg. Weiß sie doch bereits jetzt schon, das der Kaplan Grumper ihr das Leben schwer machen wird. Sie kennt ihn aus Kindertagen und sie war ihm wegen Ihrer feuerroten Haare immer ein Dorn im Auge.

Kaplan Grumper's Haushälterin Grete Muntz sieht in Luzia eine Konkurrenz und macht ihr das Leben schwer. Obwohl sie keine Ausbildung als Hebamme hat, begleitet sie die schwangeren Frauen bei Ihrer Geburt nur durch Beten des Seelenheils für Mutter und Kind. Kein Wunder, dass die Sterberate sehr hoch war, bevor Luzia nach Ravensburg kam.
Grete schimpft jeden förderlichen Handgriff eine schwere Sünde, verbietet jede Arznei, die den Schmerz lindern könnte. Eine wahre Christin gebiert unter Schmerzen :(
Wehe Luzia hilft den Schwangeren mit Bilsenkraut und Mutterkorn, sofort macht sie Meldung an den Kaplan.

Ihr Onkel Basilius ,der Apotheker der Stadt Ravensburg, nimmt sie liebevoll bei sich auf. Durch ihn macht sie schon bald Bekanntschaft mit dem Medicus Johannes von der Wehr.

Als Ravensburg von einem schweren Unwetter mit Hagelschlag heimgesucht wird, die Ernte komplett vernichtet wird, nimmt das Unheil seinen Lauf. Sehr schnell wird eine Schuldige gesucht und gefunden. Es kommt wie es kommen muss, Glaube und Aberglaube prallen heftig aufeinander und nichts ist mehr so wie es vorher war. Als dann noch der Inquisitor Heinrich Kramer (der den Hexenhammer verfasst hat) dem Kaplan zu Hilfe eilt, stockt einem der Atem beim weiteren Lesen, weiß man doch im Voraus schon, auf welchen dramatischen Höhepunkt die Geschichte zusteuert!

Ich muss sagen, ich habe den Roman in einem Rutsch verschlungen. Die Autorin schreibt in einer eindringlichen und intensiven Sprache und lässt uns direkt am Schicksal von Luzia teilhaben. Man ist mittendrin im Geschehen und leidet mit der Protagonistin mit. Der fesselnde Schreibstil besticht durch klare und verständliche Sätze, mein Kopf Kino hat hier bestens funktioniert. Obwohl die Folterszenen nicht immer einfach zu lesen sind, gehören sie genauso zum Roman, wie auch die leicht altertümlichen Wörter zu dieser Zeit.

Cornelia Haller ist eine geborene Geschichtenerzählerin.
Ich ziehe meinen Hut vor diesem Debütroman.
Da ich mich sehr gut am Bodensee auskenne, war es für mich eine Freude über das Kloster auf der Insel Reichenau oder über Meersburg, Überlingen und Konstanz zu lesen :-)

Besonders hervorheben möchte ich das sehr gelungene Cover aus dem Einheitsbrei der kopflosen Mägde oder Covers nur mit Händen abgebildet!!! Der Schutzumschlag und die Zeichnungen darin sind sehr liebevoll gestaltet.

Fazit: ein historischer Schmöker in Zeiten der Hexenverfolgung und der Pest, den sie einfach Lieben werden.
Ich freue mich schon auf den nächsten Roman der Autorin.