Solang die Welt noch schläft

Erschienen: Januar 2012

Bibliographische Angaben

  • List, 2012, Titel: 'Solang die Welt noch schläft', Originalausgabe

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83

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Rita Dell'Agnese
Eine Ode an das Fahrrad

Buch-Rezension von Rita Dell'Agnese Mär 2012

Kurzgefasst:

Berlin, um 1890. Josefine, Tochter eines Berliner Hufschmieds, lernt auf einer Reise in den Schwarzwald die gefährliche, für Frauen geradezu skandalöse Leidenschaft des Radfahrens kennen. Zurück in Berlin, riskiert sie dafür alles. Und sie verliert alles - ihre Familie, ihre Freundinnen und fast sich selbst. Doch Josefines Kämpferherz ist groß! Und die Liebe eines Mannes ermutigt sie, ihren Lebenstraum zu verwirklichen. Bei einem strapaziösen Radrennen will sie beweisen, was in ihr steckt. Am Ende erkennt sie, dass nicht der Sieg zählt, sondern ganz andere Werte: Freundschaft, Vertrauen und Liebe.

 

Dreieinhalb Jahre Gefängnis: Josefine muss einen Unfall mit dem Fahrrad teuer bezahlen. Die junge Berlinerin ist eine der ersten Frauen, die ihre Leidenschaft Fahrrad zu fahren, kaum zügeln kann. Die Tochter eines Hufschmieds hat aber noch eine andere Passion: Sie möchte Mechanikerin werden. Doch ebenso wie die Fahrt mit dem Fahrrad ist ihr als Frau die Mechaniker-Ausbildung verwehrt. Während sich Josefine ihren Weg bahnt, kämpfen ihre Freundinnen Clara und Isabelle mit ihren eigenen Problemen. Clara, die so gerne Medizin studiert hätte, muss sich dem Willen ihres Ehemanns beugen und ihre eigenen Ambitionen zurück stecken. Und die verwöhnte Tochter aus reichem Hause, Isabelle, soll einen Mann heiraten, den sie zwar achten aber nicht lieben kann. Denn Isabelles Leidenschaft gilt ebenso dem Fahrrad fahren, wie Josefines.

Drei Schicksale, eine Geschichte

Obwohl die drei Freundinnen jede für sich einen anderen Lebensweg einschlägt und sich mit ihren eigenen Problemen herumschlagen muss, gleicht sich das Schicksal der jungen Frauen im Berlin des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Sie sind gesellschaftlichen Zwängen unterworfen und ihnen bleibt in vielen Bereichen die Selbstbestimmung verwehrt. Denn Frauen haben sich nach der Meinung der Gesellschaft den Männern unterzuordnen. In jeder Hinsicht. Wie ungehörig sind da in den Augen vieler die Wünsche nach Unabhängigkeit und Freiheit. Die Autorin Petra Durst-Benning greift den gesellschaftlichen Wandel, der sich 1890 bereits abzuzeichnen beginnt, auf und verknüpft die generelle Veränderung in der Denkweise mit der Entwicklung des Fahrrads. Wobei letzterer sehr viel Platz eingeräumt wird. So viel, dass Nicht-Fahrradfahrern denn doch etwas die Freude an der Lektüre getrübt werden könnte. Denn die Verbissenheit, mit der die jungen Frauen das Fahrradfahren praktizieren, ist nicht immer nachvollziehbar und wirkt mit der Zeit etwas aufgesetzt.

Lebendig erzählt

Grundsätzlich ist die Geschichte jedoch so lebendig erzählt, dass es ein Leichtes ist, sich Friedas Häuschen, die Stimmung auf der Rennbahn oder den düsteren Schlafsaal im Gefängnis vorzustellen. Mit der Lust an greifbaren Bildern geht Petra Durst-Benning hier ans Werk und präsentiert den Lesern ein wunderbares Gemälde von Berlin und seinen gesellschaftlichen Schichten. Mühelos arbeitet die Autorin die unterschiedlichen Stellungen der Protagonisten aus, zeigt Zusammenhänge auf und flicht die ersten Emanzipationsbemühungen der Frauen ein. So schafft Petra Durst-Benning es auch, die ganze Spannweite von eher politisch-femininen Themen bis hin zu den technischen Bereichen umzusetzen und damit eine breite Leserschaft anzusprechen. Dabei schafft sie es - mit wenigen Ausnahmen - die Balance zu halten und keinen der Bereiche überborden zu lassen.

Staunen und leer schlucken

Selbst jene Leser, die sich mit der Verbissenheit in Sachen Fahrradfahren nicht ganz identifizieren können, werden angesichts der Vorurteile und falschen Behauptungen von weiten Bevölkerungsschichten staunen. Denn Frauen, die sich aufs Fahrrad setzen, spielen nach Meinung der zeitgenössischen Mediziner mit ihrer Gesundheit und verhalten sich hochgradig unschicklich. Mit einem leisen Augenzwinkern erzählt die Autorin, mit welchen Schreckensszenarien die Gegner der weiblichen Auseinandersetzung mit dem Fahrrad aufwarten.

Petra Durst-Benning legt mit dem Auftakt-Roman zur Jahrhundertwind-Trilogie einen Roman vor, der gleichermaßen überrascht, unterhält und nachdenklich stimmt. Sie packt alles hinein, was für große Gefühle wichtig ist: Leidenschaft, Liebe, Mut und Neid. Dass da und dort den Charakteren Tiefe fehlt und sie einem etwas gar blassen Muster folgen, ist zwar bedauerlich, vermag aber dem eigentlichen Thema wenig anzuhaben. Die Autorin hat es verstanden, die gesellschaftliche Entwicklung des Jahrhundertwechsels einzufangen und ihr ein Gesicht zu geben. Da mag man einen Überschwang bei den Gefühlen und damit verbunden eine etwas einseitige Skizzierung der Figuren entschuldigen.

Gelungene Darstellung

Bei der Präsentation des Romans hat sich der Verlag eindeutig Mühe gegeben. Ein liebevoll gewähltes und in der Machart überzeugendes Cover mit haptischen Elementen lädt dazu ein, das Buch in die Hand zu nehmen. Und die auf der Innenseite der Buchdeckel abgedruckten Zitate aus der Zeit um die Jahrhundertwende lassen nicht nur Schmunzeln, sondern teilweise auch die Stirn runzeln und den Kopf schütteln. Grafische Darstellungen im Buch und einige höchst interessante Anmerkungen der Autorin zur geschichtlichen Entwicklung des Fahrrads runden den Roman ab.

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Letzte Kommentare:
10.04.2016 13:05:14
Sagota

Der Roman erschien im List Verlag (2012, HC) und das Cover der gebundenen Ausgabe gefällt mir wesentlich besser als das hier abgebildete (TB), da es etwas romantisierend eine junge Frau, die sich an den Baum lehnt, ein Velo neben sich stehen hat....

"Berlin, um 1890. Josefine entdeckt für sich die gefährliche, für Frauen geradezu skandalöse Leidenschaft des Radfahrens. Dafür riskiert sie alles. Und sie verliert alles - ihre Familie, ihre Freundinnen und fast sich selbst. Aber Josefines Kämpferherz ist groß! Und die Liebe eines Mannes ermutigt sie, ihren Lebenstraum zu verwirklichen. Bei einem strapaziösen Radrennen will sie beweisen, was in ihr steckt. Entschlossen tritt Josefine an - und trägt einen ganz eigenen Sieg davon." (Quelle: Buchrückentext)

Die Trilogie des "Jahrhundertwindes", in der es um die Emanzipation der Frauen geht, die der Autorin in all ihren Romanen sehr am Herzen liegt, beleuchtet die Schicksale und Charaktere von Josefine, Isabelle und Clara, die zwar (in dieser Zeit sehr von Bedeutung) nicht aus demselben gesellschaftlichen Milieu stammen, aber von Kindesbeinen an befreundet sind. Josefine entstammt einer Hufschmied-Familie, Clara ist die Tochter eines Apothekers und Isabelle die eines sehr wohlhabenden Fabrikanten.
In diesem Band nun schildert die Autorin auf sehr unterhaltsame, auch warmherzige, flüssig und gut zu lesende Weise das Schicksal Josefines. Dabei gelingt es Frau Durst-Benning wie immer sehr gut, atmosphärisch dicht zu schreiben, so dass man als Leser direkt in das Geschehen - hier dem Leben und den gesellschaftlichen Konventionen vor 100 Jahren, die für Frauen bestanden - eintauchen kann. Der Erzählstil ist sehr unterhaltsam-erzählerisch, die Dialoge spielen eine große Rolle und erscheinen mir zuweilen etwas betulich, beschaulich und moralisierend, allerdings bewegt es sich auf einer Ebene stilistisch, die nicht allzusehr in die Trivialität abgleitet.

Die Unterthemen sind Liebe und Freundschaft sowie voranstehend die Emanzipation der Frauen, die mit unglaublichen Vorurteilen aus der Männerwelt, besonders der Mediziner, zu kämpfen hatten, wollten sie auf ein Veloziped steigen! Diese gesellschaftliche Realität wurde sehr gut eingefangen und die Hürden und Hindernisse dargestellt, die Frauen überwinden mussten - und überwunden haben! - um ebenso wie der Mann diese "Maschine" bedienen zu können: Josefine hat zudem technisches Verständnis und stößt auf Mauern, als sie sich um eine Stelle im mechanischen Bereich bewirbt, da diese der Männerwelt vor 100 Jahren vorbehalten waren. Die Autorin bringt in diesen Beispielen eben jene Zurücksetzung der weiblichen Fähigkeiten sehr gut zum Ausdruck, was mir ausnehmend gut gefallen hat.

Ich fühlte mich durch diese unterhaltsame und warmherzig geschriebene "Reise in die Geschichte des Velos und des Frauenradsports" sehr gut unterhalten und hatte viele informative und auch interessante "Schmökerstunden": Die Anmerkungen der Autoren geben der Geschichte auch ein Mehr an Authentizität, was mir ebenfalls sehr gefiel. Achtung: Der Roman hat die Auswirkung, zum Radfahren zu animieren und das vom Rost befreite Rad sofort aus dem Keller zu holen und - loszufahren! ;) Auch die Fotos von Hochrad und den PionierInnen des Radfahrens sind sehr schön anzusehen!

Fazit:
Band 1 der Jahrhundertwind-Trilogie kann ich sehr empfehlen und finde den Roman lesenswert, da er schöne Lesestunden beschert und informativ über die Geschichte des Velozipeds und des Radsports für Frauen Aufschluss gibt. Natürlich verbirgt sich auch eine Liebesgeschichte darin, die jedoch nicht zu trivial wirkt und mir auch gefallen hat: (Unter anderem ;) Für Frauen und velobegeisterte LeserInnen empfehlenswert! Ich vergebe gerne 4 Sterne und 92° auf der "Histo-Couch".

19.02.2015 08:12:50
venatrix

Diesen Roman habe ich regelrecht verschlungen. Konnte das Buch gar nicht weglegen. Die Geschichte der drei Mädchen unterschiedlichster Herkunft wird durch das gemeinsame Hobby des Radfahrens verknüpft. Dieses Hobby ist zu dieser Zeit ein Sport der männlichen Elite. Für Frauen – so urteilen Männer – gänzlich ungeeignet. Das unkonventionelle Trio beweist, was alles in Frauen steckt.
Geschickt wird die Geschichte des Radfahrens in die Handlung eingewoben. Bis jetzt habe ich mir wenige Gedanken über die Einführung des Drahtesels gemacht. Sobald die Tage wieder länger werden, werde ich meinen wieder aus der Garage holen.
Der erste Teil der Trilogie ist sehr lebhaft und in bunten Farben geschrieben.

19.03.2013 14:45:27
KitKat

Ein Liebesbrief an das Radfahren!
Gegen Ende des 19. Jahrhundert verbindet junge Frauen ein, aus heutiger Sicht unspektakulär simpler, Wunsch: Sie wollen Fahrrad fahren. Es ist fast nicht zu glauben welche Steine man Frauen dabei in den Weg gelegt hat, welche wahren Hetzkampagnen es gegen diesen Sport gab, wenn ihn Frauen ausüben wollten.
Ein tolles Buch über den Kampf um die eigenen Träume! Lebendig gezeichnete Charaktere in der grauen Welt des Jahrhundertwechsels.

18.05.2012 13:10:25
€nigma

"Solang die Welt noch schläft" ist der erste Band einer geplanten Trilogie "Jahrhundertwind" um die drei Freundinnen Jo(sefine), Isabelle und Clara. Obwohl die Mädchen aus unterschiedlichen Gesellschaftsschichten stammen - Isabelle ist die Tochter eines schwerreichen Unternehmers, Clara die Tochter eines Apothekers und Jo die Tochter eines Hufschmieds -, sind sie gute Freundinnen, vereint durch ihre Vorliebe für das Anfang der Neunziger Jahre des 19.Jahrhunderts für Damen noch skandalöse Hobby des Radfahrens. Clara gibt das Radfahren nach einem Unfall bald auf, bleibt aber ihren beiden velo-besessenen Freundinnen dennoch verbunden, selbst als sie einen engstirnigen Arzt heiratet, der gegen den unschicklichen Radsport der Damen wettert und seine Frau ständig bevormundet. Isabelle und Jo fahren am frühen Morgen, also "solang die Welt noch schläft", heimlich und in Männerkleidung durch Berlin. Auch nachdem Jo ihr "vorwitziges Verhalten" mit einer Gefängnisstrafe büßen muss, lässt sie nach ihrer Haftentlassung nicht von ihrer Leidenschaft ab und schließt sich dem von Isabelle gegründeten Velo-Verein für Damen an.
Im Laufe des letzten Jahrzehnts des 19.Jahrhunderts kommen immer bessere und durch Massenproduktion in fortschrittlichen Fabriken preisgünstigere Räder auf den Markt, allmählich findet auch der Radsport der Frauen breitere Akzeptanz.

Die drei Protagonistinnen sind fiktiv, bei der Schilderung der Entwicklung des Radsports hat die Autorin sich jedoch an die tatsächlichen Ereignisse der Zeit gehalten. In einem Nachwort gibt sie dazu nähere Informationen. In den Text sind viele zeitgenössische Illustrationen eingefügt, die dem Leser eine gute Vorstellung vom Aussehen der damaligen Räder und von der Radlerbekleidung der Zeit, z.B. spezielle Hosenröcke für die Frauen, vermittelt.
Außerdem enthält der Roman Zitate aus zeitgenössischen Hetzartikeln von Männern, die offenbar um ihre Vormachtstellung bangten. Weitere ungeheuerliche Zitate dieser Art sind im vorderen und hinteren Einband abgedruckt: es wurde nicht nur behauptet, dass die Frauen durch das für ihr Geschlecht widernatürliche Radfahren unfruchtbar und damit für ihre naturgegebene Aufgabe nutzlos würden, sondern man unterstellte ihnen auch, dass sie das Radfahren praktizierten, um zu masturbieren. Kein Argument war den Männern zu dumm, um die Frauen vom Radsport auszuschließen.
Dieser historische Roman hat mich sehr gefesselt, was nicht nur an dem gewohnt flüssigen Schreibstil der Autorin liegt, sondern auch an der ungewöhnlichen Thematik, auf die ich bisher noch nie in einem Roman gestoßen bin. Bei alledem ist auch die Charakterisierung der Romanfiguren sehr gelungen, lediglich die Protagonistin Jo ist ein wenig zu perfekt für meinen Geschmack. Die letzten Kapitel wecken mit Andeutungen auf interessante Entwicklungen im Leben von Isabelle und Clara geschickt den Wunsch des Lesers, sich auch die beiden weiteren Bände zu beschaffen. Der zweite Band mit Isabelle als Hauptfigur soll im Herbst 2013 erscheinen.

Wer gute historische Romane über selbstbewusste Frauen mag und an der Epoche des ausgehenden 19.Jahrhunderts mit ihrem gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Wandel interessiert ist, ist mit diesem von der Thematik außergewöhnlichen Roman gut beraten.

24.04.2012 10:11:53
Uschi Schreiber

Greift man zu eine neuen Roman aus der Feder dieser sympathischen Autorin fragte man sich: Kann sie das Niveau ihrer bisherigen Bücher halten oder sogar noch toppen? Die Antwort lautet: YES! SHE CAN!
Mit "Solang die Welt noch schläft" hat Petra Durst-Benning wieder ein Werk geschaffen, dass den Leser von der ersten bis zur letzten Zeile fesseld und dessen Lesevergnügen sich niemand entgehen lassen sollte!

31.03.2012 09:43:20
Angela H.

Der neue Roman von Petra Durst-Benning hat es in sich! Zuerst einmal die schöne Aufmachung mit den immer wieder auftauchenden historischen Plakaten und Fotos und auch die kleinen Fahrräder zwischen den einzelnen Abschnitten haben es mir angetan.
Und dann natürlich die Handlung: Josefine ist die Tochter eines Schmieds im Berlin des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Sie hat es nicht leicht im Leben und findet ein bisschen Freiheit und Glück im damals für Frauen unmöglichen und verpönten Fahrradfahren.
Für uns fast nicht nachvollziehbar, wie schwer es die Frauen hatten bei etwas für uns so Normalem wie das Fahrradfahren. Jo findet in Clara, einer Apothekertochter und Isabell, einer Fabrikantentochter, gute Freundinnen.
Trotz der unterschiedlichen Bedingungen haben die drei Frauen eines gemeinsam: Den Willen, ihr Leben selbst zu gestalten und sich in der damaligen Zeit, als das Leben von Frauen aus Haushalt, Kindern und den Gatten versorgen bestand, ein Stück Freiheit zu gewinnen.
Die Personen des Romans sind mir ans Herz gewachsen, ich konnte mit ihnen leben, lieben und leiden und mich manchmal auch über sie aufregen. Es passiert unglaublich viel und ich konnte die Seiten gar nicht so schnell umblättern, wie ich wissen wollte, wie es weitergeht.
Man merkt bei diesem Roman auch wieder die gute Recherche von Frau Durst-Benning, sie weiß einfach, wovon sie schreibt.
Ich bin der Meinung, dass das Buch auch für Männer lesenswert ist, zum Einen , um sich mal Gedanken zu machen, wie schwer es die Frauen hatten und zum anderen, weil der Roman viel Wissenswertes übers Radfahren und Technik enthält.
Von mir eine absolute Empfehlung – durch diesen Roman weht echt ein frischer Wind.

Zeitpunkt.
Menschen, Schicksale und Ereignisse.

Wir schauen auf einen Zeitpunkte unserer Weltgeschichte und nennen Euch passende historische Romane.

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