Die Sehnsucht der Krähentochter

Erschienen: Januar 2012

Bibliographische Angaben

  • Gmeiner, 2012, Titel: 'Die Sehnsucht der Krähentochter', Originalausgabe

Couch-Wertung:

89
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Rita Dell'Agnese
Vom Irrsinn des Krieges

Buch-Rezension von Rita Dell'Agnese Mär 2012

Kurzgefasst:

Teichdorf im Schwarzwald um 1640. Nach drei ruhigen Jahren kehrt der Krieg zurück nach Baden. Doch noch schlimmer als das heranrückende französische Heer ist für die Teichdorfer Dorfbewohner die Bedrohung durch einen spanischen Söldnertrupp und die Heilige Inquisition. Selbst vor Hexenverbrennungen schreckt man nicht mehr zurück. Bernina, die Besitzerin des Petersthal-Hofes, ist in großer Sorge um ihre Mutter, die Krähenfrau , die aufgrund ihrer besonderen Heilkräfte ins Visier der Inquisitoren gerät. Als dann noch ihr Mann Anselmo verschwindet nehmen die schrecklichen Ereignisse ihren Lauf...

 

Die Geschichte um die Krähentochter aus dem Schwarzwald geht weiter. Obwohl Bernina ihr "Erbe" antreten und den Petersthalhof übernehmen konnte, kommt sie nicht zur Ruhe. In Teichdorf greift Düsteres um sich. Es kommt zu Hexenverbrennungen. Bernina muss erkennen, dass ihre Mutter, die Krähenfrau, in großer Gefahr schwebt. Verzweifelt versucht Bernina, ihre Mutter und sich selber zu schützen. Von Anselmo verlassen ist die junge Frau ganz auf sich selber gestellt. Einzig der treue Baldus und ein geheimnisvoller Wolfsjäger stehen ihr zur Seite. Als Bernina aus Teichdorf fliehen muss, verschlägt es sie zu einem seltsamen Goldschmied ins Elsass. Aber Bernina kommt nicht zur Ruhe - die Sehnsucht zwingt sie, nach Anselmo zu suchen. Dafür nimmt sie - mitten im Dreißigjährigen Krieg - einige Wagnisse auf sich.

Wunderbare Fortsetzung

Es ist nicht ganz einfach, mit der Fortsetzung eines starken ersten Teils zu überzeugen. Oliver Becker beweist aber, dass es möglich ist. Er baut zwar auf den Ereignissen des ersten Teils auf, bietet jedoch eine völlig neue Geschichte mit überraschenden Wendungen. Dabei lässt er die persönliche Entwicklung seiner Protagonisten nicht außer Acht. Bernina ist reifer, überlegter und auch mutiger als im ersten Band. Anselmo verliert nun endgültig den Hauch des unabhängigen Zigeunerjungen und der Irrsinn eines Krieges, von dem kaum mehr jemand weiß, weshalb er eigentlich geführt wird, treten noch deutlicher hervor. Was bei einer Fortsetzung oft der Fall ist, tritt auch hier hervor: Es ist ohne weiteres möglich, mit dem zweiten Teil in die Geschichte einzusteigen. Sowohl das Verständnis für die Figuren wie auch die weitgehend losgelöste Geschichte garantieren dem Leser, dass er der Handlung ohne Vorkenntnisse folgen kann. Trotzdem sollte sich jeder, der Die Sehnsucht der Krähentochter gönnen möchte, zunächst den Band Das Geheimnis der Krähentochter vornehmen. Nur so kann sich die Geschichte in ihrer vollen Tragweite entfalten.

Stimmige Schauplätze

Oliver Becker hat nicht nur einen spannenden Plot entworfen, von dem man sich kaum zu lösen vermag, er versteht es auch, seine Leser in die Situationen eintauchen zu lassen. Die Schauplätze sind überaus stimmig gewählt und dank seiner Erzählkunst vermag Becker viel Atmosphäre zu schaffen. Ob es nun die Weite des Waldes ist, die Geschäftigkeit einer Goldschmiede oder die feuchte Gefängniszelle: Es ist ein Leichtes, sich den Schauplatz vorzustellen und die Szenen mit allen Sinnen mitzuerleben. Hier vermag Becker gegenüber dem ersten Band eindeutig noch zuzulegen. Ein echter Gewinn wäre es gewesen, Berninas Reise mit einer Karte zu dokumentieren, und auf diese Weise den Lesern weitere Orientierungshilfen zu geben, zumal sich nicht alle der beschriebenen Orte auffinden lassen und es sich bei einigen Ortschaften um fiktive Namen handeln dürfte.

Etwas dick aufgetragen

So stimmig der Ablauf und die persönlichen Entwicklungen der Protagonisten sind - so kann es sich der Autor dennoch nicht ganz verkneifen, da und dort etwas dick aufzutragen. Angesichts des starken Plots mag man es ihm nachsehen. Und doch scheint es manchmal denn doch zu viel des Guten, welche Gefahren und Verletzungen so gut überstanden werden. Das aber ist letztlich - wenn überhaupt - lediglich ein leichter Schönheitsfehler in einem über den ganzen Verlauf hinweg überzeugenden historischen Roman. Oliver Becker verwöhnt seine Leser mit einer ausgereiften und spannenden Geschichte, die von farbenprächtigen gleichermaßen wie von bedrückenden Sinneseindrücken lebt.

Die Sehnsucht der Krähentochter

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