Der Duft der Wüstenrose

Erschienen: Januar 2012

Bibliographische Angaben

  • Diana, 2012, Titel: 'Der Duft der Wüstenrose', Originalausgabe

Couch-Wertung:

75
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Daniela Loisl
Wenig Historie, viel Liebe und etwas Magie...

Rezension von Daniela Loisl Mär 2012

Kurzgefasst:

In einer kalten Winternacht im Jahr 1873 wird vor der Pforte des Klosters Reutberg ein Säugling gefunden. Nichts deutet auf die Herkunft des kleinen Mädchens hin außer einem geheimnisvoll schillernden Glasperlenarmband. Zwanzig Jahre später will Fanny endlich herausfinden, warum ihre Eltern sie so grausam verstoßen haben. Die Spur der Perlen führt sie von Bayern bis in den Süden Afrikas. In dem fernen, fremden Land lässt sie sich aus Liebe auf eine große Lüge ein, die sie in Lebensgefahr bringt und schließlich zwingt, mit ihrer neugeborenen Tochter in die Wüste Namib zu fliehen. Erst dort erfährt sie, dass die Perlen die Frauen ihrer Familie seit Generationen mit einem entsetzlichen Fluch belegen. Nur mithilfe ihrer wahren Liebe und der weisen Magierin Zahaboo kann sie ihrem Schicksal entrinnen und ihre Tochter retten.

 

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts begibt sich eine junge Frau, Franziska, auf eine lange Seereise nach Afrika. Sie will in Deutsch-Südwest, dem heutigen Namibia, als Lehrerin in einer rheinischen Missionsschule tätig sein. Dies allein aber ist nicht ihr eigentliches Ziel: Fanny wurde als Baby vor einem Kloster in Bayern abgelegt und nur durch das Glasperlarmband, das ihr beigelegt war, bekam Fanny nach langer Suche den Hinweis, dass sie in Afrika nach ihren Eltern forschen sollte. Aber es kommt alles ganz anders als geplant. Ihre einzige und treue Freundin Charlotte macht ihr einen unglaublichen Vorschlag, auf den Fanny sich letztendlich einlässt, nicht wissend, in welch großem Lügengebilde sie sich bald verheddert...

Flottes Tempo, fesselnder Erzählstil - und vorhersehbar

Schon mit ihrem Vorgängerroman Die Hexengabe überzeugte Beatrix Mannel mit ihrer kurzweiligen und temporeichen Art zu erzählen. Sofort ist der Leser mitten in der Szenerie und bekommt Schritt für Schritt auf leichte Weise und stets in angemessenen Happen das aktuelle Geschehen präsentiert. Mannel gelingt es, den Spannungsbogen von Beginn an bis zum Ende straff zu halten, was dem Interessierten kaum die Möglichkeit gibt, das Buch aus den Händen zu legen. Der Spannungsaufbau und der gekonnt gelegte rote Faden, der durch das ganze Buch führt und nie abreißt, sind zweifelsfrei die Stärke der Autorin.

Im Grunde weiß man nach wenigen Seiten, wie die Geschichte in etwas verlaufen wird und auf jeden Fall, wie sie endet. Mag dies jetzt auch nach "Schema F" klingen, so muss man dennoch sagen, dass Mannel sich vielleicht einem gewissen Schema bedient, dieses allerdings sehr gekonnt umgesetzt hat. Ahnt bzw. weiß der Leser zwar den Ausgang der Geschichte, so hat die Autorin den Weg dahin mit viel Liebe zum Detail gepflastert.

Wo ist das Historische?

Mannel kennt Namibia, daran gibt es nichts zu rütteln. Ob Lebens- und Essgewohnheiten, die Hitze, die heftigen Regenfälle, die Schönheit der Natur und das Wissen um Pflanzen und Tiere in diesem Teil Afrikas, die Autorin weiß, von was sie schreibt und mit jedem Wort, jeder Zeile wird ihre Liebe zu diesem Land spürbar.
Mannel gewährt auch ein paar - leider nur sehr wenige, und diese etwas dürftig ausgeführte - Einblicke in die politische Situation der damaligen Zeit. Für einen historischen Roman ist es doch etwas sehr wenig, was der Leser von der damaligen deutschen Kolonie erfährt. Leser, die Wert darauf legen, Authentizität zu verspüren und mehr über das Land und die damalige politische und soziale Situation erfahren möchten, werden wohl ziemlich enttäuscht sein. Das Buch ist ein Liebesroman in historischer Gewandung. Wenngleich es die Autorin wirklich versteht, den Roman kitschfrei und ohne die ansonsten oft so typischen Erotikszenen zu halten und so ein doch gutes Niveau zu halten, so verdient das Buch die Bezeichnung "historischer Roman" nicht wirklich.

Ein bisschen viel Magie

Zu den fehlenden zeitlichen Hintergrundinformation kommen die doch etwas blassen Figuren hinzu. Die Protagonistin ist sympathisch und ihre Empfindungen werden glaubhaft und nachvollziehbar vermittelt. Etwas anders sieht es mit den Nebenfiguren aus. Sowohl bei Ludwig wie auch bei John weiß man im Grunde von Beginn an, wie sie einzuschätzen sind und keiner der beiden macht auch nur einen Schritt in eine andere Richtung. Dann gäbe es noch interessante Figuren wie Martha oder Grace, zwei schwarze Dienerinnen, aber bei beiden wird charakterlich nur an der Oberfläche gekratzt. Zeigte die Autorin bei den Figuren ein ähnliches Engagement wie beim Aufbau und der Darbietung der Erzählung, wäre dies ein immenser Gewinn für dieses Buch gewesen.

Die im Roman vorkommende Magie ist sicher Geschmacksache. Leser, die der Logik mehr geneigt sind als unerklärbarer Phänomene, werden mit so manchen Szenen ein wenig ein Problem haben. Anderseits ist es eine charmante Art, dem Leser einen Blick in die Vergangenheit zu gewähren.

Im Gesamten ein kurzweiliges und unterhaltsames Buch, welches eine sehr feine und niveauvolle Liebesgeschichte bietet, die aber auf Kosten der Historie geht.

Der Duft der Wüstenrose

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