Fortunas Schatten

Erschienen: Januar 2012

Bibliographische Angaben

  • , 2012, Titel: 'Fortunas Schatten', Originalausgabe

Couch-Wertung:

75

Leser-Wertung

-
Zum Bewerten, einfach Säule klicken.
1 50 100

Zum Bewerten, einfach Säule klicken.

Bitte bestätige - als Deine Wertung.

Gebe bitte nur eine Bewertung pro Buch ab, um die Ergebnisse nicht zu verfälschen. Danke!

1 x 91-100
1 x 81-90
0 x 71-80
0 x 61-70
0 x 51-60
0 x 41-50
0 x 31-40
0 x 21-30
0 x 11-20
0 x 1-10
B:92
V:1
W:{"1":0,"2":0,"3":0,"4":0,"5":0,"6":0,"7":0,"8":0,"9":0,"10":0,"11":0,"12":0,"13":0,"14":0,"15":0,"16":0,"17":0,"18":0,"19":0,"20":0,"21":0,"22":0,"23":0,"24":0,"25":0,"26":0,"27":0,"28":0,"29":0,"30":0,"31":0,"32":0,"33":0,"34":0,"35":0,"36":0,"37":0,"38":0,"39":0,"40":0,"41":0,"42":0,"43":0,"44":0,"45":0,"46":0,"47":0,"48":0,"49":0,"50":0,"51":0,"52":0,"53":0,"54":0,"55":0,"56":0,"57":0,"58":0,"59":0,"60":0,"61":0,"62":0,"63":0,"64":0,"65":0,"66":0,"67":0,"68":0,"69":0,"70":0,"71":0,"72":0,"73":0,"74":0,"75":0,"76":0,"77":0,"78":0,"79":0,"80":0,"81":0,"82":0,"83":0,"84":0,"85":0,"86":0,"87":0,"88":0,"89":0,"90":1,"91":0,"92":0,"93":0,"94":1,"95":0,"96":0,"97":0,"98":0,"99":0,"100":0}
Jörg Kijanski
Könnte der Start in eine erfolgreiche Serie sein

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Feb 2012

Kurzgefasst:

Glückstadt an der Elbe, 1894. Er hat alles verloren: Sein Schiff, seine Mannschaft, seinen Ruf. Kapitän Hauke Sötje steht vor dem Nichts. Ein ehrenvoller Tod scheint ihm der einzige Ausweg aus einer gescheiterten Existenz, doch zuvor will er in der Hafenstadt Glückstadt eine alte Schuld begleichen. Dabei wird er in einen Mordfall verwickelt. Einzig Sophie, die Tochter eines angesehenen Bürgers der Stadt, glaubt an ihn und seine Unschuld. Als Feuer und Intrigen die Stadt bedrohen, erkennen beide, wer Freund und wer Feind ist.

 

1894. Vor einem Jahr sank die Revenge, der ganze Stolz von Kapitän Hauke Sötje. Warum das Schiff sank, weiß Hauke bis heute nicht. Auch ist ihm rätselhaft, warum alle Besatzungsmitglieder starben und nur er überlebte. Kurz vor der Fahrt wurde ihm eine Kursänderung befohlen, doch das entsprechende Schreiben ging mit dem Schiff unter und so kam es zur Anklage vor Gericht wegen Totschlags in 53 Fällen. Durch das Eingreifen von Graf von Lahn kommt es zu einem Freispruch aus Mangel an Beweisen. Hauke selbst hat zu diesem Zeitpunkt bereits mit seinem Leben abgeschlossen, zu sehr bedrücken ihn die Geschehnisse und so fährt er nach Glücksstadt, um sich dort von seiner zwischenzeitlich verstorbenen Frau zu verabschieden, bevor er den Freitod suchen will.

In Glücksstadt gerät er jedoch umgehend in Handgreiflichkeiten und findet sich im Gefängnis wieder. Erneut ist von Lahn zur Stelle, fordert allerdings eine Gegenleistung ein. Die örtliche Heringsfischerei ist im Aufbau und soll auf Wunsch des deutschen Kaisers mit vier Schiffen auf Fang gehen, wobei es dem Kaiser allerdings weniger um den Fisch geht als vielmehr um die Beobachtung der französischen und englischen Küsten. Die neu entstandene Gesellschaft erlebt einen riesigen Zuspruch in der Stadt, jeder, der Geld übrig hat, zeichnet Aktien, und dennoch will es nicht recht voran gehen. Immer wieder kommt es zu seltsamen Zwischenfällen, so dass von Lahn einen Saboteur am Werk wähnt. Darum bittet er Hauke, sich in der Gesellschaft umzuhören und den fraglichen Störenfried zu finden. Kurz darauf drohen sich die Ereignisse in der Stadt zu überschlagen...

Ansprechende Atmosphäre

Anja Marschall hat einen ebenso kurzen wie unterhaltsamen historischen Kriminalroman geschrieben, der zum Ende des 19. Jahrhunderts spielt. Hauke Sötje, ein gescheiterter und lebensmüder Schiffskapitän, gelangt also nach Glücksstadt, wo seine Frau beerdigt wurde. Eigentlich will er sich nur verabschieden, doch seine Vergangenheit holt ihn in Person von Graf von Lahn ein. Er schuldet ihm einen Gefallen und wird letztlich zu einer Art Sonderermittler, was den Grundstein für eine Serie begründen könnte. Trotz der Kürze des Romans gelingt es der Autorin, eine ansprechende Atmosphäre zu schaffen, so dass man sich in Ansätzen in die damalige Zeit hineinversetzen kann. Allerdings wäre hier sicher mehr möglich gewesen. Es ist halt immer wieder das schwierige Unterfangen, gleichzeitig historische Atmosphäre, lebendige Figuren und dann auch noch eine flüssige und stichhaltige Handlung aufzubauen. Dass dies alles zusammen auf rund 270 Seiten nicht immer hundertprozentig gelingt, ist verständlich, und so bleiben insbesondere die Nebenfiguren reichlich blass beziehungsweise klischeehaft, was insbesondere am Beispiel des Reviervorstehers Rübcke festzustellen ist.

Die Handlung, über die hier nicht zu viel verraten werden soll, ist spannend und (fast) selbstverständlich erfahren wir auch, wie es zum Untergang der Revenge kommen konnte. Was überraschenderweise fehlt ist die bei historischen Romanen ja meist schon obligatorische Liebesgeschichte, aber immerhin lernt Hauke die Tochter eines in der Stadt nicht unumstrittenen Unternehmers kennen, die bislang nicht den richtigen Mann finden konnte. Das alles hört sich gegen Ende des Plots danach an, als arbeite die Autorin gedanklich schon an einer Fortsetzung. Dem keineswegs unsympathischen Protagonisten wäre ein weiterer Fall durchaus zu gönnen und so ist es wohl kein Zufall, dass Hauke nach dem Finale einen Job bei der Kriminalpolizei in Aussicht gestellt bekommt. Den positiven Gesamteindruck runden ein Personenregister, ein Glossar, Literaturhinweise und zwei Kartenausschnitte ab.

 

Fortunas Schatten

Fortunas Schatten

Deine Meinung zu »Fortunas Schatten«

Hier kannst Du einen Kommentar zu diesem Buch schreiben. Wir freuen uns auf Deine Meinungen. Ein fairer, respektvoller Umgang sollte selbstverständlich sein. Danke!

Letzte Kommentare:
13.11.2016 11:33:12
venatrix

In „Fortunas Schatten“ entführt Anja Marschall ihre Leser an die Nordsee um 1893/94.

Das Städtchen Glückstadt ist Schauplatz mehrerer Tragödien. Da sind zum einen die Familie Struwe und zum anderen der ehemalige Kapitän Hauke Sötje, der nachdem sein Schiff mit Mann und Maus untergegangen ist, seinem Leben ein Ende setzen will.
Doch bevor Hauke seinen Entschluss in die Tat umsetzen kann, wird er in einen Mordfall verwickelt. Nur Sophie Struwe glaubt an seine Unschuld. Dann wird die Familie Struwe in einen Strudel von Intrigen hineingerissen, der Hermann Struwe das Vermögen, seine Reputation und letztlich sein Leben kostet.
Wer hat Interesse daran Hermann Struwe zu desavouieren? Und was hat das alles mit Hauke Sötje zu tun? Denn bald ist klar, dass zwischen Haukes und Sophies Schicksal einen Zusammenhang gibt.

Anja Marschall zeichnet ein realistisches Bild der Zeit. Machthungrige Intriganten vernichten ohne Rücksicht Existenzen. Fein gezeichnete Charaktere – im Guten wie im Bösen – machen diesen historischen Krimi lebendig. Man kann die Rauchschwaden der brennenden Fabrik, den Geruch des Meeres und den Gestank der Menschen förmlich riechen.

Eine wunderbare Geschichte, die Lust auf mehr macht. 5 Sterne und eine Leseempfehlung.

19.03.2013 14:04:58
Svanvithe

"Dat schall glücken und dat mutt glücken, und denn schall se ok Glückstadt heten!“ (Das soll glücken und das muss glücken und dann soll sie auch Glückstadt heißen!) meinte König Christian IV., seines Zeichens König von Dänemark und Norwegen sowie Herzog von Schleswig und Holstein, als er 1617 die Stadt an der unteren Elbe als Gegenpol zu Hamburg erbauen ließ.

Willkommen in Glückstadt.

Wenn ein Ort solch einen Namen trägt, sollte an sich nichts mehr schief gehen. Aber auch eine Stadt mit dem Glück im Namen hat ihre Schatten. Und auf die trifft im Jahre 1894 - Glückstadt gehört nunmehr zum Deutschen Kaiserreich - der ehemalige Kapitän Hauke Sötje.

Um es gleich einmal vorweg zu nehmen: Wenn einer Hauke heißt, ist er mir auf Anhieb sympathisch. Weil ich dann immer an den "Schimmelreiter" denke, und den mochte ich.

Ein bisschen was vom Schimmelreiter hat auch dieser Hauke Sötje. Während er als Einziger den Untergang seines Schiffes überlebt hat und deshalb vor Gericht in England steht, sterben in der Heimat sein neugeborener Sohn und seine Frau im Kindbett. Nun kommt er nach Glückstadt, um Abschied zu nehmen, von den geliebten Menschen und sodann vom Leben.

Doch irgend etwas scheint nicht zu stimmen in der Stadt. Nicht nur, dass Hauke unmittelbar nach seiner Ankunft in eine Schlägerei verwickelt wird und im Gefängnis landet. Nein, ein Brand und ein Mord bewegen die Gemüter ebenfalls, und Hauke ist mittendrin. Wenn auch nicht ganz freiwillig. Bereits in England hatte die Unterstützung des Grafen von Lahn seinen Freispruch bewirkt, und in Glückstadt kommt Hauke wiederum nur auf Grund der Fürsprache des Grafen frei. Als Gegenleistung erwartet der Graf vom ihm, Ermittlungen anzustellen. In Glückstadt soll eine Heringsfischerei mit vier Schiffen aufgebaut werden. Eine Aktiengesellschaft, bei der viele Menschen Aktien gezeichnet haben. Jedoch jemanden scheint dieses Unternehmen ein Dorn im Auge zu sein...

Hauke ist ein Sympathieträger. Er leidet schwer unter der (vermeintlichen) Schuld, dass bei dem Untergang seines Schiffes 53 Männer starben. Seit dem Unglück kann er sich nicht mehr in engen Räumen aufhalten. Er ist ein ernster Mensch. Sein Blick verunsichert so manchen, denn seine Augen sehen "über adlige Titel hinweg, durch feine Kleider hindurch, bis ins Innerste des Gegenübers. Und dort fanden sie all jene Geheimnisse, von denen niemand wollte, dass sie jemals entdeckt wurden."

Trotzdem hätte ich gern noch eine etwas tiefergehende Beschreibung - sowohl äußerlich als auch charakterlich - gewünscht. Leider hat sich ein Fehler eingeschlichen. Ist Hauke Sötje nun 1851 geboren (Seite 42) oder 1856 (Seite 176)?

Wie dem auch sei. Der Roman liest sich gut und hält die Spannung bis zum Schluss. Gefallen hat mir zudem, dass der historische Krimi nicht mit einer Liebesgeschichte überfrachtet wurde. Zwar stellt die Autorin mit Sophie Struwe eine weitere Person in den Mittelpunkt des Geschehens und damit Hauke an die Seite. Und auch Gefühle zwischen beiden sind spürbar. Aber dies geschieht äußerst dezent. Sophie vermag dem Ende des 19. Jahrhunderts herrschenden Bild der Frau nicht viel abzugewinnen. Ihr Leben verändert sich von einem Tag auf den anderen, und sie beweist Kraft und Mut und Durchhaltevermögen...

Die Gestaltung des Buches ist sehr gelungen. Die Dramatis Personae war für mich hinsichtlich der tatsächlichen historischen Persönlichkeiten interessant, die Anmerkungen zu Wahrheit und Fiktion und das Glossar ergänzten mein Wissen. Die Karte von Glückstadt hätte ich mir jedoch an den Anfang des Buches gewünscht. Hilfreich für diejenigen, die kein Plattdeutsch verstehen, ist sicher auch die "Übersetzung" vorkommender Texte.

10.04.2012 14:45:13
Andrea

Gerade die Nebenfiguren gefielen mir, neben all den anderen, wirklich gut. Mit kräftigem Strich gezeichnete Personen, die der Atmosphäre Farbe und Dichte geben.
Ich persönlich konnte das buch nicht weglegen. Und gerade weil die -m. E. - überbanspruchte Liebesgeschichte nur in Ansätzen vorhanden war, konnte ich mich wirklich auf den Plot konzentrieren. Generell bleibt jedoch die Frage: Kriegen sie sich in Band 2?