Stürmische Gezeiten

Erschienen: Januar 2012

Bibliographische Angaben

  • Goldmann, 2010, Titel: 'A Cruel Harvest', Originalausgabe

Couch-Wertung:

76

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Rita Dell'Agnese
Abenteuerlicher Roman um Sklaverei, Religionskrieg und Machtkampf

Buch-Rezension von Rita Dell'Agnese Feb 2012

Kurzgefasst:

Irland, 1790. In einer stürmischen Nacht überfallen maurische Piraten ein kleines Fischerdorf. Unter den Gefangenen befindet sich der junge Farmer Brannon Ryan, der auf brutale Weise von der Liebe seines Lebens, Orlaith Downey, getrennt und nach Nordafrika in die Sklaverei verkauft wird. Sein Leben ist fortan von Krieg und Gewalt bestimmt, doch sein Herz bleibt in Irland. Dort sieht sich währenddessen Orlaith - unfähig, die Farm ohne Brannon weiterzuführen - vom sicheren Untergang bedroht. Und so trifft sie eine verhängnisvolle Entscheidung...

 

Sklaverei mal andersrum: Nicht die weißen Sklavenfänger segeln vor die Küste Afrikas, um sich dort mit neuer "Ware" zu versorgen, sondern nordafrikanische Sklavenhändler überfallen ein irisches Küstenstädtchen und verschleppen die verzweifelten Menschen nach Marokko. Unter ihnen der junge Farmer Brannon Ryan. Bevor er den Sklavenhändlern in die Fänge geriet, schaffte es Brannon noch, die Liebe seines Lebens, die junge Witwe Orlaith, und deren Sohn Sean in eine rettende Höhle zu schicken. Während Brannon in Marokko alles daran setzt, der Sklaverei zu entkommen, versucht Orlaith sich mit dem Verlust des Geliebten abzufinden. Um ihren Sohn vor dem Verhungern zu retten, geht Orlaith auf das Werben des Großgrundbesitzers Randall ein. Sie kann Brannon jedoch nicht vergessen. Als sie erfährt, dass der junge Ire noch lebt, will sie alles unternehmen, um ihn zu retten. Randall hingegen versucht, Orlaith ganz an sich zu binden und zu beherrschen. Es kommt zu einer bösen Auseinandersetzung.

Viel Abenteuer, viel Tempo

Paul Reid hat einen Roman geschrieben, der sich wunderbar lesen lässt. Er ist temporeich und mit einigen Überraschungen gespickt, hat Atmosphäre und erzählt eine abenteuerliche Geschichte mit allen notwendigen Komponenten. Leider kann der Roman jedoch nicht auf der ganzen Ebene überzeugen. Dazu hat der Autor zu tief in die Kiste von Klischees und abgeschmackten Bildern gegriffen. Die Trennung zwischen Gut und Böse fällt so glatt aus, dass den Figuren etliches an Kontur fehlt. Dass mit Orlaith eine wunderschöne Frau im Mittelpunkt steht und Brannon ein starker, strahlender Held ist, macht die Sache nicht überzeugender. Im Gegenteil. Brannon kann sich nahezu mühelos in die fremde Kultur einfügen. Es gelingt ihm auch, sich hochzudienen und eine recht passable Stellung einzunehmen. Und das alles in Rekordzeit. Es ist äußerst schade, dass der Autor hier nicht differenzierter zu Werke gegangen ist und die Figuren besser ausgearbeitet hat. Der Plot ist gelungen, die Erzählweise macht Spaß - nur die Figuren bleiben blass und teilweise gar ärgerlich langweilig oder solchermaßen überzeichnet, dass sie dadurch kaum Charakter aufweisen.

Viel Geschichte

Paul Reid erzählt aber nicht nur einen Abenteuerroman. Er schafft es auch, spannende und aufschlussreiche Schilderungen über das Leben Ende des 18. Jahrhunderts einzubauen - sowohl was Irland betrifft, als auch, was die Sequenzen in Marokko anbelangt. Das üppige Leben der marokkanischen Herrscher ist ebenso nachvollziehbar, wie die systematische Ausbeutung der irischen Pächter durch die Grundherren. In diesem Sinne schafft es Reid gar, einen Vergleich zwischen den beiden Welten zu präsentieren, der einigen Aufschluss über die jeweilige Kultur gibt. Wer bereit ist, sich auf die geschichtlichen Details zwischen der Handlung einzulassen, wird ein atmosphärisch dichtes Bild der damaligen Lebensverhältnisse erhalten.

Nicht zu Ende erzählt

Leider bleibt Reid mit seinem Roman zum Schluss etwas in der Luft hängen. Es mag sein, dass er einen Übergang schaffen wollte, um einen Anschlussroman zu präsentieren, doch damit nimmt er der Geschichte etwas von ihrem Zauber. Die Leser bekommen den Eindruck, dass hier etwas noch nicht zu Ende erzählt ist.

Paul Reid kann mit Stürmische Gezeiten wunderbar unterhalten und präsentiert eine Geschichte mit ungewohnten Schauplätzen. Dass er sich dazu entschieden hat, seine Helden etwas üppig mit positiven Attributen auszustatten, ist zwar bedauerlich, lässt aber dennoch viel Lesespass zu.

Stürmische Gezeiten

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Letzte Kommentare:
19.12.2014 10:14:35
Amber

"Stürmische Zeiten" bietet einen vielversprechenden Ansatz, keine Frage. Ein Mann wird in die orientalische Sklaverei verkauft, während seine große Liebe in Irland ums Überleben kämpft, das klingt nach Drama und großen Emotionen. Eigentlich suche ich immer nach solchen Büchern, in denen auch mal die Männer in ernsthafte Bedrängnis geraten und die Frauen eine aktive Rolle übernehmen. Daher habe ich sofort zugegriffen, obwohl ich schon ein wenig skeptisch war: Wie kann es dem Autor gelungen sein mag, eine so umfangreiche Story auf so wenig Seiten unterzubringen? Die Antwort lautet: Es ist ihm NICHT gelungen.

Die Charaktere sind leider so stereotyp, dass man kaum eine Beziehung zu ihnen aufbauen kann. Brannon ist der klassische blonde, gutaussehende Junge von nebenan und zumindest sympathisch genug, um mit ihm mitempfinden zu können, aber sein Schicksal wird einfach zu schnell und beiläufig heruntererzählt. Er übersteht ohne Probleme Gefangennahme und Verschiffung, wird natürlich als Spitzenware gehandelt und an den Sultan verkauft und lebt sich so schnell in die fremde Kultur ein, als wäre er nur mal eben kurz auf Urlaub zu Besuch. Was dann passiert, darf ich nicht verraten, weil dann schon die gesamte Handlung erzählt wäre, aber die Unglaubwürdigkeiten häufen sich von Kapitel zu Kapitel. So unverwundbar und unbesiegbar, wie er hier herüberkommt, könnte man ihn schon fast in einen Karl-May-Roman stecken.

Seine Liebste indessen, die obligatorische Dorfschönheit, heiratet aus der Not heraus einen tyrannischen Großgrundbesitzer - wie einfallsreich. Was ihr dann im Laufe der Geschichte so passiert, brauche ich nicht zu verraten, denn es ist komplett vorhersehbar, was vielleicht nicht so stören würde, wenn man ein wenig mit ihr mitfühlen könnte. Sie kommt jedoch dermaßen zickig, hysterisch, kindisch und dümmlich herüber, dass man sehr schnell wirklich das Gefühl hat, dass sie selbst Schuld an ihrer Lage ist. Das einzig zauberhafte an ihr ist ihr traumhaufter Name, Orlaith, und man kann sich nur schwer vorstellen, dass ein junger Mann wie Brannon, der hunderte von ihrer Sorte haben könnte, bereit wäre, für sie sein Leben zu opfern.

Schade, wirklich schade. Man kann zwar nicht sagen, dass das Buch schlecht ist, das ist es wirklich nicht. Es lässt sich gut weglesen, ist stellenweise auch recht spannend und sogar interessant, was das Leben eines männlichen Sklaven im Orient betrifft.
Aber es ist einfach VIEL ZU KURZ!!!! Wenn wenigstens die Personen gelungen wären, wenn sie etwas weniger oberflächlich, etwas weniger seicht wären, dann hätte ich aus emotionellen Gründen gerne vier Sterne gegeben. Aber das sind sie leider nicht.

Alles in allem ein nettes, kurzweiliges Buch für einen müden Abend, für das man jedoch nicht den vollen Preis ausgeben sollte. Es sich gebraucht anzuschaffen reicht meiner Meinung nach - was ich zum Glück auch getan habe.

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