Wunderwaffe

Erschienen: Januar 2012

Bibliographische Angaben

  • Gmeiner, 2012, Titel: 'Wunderwaffe', Originalausgabe

Couch-Wertung:

70
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Jörg Kijanski
Eine kurzweilige Geschichte kurz vor Ende des ZWeiten Weltkriegs

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Feb 2012

Kurzgefasst:

Das Rheinland im Frühjahr 1944. Erik Stuckmann, als Chemiker bei der IG Farben beschäftigt, wird tot aufgefunden. Er soll sich unter Medikamenteneinfluss das Leben genommen haben. Sein bester Freund Nikolas Brandenburg glaubt nicht an einen Selbstmord und nimmt die Ermittlungen auf. Die Spur führt ihn nicht nur zur französischen Widerstandsbewegung, sondern auch in die höchsten Kreise der IG Farben. Nur langsam sammelt er Indizien und deckt dabei Unglaubliches auf...

 

Paris, Frühjahr 1944: Kriminalkommissar Nikolaus Brandenburg jagt im 13. Arrondissement den legendären Résistanceführer "La Paquerette", doch wann immer er glaubt, den entscheidenden Tipp erhalten zu haben, hat sich "das Gänseblümchen" längst aus dem Staub gemacht. Oder jagt er nur ein Phantom, welches die Gestapo in die Irre führen soll, wie sein Chef Hauptsturmführer Luger vermutet? Nach einem erneuten Fehlschlag erfährt Nikolas von seinem Bekannten Martin, dass ihr gemeinsamer bester Freund Erik Stuckmann, der als Chemiker bei der IG Farben in Leverkusen gearbeitet hat, Selbstmord begangen haben soll. Doch Erik war stets ein strenggläubiger Christ und da Selbstmörder nicht in den Himmel kommen, glaubt Nikolas nicht an ein freiwilliges Ableben, zumal er seine fünfjährige Tochter, die bei dem Verkehrsunfall ebenfalls starb, über alles liebte.

Nikolas fährt zu Martin, der als Arzt in Düsseldorf arbeitet, um der Sache nachzugehen und findet überraschend bei seinem Vater einen "Abschiedsbrief" von Erik vor, der allerdings mehr Fragen aufwirft als beantwortet. Da die Post systematisch ausgewertet wird, ist der Brief stark verklausuliert und so erkennt Nikolas zunächst nur, dass Erik ihm ein "Geschenk" in einer Pariser Herberge hinterlassen hat. Nikolas bittet Luger, die Herberge zu sichern und macht sich umgehend auf den Weg zurück nach Paris. In besagter Herberge angekommen findet er dort ein Großaufgebot an Sicherheitskräften vor, da die beiden von Luger abgestellten SS-Leute ermordet wurden. Der Mörder war angeblich Feldwebel Heinz Rohn, ein Deserteur der Wehrmacht, der in ganz Frankreich gesucht wird und der nun verhaftet werden konnte. Fünf greise Erwachsene und die junge Claire Corbousiere melden sich als Zeugen, jedoch fällt Nikolas auf, dass etwas nicht zu stimmen scheint.

 

 

"Du hast gesagt, du bist Arzt und glaubst allein an die Wissenschaft. Ich bin Polizist und glaube an Verbrechen."

 

Da ihm die näheren Umstände von Eriks Tod keine Ruhe lassen, befragt Nikolas den inhaftierten Rohn nach dem Vorfall, doch dieser schiebt alle Schuld auf Claire, die eine gefährliche Kämpferin der Résistance sei und für die er gelegentlich gearbeitet hätte. So stahl er zuletzt einige Stiehlhandgranaten, die für einen deutschen Chemiker gedacht waren. Als der Name "Stackmann" fällt, sieht Nikolas seine Chance, endlich mehr zu erfahren, doch dafür benötigt er Claires Hilfe. Rohn kennt den Weg zu ihr, ist aber nur bereit, Nikolas persönlich dort hinzuführen. Dazu müsste dieser ihn allerdings zunächst einmal aus dem schwer bewachten Gestapo-Quartier herausholen ...

Über die Rolle der IG Farben zur Nazi-Zeit

Ein schüchterner Mann wird auf Drängen seines übermächtigen Vaters gegen seinen Willen Polizist und macht seinen Dienst eher schlecht als recht. Auch sonst gelingt ihm wenig, seine Verlobte hat längst ein Verhältnis mit seinem Chef und so kommt ihm der Tapetenwechsel nach Düsseldorf gar nicht ungelegen, wäre der Anlass nur nicht so traurig. Da er seine Freunde in letzter Zeit mehr als vernachlässigt hat, schwört er, den Tod von Erik aufzuklären und gerät dabei wie oben dargestellt in Kontakt mit Rohn, dem er sich nun mehr oder weniger ausliefert. Als die beiden Claire und ihre Widerstandstruppe ausfindig machen, finden sie gemeinsam heraus, dass offenbar bei der IG Farben eine Art "Wunderwaffe" für Hitlers Endsieg hergestellt werden soll und Erik, offenbar von einem schlechten Gewissen geplagt, dass er als Chemiker maßgeblich daran mitwirkte, gab den entscheidenden Tipp. Also machen sich der Wahrheit suchende Kommissar, Ex-Elitesoldat Rambo .. äh .. Rohn und die unerschrockene Claire mit ihren Mannen auf in den Kampf, um die drohende Apokalypse zu verhindern. Dabei räumen sie zahlreiche böse Nazis aus dem Weg ...

Halt, halt, ganz so einfach ist es denn doch nicht. Zwar könnte man böswillig den Inhalt von Wunderwaffe so zusammenfassen, doch ein bisschen mehr Tiefgang hat die Geschichte dann schon. Gut, ein bisschen Wild-West-Manier hat das alles, insbesondere die Flucht aus dem Gestapo-Gefängnis, aber irgendwie muss der Ausbruch ja gelingen. Das eigentliche Manko liegt in dem Fakt, dass das Szenario weitestgehend auf der Hand liegt, denn dass die Entstehung einer "Wunderwaffe" droht, verrät ja mehr oder weniger bereits der Buchtitel und das es diese zu verhindern gilt, also bitte ... Dennoch schafft Sebastian Thiel es, der Handlung eine akzeptable "Atmosphäre" zu verleihen, wenngleich er mitunter etwas zu oberflächlich bleibt. Und wer erwartet, dass hier die Gelegenheit genutzt wird, die Zusammenarbeit eines deutschen Unternehmens mit den Machthabern des Dritten Reiches kritisch zu thematisieren, wird enttäuscht werden. Schade, da hätte man mehr draus machen können. So bleibt ein kurzweiliger, action-geladener Plot, der dennoch die belastende Situation kurz vor Kriegsende recht gelungen einfängt.

 

 

"Falls wir die Luftunterstützung bekommen und wenn unser Vorhaben nicht durchgesickert ist, dann haben wir eine Chance. Ich würde sagen, dass sie bei einer Millionen zu eins liegt. Also ich würde wetten!"

"Gegen uns?"

"Klar, ich bin doch nicht verrückt."

 

In Rückblenden zeigt sich recht eindrucksvoll, wie schleichend immer mehr Deutsche (hier vor allem Martin und Nikolas) in den Bann der neuen Machthaber hineingezogen werden. Mehr Kritik an der Rolle der IG Farben und weniger stereotype Charaktere (aus völlig harmlosem Polizist wird einmal mehr der "Retter der Nation"), dann wäre Wunderwaffe um einiges besser geworden. Aber vielleicht sollte es ja (nur) der Entwurf für ein Drehbuch eines Action-Krachers werden, der jetzt auf seine Verfilmung wartet. Dann hätte der noch junge Autor (Jahrgang 1983) seine Hausaufgaben allerdings prächtig gemacht. Sicher werden wir von Sebastian Thiel noch einiges lesen.

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