Valadas versinkende Gärten

Erschienen: Januar 2012

Bibliographische Angaben

  • dtv, 2012, Titel: 'Valadas versinkende Gärten', Originalausgabe

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Daniela Loisl
Dichtkunst, Intrigen und sexuelle Freizügigkeit

Buch-Rezension von Daniela Loisl Feb 2012

Cordoba im 11. Jahrhundert. Prinzessin Valada ist die letzte Nachfahrin der Omayaden, hat ein Vermögen geerbt und will Cordoba wieder zu dem machen, was es einst war: Das Zentrum von Kunst und Kultur, in dem der Moslem, Juden und auch Christen vereint, wenngleich nicht immer reibungsfrei, miteinander leben. Doch so einfach und auch naiv sich Valada das alles gedacht hat, ist dies bei Weitem nicht. Der von ihr gegründete Musenhof ist heftigen Anfeindungen ausgesetzt und Valada befindet sich bald mitten in einem gefährlichen Spiel um die Macht.

Lewin in Höchstform

Waldtraut Lewin hat in Valadas versinkende Gärten alle Register ihres Können gezogen. Wie von Lewin gewohnt, hat auch dieser historische Roman einen wahren Hintergrund und so hat die Autorin die von ihr gewohnt akribisch recherchierte Wahrheit gekonnt mit fiktiven Geschehnissen verwoben und ein äußerst spannendes Werk kreiert.

Dass Waldtraut Lewin mit Worten umgehen kann, zeigt sie in diesem Buch auf höchstem Niveau. Die gehobene – und so auch nicht immer einfach zu lesende – Sprache, bewirkt eine cineastische Darstellung Cordobas im Auslauf ihrer blühenden Bedeutsamkeit. Wie schon aus der Kurzbeschreibung zu entnehmen, ist Prinzessin Valada nicht nur eine Liebhaberin der Dichtkunst, sondern auch selbst hochbegabt.

Geballt kraftvolle Sprache

Wer bereits Bücher von Waldtraut Lewin gelesen hat, weiß, dass die Autorin es stets schafft, auch sprachlich zu überraschen. Da sie auch Bücher für Jugendliche schreibt, vermag sie ihre Werke ebenso leicht verständlich und flüssig zu lesen zu verfassen, wie auch anspruchsvoll und von hohem Niveau zu schreiben. Zeitlich angepasst, ohne Anachronismen und moderne Redewendungen, ist die Sprache dieses Romans bisweilen – der Protagonistin auf den Leib geschneidert - blumig und manchmal auch etwas pathetisch, aber dennoch von stets hohem Level, sodass anspruchsvolle Leser voll auf ihre Kosten kommen.

Lewin nimmt auch kein Blatt vor den Mund, wenn es um Zwischenmenschliches geht. So nennt sie die Dinge klar beim Namen und gibt auch Einblicke in das Liebesleben Valadas. Heikel ist dies insofern, als dass Valada auch intime Verhältnisse mit Frauen hat. Gerade hier zeigt sich das außerordentliche Fingerspitzengefühl der Autorin, da doch sehr persönliche Szenen nie aufgesetzt oder reißerisch gezeichnet sind, sondern stets dem gehobenen Anspruch der Erzählung entprechen.

Charaktervielfalt

Eine Besonderheit dieser Erzählung ist die stets wechselnde Perspektive. So erzählt Valada selbst ihre Sicht der Dinge und mitten im Gespräch schwenkt die Autorin auf Valadas Gegenüber und lässt den Leser an den Gedanken dieser Peron teilhaben. So ist man stiller Beobachter, weiß stets mehr als die Figuren, kennt ihre Motive und Ängste ebenso wie ihre Pläne und Vorlieben. Selten liest man Szenen so gekonnt vielfältig.
Sprache und Erzählstil werden aber noch von den vielschichtigen Charakteren ergänzt. Geht es in der Geschichte letztendlich auch um die Liebe, so sind die Figuren aber alles andere als stets liebe- oder gefühlvoll. Man trifft auf Egoisten und Machthungrige, auf Ehrbare und Empfindsame, auf Brutale und Gewissenlose und so mancher Darsteller ist gar schwer zu durchschauen.

Der Leser bekommt hier nicht einfach einen Roman zur reinen Unterhaltung, der sich im Eiltempo lesen lässt, sondern wird gefordert, sich selbst Gedanken über so allerhand Geschehnisse zu machen. Da das Buch auch Szenen enthält, die man vielleicht als widerwärtig bezeichnen kann, ist auch analytisches Denken gefordert, denn auch durch das Lesen zwischen den Zeilen wird sich einen so manch Ungeschriebenes erschließen.
Für Fans von Waldtraut Lewin ein Muss und jene, die die Autorin noch nicht kennen, eine Empfehlung.

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Letzte Kommentare:
11.06.2012 21:47:39
anath

Ein Buch, das ich unbedingt weiter empfehlen muß. Ich hatte mich vorher nie sonderlich mit dem Leben im maurischen Andalusien beschäftigt, irgendwie war meine Aufmerksamkeit auf Anderes gerichtet. Waldtraut Lewin hat sie mit einem regelrechten Paukenschlag auf dieses Stück Historie gelenkt.
Erzählt wird die Geschichte von Valada, der letzten Prinzessin aus dem Geschlecht der Omayaden. Die Omayaden galten als direkte Nachkommen des Propheten Mohammed und durften daher in Al Andalus ein Kalifat begründen. Sie pflegten Musik,Architektur und Literatur, häuften große Bibliotheken an und waren sicher auch keine idealen Herrscher. In der Zeit aber, in der Valada lebt, ist die Macht der Omayaden Vergangenheit, ihr Kalifat zerfallen und in den Straßen Cordobas hausen die streng gläubigen Berber und terrorisieren die Menschen. Mal ist das Judenviertel Ziel ihres Hasses, dann wieder "begnügen" sie sich damit, auf der Straße nach Frauen zu suchen, die noch spät unterwegs sind und diese zu bestrafen.
In dieser Atmosphäre aus Angst und Haß sehnen sich die Menschen zurück nach den Omayaden, nach einer starken Regierung, die die zerstörten Städte wieder aufbaut und dem Volk Ruhe , Frieden und die Freude am Leben zurück gibt. Und Valada sucht nach einem Überlebenden ihrer Familie, einem Mann, der mit ihr zusammen das Kalifat wieder errichtet. Sie, die vom Volk verehrte Prinzessin, lebt unberührt von den Grausamkeiten der Berber ihr Leben voll Musik und Dichtkunst, betreibt ihre Liebesschule, und kein strenggläubiger Wüstensohn wagt es , Prinzessin Valada direkt anzugreifen. Aber es gibt Menschen, die Valada wichtig sind und diese werden zum Ziel des Hasses.

Waldtraut Lewin greift zu einem erzählerischen Mittel, das sich auch schon in anderen Büchern bewährt hat, z.B. in "Federico". Sie läßt verschiedene Protagonisten Valadas Geschichte erzählen. Zu Wort kommen zwei junge Frauen, beide Dichterinnen und beide Geliebte Valadas. Ebenso zwei Männer, jeder auf seine Art verliebt in diese besondere Frau und jeder für sich bereit, bis zum Äußersten zu gehen um Valada für sich zu gewinnen. Und natürlich Valada selbst, die ihre Konflikte schildert, ihre Träume und Pläne. Vor den Augen des Lesers erstehen so verschiedene Lebenswelten :die der frechen Muhdja , die aus dem Viertel der armen Händler kommt, die des extrovertierten Egomanen Ibn Zaydun, der sich selbst für den größten Dichter überhaupt hält, die Welt der sensiblen Kasmuna im jüdischen Viertel und die des mächtigen Ministers Ibn Abdus. Sie alle treffen sich an einem Punkt : Valada.
Mit dieser Erzählweise malt die Autorin ein umfassendes Bild von der Zeit in der ihr Roman spielt und von den Menschen, die in dieser geschichte leben und sterben. Die Sprache ist kraftvoll und manchmal derb, die Schilderungen bunt und freizügig, brutal und ergreifend, es ist die wohl einzigartige Sprache von Waldtraut Lewin. Als Leserin fühlte ich mich sofort in diese Geschichte hinein gezogen, in den Bann geschlagen, und es fiel mir schwer, das Buch gelegentlich aus der Hand zu legen.

Ich kann nicht einschätzen, ob das Buch gut recherchiert ist, dazu weiß ich zu wenig über die historische Wallada bint al-Mustakfi und ihre Welt, über die auch im Internet nicht allzuviel zu finden ist. Allerdings vertraue ich hier auf die Autorin, die mich bisher in dieser Beziehung noch nie enttäuschte. Ich habe ein interessantes und teilweise wirklich ergreifendes Buch gelesen über eine sehr spannende Frau, die dank dieses Romans ein wenig aus dem Dunkel der Geschichte geholt wurde. Frau Lewin : Chapeau !