Die Feinde der Tuchhändlerin

Erschienen: Januar 2009

Bibliographische Angaben

  • Piper, 2009, Titel: 'Die Feinde der Tuchhändlerin', Originalausgabe

Couch-Wertung:

76

Leser-Wertung

-
Zum Bewerten, einfach Säule klicken.
1 50 100

Zum Bewerten, einfach Säule klicken.

Bitte bestätige - als Deine Wertung.

Gebe bitte nur eine Bewertung pro Buch ab, um die Ergebnisse nicht zu verfälschen. Danke!

0 x 91-100
1 x 81-90
0 x 71-80
0 x 61-70
0 x 51-60
0 x 41-50
0 x 31-40
0 x 21-30
0 x 11-20
0 x 1-10
B:86
V:0
W:{"1":0,"2":0,"3":0,"4":0,"5":0,"6":0,"7":0,"8":0,"9":0,"10":0,"11":0,"12":0,"13":0,"14":0,"15":0,"16":0,"17":0,"18":0,"19":0,"20":0,"21":0,"22":0,"23":0,"24":0,"25":0,"26":0,"27":0,"28":0,"29":0,"30":0,"31":0,"32":0,"33":0,"34":0,"35":0,"36":0,"37":0,"38":0,"39":0,"40":0,"41":0,"42":0,"43":0,"44":0,"45":0,"46":0,"47":0,"48":0,"49":0,"50":0,"51":0,"52":0,"53":0,"54":0,"55":0,"56":0,"57":0,"58":0,"59":0,"60":0,"61":0,"62":0,"63":0,"64":0,"65":0,"66":0,"67":0,"68":0,"69":0,"70":0,"71":0,"72":0,"73":0,"74":0,"75":0,"76":0,"77":0,"78":0,"79":0,"80":0,"81":0,"82":0,"83":0,"84":0,"85":0,"86":1,"87":0,"88":0,"89":0,"90":0,"91":0,"92":0,"93":0,"94":0,"95":0,"96":0,"97":0,"98":0,"99":0,"100":0}
Eva Schuster
Intrigen im mittelalterlichen Worms

Buch-Rezension von Eva Schuster Feb 2012

Kurzgefasst:

Worms, 1231. Die durchwachte Nacht hat tiefe Ringe unter die blauen Augen der jungen Tuchhändlerin Constanze gezeichnet. Etwas Schreckliches ist passiert: Ihre geliebte Schwester Marie ist verschwunden. Seit sie zum Hafen aufgebrochen ist, um dort Waren abzuholen, hat sich ihre Spur verloren. Mit Hilfe des Ritters Konrad, der ihr treu zur Seite steht, begibt Constanze sich auf die Suche. Und gerät dabei in höchste Lebensgefahr.

 

Worms im Jahr 1231: Vor drei Jahren starb der angesehene Tuchhändler und Ratsherr Richard Hohenau unter mysteriösen Umständen. Seine beiden jungen Töchter Constanze und Maria blieben als Waisen zurück. Es gelang Constanze jedoch, das Geschäft des Vaters weiterzuführen und das Ansehen sogar noch zu vergrößern. Nun aber erschüttert Constanze ein erneuter Schicksalsschlag: Ihre jüngere Schwester ist spurlos verschwunden. Tags zuvor brach die siebzehnjährige Maria mit einem Knecht zum Hafen auf, um eine neue Lieferung an Stoffen in Empfang zu nehmen - doch sie traf weder dort ein noch kehrte sie zurück.

Constanze ist überzeugt, dass Maria etwas zugestoßen ist und wendet sich an den Stadtvogt. Der allerdings scheint der Ansicht, dass Maria sicher mit einem Liebhaber davongelaufen ist. Die Wochen vergehen ohne ein Lebenszeichen der Schwester. Schließlich wird im Fluss eine tote Frau gefunden - und sie trägt Marias Kette um den Hals. Jetzt weiß Constanze, dass Maria in höchster Gefahr schwebt oder vielleicht schon längst tot ist. Hat Constanzes ehemaliger Verlobter etwas damit zu tun? Was hat es mit der Burg auf sich, auf der Maria angeblich gesehen wurde? Bald weiß die junge Frau nicht mehr, wem sie trauen kann - selbst höchste Ratsmitglieder scheinen in eine Verschwörung verwickelt zu sein. Nur der treue Ritter Konrad steht ihr zur Seite ...

Liebe und Intrige

Caren Benedikts Debütroman entführt die Leser in das mittelalterliche Worms und bietet dabei beste Unterhaltung. Die Hauptfigur Constanze ist eine sympathische junge Frau, mit der man sich gerne identifiziert. Der Tuchhandel ist ihre Welt, trotz ihres jungen Alters führt sie das Geschäft erfolgreich weiter und kennt sich hervorragend mit den unterschiedlichsten Stoffen und Schnittmustern aus. Mit dem Verschwinden ihrer Schwester gerät ihre Welt aus den Fugen. Sie ist überzeugt davon, dass Maria sie nie aus freien Stücken verlassen hätte - weder hatte die Siebzehnjährige einen Liebhaber noch gab es irgendwelche Streitigkeiten. Im Gegenteil, Maria liebte den Tuchhandel wie sie selbst und nichts deutete darauf hin, dass sie den Hof heimlich verlassen wollte. Constanze spürt aber bald, dass ihr von offizieller Seite Widerstand entgegen schlägt. Eigentlich sollte der Stadtvogt gründliche Ermittlungen einleiten, stattdessen begegnet er ihr herablassend und dreist. Auch unter den hohen Ratsherren scheint sie mehr als genug Feinde zu haben - ihr wurde nie verziehen, dass sie wider Erwarten den lukrativen Tuchhandel fortführen wollte und diesen Anspruch in einem Prozess durchsetzte. Die Handlung spart nicht mit Wendungen und teils drastischen Entwicklungen. Es geschehen mehrere Morde und die Verräter lauern überall. Die Spannung liegt zum einen lange Zeit in der Frage, was mit Marias geschehen ist - und zum anderen im zweiten Teil in der Frage, ob und wie Constanze es schafft, den Tuchhandel für sich zu behalten, der ihr durch perfide Intrigen entrissen werden soll. Interessant sind auch die kleinen Informationen zu juristischen Abläufen jener Zeit. Der Schreibstil ist angenehm flüssig, die Sprache der Figuren weder zu gestelzt noch zu modern. Längen gibt es keine, die Handlung schreitet stets schnell voran und hält sich nicht an ausladenden Schilderungen auf.

Gelungene Nebenfiguren

Constanzes ständiger Begleiter und Beschützer Konrad ist anfangs eine sehr geheimnisvolle Figur. Sie weiß wenig über ihn, nur dass er ihr treu ergeben ist und sie ihm vertrauen kann. Später offenbart sich, dass er eine bewegte Vergangenheit hinter sich hat und indirekt selbst ein Opfer der Verschwörung gegen seine Herrin ist. Allmählich entwickeln sich zwischen den beiden romantische Annäherungen, die aber nie plakativ in den Vordergrund treten. Sehr gelungen sind die beiden verwaisten Straßenjungen Albert und Cuno, die Constanze zufällig kennen lernt und die sie bei sich aufnimmt. Die beiden Jungen werden von ihr schon bald als kleine Brüder betrachtet und sorgen ein ums andere Mal für humorvolle Szenen. Eine Mitleid erregende Gestalt ist der Totengräber Tamme. Wie zur damaligen Zeit für Totengräber üblich, lebt er zurückgezogen und meidet die Gesellschaft, da es als unschicklich gilt, sich mit diesem Berufsstand abzugeben. Zusätzlich ist er durch eine schwere Gesichtsentstellung gestraft, aber sein kindliches Gemüt und seine sanfte Art sorgen dafür, dass er Constanzes Vertrauen gewinnt.

Geringe Schwächen

Ein wenig zu übertrieben erscheinen die Wendungen am Schluss, eine Figur zeigt plötzlich ein gänzlich anderes Gesicht. Das sorgt zwar für Dramatik, wirkt aber ein bisschen konstruiert und effektheischend und verhältnismäßig wenig realistisch. Auf der anderen Seite erhält Constanze von jemandem unerwartete Hilfe, die wiederum so großzügig ausfällt, dass sich einige Probleme zu leicht klären. Schön wäre zudem noch ein wenig mehr an Lokalkolorit gewesen, um das mittelalterliche Worms noch etwas deutlicher und detaillierter vor den Augen erscheinen zu lassen. Insgesamt fallen die Mängel aber gering aus - was bleibt, ist ein sehr unterhaltsamer und fesselnder Roman, souverän geschrieben und absolut empfehlenswert.

Die Feinde der Tuchhändlerin

Die Feinde der Tuchhändlerin

Deine Meinung zu »Die Feinde der Tuchhändlerin«

Hier kannst Du einen Kommentar zu diesem Buch schreiben. Wir freuen uns auf Deine Meinungen. Ein fairer, respektvoller Umgang sollte selbstverständlich sein. Danke!

Letzte Kommentare:
14.10.2014 14:27:38
LettersFromJuliet

Meine Meinung

Nachdem mir “Die Kerzenzieherin” und “Die Duftnäherin” von Caren Benedikt unglaublich gut gefallen haben und zu meinen Jahreshighlights 2013 zählten, wollte ich auch ihr Erstlingswerk lesen. Leider kam es nicht ganz an die anderen beiden Romane ran, es konnte mich nicht ganz so packen.

Wir haben es auch hier mit einer starken Protagonistin zu tun. Constanze ist selbstbewusst, sie weiß was sie will und kämpft dafür – eher ungewöhnlich für eine Frau aus dem Mittelalter. Sie war mir direkt sympathisch und ich finde es bewundernswert, dass sie nicht aufgibt, obwohl ihr böse mitgespielt wird.
Die anderen Charaktere kommen sehr lebendig rüber und man bekommt recht schnell mit wer auf welcher Seite steht.

Caren Benedikt hat einen tollen Schreibstil, der einem die Charaktere und die Stadt Worms (welche mich vorher überhaupt nicht interessiert hat) näher bringt. Man kann sich die alte Stadt sehr gut vorstellen und darf mit Constanze durch die Gassen spazieren. Die Autorin hat eine tolle Handlung konstruiert mit einer, für mich, sehr überraschenden Wendung. Gut, dass mich niemand beim Lesen sieht, denn ich muss ein ziemlich doofes Gesicht gemacht haben.

Wieso also keine 5 Sterne/Herzen? Dafür muss bei mir der Funke überspringen, dann will ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen und wenn ich nicht lese, muss ich ständig daran denken, dass ich ja weiterlesen will. Das war hier einfach nicht Fall. Es war spannend, gut durchdacht, mit tollen Charakteren und ich würde es definitiv nochmal lesen.

Fazit

Caren Benedikt entführt den Leser ins mittelalterliche Worms. Spannung, Verrat, Liebe, großartiger Schreibstil und tolle Charaktere bilden einen gelungenen Roman.

07.11.2012 16:33:16
tassieteufel

Worms 1231, seit vor einigen Jahren ihr Vater plötzlich verstarb, leitet die junge Constanze nun den väterlichen Tuchhandel. Das Geschäft blüht, da trifft Constanze erneut ein Schicksalsschlag. Ihre Schwester Maria, die mit einem Knecht zum Hafen aufgebrochen war, um dort Waren abzuholen, ist spurlos verschwunden. Constanze ist überzeugt, das ihrer Schwester etwas zugestoßen ist und wendet sich an den Stadtvogt. Der zeigt zunächst wenig Hilfsbereitschaft und Constanze ist auf sich allein gestellt mit ihren Nachforschungen. Hilfe erhält sie lediglich von Konrad, einem Ritter der in ihren Diensten steht. Als dann nach Wochen endlich Marias Leiche gefunden wird, ist das nur der Anfang einer Reihe von weiteren schrecklichen Ereignissen, denn scheinbar hat es jemand auf den Tuchhandel der jungen Frau abgesehen und Constanze gerät in eine üble Verschwörung und weiß schon bald nicht mehr, wem sie noch trauen kann.
Insgesamt ein kurzweiliges und sehr unterhaltsames Buch, das zwar vom Plot her von Anfang an fesselt, das aber leider doch diverse Schwächen hat. Da ist zunächst der historische Hintergrund, zwar werden verschiedene historische Eckdaten und Ereignisse benannt, aber letztendlich machen die keine stimmige Atmosphäre, hier hätte ich mir auf jeden Fall mehr Lokalkolorit gewünscht. Der Schreibstil der Autorin ist flüssig und flott zu lesen, teilweise aber echt einfach und in der Sprache auch modern.
Ohne Frage sind Constanze, Konrad, Cuno und Albert sehr liebenswerte Figuren, mit deren Schicksal, grade dem von Constanze ich mitgefiebert habe, aber sie sind eben auch recht anachronistisch für ihre Zeit, vor alle Constanze erschien mir eher als moderne Frau von heute als aus dem Mittelalter. Und natürlich sind die Personen sehr stark schwarz-weiß gezeichnet. Das tritt dann besonders deutlich bei Constanzes Gegenspielern Georg und Matthias Schoeffer zu Tage, so gut und edelmütig Constanze ist, so bösartig und hinterhältig ist die Gegenpartei, auch hier hätte ich mir doch etwas mehr Vielschichtigkeit gewünscht.
Sehr gelungen ist allerdings der Plot, hierfür hat die Autorin scheinbar ein besseres Händchen. Von Anfang an war ich gefesselt von der Geschichte, die Ereignisse kommen Schlag auf Schlag und es gibt immer mal wieder eine unerwartete Wendung und langweilig wird es nie, es fällt schwer das Buch aus der Hand zu legen, weil man immer wissen möchte, was nun wieder passiert. Grad als man dann aufatmet und denkt Constanze hat es nun endgültig geschafft, kommt es dann nochmal richtig dick. Das Ende wirkt freilich ein wenig arg überzogen, Constanze erhält recht unerwartete Hilfe von einer Person, die man eigentlich in der Gegenpartei vermutete und deren recht drastisches Handeln war für mich auch nicht so ganz nachvollziehbar.
Ich habe eine unterhaltsame, kurzweilige und leicht zu lesende Urlaubslektüre gesucht und die hab ich auch bekommen, nicht mehr und nicht weniger, von einem guten historischen Roman erwarte ich dann aber noch ein wenig mehr!

Fazit: als Leser bekommt man hier einen sehr spannenden Plot geboten, bei dem man ohne Frage mitfiebern kann, die Personen sind liebenswert, aber leider stark schwarz-weiß gezeichnet und auch der historische Hintergrund wäre noch ausbaufähig gewesen.

01.06.2012 15:22:38
arno

Hallo Caren, ich hab Deine Tuchhänlerin gelesen und sie hat mir ausserordentlich gut gefallen. Die Fehler die Dir im geschichtlichen Sinne unterlaufen sind hast Du alle wettgemacht durch Spannung und kurzweiliger Erzählung. Schon von der ersten Seite an war Spannung da, die sich durch den ganzen Roman zog.
Ich bin gespannt auf Deine Duftnäherin ( was wird das wohl sein?)

17.02.2012 14:51:12
Eliza08

Caren Benedikts Erstlingsroman ist ein wundervoller, kurzweiliger Roman, der seine Leser direkt von der ersten Seite in das Geschehen hineinzieht. Hauptfigur des Romans ist die junge Tuchhändlerin Constanze. Ihre jüngere Schwester Maria ist von einer Handelsreise nicht zurück gekehrt und Constanze macht sich große Sorgen um ihre Schwester, sie rechnet mit dem Schlimmsten. Ist ihre Schwester einer Räuberbande in die Hände gefallen? Als dann ihre Leiche aus dem Rhein gezogen wird, steht für Constanze fest, den Mörder ihrer Schwester zu finden. Ist vielleicht ihr ehemaliger Verlobter, der Apothekersohn Matthias Schoeffer, für das Unglück verantwortlich? Wollte er sich an Constanze rächen, da sie die Verlobung aufgelöst hat? Oder spielt ihre Tätigkeit als Tuchhändlerin die entscheidende Rolle? Missgönnt ihr jemand ihr erfolgreiches Geschäft? Besonders ihre männlichen Konkurrenten beäugen sie misstrauisch. Als dann ganz unerwartet Marias angeblicher Ehemann vor ihr steht, gerät ihre Welt ins Wanken und sie fragt sich, wem sie trauen kann und wer ein falsches Spiel spielt? Einzig auf ihren treuen Gefährten Konrad, einem Ritter, kann sie sich verlassen, doch auch er birgt ein Geheimnis in sich….
Besonders gut an dem Roman von Caren Benedikt haben mir die Figuren, allen voran Constanze gefallen. Sie wirken absolut lebensecht und mit viel Liebe gezeichnet. Man hat das Gefühl während des Romans eine Freundin zu gewinnen. Der Roman wird mit viel Tempo erzählt, sodass es niemals langweilig wird und man das Buch eigentlich gar nicht aus der Hand legen will. Ein meiner Meinung nach überaus spannender historischer (Kriminal-)Roman. Der zwar in der historischen Darstellung noch ein paar Schwächen hat (ich hätte gerne noch mehr über die Geschichte der Stadt Worms erfahren), dies macht aber die stringente und überzeuge Erzählweise allemal wett. Ich wünsche diesem Buch noch viele Leser und Leserinnen, denn dieser Erstling hat es verdient :-)