Und sie reisten ohne Straßen

Erschienen: Januar 2009

Bibliographische Angaben

  • Triga, 2009, Titel: 'Und sie reisten ohne Straßen', Originalausgabe

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Rita Dell'Agnese
Episoden aus der Nachkriegszeit

Buch-Rezension von Rita Dell'Agnese Feb 2012

Es ist ein wichtiges Thema, dem sich Autor Heinz Dörsch mit seinem Roman Und sie reisten ohne Straßen annimmt. Anhand seiner Figuren macht er die chaotischen Verhältnisse in den letzten Kriegstagen und den ersten Nachkriegsjahren deutlich. Und zwar aus verschiedenster Perspektive. Dazu nutzt Dörsch auch sehr unterschiedliche Charaktere: Der Einstieg mit dem KZ-Häftling Hugo Raiser, der wie andere Blockältesten von seinen Mithäftlingen kurz vor dem Ende der KZs vor dem Zugriff der Waffen-SS versteckt wird und nur Tage später dem Grauen des KZs entkommen kann, verdeutlicht, was Heinz Dörsch mit seinem Werk sagen will. Durch seine Schilderung wird sichtbar, was im Verborgenen geschehen ist, während das Dritte Reich in sich zusammenbrach und der Krieg durch die Alliierten beendet werden konnte. Neben Hugo Raiser sind Frontsoldat Hänschen Kleinert oder auch er geschickt agierende Harry Kiepe, der sich durch allerlei Unangenehmes mogeln kann, wichtige Figuren im Reigen der Charaktere. Dörsch wirft einen kurzen Blick auf ihr Leben, beschreibt die Persönlichkeiten um sie herum und versucht, ihre Denkweise an den Tag zu bringen und so ihre Handlungen erklärbar zu machen.

Kein rundes Leseerlebnis

Heinz Dörsch fordert nicht nur seine Figuren bis aufs Letzte, er tut dies auch mit den Leserinnen und Lesern. Sein Roman ist kein rundes Leseerlebnis. Dazu gibt es zu viele Brüche, zu oft ein Szenenwechsel, wo das bisherige noch nicht klar geworden ist und zu manche Figur, die durch ein abruptes Vorgehen den Fluss der Geschichte empfindlich stört. So muss der Leser den Roman als das sehen, als der er im letzten Satz auf der Buchrückseite bezeichnet wird: Als einen Episoden-Roman. Dass das nicht dazu beiträgt, in die Geschichte zu versinken und sich mit den handelnden Figuren zu identifizieren, nimmt der Autor dabei in Kauf. Er reiht die verschiedenen Schicksale aneinander, spielt mit Begegnungen, lässt den Leser aber immer wieder mit diesen Situationen alleine. Dadurch müsste an sich die Phantasie der Leser angeregt werden - doch hier ist das Gegenteil der Fall. Es stellt sich eine leichte Ermüdung ein, man mag sich mit dem Thema nicht zu stark mehr beschäftigen und zieht mit dem Autor weiter in die nächste Szene.

Moderne Sprache

Nicht zum Thema passen will die Sprache, mit der Heinz Dörsch seine Leser konfrontiert. Sie ist sehr modern, kann sich kaum der beschriebenen Epoche zuwenden und gleitet immer wieder ab in einen Slang, der etwas bemüht wirkt. Da kann auch die Anlehnung an die verschiedenen Dialekte seiner Protagonisten nichts wett machen: Sprachlich passen Epoche und Roman nicht so recht zusammen. Was anfänglich nur am Rande auffällt, wird nach und nach störend. Der Slang ist eine weitere Hürde, mit der man sich konfrontiert sieht, will man sich tatsächlich auf den Roman einlassen. Die größte Hürde aber ist wohl, dass Heinz Dörsch bei diesem Werk vor allem seine eigenen Empfindungen aufarbeiten will. Damit verliert er die Distanz zum Geschriebenen und präsentiert quasi einen Insider-Roman. Bei vielen Szenen und Details wird sich dem Leser die Tragweite der Erzählung nur dann erschließen, wenn er erstens mit der geschilderten Region vertraut ist und zweitens auch schon öfters Erzählungen von direkt Betroffenen gelauscht hat.

Viel zu sagen

Es ist unbestreitbar, dass Heinz Dörsch eine interessante Geschichte zu erzählen hätte, die in einem Roman gut untergebracht wäre. Doch wäre es Und sie reisten ohne Straße zuträglich gewesen, einen kritischen Berater beizuziehen, der die eigentliche Perspektive vom ganz persönlichen Erlebnis auf die Ebene des für alle Leser Verständlichen verschoben hätte. So bleibt der Roman ein Geheimtipp für Menschen, die ein ähnliches Schicksal erlebt haben wie Heinz Dörsch oder seine Romanfiguren - und die mit der beschriebenen Region vertraut sind. Zudem müssen sie eine relativ dicke Haut haben, was dozierende Erzähl-Elemente anbelangt. Denn damit werden sie über den ganzen Roman hinweg regelmäßig konfrontiert.

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