Im Land der gefiederten Schlange

Erschienen: Januar 2012

Bibliographische Angaben

  • Droemer-Knaur, 2012, Titel: 'Im Land der gefiederten Schlange', Originalausgabe

Couch-Wertung:

92
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Rita Dell'Agnese
Viel mehr als nur ein Auswanderer-Roman

Rezension von Rita Dell'Agnese Feb 2012

Kurzgefasst:

Voller Hoffnung wandert die Familie der jungen Katharina in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts nach Mexiko aus, um sich dort ein neues Leben aufzubauen. Doch Mexiko ist nicht das Land, in dem Milch und Honig fließen, und Heimweh und die schwierigen Lebensbedingungen machen ihren Verwandten das Einleben schwer. Katharina jedoch ist fasziniert von diesem Land, vor allem von dem jungen Benito, der sie in die Sagenwelt seiner Vorfahren einführt, in der er noch tief verwurzelt ist. Katharina, die nach Sicherheit und Geborgenheit sucht, beneidet Benito um dieses Zugehörigkeitsgefühl - vor allem da ein dunkles Geheimnis um ihre Herkunft sie zutiefst verstört...

 

Katharina Lutenburg wächst Mitte des 19. Jahrhunderts als Tochter einer deutschen Auswanderer-Familie in Vera Cruz auf. Während es ihr Vater dank seines Geschicks zu Wohlstand gebracht hat, kämpfen andere Zweige der Familie um ihre Existenz. Allen von der älteren Generation aber ist etwas gemein: Sie träumen davon, in ihre Heimat Deutschland zurückkehren zu können. Anders Katharina. Sie ist ein Kind Mexikos und lehnt sich schon früh gegen die Klassenunterschiede von Weißen, Mulatten und Indios auf. Ihre Liebe gilt schon früh dem Eingeborenen Benito, der auf dem Lutenburg-Anwesen als Pferdeknecht arbeitet. Auch Benito kann sich dem quirligen Wesen Katharinas nicht verschließen und als das Mädchen zur Frau heranwächst, wandelt sich auch die kindliche Verehrung in gegenseitige tiefe Liebe. Doch damit verstoßen die beiden gegen das ungeschriebene Gesetz der Rassentrennung. Inmitten des politischen Umsturzes im Land versuchen Katharina und Benito für sich einen Weg zu finden - ungeachtet der Konsequenzen. Für Katharina ändert sich allerdings alles, als sie erfährt, dass sich um ihre Herkunft ein dunkles Geheimnis rankt.

Was ist Heimat?

Carmen Lobato legt keinen klassischen Auswanderer-Roman vor. Ihre Geschichte legt den Schwerpunkt auf die zweite Generation der Auswanderer-Familie. Die jungen Leute haben sich in Vera Cruz teilweise assimiliert und teilen den Wunsch ihrer Eltern zur Rückkehr nach Deutschland nur begrenzt. Diesen Generationenkonflikt, der aufgrund der gesellschaftlichen Konventionen allerdings nicht offen ausgetragen wird, nimmt die Autorin als Grundlage, auf der die Familiengeschichte aufgebaut ist. Die jungen Männer und Frauen - bei denen der besondere Fokus auf Katharina liegt - gehen ihre eigenen Wege und versuchen, sich einen Platz zwischen den beiden Welten zu schaffen. Teilweise gehen sie sehr pragmatisch vor, teilweise schwingt eine ordentliche Portion Rebellion mit. Damit stellt die Autorin die Frage in den Raum, was denn nun Heimat tatsächlich ist. Besondere Brisanz erhält diese Frage durch die Einsetzung des Habsburgers Maximilian als Kaiser von Mexiko. Heftig toben die Kriege, Vera Cruz wird von Kämpfen und Blockaden erschüttert. Verschiedenste Interessenvertreter versuchen, Mexiko für sich zu beanspruchen.

Komplexer Aufbau

Im Land der gefiederten Schlange will erarbeitet werden. Es ist zwar ein sehr sensibel geschriebener und vielschichtiger Roman, doch der komplexe Aufbau stellt auch Ansprüche an die Leserinnen und Leser. So wird weit mehr vermittelt, als nur eine Familiensaga, bei der sich die einzelnen Protagonisten ihren Platz im Leben erkämpfen müssen. Es wird die Geschichte Mexikos in der Zeit zwischen 1830 und 1867 erzählt. Eines Mexikos, das unter den verschiedenen Gebiets-Ansprüchen stöhnt und leidet. Erzählt wird aber auch von der Geschichte der Eingeborenen. Von ihren Göttern und ihren Dämonen. Diese Mischung übt einen eigenen Zauber aus und macht den Roman zu einem intensiven und faszinierenden Erlebnis, das weit über das Mittelmaß dieses Genres hinaus geht.

Durch seine Vielschichtigkeit und den Anspruch, ein Stück Geschichte zu vermitteln, ist der Roman allerdings nicht ganz einfach zu lesen. Er löst zwar Emotionen aus, verlangt aber auch Durchhaltewillen und die Bereitschaft, sich mit den politischen Verhältnissen ebenso auseinander zu setzen, wie etwa mit der Liebes- und Familiengeschichte. Für Leserinnen, die vor allem einen netten Auswanderer-Roman zur Zerstreuung gesucht haben, dürfte Carmen Lobatos Im Land der gefiederten Schlange nicht das Passende sein. Wer hingegen einen historischen Roman auf hohem Niveau sucht, wird hier auf jeder Ebene gut bedient.

 

Im Land der gefiederten Schlange

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