Die Signora

Erschienen: Januar 2006

Bibliographische Angaben

  • Aufbau, 1998, Titel: 'L'arte della gioia', Originalausgabe

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Rita Dell'Agnese
Starkes Frauenportrait vor dem Hintergrund des Faschismus

Buch-Rezension von Rita Dell'Agnese Jan 2012

Kurzgefasst:

Sizilien im Zweiten Weltkrieg. Aus größter Armut an die Spitze eines sizilianischen Adelsgeschlechts aufgestiegen, versucht Modesta gegen alle Widerstände ihren Traum von Freiheit und Glück zu leben: gegen die verkrusteten Traditionen der patriarchalischen Gesellschaft, die allgegenwärtige Gewalt der faschistischen Staatsmacht, vor allem aber gegen die Barrieren in den Köpfen. Unbeirrbar in dem Wunsch, das Leben mit jeder Faser auszukosten, stürzt sie sich in eine neue Leidenschaft für die geheimnisvolle Joyce, erlebt politische Verfolgung, Exil, Entbehrung, aber auch unverbrüchliche Treue. Derweil wachsen ihre Schützlinge, Kinder ihres zusammengewürfelten Adelsgeschlechts, heran und ringen in einer Zeit erbitterter ideologischer Auseinandersetzungen um ihre eigenen Werte, ihren Platz im Leben. Bald meinen sie, Modesta zum alten Eisen rechnen zu können, und ahnen nicht, wie gründlich sie sich täuschen.

 

Wie eine dunkle Wolke stülpt sich in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts der Faschismus über Italien. Zunächst scheint Sizilien nur am Rande davon betroffen. Doch Modesta, die Fürstin, die dem Hause Brandiforti vorsteht, spürt, wie sich die Welt zu verändern beginnt. Mit Sorge beobachtet sie die Entwicklung in ihrer nächsten Umgebung. Selbst ihre Kinder scheinen von der um sich greifenden, politischen Propaganda nicht unbeeindruckt. Mitten in diese aufwühlende politische Zeit platzt die geheimnisvolle Fremde Joyce. Modesta kann sich ihrer Ausstrahlung nicht entziehen und verfällt Joyce immer mehr. Diese versucht, ihre so starke Freundin zu manipulieren, muss dann aber erkennen, dass sie gegen Modestas Freiheitsdrang nichts ausrichten kann. Doch da wird Modesta als Staatsfeindin verhaftet.

Jedes Wort ist überlegt

Von der Leichtigkeit des italienischen Lebens ist dieser Roman weit entfernt. Nicht nur, weil er eines der düstersten Kapitel in der italienischen Geschichte beleuchtet. Goliarda Sapienza hat mehrere Jahre an ihrem einzigen Roman geschrieben, der letztlich in zwei Teilen erschienen ist - Die Signora ist der zweite Teil. Diese lange Entwicklungszeit ist sowohl in der ausgefeilten Sprache als auch im Aufbau des Romans zu spüren. Es scheint, als hätte die Autorin um jeden Satz gerungen, sich jedes Wort überlegt. So liest sich der Roman denn auch nicht ganz so leicht und flüssig, wie man sich dies wünschen würde. Die Geschichte will vom Leser her ebenso erarbeitet werden, wie sie es von der Autorin wurde.

Starke Bilder

Goliarda Sapienza verwendet starke Bilder, um ihrem Roman eine Dreidimensionalität zu verleihen. Ob es nun die Beschreibung der Atmosphäre auf dem heruntergekommenen Sitz der Brandiforti ist oder die Schilderung des Schreckens in der Zelle: Immer schafft es die Autorin, ihre Leser an diese Orte mitzunehmen und sie die Beklemmung der Situation spüren zu lassen. Doch sind es nicht nur düstere Assoziationen, die die Autorin auslöst. Sie versteht es sehr gut, die Wucht des freien Denkens einzubauen und den Lesern das Gefühl zu geben, Teil einer Gesellschaft zu sein, die den Faschismus und dessen Machtträger durchschaut und ihm ihre Intelligenz entgegen setzen kann.

Modernes Denken

Äußerst bemerkenswert ist die moderne Denkart, die Goliarda Sapienza an den Tag legt. Sie lässt ihre Protagonistin Modesta gleichermaßen Männer wie Frauen lieben - ein Umstand, der in Italien auch heute noch die Gemüter vieler erregen dürfte. Und sie setzt dem Faschismus nicht etwa die - in Sizilien noch stärker als anderswo - verwurzelte Religiosität entgegen sondern den Glauben an Selbstbestimmung. Eine Selbstbestimmung, die gleichermaßen für Frauen wie für Männer gilt. Und damit schreibt sie der freiheitsliebenden Modesta eine starke Persönlichkeit auf den Leib. Dass die Fürstin trotz allem von Gefühlen geleitet ist und sich immer wieder auch schwach fühlt, verstärkt das starke Bild, das die Autorin zeichnet.

Beide Romane lesen

Obwohl es ohne weiteres möglich ist, gleich mit Die Signora einzusteigen, empfiehlt es sich, zunächst In den Himmel stürzen zu lesen, um sich mit den handelnden Personen vertraut zu machen. Dies dürfte den Genuss noch steigern. Grundsätzlich präsentiert die Autorin mit ihren beiden Romanen aber ein Werk, das all jene, die sich mit der politischen Entwicklung rund um die Weltkriege befassen, interessieren dürfte. Denn nebst der Familiengeschichte ist es vor allem der direkte Blick auf die politischen Ereignisse, die Die Signora zu einer historischen Perle machen.

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