Wen die Götter lieben

  • Lübbe
  • Erschienen: Januar 2012
  • 1
  • Lübbe, 2010, Titel: 'The Philosopher Prince', Originalausgabe
Wen die Götter lieben
Wen die Götter lieben
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Eva Schuster
671001

Histo-Couch Rezension vonJan 2012

Heidentum gegen Christentum

Kurzgefasst:

Wir schreiben das Jahr 355 nach Christus. Das römische Reich hat längst den Höhepunkt seiner Macht überschritten. In einer Welt ehrgeiziger Beamter und machthungriger Priester ist Drusus, der immer noch an die alten Götter glaubt, in Ungnade gefallen. Gemeinsam mit seinem Freund Marcellus nimmt er den Kampf gegen den korrupten Staat auf. Ihr einziger Verbündeter ist der junge Julian - Philosoph, Statthalter in Germanien und Neffe des blutrünstigen Kaisers Constantius. Mit einem Heer treuer Verbündeter plant er die Rebellion.

 

Im Jahr 355 nach Christus: Der junge Drusus und sein Geliebter und Freund Marcellus finden immer noch keine Ruhe. Erst stirbt Aquinus, Marcellus' Großvater, dann geraten die beiden in Gefangenschaft. Der finstere Notar Paulus wurde nach seiner Entmachtung wieder zurück ins Amt versetzt. Das nutzt er, um die beiden verhassten jungen Männer verhaften zu lassen.

Die beiden werden nach Paris gebracht und von Eutherius empfangen, der im Dienst des Kaisers steht. Zu ihrer Überraschung aber behandelt Eutherius sie nicht als Gefangene. Stattdessen will er sie im Winter Cäsar Julian vorstellen, der von seinem Cousin, dem Kaiser Constantius, zum Stellvertreter im Westen ernannt wurde.

Nach einem unerwartet eindrucksvollen Sieg über die Barbaren hält Julian in Paris Einzug. Durch einen Zufall macht Drusus früher als gedacht seine Bekanntschaft. Genau wie Drusus und Marcellus ist auch Julian noch ein Anhänger der alten Götter, während das Christentum unter Kaiser Constantius immer weiter fortschreitet. Die beiden Freunde werden seine Verbündeten in einer Rebellion gegen den korrupten Staat ...

Der Philosoph unter den Kaisern

Wen die Götter lieben schließt nahtlos an den Vorgängerband Wer trauert um Apoll an. Drusus und Marcellus, die engen Freunde und Liebenden, finden noch lang keine Ruhe, sondern werden weiterhin in den Kampf zwischen den letzten Anhängern des Heidentums gegen das sich ausbreitende Christentum hineingezogen. Der Anfang des Romans ist noch etwas behäbig und mitunter gestelzt. Das ändert sich rasch, nachdem Drusus Caesar Julian kennen lernt, der zu den interessantesten Gestalten des Romans gehört. Der philosophisch sehr versierte Julian, der mehr als jeder andere Kaiser eine Fülle an Schriften hinterlassen hat, steht für das letzte Aufbäumen des Heidentums gegen das Christentum. Die Bewertung seines Schaffens schwankt stark zwischen Idealisierung und Verteufelung. Paul Waters zeichnet ein durchaus vielschichtiges Bild von seiner Person, insgesamt aber dominiert bei ihm eindeutig die positive Darstellung. Julian erscheint dem Leser als nachdenklicher, bescheidener, etwas schüchterner und sehr intelligenter Mann, der bereits in jungen Jahren Großes leistete und später von der Kirche gebrandmarkt wurde. Schon allein das ungewöhnliche Kennenlernen zwischen Julian und Drusus macht den Cäsar sympathisch und nimmt den Leser direkt für ihn ein. Die Zeit des Umbruchs, die militärischen Aktionen, das Leben im Heer und das komplizierte Beziehungsgeflecht zwischen Julian und Kaiser Constantius sind sorgfältig recherchiert. Gewisse Vorkenntnisse über jene Epoche sind nützlich, denn allzu sehr geht der Autor nicht ins Detail und auch der Anhang geht nicht ausführlich auf die damalige Situation ein.

Schwächen bei den Nebenfiguren

Auch das Verhältnis zwischen Drusus und Marcellus ist interessant. Die beiden lieben sich, allerdings gibt es eine junge Frau, die Marcellus nachstellt und sich die Ehe von ihm erhofft, Drusus wiederum lässt sich von einer Barbarin verführen und da die beiden in getrennten Einheiten kämpfen, gibt es auch bange Momente, dass man den anderen vielleicht nicht wieder sieht. Weniger überzeugend sind die gegnerischen Gestalten geworden. Die schlechten Charaktere sind einfach nur böse und intrigant, vor allem der Präfekt Florentius, der auch gegen Julian intrigiert. Es mangelt an interessanten und zugleich zwiespältigen Figuren, die der Leser nicht sofort als durch und durch schlecht einstuft. Generell vermisst man Entwicklungen bei den Charakteren und im Grunde geht nur Julians Schicksal wirklich nah.

Zur Ausstattung gehören eine Karte des Römischen Reiches um das Jahr 360 nach Christus sowie eine vereinfachte Darstellung des Konstantinischen Herrscherhauses. Schön wäre allerdings auch noch eine Auflistung der Dramatis Personae gewesen, damit der Leser nicht Gefahr läuft, mit den doch teilweise recht außergewöhnlichen Namen durcheinander zu kommen.

Insgesamt liegt mit Wen die Götter lieben ein solider Roman zur Spätantike vor, der sich vor allem an Leser des Vorgängers Wer trauert um Apoll richtet. Der Roman unterhält grundsätzlich gut und gibt interessante Einblicke in das Leben des späteren Kaisers Julian, allerdings kommt die Entwicklung der restlichen Figuren etwas zu kurz.

Wen die Götter lieben

Paul Waters, Lübbe

Wen die Götter lieben

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