Die Heilerin des Sultans

Erschienen: Januar 2012

Bibliographische Angaben

  • , 2012, Titel: 'Die Heilerin des Sultans', Originalausgabe

Couch-Wertung:

84
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Daniela Loisl
 Rundum gelungener dritter Teil der Katzenstein-Saga

Rezension von Daniela Loisl Jan 2012

Ulm um 1400. Der 15jährige Falk von Katzenstein hat seine Eltern bei einem Brand verloren und kehrt zurück nach Ulm. Durch einen – scheinbaren - Zufall trifft er auf einen älteren Ritter, der sich als sein Onkel Otto von Katzenstein entpuppt. Falk, der auch die Pferdezucht seines Vaters geerbt hat, wird von seinem Onkel überredet, mit ihm in den Orient zu reisen, um feurige und elegante Pferde für seine Zucht zu erstehen. Lutz, schon engster Vertrauter und Verwalter des Besitzes seines Vaters, und auch Falk innig zugetan, warnt diesen eindringlich vor dieser Reise, traut er Otto doch nicht über dem Weg. Der Jungspund jedoch schlägt alle Warnungen in den Wind und bricht mit seinem Onkel auf in die Ferne, nicht ahnend, welch schwere Prüfung in erwarten wird – und zu welch überschwänglichen Gefühlen er fähig ist, als er der Osmanin Sapphira begegnet…

Bildreich dargestellte Schauplätze

Dass Silvia Stolzenburg mittlerweile Erfahrung im Schreiben gesammelt hat, ist bei diesem Buch von Beginn an spürbar. Kam der zweite Band doch eher flach und vor allem sehr klischeehaft daher, bekommt der Leser mit dem letzten Teil der Trilogie zwar vorhersehbare, aber dennoch spannende und kurzweilige Unterhaltung geboten.  

Der Leser ahnt schnell, dass die Reise für den Protagonisten nicht gut verlaufen wird, aber durch Detailreichtum der einzelnen Stationen bis zum Ziel Venedig, kommen nie Längen auf. Glaubwürdig, bunt und facettenreich erzählt Stolzenburg, wie die beiden so unterschiedlichen Verwandten von Ulm nach Venedig reisen und unterwegs auch so einige Abenteuer zu bestehen haben.

In einem zweiten Erzählstrang, der in der heutigen Türkei spielt, bekommt man Einblick in das Leben der jungen Sapphira, die ausgewählt wird, ihr Leben im Harem des Sultans zu verbringen. Sapphira wird als Heilerin ausgebildet und bekommt so auch die grausamen Schattenseiten zu sehen, wenn der Sultan seine Soldaten in den Krieg schickt oder diese für ein scheinbar geringes Vergehen bestrafen lässt. Auch die Intrigen am Hof, speziell unter den Frauen, die um die Gunst des Sultans buhlen, verfolgt man mit Spannung.

Hier werden interessante Einblicke in die ganz eigene Welt eines riesigen Palastes gewährt, die eine sehr konträre, aber auch willkommene Abwechslung zu Falks Erlebnissen bildet. Auch stellen sich die Erlebnisse Sapphiras viel innovativer dar als die Falks, da man bei ihm stets ahnt, worauf alles hinausläuft.

So ergänzen sich die beiden Erzählstränge wunderbar, bieten Abwechslung und halten den Spannungsbogen straff.

Kein Vertrauen in den Leser?

Warum die Autorin die damalige Bezeichnung Osmanen gegen Türken ausgetauscht hat, lässt sich nicht schlüssig nachvollziehen. Es drängt sich die Frage auf, ob die Autorin ihren Leser nicht zutraut, zeitlich richtige Bezeichnungen auch einzuordnen. Dies ist mitunter, wie auch ihre Vorliebe Historisches, wie den Bau des Ulmer Doms zeitlich einfach zu verschieben, obwohl es für den Leser keine wirkliche Erklärung dafür gibt, ein Wermutstropfen in Stolzenburgs Büchern. Dass ein Autor historischer Romane natürlich das Recht hat, sich gewisse "Freiheiten" zu nehmen, gewisse Dinge so anzupassen, dass dies für seine Geschichte passt, ist verständlich. Wenn sich aber kein notwendiger Grund dafür entdecken lässt, empfindet man dies doch eher als störend.

Gefühlvoll, aber nicht kitschig

Dass sich Falk und Sapphira kennen und lieben lernen, liegt auf der Hand. Diese Episode hat Stolzenburg mit sehr viel Feingefühl und somit auch nachvollziehbar dargestellt. Die Begegnung der beiden verläuft weder plump noch aufgesetzt. Atmosphärisch dicht und innig, stellt sie die wachsende Beziehung zwischen den beiden jungen Leuten dar und man hofft und bangt mit ihnen, ob sie einen gemeinsamen Weg für die Zukunft finden können.

Der flüssig und spannend geschriebene Roman bietet ohne Zweifel kurzweilige und vergnügliche Stunden. So viel Liebe zum Detail Stolzenburg bei der Reise Falks in den Orient aufgewendet hat, so abrupt jedoch setzt sie letztendlich aber den Schluss der Geschichte. Diesen empfindet man im Gegensatz zu der so schön ausgeschmückten, umfangreichen und auch nuancierten Erzählung einfach als überhastet und hat auch das Gefühl, um einige schöne Episoden betrogen worden zu sein.

Dennoch ist dieser dritte Band ein  schöner und lesenswerter Abschluss dieser Trilogie. Wer vergnügliche und stimmungsvolle Ablenkung sucht, wird mit diesem Buch genau das richtige finden.

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