Der Rabe und die Göttin

Erschienen: Januar 2012

Bibliographische Angaben

  • Goldmann, 2012, Titel: 'Der Rabe und die Göttin', Originalausgabe

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Rita Dell'Agnese
Guter Einblick in das Leben der Wikinger

Buch-Rezension von Rita Dell'Agnese Jan 2012

Kurzgefasst:

Ende des 9. Jahrhunderts: Der Wikinger Rodegang will für seine 16-jährige Tochter Frygdis einen Mann finden. Aber Frygdis hat ihr Herz schon verloren - an den stolzen Havenar, Sohn eines mächtigen Stammesfürsten. Doch Havenars Vater ist gegen die Verbindung. Und so wird Frygdis mit einem anderen Mann vermählt. Jahre später begegnen sich Havenar und Frygdis inmitten der Machtkämpfe um das dänische Königtum wieder, in dem ihre Sippen auf unterschiedlichen Seiten stehen. Sie wagen ein leidenschaftliches heimliches Glück, das sie jedoch in höchste Gefahr bringt...

 

Ausgerechnet in Frygdis musste sich Heißsporn Havenar verlieben. Die Tochter des wohlhabenden Händlers Rodegang ist aber nicht für den Sohn des bedeutenden Jarls Hademut vorgesehen: Sie soll den verschlagenen Olof heiraten. Havenar betäubt seine Enttäuschung mit verwegenen Seereisen und erwirbt sich den Ruf, ein Liebling der Götter und dadurch nahezu unverwundbar zu sein. Als sich Havenar und Frygdis erneut begegnen, kochen die Gefühle hoch. Die beiden können sich der gegenseitigen Anziehungskraft nicht entziehen, was ihre verfeindeten Sippen zusätzlich gegeneinander aufbringt. Für Havenar und Frygdis beginnt eine harte Zeit. Denn nicht nur die Jarle und ihre Sippen sind ins zahlreiche Konflikte verwickelt, auch die beiden Könige, die sich um die Vorherrschaft im dänischen Reich streiten, sind für blutige Auseinandersetzungen verantwortlich.

Das Leben in den Siedlungen

Die Autorin Martha Sophie Marcus hat sich mit ihrem im 9. Jahrhundert angesiedelten Roman kein einfaches Thema ausgesucht. Sie kann sich nicht nur auf die eigentliche Handlung beschränken sondern muss mit großem Feingefühl in die Lebensweise der Wikinger-Sippen einführen, um die Handlungsweise der Protagonisten verständlich zu machen. Dies gelingt ihr letztlich ausgezeichnet, auch wenn gerade Havenar für heutige Begriffe nicht über jeden Zweifel erhaben ist. Der Sohn des mächtigen Hademut steht plötzlich vor der Aufgabe, nicht mehr als mutiger Krieger und geschickter Handelsmann in See stechen zu können, sondern vor der Verpflichtung steht, die Versorgung und Sicherheit seiner Sippe zu garantieren. Dabei stehen ihm zwar seine halbwüchsigen Söhne zur Seite, doch fehlt ihnen der Weitblick eines souveränen Jarls. Für die Sippe brechen schwere Zeiten an.

Pendeln zwischen hart und weich

Martha Sophie Marcus spielt mit den Emotionen ihres Publikums. Sie pendelt mit ihrer Saga zwischen harten und weichen Momenten, lässt Kriegsschauer ebenso zu wie Menschlichkeit. Dadurch gewinnt der Roman eine unwiderstehliche Tiefe: Zwar ist die Liebesgeschichte zwischen Frygdis und Havenar von zentraler Bedeutung, doch ist sie nicht die eigentliche Basis der Geschichte. Denn diese liegt wesentlich tiefer verwurzelt - im Umgang der Menschen miteinander. Menschen, die sich über Jahrzehnte an klar umrissene gesellschaftliche Normen gehalten haben, die sich plötzlich im Nichts auflösen. Diese Situation kommt im Roman sehr gut zum Ausdruck, ebenso, wie die Menschen ohne ihre Normen zu Willkür und Gewalt neigen.

Liebenswürdige Protagonisten

Der Liebling der Göttin, Havenar, wird zu Beginn der Saga als ungestümer junger Mann geschildert, der an seiner verbotenen Liebe zu Frygdis zwar wächst, aber auch beinahe an ihr zerbricht. Dadurch bekommt der frauenverschlingende Berserker eine durch und durch menschliche Komponente, die ihn zu einem Helden mit Ecken und Kanten macht. Ebenso Frygdis, die auf den ersten Blick eine verwöhnte und naive Händlerstochter gibt, sich dann aber als kluge und gebildete Frau herausstellt, die auch in schwierigen Situationen zumeist einen kühlen Kopf bewahrt. So mag man dem Paar seine Liebe gönnen, selbst wenn man eigentlich kein Freund von innigen Gefühlen ist.

Ausgereifter Roman

Martha Sophie Marcus legt mit der Wikinger-Saga Der Rabe und die Göttin einen absolut gelungenen historischen Roman vor, der durch eine klare Sprache, eine humorvolle Note und eine feinfühlige Dramaturgie besticht. Man würde sich mehr solche Romane wünschen, die sich klar von der breiten Masse abheben. Einzig die Einbindung der Götter in die Saga ist eine zwar nette Idee, für den Roman aber weder von entscheidender Bedeutung noch ein bereicherndes Detail. Angesichts der über 700 Seiten, die der Roman umfasst, hätte man auf diesen Part problemlos verzichten können.

Einen echten Service bieten die Übersichtskarte, das Glossar, das Nachwort und das umfangreiche Personenregister mit Stammbaumzeichnung, das die Zuordnung der einzelnen Protagonisten erleichtert.

Der Rabe und die Göttin

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Letzte Kommentare:
17.09.2015 11:15:23
daniel

Ich höre es mir als Hörbuch auf meinem Weg zur Arbeit an. Es ist wahnsinnig fesselnd und lässt mich die Umgebung fast völlig vergessen. Ich kann es kaum erwarten, am Nachmittag weiter zu hören. Der Spagat zwischen Liebesgeschichte (der Sex ist sehr gut beschrieben) und historischem Abenteuerroman (die Kampfszenen und Intrigen auch) ist wirklich gut gelungen. Ich als Mann kann dieses Buch wirklich empfehlen!

10.03.2015 17:20:53
Shiloh

Endlich mal ein Wikinger Roman, der diese Kultur in ihrer ganzen Vielschichtigkeit zeigt und nicht nur am Klischee des Wikingers als brutaler Räuber und Vergewaltiger hängt, der mit Vorliebe über ganze Nonnenklöster herfällt. Zwar gehörten auch Raubzüge und Plünderungen zum Leben eines Wikingers, aber die Mehrzahl waren Händler, Bauern und Entdecker. Die Autorin hat die Lebens- und Wohnumstände der Wikinger im 9. Jh. sehr gut getroffen. In den wikingischen Langhäusern (die im Wikinger Museum in Haithabu (Schleswig)und im Steinzeitdorf im schleswig-holsteinischen Albersdorf besichtigt werden können, lebten zum Teil mehrere Familien. Die Betten bestanden aus Bänken an den Längsseiten der Landhäuser. Von Privatsphäre der Eheleute konnte keine Rede sein. Lediglich der Hausherr hatte die Möglichkeit, seine Lagerstatt mit einem Vorhang vor neugierigen Blicken zu verstecken. Für falsche Scham war da wenig Platz.

Neben den Ehefrauen lebten in den Häusern auch die Nebenfrauen des Hausherrn, die entweder auf Kriegszügen erbeutet oder als Sklavinnen gekauft wurden. Während die Hausherrin aufgrund der häufigen Abwesenheiten der Männer große Entscheidungsfreiheit und Selbstständigkeit und die damit verbundene Verantwortung für Frauen, Kinder und Hörige innehatten, konnten die Nebenfrauen nur hoffen, auf gütige Herren und nicht zu eifersüchtige Ehefrauen zu treffen und nach der Geburt von Kindern die Freiheit zu erhalten. Die Autorin deutet in ihrem Buch Eifersüchteleien zwischen den Frauen an. Angesichts der hohen Kindersterblichkeit und dem für alle Frauen lebensgefährlichen Geburtsvorgang war die Frage der Eifersucht wohl eher nachrangig und fällt unter die dichterische Freiheit der Autorin.

Freie Frauen konnten ihre Männer verlassen, mussten aber ihre Kinder zurücklassen, auch Ehefrauen konnten sich unter Zurücklassung der Kinder von ihren Männern lossagen, wenn diese ihre Obliegenheiten nicht erfüllten. Hier gehörte, die wirtschaftliche Grundlage für das Überleben der Familie und aller Kinder zu schaffen und ihre Familien zu beschützen. Erfolgreicher Überfälle aus schutzlose Frauen und Kinder und deren Entführung waren ein sicherer Grund für schwere Fehden unter den Sippen. Aus solchen Vergewaltigungen resultierende Kinder wurden von den betroffenen Männern wie eigene Kinder aufgezogen, hatte er doch seine erste und vornehmste Pflicht verletzt.

Einmal jährlich treffen sich alle freien Männer zum Thing, in dem politische Entscheidungen getroffen werden, Streitigkeiten geschlichtet und Ehebande geknüpft werden, wobei hier die Liebe unter den herrschen Familien (den Jarls) keine Rolle spielt. In Zeiten der Blutrache und der Despotien in anderen Ländern Europas war diese Regierungsform bemerkenswert liberal.

In einer Zeit in der die durchschnittliche Lebenserwartung bei 35 bis 40 Jahren lag (bei Frauen wegen der Geburten noch niedriger) wurden Ehen und eheänliche Verhältnisse früh geschlossen. So begegnen sich auf dem Thingfest der siebzehnjährige Havenar und die dreijahre jüngere Frygdis, die sich auf Anhieb sympathisch sind. Allerdings sind ihre Väter gegen diese Verbindung, da sie unterschiedlichen Fraktionen angehören. Frygdis wird mit Olof Thorolsson, dem Sohn eines Jarls verheiratet. Havenar lehnt eine Eheschließung ab. Frygdis Ehe ist unglücklich, weil ihr Mann kaum zeugungsfähig ist und seiner jungen Ehefrau gleichgültig gegenübersteht. Weder Havenar noch Frygdis können einander vergessen und begehen Ehebruch, eine Tat, die mit dem Tode bestraft werden kann. Havenar tröstet sich über Frygdis Verlust mit einem ganzen Harem von von ihm freigelassenen Gefangenen, die ihm viele Söhne schenken. Als Frygdis von plündernen Norwegern entführt wird, gelingt es Havenar sie zu befreien. Er bringt e sich nicht über sicht, seine Geliebte aus einer feindlichen Sippe als Geisel zum Sitz seines Vater zu bringen und die beiden erleben eine Zeit voller Liebe. Doch ihr Zusammensein gefährdet den brüchigen Frieden zwischen ihren Sippen und Frydis will Havenar und die seinen nicht in Gefahr bringen. Nach der Rückkehr auf den Hof ihres Ehemannes sagt sie sich von ihm los und verlässt ihn mit ihrer gemeinsamen Tochter. Unter dem Schutz von Havenar lebt sie allein und abgeschieden in einem sicheren Versteck, von Zeit zu Zeit besucht von Havenar, den sie inzwischen vor den Göttern zum Mann genommen hat und ihrer Tochter mit Olof und den gemeinsamen Kindern.

Doch der Frieden zwischen zwei verfeindeten Königen hält nicht lange an. Und auch Havenars Heimat Gammelby (das gibt's heute noch) wird mehr fach überfallen und Havenar, sein Vater und sein 11 jähriger Sohn kommen gerade so eben mit dem Leben davon. Mit dem selbstbewußten, aber liebenswürdigen Havenar geht wegen der verlorenen Sicherheit eine schwerwiegende Veränderung durch und er zieht in den Krieg.

Die Handlung des Romans erstreckt sich über mehrere Jahrzehnte. Bis hier her war sich mit dem Buch überaus zufrieden. Gelegentlich Längen kann die Leserin / der Leser gut überbrücken.Die Liebesgeschichte und die historischen Hintergründe hat die Autorin sauber ausgearbeitet. Auch die Kampfszenen, gemeinhin nicht die Stärke weiblicher Autoren sind überdurchschnittlich gut gelungen Aber die Streitigkeiten, die wechselnden Bündnisse und Angriffe von eigentlichen befreundeten Sippen, machen es dem Leser schwer, der Handlung der Rahmengeschichte zu folgen. Vielleicht hätte das aber auch den Rahmen des 750- Seiten- Romans gesprengt. Spannend und empfehlenswert.

16.12.2013 10:40:20
isabelle

Ich wußte nicht, was ich mit dem Roman anfangen soll. Es muß gesagt werden, er ist handwerklich sehr gut (auch wenn hie und da die Sprachspielerei mit der Autorin durchgeht), spannend, komplex und sehr unterhaltsam. Allerdings verstehe ich nicht, was die "Götterebene" soll, die man ersatzlos streichen hätte können und auch nicht, warum die Autorin Dinge dazuerfunden hat (zb die Namen).

Aber am allerwenigsten verstehe ich die Situation mit Havenars vielen Frauen. Mir ist klar, daß Monogamie an diesem Ort/zu dieser Zeit für Männer dieser sozialen Stellung nicht realistisch ist. Ich bewundere die Autorin, daß sie sich tatsächlich an dieses Minenfeld herantraut, und daß sie auch mutig genug ist, Havenar in de-facto-Vergewaltigungen zu zeigen (Frygdis am Anfang, Gerlind). Es ist lobenswert, daß sie sich um historische Genauigkeit bemüht. Aber die Art wie sie es umsetzt... streckenweise kommt mir vor, als ob sie eine imaginäre Hippie-Kommune beschriebe anstatt das Leben auf einem altnordischen Bauernhof. Und Havenars Schwangerschaftsfetisch wird mit der Zeit nervtötend. Leider gelingt es ihr auch nicht, die Kinder wirklich realistisch zu charakterisieren. Es gehört mithin zu den schwierigsten Herausforderungen für SchriftstellerInnen, überzeugend "kindliche" Kinder darzustellen. Frau Marcus ist leider damit gescheitert.

Trotzdem würde ich das Buch empfehlen, wenn man reine feel-good-Lektüre sucht. Und die Länge des Buches ist für schnelle LeserInnen wie mich ein Segen.

26.10.2013 14:24:17
Silky

Ein toller, flüssiger und gefühlvoller Schreibstil. Eine berührende Geschichte, mit Protagonisten die einem schnell ans Herz wachsen. Ein wunderbarer Roman, den man lesen sollte. Klar,es ist auch eine Liebesgeschichte, doch eine die nie aufgesetzt oder kitschig wird. Man braucht einige Seiten, um die Namen der Protagonisten kennenzulernen und sie den einzelnen Sippen zu zuordnen, doch durch das tolle Personenregister am Ende hat man das schnell im Griff. Wenn man sich dann auf die Geschichte einläßt, fängt das Kopfkino ganz von alleine an. Ich habe diesen Roman mit Hingerissenheit gelesen, habe gelacht und geweint und war ein wenig traurig, die mir lieb gewonnenen Personen am Ende zu verlassen.
Vielen Dank für soviel gefühlte Lesefreude!!!