Der Rabe und die Göttin

Erschienen: Januar 2012

Bibliographische Angaben

  • Goldmann, 2012, Titel: 'Der Rabe und die Göttin', Originalausgabe

Couch-Wertung:

94
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Rita Dell'Agnese
Guter Einblick in das Leben der Wikinger

Rezension von Rita Dell'Agnese Jan 2012

Kurzgefasst:

Ende des 9. Jahrhunderts: Der Wikinger Rodegang will für seine 16-jährige Tochter Frygdis einen Mann finden. Aber Frygdis hat ihr Herz schon verloren - an den stolzen Havenar, Sohn eines mächtigen Stammesfürsten. Doch Havenars Vater ist gegen die Verbindung. Und so wird Frygdis mit einem anderen Mann vermählt. Jahre später begegnen sich Havenar und Frygdis inmitten der Machtkämpfe um das dänische Königtum wieder, in dem ihre Sippen auf unterschiedlichen Seiten stehen. Sie wagen ein leidenschaftliches heimliches Glück, das sie jedoch in höchste Gefahr bringt...

 

Ausgerechnet in Frygdis musste sich Heißsporn Havenar verlieben. Die Tochter des wohlhabenden Händlers Rodegang ist aber nicht für den Sohn des bedeutenden Jarls Hademut vorgesehen: Sie soll den verschlagenen Olof heiraten. Havenar betäubt seine Enttäuschung mit verwegenen Seereisen und erwirbt sich den Ruf, ein Liebling der Götter und dadurch nahezu unverwundbar zu sein. Als sich Havenar und Frygdis erneut begegnen, kochen die Gefühle hoch. Die beiden können sich der gegenseitigen Anziehungskraft nicht entziehen, was ihre verfeindeten Sippen zusätzlich gegeneinander aufbringt. Für Havenar und Frygdis beginnt eine harte Zeit. Denn nicht nur die Jarle und ihre Sippen sind ins zahlreiche Konflikte verwickelt, auch die beiden Könige, die sich um die Vorherrschaft im dänischen Reich streiten, sind für blutige Auseinandersetzungen verantwortlich.

Das Leben in den Siedlungen

Die Autorin Martha Sophie Marcus hat sich mit ihrem im 9. Jahrhundert angesiedelten Roman kein einfaches Thema ausgesucht. Sie kann sich nicht nur auf die eigentliche Handlung beschränken sondern muss mit großem Feingefühl in die Lebensweise der Wikinger-Sippen einführen, um die Handlungsweise der Protagonisten verständlich zu machen. Dies gelingt ihr letztlich ausgezeichnet, auch wenn gerade Havenar für heutige Begriffe nicht über jeden Zweifel erhaben ist. Der Sohn des mächtigen Hademut steht plötzlich vor der Aufgabe, nicht mehr als mutiger Krieger und geschickter Handelsmann in See stechen zu können, sondern vor der Verpflichtung steht, die Versorgung und Sicherheit seiner Sippe zu garantieren. Dabei stehen ihm zwar seine halbwüchsigen Söhne zur Seite, doch fehlt ihnen der Weitblick eines souveränen Jarls. Für die Sippe brechen schwere Zeiten an.

Pendeln zwischen hart und weich

Martha Sophie Marcus spielt mit den Emotionen ihres Publikums. Sie pendelt mit ihrer Saga zwischen harten und weichen Momenten, lässt Kriegsschauer ebenso zu wie Menschlichkeit. Dadurch gewinnt der Roman eine unwiderstehliche Tiefe: Zwar ist die Liebesgeschichte zwischen Frygdis und Havenar von zentraler Bedeutung, doch ist sie nicht die eigentliche Basis der Geschichte. Denn diese liegt wesentlich tiefer verwurzelt - im Umgang der Menschen miteinander. Menschen, die sich über Jahrzehnte an klar umrissene gesellschaftliche Normen gehalten haben, die sich plötzlich im Nichts auflösen. Diese Situation kommt im Roman sehr gut zum Ausdruck, ebenso, wie die Menschen ohne ihre Normen zu Willkür und Gewalt neigen.

Liebenswürdige Protagonisten

Der Liebling der Göttin, Havenar, wird zu Beginn der Saga als ungestümer junger Mann geschildert, der an seiner verbotenen Liebe zu Frygdis zwar wächst, aber auch beinahe an ihr zerbricht. Dadurch bekommt der frauenverschlingende Berserker eine durch und durch menschliche Komponente, die ihn zu einem Helden mit Ecken und Kanten macht. Ebenso Frygdis, die auf den ersten Blick eine verwöhnte und naive Händlerstochter gibt, sich dann aber als kluge und gebildete Frau herausstellt, die auch in schwierigen Situationen zumeist einen kühlen Kopf bewahrt. So mag man dem Paar seine Liebe gönnen, selbst wenn man eigentlich kein Freund von innigen Gefühlen ist.

Ausgereifter Roman

Martha Sophie Marcus legt mit der Wikinger-Saga Der Rabe und die Göttin einen absolut gelungenen historischen Roman vor, der durch eine klare Sprache, eine humorvolle Note und eine feinfühlige Dramaturgie besticht. Man würde sich mehr solche Romane wünschen, die sich klar von der breiten Masse abheben. Einzig die Einbindung der Götter in die Saga ist eine zwar nette Idee, für den Roman aber weder von entscheidender Bedeutung noch ein bereicherndes Detail. Angesichts der über 700 Seiten, die der Roman umfasst, hätte man auf diesen Part problemlos verzichten können.

Einen echten Service bieten die Übersichtskarte, das Glossar, das Nachwort und das umfangreiche Personenregister mit Stammbaumzeichnung, das die Zuordnung der einzelnen Protagonisten erleichtert.

Der Rabe und die Göttin

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