Sire, ich eile

Erschienen: Januar 2012

Bibliographische Angaben

  • Rowohlt, 2012, Titel: 'Sire, ich eile', Originalausgabe

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Carsten Jaehner
Vom Gipfeltreffen zweier großer Köpfe

Buch-Rezension von Carsten Jaehner Jan 2012

Kurzgefasst:

Enttäuscht vom Desinteresse des Versailler Hofes, erschüttert vom Tod seiner geliebte Émilie du Châtelet, gibt Voltaire 1750 dem Drängen des Königs von Preußen nach: der 56jährige geht an den Hof des um achtzehn Jahre jüngeren Friedrich. Friedrich verspricht sich von Voltaires Aufenthalt in Potsdam und Berlin nicht nur die Mehrung seines Ruhmes. Er hofft auf einen geistvollen Gesprächspartner - und auf einen Korrektor seiner eigenen poetischen und philosophischen Schriften. Bald erweist sich, daß Voltaire und Friedrich nach Temperament und Lebensgewohnheiten unverträglich sind. Es kommt zum Bruch.

 

Der große französische Dichter lernt 1733 Émilie du Châtelet kennen. Sie werden ein Liebespaar, was kein Problem ist, da Émilie mit dem Marquis du Châtelet verheiratet ist. Voltaire, wegen seiner Schriften stets auf der Flucht vor beleidigten Persönlichkeiten, zieht in das Schloß Cirey-sur-Blaise, das der Familie du Châtelet gehört und kann von dort gut schalten und walten, und nur er und Émilie wissen von seiner Anwesenheit. Er verbreitet weiter seine Schriften und ab 1736 bemüht sich Kronprinz Friedrich von Preußen um Kontakt zu ihm.

Fortan tauschen die beiden Schriften aus, Friedrich schickt ihm immer wieder Texte zur Korrektur und fragt Voltaire um dessen ehrliche Meinung. Dies setzt sich auch ab 1740 fort, als Friedrich II. den preußischen Thron besteigt und fortan versucht, den französischen Dichter an seinen Hof zu bekommen. Als der schließlich kommt, merken beide, dass es wohl doch einfacher ist, brieflich miteinander zu kommunizieren, als persönlich.

Sparsamer Stil

In seinem gewohnt sparsamen Stil hat Hans Joachim Schädlich sich des berühmten Preußenkönigs Friedrich II. und Voltaire angenommen, und die Beziehung der beiden zueinander zu beschreiben und zu beleuchten. Nur 144 Seiten zählt seine spärlich bedruckte Novelle, die auf unnötige ausschmückende Schnörkel verzichtet und so des Lesers Fantasie fordert und voraussetzt. Und wie man schnell feststelle: Es funktioniert.

Schädlich beginnt in der Beschreibung der Beziehung zwischen dem Dichter und dem König zu dem Zeitpunkt, als der König ihn um sein komplettes Werk bittet, von dem er sehr beeindruckt sei, wenn er hin denn schon nicht selbst haben könne. Da steckt Voltaire schon mitten in der Beziehung mit Émilie, deren Kennenlernen Schädlich an den Beginn der Novelle gesetzt hat, da auch sie eine große Rolle in Voltaires Leben gespielt hat. So ist "Sire, ich eile" eigentlich ein Roman um drei Personen. Die Charakterisierungen der Personen ergeben sich dabei durch ihr Handeln, nicht durch Beschreibungen.

Trotz seines knappen und wertfreien Erzählstils lernt der Leser doch einiges über die Zeit. Sei es über die geographischen Verhältnisse mit seinen Kleinstaaten und deren unterschiedlichen Gesetzen, sei es über das Leben mit Ehegatten und Geliebten oder auch einfach über Geld und den Umgang mit demselben. Den Leser erwartet in jedem Fall ein trotz seiner Kürze unterhaltsamer Roman, lehrreich und gespickt mit zahlreichen Zitaten und Anekdoten, aus denen sich schließlich die Geschichte zusammen setzt.

Viel unterhaltsames Wissen auf wenigen Seiten

Wer mehr über das Verhältnis zwischen Voltaire und Friedrich, und vor allem über das Ende ihrer Beziehung erfahren will, der tut sich mit diesem kleinen Band sicher etwas gutes. Gerade das Ende ist sehr interessant, wurde Voltaire doch festgesetzt und um Herausgabe von Eigentum des Königs gebeten, ohne das ein Weiterreisen nicht gestattet war. Heutzutage eine Sache kurzer Wege, damals eine Sache, die sich über mehrere Monate zog und somit aus heutiger Sicht mit einer gehörigen Portion Kopfschütteln kommentiert werden kann, denn man kann es nur noch schwerlich vorstellen, dass so etwas damals so passieren konnte. Andere Zeiten, andere Tempi.

Zur Ausstattung der Novelle, immerhin durch ein Hardcover mit Lesebändchen geadelt, gehören noch einige Quellenangaben, derer sich Schädlich bedient hat und die dafür sorgen, dass man durch die vielen Zitate ganz nah dran ist am Geschehen. So sparsam wie der Inhalt ist letztlich auch das Cover des Büchleins - schlicht und nicht übertrieben, aber zweckmäßig. Hans Joachim Schädlich ist eine eindrucksvolle, vergnügliche Lektüre gelungen, der man sich gerne widmet, die auch gerne hätte länger sein dürfen. So aber muss der Leser mit dem vorlieb nehmen, was er hat, das aber lohnt sich in jedem Fall. Empfehlens- und lesenswert.

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