In Deinem schönen Leibe

Erschienen: Januar 2011

Bibliographische Angaben

  • kbv, 2011, Titel: 'In Deinem schönen Leibe', Originalausgabe

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Jörg Kijanski
Jagd auf den Eingeweidejäger

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Jan 2012

Hamburg, Oktober 1938. Kommissar Berger möchte sich mit seiner Familie einen netten Abend machen, als ihn sein Kollege Fehlandt zu einem neuen Fall ruft. Die siebenjährige Anna Altmann wird vermisst, nachdem sie aus der Schule nicht nach Hause gekommen ist. An sich zunächst nichts besonderes, doch Anna war gar nicht in der Schule, was die Polizisten alarmiert. Eine schnelle Radiomeldung soll bei der Suche helfen, aber konkrete Hinweise bleiben aus. Eifrig ermitteln die Beamten Annas Umfeld und versuchen anhand der wenigen, dürftigen Zeugenaussagen ihren letzten Schultag zu rekonstruieren.

 

"Ich habe das alles selbst zu verantworten, und das habe ich den Herren von der Gestapo auch so gesagt."

"Du hast mich gedeckt!"

"Ich habe niemanden gedeckt. Ich habe gesagt, dass ich alles zu verantworten habe. Und das stimmt ja auch. Aber damit waren sie nicht zufrieden. Und sie haben immer weiter gefragt. Und am Ende habe ich nur noch das gesagt, was sie hören wollten. - Aber das wollten sie dann auch nicht mehr hören, weil es zu viele Widersprüche gab."

 

Bei den weiteren Ermittlungen stellen Berger und Fehlandt fest, dass in den letzten Jahren und Jahrzehnten immer wieder kleine Kinder in Hamburg und Umgebung verschwanden. Sollte ein Serienmörder sein Unwesen treiben? Dazu passen mehrere Schreiben, in denen ein anonymer Verfasser morbider Gedichte seine Gewaltfantasien ausdrückt. Schnell ist die Rede vom "Eingeweidejäger" während der Polizei weiter die Zeit davon läuft. Und auch privat läuft es für Berger nicht gut, denn die Übergriffe der Nationalsozialisten gegenüber Juden werden immer offener ausgetragen. Insbesondere Susanne, Bergers jüdische Stieftochter, ist zunehmend gefährdet …

Verbrecherjagd und Zeithistorie in einem gelungenen Mix

Mit In Deinem schönen Leibe hat Jürgen Ehlers in der Kommissar-Berger-Reihe einen packenden Serienmörderthriller vorgelegt. Rund zwei Drittel des Plots beziehen sich auf die Ermittlungen, die übrige Handlung widmet sich dem Familienleben Bergers anhand dessen die politische Lage im Reich exemplarisch dargestellt wird. Susannes leiblicher Vater ist Jude und lebt in Amerika. Zunehmend verzweifelt müssen Berger und seine Frau erkennen, dass es für Juden in Deutschland immer gefährlicher wird und so versuchen beide auf ihre Weise, ein Visum für Susanne zu erhalten. Im Fall von Berger bedeutet dies, dass er sich in die Hände des Hamburger Gauleiters begibt, der für seine Hilfe selbstredend eine Gegenleistung erwartet.

 

"Alles Personal kann eingesetzt werden. Die SA, die SS – alles, was Sie brauchen, das steht zu Ihrer Verfügung. Und wenn Sie einen Verdächtigen haben, und Ihnen fehlen vielleicht die Mittel, ihn zu einer Aussage zu bringen, dann greifen Sie auf die Spezialisten der Gestapo zurück. Die haben bisher noch jeden zum Reden gebracht."

"Ich denke, dass wir den Fall mit traditionellen Mitteln lösen können."

 

Berger selbst ist kein Nazi, sondern einer der "Guten", wenngleich er aufgrund der neuen Gesetzeslage zwangsweise in die Partei eintreten musste und somit de facto der SS angehört. Da erweist es sich als äußerst problematisch, dass ausgerechnet die ohnehin schon gefährdete Tochter einen heimlichen Freund hat, der in Spanien gegen die Deutschen kämpfte.

Weitere historische Bezüge ergeben sich aus der Sudetenkrise sowie den offiziell forcierten Übergriffen auf jüdische Geschäfte. Auch der bekannte Fall der kleinen Fehse-Kinder, die 1926 in Breslau brutal ermordet wurden, erhält einen gewissen Umfang, da auf diesem Weg der legendäre Kommissar Ernst Gennat (siehe Der Kommissar vom Alexanderplatz von Regina Stürickow) in die Handlung eingeführt wird. Der Fehse-Fall war allerdings einer der wenigen Fälle, wo er nicht helfen konnte.

 

"Ich nehme mir die Frau Altmann noch einmal vor. Aber vorher rufe ich noch bei Gennat an. Die Sache mit dem Brief aus Berlin. Seine Leute sollen da noch mal nachfassen."

"Gennat", sagte Fehlandt. "Warum rufst du nicht gleich bei Himmler an?"

"Ganz einfach: Weil ich Gennat kenne und zu ihm Vertrauen habe. Und Himmler kenne ich nicht persönlich, und Vertrauen habe ich auch nicht zu ihm."

"Ach ja, richtig. Ich hatte vergessen, dass du Freunde unter den Göttern hast!"

 

In Deinem schönen Leibe ist ein gelungener Mix aus Verbrecherjagd und exemplarischer Darstellung der Lebenssituation der Juden in Deutschland. Die Figurenbildung ist zudem recht ausgeprägt und abwechslungsreich, zudem nur selten klischeehaft (wie im Fall des Gauleiters, aber da muss es vielleicht so sein). Welche Teile des Romans auf historischen Tatsachen basieren und wo der Autor sich gewisse Freiheiten herausgenommen hat, erklärt ein fünfseitiges Nachwort mit zahlreichen Quellenangaben.

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