Der Traum des Kelten

Erschienen: Januar 2011

Bibliographische Angaben

  • Suhrkamp, 2010, Titel: 'El sueño del celta', Originalausgabe

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Almut Oetjen
Auffassungen von Zivilisation

Buch-Rezension von Almut Oetjen Dez 2011

Kurzgefasst:

Gequält von Mückenstichen, Schlafentzug und Verzweiflung sitzt Roger Casement 1916 in einer Gefängniszelle im Londoner Pentonville Prison und wartet auf seine Hinrichtung. Der einstige Held ist zum Geächteten geworden. Nun erinnert sich Casement an sein Leben als Diplomat und Abenteurer, der sich dem Kampf gegen die grausamen Kolonialherren im Kongo und Amazonas gewidmet hatte. Gegen die Habgier, Brutalität und Unersättlichkeit, die die Eroberer gegenüber den Eingeborenen walten ließen.

 

Der irische Diplomat Roger Casement, ein Anhänger des Kolonialismus, will Zivilisation und Fortschritt zur Entfaltung verhelfen. Das britische Foreign Office beauftragt ihn, einen Bericht über die Situation der Einheimischen im Unabhängigen Staat Kongo, eigentlich Privateigentum des Königs Leopold II. von Belgien, zu erstellen. Casements 1903 durchgeführte Untersuchung hat den Kolonialismus, die wirtschaftliche Ausbeutung und die Grausamkeiten gegen die afrikanischen Stämme zum Thema. Die Belgier versklaven die Bevölkerung, zwingen sie zur kostenlosen Arbeit, erlegen ihnen Quoten zur Abgabe von Nahrungsmitteln auf, die sie nie erfüllen können. Sie bestrafen die Kongolesen, indem sie sie foltern, verstümmeln, ermorden, Frauen zur Schuldbegleichung in Bordelle verschleppen. Ein weiterer Auftrag führt Casement nach Peru. Dort müssen Indios unter Zwang und grausamer Behandlung für ein englisches Kautschukunternehmen arbeiten.

Während Casement in England mit einem Adelstitel und politischer Anerkennung gewürdigt wird und internationales Ansehen erlangt, entwickelt er eine neue Perspektive auf die Situation Irlands. Er wird zum irischen Patrioten und Freiheitskämpfer, arbeitet gegen die Unterdrückung Irlands durch die Briten, wird vor dem Osteraufstand 1916 in Dublin inhaftiert und drei Monate später in London hingerichtet.

Zurück zu den Wurzeln

Vargas Llosas Roman, der erste seit vier Jahren, schlägt einen Bogen zu seinen schriftstellerischen Wurzeln, die sich mit Diktatoren (Das Fest des Ziegenbocks, 2000), dem Kolonialismus und seinen Gewaltexzessen (Das grüne Haus, 1965) beschäftigen. Zugleich internationalisiert er den Wurzelwuchs, indem der Roman auf drei Kontinenten - Amerika, Afrika und Europa - spielt.

Der Traum des Kelten beginnt und endet im Londoner Gefängnis Pentonville. Vargas Llosa arbeitet mit zwei zeitlichen Ebenen, die kapitelweise wechseln zwischen Casements Vergangenheit und der Gegenwart im Gefängnis. Themen sind die Kindheit Casements und die drei erzählerischen Hauptstücke "Der Kongo", "Der Amazonas" und "Irland".

Ein faktenreicher Roman

Für die historische und politische Fundierung seines Romans hat Vargas Llosa erheblichen Aufwand betrieben. Die Danksagung gibt Aufschluss darüber, dass dem Buch nicht nur intensive Materialrecherchen zugrunde liegen, sondern auch eine Vielzahl Gespräche in verschiedenen Ländern. Dem entspricht dann auch der Reichtum an Fakten, der die Leser und Leserinnen gelegentlich zu dem Eindruck gelangen lassen dürfte, gerade ein Sachbuch vorliegen zu haben.

Hinzu kommen die oftmals didaktisch anmutenden Dialoge, die über die katholische Kirche und die Menschenrechte geführt werden. Einige biografische Details scheinen in Andeutungen auf, so die Homosexualität Casements. Die Tagebücher des Diplomaten enthalten Ausführungen über sexuelle Begegnungen, die seinerzeit einen Straftatbestand darstellten und die in Verbindung mit dem Vorwurf des Hochverrats zur Verschiebung Casements in das politische und soziale Abseits führte. Aber daran ist Vargas Llosa nicht weiter interessiert.

Worauf er abstellt, das ist eine Analyse gesellschaftlicher Verhältnisse, die zeigt, wie im Kolonialismus Menschen in den ausgebeuteten Ländern behandelt wurden, aber auch, wie diese Ausbeutung erst die Entwicklung der kolonialistischen Nationen zu den heutigen Industrienationen ermöglichte.

Was diesen Roman besonders interessant und lesenswert macht, ist der Weg, den Vargas Llosa beschreitet: Die faktenbasierte und subjektive Wahrnehmung historischer Zusammenhänge aus gegenwärtiger Perspektive macht Der Traum des Kelten zu einem Beitrag der Erinnerungskultur.

Der Traum des Kelten

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Letzte Kommentare:
05.03.2013 05:48:12
Harald Faisst

Im Nachwort zählt der Autor die besuchten Archive in Deutschland, Belgien, Peru, Irland, den USA und im Kongo auf. Der historische Hintergrund scheint sehr gut recherchiert zu sein.

Der Roman beginnt in der Todeszelle des Pentonville Prison. Roger Casement geht in sich, zieht seine persönliche Lebensbilanz und erkennt Irrtümer und Fehler. Die Kapitel beschreiben abwechselnd das innere Resümee des Roger Casement in der Gefängniszelle und seinen biographischen Werdegang im Kongo, Amazonien und Deutschland.

Mit viel Sympathie entwirft der Autor das Bild eines engagierten Menschen, der sich gegen jede Form der Unterdrückung einsetzt. .

http://buchundebook.blogspot.de/2013/03/eine-irische-biographie-der-traum-des.html

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