Die Hexen von Smyrna

Erschienen: Januar 2011

Bibliographische Angaben

  • Insel, 2002, Titel: 'The Witches of Smyrna', Originalausgabe

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Almut Oetjen
Starke Frauen in der Diaspora

Buch-Rezension von Almut Oetjen Dez 2011

Kurzgefasst:

Auf dem Dachboden ihres Elternhauses entdeckt Maria geheimnisvolle Papiere. Sie findet sie heraus, daß diese einst ihrer Tante Katina gehörten, und beginnt, die unbekannten Schriften zu entschlüsseln - noch ahnt die junge Griechin nicht, daß dies ihr Leben von Grund auf verändern wird...

Es ist das Jahr 1887: Katina kommt als Flüchtlingskind mit ihrer Mutter nach Smyrna. Hier wächst sie im Kreis von Frauen unterschiedlichster Kulturen auf. Griechinnen, Türkinnen, Jüdinnen, Engländerinnen, Französinnen - sie alle verbindet das geheime Wissen um die Magie, das seit Generationen von den Müttern an die Töchter weitergegeben wird. Und Katina, klug und mit einem unbändigen Drang nach Unabhängigkeit ausgestattet, weiß dieses Wissen geschickt für sich zu nutzen. Die Liebestränke und Zaubersprüche verfehlen ihre Wirkung nicht. Die Männer liegen ihr zu Füßen, während sie Schritt für Schritt deren Welt erobert und zur erfolgreichen, unabhängigen Geschäftsfrau und zur Grand Dame von Smyrna wird. Daß es dabei nicht immer mit rechten Dingen zugeht, versteht sich von selbst ...

 

Katina İzmirli kommt 1887 mit ihrer Mutter Eftelia und anderen Flüchtlingen nach Smyrna. Sie erlebt dort eine Welt, die nahezu ausschließlich von Frauen bestimmt wird, Frauen verschiedener nationaler Herkunft und unterschiedlichen religiösen Glaubens. So verschieden sie sind, haben sie doch eins gemeinsam: den Wunsch nach Unabhängigkeit. Das seit Generationen von Frau zu Frau tradierte geheime Wissen um Magie und Liebestränke lernt auch Katina. Sie nutzt ihre Kenntnisse, um in der Gesellschaft Smyrnas zu einer erfolgreichen Geschäftsfrau aufzusteigen.

Ägina, 1988. Eleni schenkt ihrer Tochter Maria eine kleine granatfarbene Truhe mit dem Nachlass von Marias Großtante Katina. Die Truhe hatte Katina 1922 während der Flucht aus Smyrna mit nach Griechenland gebracht. Sie enthält Rezepte und Tagebücher mit Maria unbekannten Symbolen. Zurück in Athen beschäftigt sich Maria mit den Unterlagen. So lernt sie auch das alte magische Wissen kennen, wodurch sich ihr Leben von Grund auf verändert.

Starke Frauenbilder

Die griechische Autorin Mara Meimaridi legt mit Die Hexen von Smyrna ihr Romandebüt vor. Das Original Oi magisses tis Smyrnis (Οι μαγισσες της Σμυρνης) ist bereits 2002 erschienen. Die Hexen aus dem Titel sind starke Frauenfiguren, die im Smyrna des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts ihr Leben innerhalb eines strengen gesellschaftlichen Korsetts selbst gestalten.

Das multikulturelle Smyrna, eine geheimnisvolle Stadt, unseren westlichen Wahrnehmungen heute nur auf rätselhafte Weise zugänglich, ist eine der Hauptfiguren des Romans. Meimaridi lässt eine Vergangenheit auferstehen, die voller Sinnlichkeit ist, orientalische Riten, intensive Begegnungen von Frauen aus verschiedenen religiösen und geographischen Sphären stehen im Zentrum der Beschreibung. Die Autorin erzeugt unterschwellige Kommunikationen, in denen es um universelle Gefühle geht, um Neid, Lebenslust, Hass, Erotik, um Rivalitäten. Wiederholt beschreibt Meimaridi die Frauen als nur vermeintlich in patriarchalische Strukturen eingebunden. Tatsächlich können sie diese beinahe nach Belieben außer Kraft setzen. Sie wenden ihre magischen Rituale an, die Zauberei sind oder auch nicht, und sie treffen sich an Frauenorten in Smyrna. So erfahren wir viel darüber, wie die zeitgenössische Ernährung aussah und welche Grundstoffe zu Mitteln der Schönheitspflege, welche Liebeszauber zur Betörung von Männern verwendet wurden.

Der Roman hat drei Erzählstimmen: die Ich-Erzählerinnen Maria und - in ihren Tagebüchern - Katina sowie Maria als Erzählerin in der dritten Person, die Tagebuchinhalte Katinas wiedergibt. Die rund hundert Jahre zurückliegende Vergangenheit Eftelias und Katinas nimmt rund vier Fünftel des Buchumfangs ein. Der Roman mutet gelegentlich wie ein Reisebericht in eine Vergangenheit an, in der Sinnlichkeit einen größeren Stellenwert hatte als es heute der Fall ist. Da passen die schlimmen Ereignisse wie der Griechisch-Türkische Krieg von 1919-1922 nicht wirklich hinein.

Episodische Geschichte zweier Generationen

Obwohl die Geschichte zweier Generationen (Eftelia und Katina) erzählt wird, die auf die beiden folgenden Generationen (Eleni und Maria) wirkt, erzählt Meimaridi nicht episch. Vielmehr trägt sie ihre Geschichte, besser: ihre Geschichten, episodisch vor, mit reichlich Zwischenüberschriften. Es gibt nicht nur die Wechsel in der Erzählperspektive, sondern auch Zeitsprünge, so von 1908 nach 1873 und von da nach 1909. Gelegentlich bringt Maria sich als Erzählerin in der dritten Person während der Smyrna-Erzählung mit Hinweisen in das Lesergedächtnis ("Katina merkte in ihren Aufzeichnungen an"). Gegen Ende der Wiedergabe durch Maria erfolgt ein sehr abrupter, inhaltlich und in den Satzzeichen übergangsloser Wechsel von der dritten Erzählperson Marias zur Ich-Perspektive Katinas.

Meimaridi erzeugt eine bunt schillernde Welt mit einer Vielzahl von Figuren, Ethnien, Religionen. Die Geschichte dürfte vor allem Frauen gefallen, die gerne und viel gefühlige historische Romane lesen. Wem das Buch gefällt, der kann sich auf der Homepage der Autorin über eine Produktlinie zum Buch erkundigen und aus 13 Produkten auswählen.

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