Korsarenkurs

Erschienen: Januar 2011

Bibliographische Angaben

  • , 2011, Titel: 'Korsarenkurs', Originalausgabe

Couch-Wertung:

52
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Carsten Jaehner
Ein mäßig gelungener Helgoland-Roman

Buch-Rezension von Carsten Jaehner Dez 2011

Kurzgefasst:

Helgoland im Winter 1806/1807: Napoleon hat eine Kontinentalsperre verhängt und den Halundern stehen harte Zeiten bevor. Sie dürfen nicht wählerisch sein, um ihre Familien durchzubringen, deshalb haben Jab, Hinrich und Nummel bei Aubrey Deville, einem englischen Handelsfahrer, angeheuert. Unter ihrem bewunderten ´Käptn Düvel' gelingt es ihnen, eine französische Fregatte zu erobern. Der Jubel ist groß. Doch Deville lässt einen der ihren als Strandräuber und Mörder anklagen. Wütend weigern sich die Halunder, weiter für den Düvel zu segeln. Damit beginnen Devilles Probleme aber erst - denn wie soll er seine beiden angeschlagenen Schiffe sicher nach Hause bringen? Der Kurs führt direkt an der französischen Küste vorbei, wo der Graue Korsar auf fette Beute lauert. Deville bleibt nichts anderes übrig, als mit den Halundern einen Kontrakt zu schließen. Gemeinsam wagen sie das Unmögliche.

 

Helgoland, 1806. Der britische Kapitän und Handelsfahrer Aubrey Deville hat seine schwerste Schlacht hinter sich und konnte eine französische Fregatte erobern. Er wird gezwungen, bei Helgoland zu ankern, um sein Schiff und andere wieder auf Vordermann zu bringen. Dabei kommt es wegen des Winters zu ungeahnten Problemen, zudem ist er bei Inselbewohnern und vielen anderen, die auf Helgoland überwintern müssen, nicht unbedingt beliebt.

Währenddessen hat Napoleon eine Kontinentalsperre verhängt und Deville kann nicht ans Festland zurückkehren, ohne mit den Franzosen Probleme zu bekommen. Er segelt wieder los, und dieses Mal ist auch seine Cousine Rosalie mit an Bord, die dem Hochadel angehört und auf Helgoland nicht sicher ist. Als Aubrey auf ein anderes Schiff geht, um einen Streit zu schlichten, verschwindet sein Schiff, die LeSoleil, mit Rosalie an Bord, im Nebel, und wird nicht wiedergefunden.

Aubrey segelt mit seinen Schiffen in seine Heimatstadt Plymouth, wo er wegen seiner zahlreichen Schulden verhaftet wird und auch von seinem Bruder nicht freigekauft wird. Ein Unbekannter bietet ihm an, für die Beschaffung einiger Kisten auf dem Schiff Primrose seine Freilassung zu ermöglichen, und Aubrey willigt ein. Auf der Suche nach der LeSoleil gerät er nach Saint Malo auf die Insel Chevelac, hat aber inzwischen erfahren, dass seine Cousine tot sein soll. Zudem segelt in den französischen Gewässern der Graue Korsar, ein unerbittlicher Pirat. Doch Deville macht seinem Spitznamen "Teufel" wieder alle Ehre und macht sich auf die Jagd nach dem Korsaren.

Interessanter Handlungsort

Gefion Clausen lässt ihren historischen Helgoland-Roman Korsarenkurs zur Zeit Napoleons spielen und lässt den Leser viel Zeit auf See verbringen. Man lernt einiges über die Helgoländer, Halunder genannt, und deren Lebensweise und bekommt auch ungewohnte Einsichten in die Sichtweise auf die Geschichte um die Normandie und die Gewässer davor. Clausen verpackt dies in eine Geschichte um Schmuggel, Seefahrt, Entführung, Rache und ja, auch um Liebe.

Allerdings macht sie es dem Leser schwer, überhaupt einen Zugang zur Geschichte zu bekommen. Leider hat es der Verlag versäumt, auf dem Buchcover zu erwähnen, dass es sich um eine Fortsetzung des Romans "Verrat vor Helgoland" handelt, und die Autorin beginnt gleich mitten in der Handlung. Die Personen werden nicht vorgestellt, die wichtige Vorgeschichte wird nicht erwähnt sondern allenfalls angedeutet, und somit hadert man als Leser von der ersten Seite an mit dem Geschehen.

Schwerer Zugang

Das Gefüge der Seeleute untereinander, die Helgoländer und die Briten, ergibt sich erst allmählich nach seitenlanger Lektüre. Dass Aubrey Deville ein gefährlicher Kapitän ist, der auch "Teufel" oder "Düvel" genannt wird, wird dabei jedoch schnell klar, doch eigentlich nicht, warum. Erst im Laufe des Romans ahnt man, dass sein Ruf, der ihm oft vorauseilt, nicht unbegründet ist.

Das weitere Personal besteht in der Hauptsache aus Seeleuten, allen voran sein Freund Jab, der mit Aubreys entführten Cousine Rosalie liiert ist. Das ist zwar nicht standesgemäß, aber die Revolution ist vorbei, auch wenn das vielleicht noch nicht überall so angekommen ist. Auf der Insel Chevelac, wo Rosalies Onkel lebt, der sie wohl entführt hat, begegnet Aubrey dessen Mätresse Azénor, die einerseits zu einer Gegnerin von ihm wird, die sich aber auch nicht gänzlich unsympathisch sind. Sie ist ein biestiges Frauenzimmer, jung und überaus hübsch, und Aubrey muss sich sehr zusammenreissen, um er selbst zu bleiben. Da sei ein Medaillon besitzt, das Rosalie gehört hat, vermutet Aubrey, dass diese noch lebt, und er setzt alles daran, sie zu befreien.

Sprunghafte Erzählung

Auf 330 Seiten aus dem Mohland-Verlag zweifelt der Leser immer wieder zwischen Spannung und Kopfschütteln, denn die Autorin hat den einen oder anderen Gedankensprung, wo sie sich selber ein paar Ideen voraus ist und leider aber vergisst, die Gedankengänge den Leser nachvollziehen zu lassen. Das hinterlässt beim Leser das Gefühl, etwas überlesen zu haben oder vergessen zu haben, und das sind keine guten Vorraussetzungen für eine durchgehend packende Lektüre.

Zudem benutzt sie immer wieder zahlreiche nautische Begriffe, die Lesern, die nicht an der Küste oder auf Schiffen aufgewachsen sind, nicht verständlich sein können. "Die Fregatte brasste die Focksegel back" oder "...ehe der Wind schalte..." oder "hielten mit nahezu raumschotem Kurs auf die Küste zu" sind Sätze, die zwar zeigen, dass die Autorin etwas vom Fachjargon versteht, allerdings hat der Verlag es versäumt, dem Roman einen Glossar anzuhängen, der diese Begriffe erklärt und übersetzt. Schmerzlich vermisst wird aufgrund des hohen Personalaufkommens auch ein Personenverzeichnis, das einiges erleichtert hätte. Auch die ständige Titulierung der Franzosen als "Froschfresser" ist anfangs vielleicht originell, auf die Distanz hin aber uninspiriert, nervig und wenig einfallsreich.

Verworren und nicht immer verständlich

Auch hätte es dem Roman gutgetan, einige Absätze anders zu setzen und somit gelegentlich vorkommende Zeitsprünge besser zu markieren und vorzubereiten. Ein sorgfältigeres Lektorat hätte auch die Passage korrigiert, wo im Roman eine andere Schriftart und eine andere Schriftgröße auftauchen. Das sind nur zwei Zeilen, stört aber bei der Lektüre gewaltig.

Insgesamt kann der Roman lediglich durch seinen ungewöhnlichen Handlungsort und seine Historizität punkten. Die Handlung ist verworren und nicht immer zusammenhängend, die Sprache ist, wenngleich sonst verständlich, mit unerklärten Fachbegriffen durchsetzt und somit nur für ein nautisches Fachpublikum flüssig zu lesen. Zudem sollte man den ersten Teil Verrat vor Helgoland lesen, bevor man zu Korsarenkurs greift. Das Ende des Romans lässt vermuten, dass Aubrey Deville irgendwann ein weiteres Mal in See stechen wird. Bleibt zu hoffen, dass der Verlag dann die Vorraussetzung schafft, ihn für ein breiteres Publikum interessant zu machen.

 

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